Wie Kenia die Digitale Kluft überwindet Perspektiven eines Landes im Wandel

Von M-Pesa bis Ushahidi – immer mehr innovative Technologien entstehen in den Start-UpDer Begriff beschreibt ein neues und schnell wachsendes Unternehmen. Sie versuchen, einen Marktbedarf zu erfüllen und bieten ein innovatives Produkt, Prozess oder Service. Häufig nutzen Startup-Unternehmen das Internet, E-Commerce, Computer und Telekommunikation.s Nairobis. Doch erreicht der digitale Fortschritt die gesamte kenianische Bevölkerung? Prof. Martin Emmer (Freie Universität Berlin), Prof. Levi Obonyo (Daystar University, Nairobi) und Dr. Wilson Ugangu (Multimedia University of Kenya, Nairobi) geben Einblick, wie die ostafrikanische Republik versucht, den Digital DivideDer Begriff beschreibt Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozioökonomischen Faktoren. Er bezieht sich sowohl auf regionale, nationale als auch internationale Unterschiede. zu überwinden.

Prof. Levi Obonyo erläutert, wie Kenia den Digital DivideDer Begriff beschreibt Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozioökonomischen Faktoren. Er bezieht sich sowohl auf regionale, nationale als auch internationale Unterschiede. überwinden kann.

„Mit dem digitalen Fortschritt, wie ihn Europa bereits erreicht hat, können wir in Kenia niemals mithalten. Manche Entwicklungsländer haben uns was die Infrastruktur angeht längst überholt“, so Professor Levi Obonyo.

Obonyo, erst Journalist, nun Professor für Kommunikation und Medienwissenschaften an der Daystar University in Nairobi, und früherer Vorstand des Media Council von Kenia gibt ein erstes Bild vom digitalisierten Kenia. Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler zeigt zu Beginn des Panels auf, wie es um die digitale Kluft in der ostafrikanischen Republik bestellt ist. 45 Prozent des Landes sind an das Breitbandnetz angeschlossen, die Großstädte sind überwiegend mit 4G, dem Mobilfunkstandard der 4. Generation, versorgt. Dies spricht für den digitalen Fortschritt, den das EntwicklungslandAus eurozentristischer Perspektive (der sogenannten Industrieländer) ist ein Entwicklungsland ein Land, dessen mehrheitliche Bevölkerung - gemessen am eigenen Leben - in deutlich schlechteren sozialen wie wirtschaftlichen Verhältnissen lebt. Indikatoren sind unter anderem eine schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern, Hunger, eine mangelnde medizinische Versorgung, ein schlechter Zugang zu Bildung sowie eine niedrige Alphabetisierung. Ab wann ein Land als Entwicklungsland kategorisiert wird, hängt vom jeweilig gewählten Maßstab ab. inzwischen erreicht hat. Jedoch sei der Durchschnittskenianer laut Obonyo nur wenig an hochentwickelten Technologien interessiert. Ein Großteil der Bevölkerung nimmt an der voranschreitenden Digitalisierung kaum Teil. Es herrscht eine vergleichsweise hohe Analphabetenrate von etwa 20 Prozent und ländliche Gebiete sind nach wie vor nicht flächendeckend an das Breitbandnetz angeschlossen. Ein Mobilfunkvertrag ist für viele Kenianer mit monatlichen Kosten von etwa 750 Kenia-Schilling (umgerechnet knapp sieben Euro) schlichtweg zu teuer.

Dennoch erfährt das in Nairobi entwickelte Bezahlsystem M-Pesa einen wahren Boom: 84 Prozent des Landes sind laut Obonyo mit dem Bezahldienst abgedeckt und auch in ländlichen Regionen können Kenianer so ihre Bankgeschäfte erledigen. Wer nicht über einen M-Pesa-Zugang verfügt, vertraut einem Nachbarn oder Bekannten das Abwickeln von Geschäften an – für die deutschen Zuhörer im Saal nur schwer vorstellbar. Auf die Nachfrage, wie man ohne Bedenken jemandem viel Geld anvertrauen könnte, entgegnet Obonyo gelassen: „Wohin sollte er damit verschwinden?“ Eine erste Bildkorrektur: Kenianer bringen ihren Landsleuten in finanziellen Angelegenheiten großes Vertrauen entgegen.

