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Du bist, was Du isst – aber was Du trägst ist egal? Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie ist Nachhaltigkeit in der Textil- und Modebranche immer noch immer noch ein Randgruppenthema. 2016 haben Textilien im fairen Handel nur sechs Prozent des Umsatzes ausgemacht, Kaffee, Lebensmittel und Südfrüchte hingegen insgesamt 82 Prozent. Wie stehen die Teilnehmer*Innen der Bildkorrekturen 2017 zum Thema Fair Fahion? Inga Mohwinkel und Pia Schönfeld haben Einstellungen, Erwartungen und Bildkorrekturen eingefangen.

 

Brauch ich das? – Raus aus der Verbraucherfalle Von Viktoria Hausmann

Jede Frau kennt dieses Problem. Wir stehen vor einem Schrank voller Sachen und haben nichts anzuziehen. Immer! Kaum muss Frau zu einem bestimmten Anlass — sei es ein Date, die Hochzeit der besten Freundin oder eine wichtige mündliche Prüfung — findet sich einfach nicht das Richtige im Schrank. Das Outfit, das wir im Kopf haben, mit dem wir Eindruck machen wollen, fehlt. Es ist entweder alles gerade zu eng. Aus der Mode. Schon kaputt. Oder wir haben einfach dieses eine bestimmte Teil nicht! Dieses It-Piece, dass jetzt gerade alle haben!
Abhilfe ist schnell gefunden: Einfach zur Lieblingsmodekette oder gleich im Internet bestellen. Kostet ja fast nix! Und schon hat sie wieder zugeschnappt. Die Verbraucherfalle! Häufig merken wir das erst, wenn der Schrank so dermaßen überquillt, dass man ihn nicht mehr zukriegt. Dann heißt es ausmisten, aber auch das ist ein fest einkalkuliertes Manko der Modeindustrie. Wir spenden längst so viele Altkleider an Dritte Welt Länder, wie Uganda, dass sie dort teilweise ungenutzt auf Müllkippen enden und den lokalen Textilmarkt zerstören. Echte Fashion Crimes sind nämlich nicht Socken in Sandalen, sondern Ausbeutung und Umweltverschmutzung!

„20 Prozent aller neu produzierten Kleidungsstücke werden gar nicht verkauft, sondern sofort weggeworfen,“ erklärt Friederike von Wedel-Parlow. Sie war Professorin für den internationalen Studiengang „Sustainabilty and Fashion“ an der ESMOD in Berlin und hat das Beneficial Design Institute gegründet. Sie berät nachhaltige Modefirmen und ist Befürworterin des Cradle-to-Cradle-Prinzips – einer Produktionsform bei der Neues aus Altem recycelt wird. Das Ziel von Cradle-to-Cradle ist ein geschlossener Kreislauf aus wiederverwertbaren Nährstoffen. Dadurch soll Abfall praktisch auf Null reduziert werden. Noch gibt es jedoch wenig Nachhaltigkeit in der Modeindustrie. Sie ist die Industrie mit der zweitgrößten Umweltverschmutzung der Welt. Nur geschlagen von der Ölindustrie! Sie verschwendet Unmengen an Wasser um Kleidung herzustellen und veredelt Textilien mit Chemikalien, die zum Großteil in der EU verboten sind. Das kritisiert auch die Journalistin Carolin Wahnbaeck, die häufig über die Zustände in Textilfabriken berichtet: „H&M verbrennt haufenweise Kleidung mit kleinen Fehlern. Und zwar direkt in den Fabrikhöfen in Bangladesch. Da hängen sogar schon teilweise die Preisschilder dran. Sie wissen einfach, das wird nicht verkauft und zünden es deswegen an!“

Recycling? Upcycling? Nachhaltig Kleiden – Friederike von Wedel-Parlow (Dritte v. links) im Gespräch mit Martin Wittmann (Wittmann Textil-Recycling) und Julie Keiza (Kimuli Fashion) bei der Bildkorrekturen 2017 (© Bodo Tiedemann für Engagement Global)

Davon kriegt der Otto-Normalverbraucher allerdings nur wenig mit. Billigteile, die schnell out und ebenso schnell kaputt sind, wandern dann auch gleich in den Müll: „Viele sagen, das war so billig, das wasch ich nicht mal. Stattdessen werfen sie es nach einmal tragen weg,“ kritisiert von Wedel-Parlow: „Verbraucher müssen wieder verstehen, dass Kleidung einen echten Wert hat! Wir müssen zurück zu den Wurzeln. Noch vor zwei, drei Generationen haben die Menschen viele ihrer Kleidungsstücke selbst hergestellt. Sie ein Leben lang getragen und manchmal sogar an ihre Kinder weitergegeben.“

Die wichtigste Verbraucherregel ist also „Use what you have“. Am besten man trägt Kleidung, die man schon hat bis sie kaputt geht. Bei Lieblingsteilen gelingt das Vielen von uns auch, wenn sie schon löchrig und fusslig sind. Viele Modemagazine und Fashionblogger geben mittlerweile Tipps, wie man seine Lieblingsteile oder einfache Basics immer so kombinieren kann, dass es gar nicht groß auffällt, dass man sie ständig trägt. Andere wie die US-Fashionbloggerin Sheena zeigen anhand eines Kleidungsstücks —einer Art Alltags-Uniform — wie man seinen individuellen Stil prägt. Vorbilder sind erfolgreiche Unternehmer, wie Steve Jobs, Marc Zuckerberg und Vera Wang, die immer die gleichen Outfits tragen, weil man so unnötige Entscheidungen vermeidet und das Gehirn somit angeblich kreativer und effizienter arbeiten kann.
Ein ähnlicher Trend ist die sogenannte Capsule Wardrobe. Ein funktioneller, optimal kombinierbarer aber minimalistischer Kleider-Mix. Die französische Modedesignerin Justine Leconte gibt auf ihrem YouTube-Chanel tiefere in Einblicke in die Materie.

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Sehr sehenswert: Justine Lecontes Video über die Fast Fashion Trap (Quelle: YouTube Justine Leconte officiel, © Justine Leconte)

In einem reduzierten Kleiderschrank entsteht mehr Überblick. Man kann sich zum Beispiel eine