Verantwortung der Journalisten

Um ihren Glauben an eine wohlwollende Politik ist es hingegen weniger gut bestellt. Im Land herrscht die Angst, die Regierung könnte rigoros gegen Aktivitäten in Social Media vorgehen und Zugriffe beschränken. Gerade deshalb kommt laut Dr. Wilson Ugangu, Dozent für Medienwissenschaften an der Multimedia University in Nairobi, den Journalisten eine bedeutende Rolle zu.

„Es ist nicht nur die Verantwortung der Journalisten herauszufinden, was die Politik vor uns versteckt. Sie müssen auch ein kollektives Bewusstsein schaffen. Journalisten sind in der Lage, die Realität der Menschen fernab der Hauptmedien darzustellen. Hier kommt ihnen die digitale Vernetzung sehr zugute. Dank der Digitalisierung sind Journalisten heute viel besser positioniert als jemals zuvor.“

Ugangu gibt Einblick in die Arbeitsweise kenianischer Journalisten. Er lehrt an der Multimedia University of Kenya und befasst sich unter anderem mit den Medien in Kenia und Afrika und deren Funktion in Demokratie und politischer Partizipation. Journalisten vernetzen sich in einer WhatsApp-Gruppe und tauschen Informationen aus – medien- und regionenübergreifend. Gerade für die deutschen Konferenzteilnehmer eine weitere Bildkorrektur, da dies im Berufsalltag deutscher Journalisten nicht denkbar wäre. Nicht nur diese digitale Vernetzung via Messenger ist ein gutes Beispiel dafür, wie Journalisten digitale Medien zugutekommen.

Möglichkeit der politischen Partizipation

Mit der digitalen Entwicklung in Subsahara-Afrika beschäftigt sich auch Prof. Martin Emmer, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Er untersucht die Entwicklung von Informationstechnologien und deren Funktion im Rahmen politischer Partizipation. Neben dem Mobile-Banking-System M-Pesa ist auch die Crowdsourcing-Plattform Ushahidi ein gutes Beispiel, wie gut interaktive Plattformen angenommen werden. Auf dieser interaktiven Website kann man in einer Karte Orte von Gewalt und Protest markieren.

„Die Grenzen zwischen Medien und Gesellschaft verschwimmen immer mehr. Gerade die Plattform Ushahidi stellt ein gutes Beispiel dar, wie Bürger sich dank neuer Technologien am politischen Diskurs beteiligen können.“

Dies sind nur wenige Beispiele für Kenias aufstrebende Internet-Start-UpDer Begriff beschreibt ein neues und schnell wachsendes Unternehmen. Sie versuchen, einen Marktbedarf zu erfüllen und bieten ein innovatives Produkt, Prozess oder Service. Häufig nutzen Startup-Unternehmen das Internet, E-Commerce, Computer und Telekommunikation.-Szene, die hilft, die Digitalisierung im Land voranzutreiben. Mit dem Aufkommen neuer Technologien wie M-Pesa oder Ushahidi entstand für die Hauptstadt Nairobi und deren Umland der Begriff „Silicon Savannah“, der auf den bedeutenden IT-Standort „Silicon Valley“ in Kalifornien Bezug nimmt.

Der Digital DivideDer Begriff beschreibt Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozioökonomischen Faktoren. Er bezieht sich sowohl auf regionale, nationale als auch internationale Unterschiede. ist real

Die Digitale Kluft in der kenianischen Gesellschaft lässt sich dennoch nicht leugnen, wie Obonyo auf den Punkt bringt: „Auch wenn Kenia durch die digitalen Dienste und Apps, die in den Tech-Hubs und Start-UpDer Begriff beschreibt ein neues und schnell wachsendes Unternehmen. Sie versuchen, einen Marktbedarf zu erfüllen und bieten ein innovatives Produkt, Prozess oder Service. Häufig nutzen Startup-Unternehmen das Internet, E-Commerce, Computer und Telekommunikation.s entstehen, bereits stark digitalisiert zu sein scheint, gibt das kein repräsentatives Bild unseres Landes.“Als einen Grund führt er große Unterschiede in der Medienkompetenz an, da die Analphabetenrate gerade in ländlichen Gebieten nach wie vor hoch ist. Deshalb möchte die Regierung frühzeitig ansetzen und die Digitalisierung auch an Schulen weiter voranbringen. Inwiefern Initiativen wie „One Laptop per Child“, das jedem Schulkind kostenlos einen Laptop zur Verfügung stellt, dazu beitragen, wird von den anwesenden Wissenschaftlern kritisch betrachtet. „Programme wie diese sind vorsichtig zu bewerten, da man die Bedürfnisse der Menschen vor Ort nicht außer Acht lassen darf“, so Emmer. In manchen Teilen Kenias fehlt es nach wie vor an grundlegenderen Dingen wie basaler Infrastruktur oder sanitären Anlagen. Diese Probleme wird ein Internetanschluss oder ein kostenlos zur Verfügung gestellter Laptop nicht lösen. So bleibt nicht nur die digitale Kluft eine zu meisternde Herausforderung für Kenia.

Rund 30 Zuhörer verfolgten das erste Kenia-Panel. Prof. Emmer (2.v.l.), Prof. Obonyo (Mitte) und Dr. Ugangu (2.v.r.) zeigen auf, wie digitalisiert Kenia tatsächlich ist. Sabrina Huther (l.) und Kilian Schrenk (r.) von der Universität Bamberg moderierten.

 

Weiterführende Informationen zur Digitalisierung in Kenia finden Sie hier:

Analphabetismus und Bildungsreform

Nach wie vor gilt Kenia als EntwicklungslandAus eurozentristischer Perspektive (der sogenannten Industrieländer) ist ein Entwicklungsland ein Land, dessen mehrheitliche Bevölkerung - gemessen am eigenen Leben - in deutlich schlechteren sozialen wie wirtschaftlichen Verhältnissen lebt. Indikatoren sind unter anderem eine schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern, Hunger, eine mangelnde medizinische Versorgung, ein schlechter Zugang zu Bildung sowie eine niedrige Alphabetisierung. Ab wann ein Land als Entwicklungsland kategorisiert wird, hängt vom jeweilig gewählten Maßstab ab.. Die Analphabetenrate beträgt derzeit ca. 20 Prozent, im Jahr 2015 konnten 74 Prozent der Frauen lesen und schreiben. Wie die Regierung das mit Bildungsreformen ändern will, lesen Sie hier.

Kenia im Spiegel der Medien

Hoch entwickelte Technologien einerseits und soziale Probleme eines Entwicklungslandes andererseits. Welches Bild von Kenia wird in den Medien vermittelt? Gibt es ein Bild, das es zu korrigieren gilt? Was vor allem ausländische Journalisten an der Berichterstattung über das ostafrikanische Land verbessern können, lesen Sie hier.

Modernes Bezahlsystem M-Pesa

Innovativ, einfach und mit jedem Endgerät nutzbar: Das mobile Bezahlsystem M-Pesa wurde in Nairobi entwickelt und gestaltet das Leben vieler Kenianer auch ohne Internetanschluss oder Smartphone deutlich leichter. Mehr dazu finden Sie hier.

Politische Partizipation mit Ushahidi

„Ushahidi“, was in Swahili „Zeuge“ bedeutet, ist die passende Bezeichnung für diese Webanwendung, die in der Zeit nach der Präsidentschaftswahl 2007 entstand. Die Wahl des Präsidenten Mwaki Kibaki war umstritten und es kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Regierung und Opposition. Dabei wurden über 1.500 Menschen getötet. „Ushahidi“ wurde in Nairobi vom gleichnamigen Softwareunternehmen ins Leben gerufen. Auf dieser Website werden in einer interaktiven Karte Orte der Gewalt gesammelt, die Augenzeugen via Mail und Textnachricht an die Betreiber senden.

One Laptop per Child

Die gemeinnützige Initiative „One Laptop per Child“ (kurz OLPC) aus Miami, Florida, hat zum Ziel, die Bildung für Kinder in Entwicklungsländern zu verbessern. Hierfür stellt sie Kindern technische Geräte wie Laptops oder Togglelets zur Verfügung, um ihnen den Zugang zur digitalisierten Welt zu ermöglichen. Oft stehen Initiativen wie diese in der Kritik, da es in Entwicklungsländern häufig weitaus wichtigere Grundbedürfnisse zu befriedigen gilt.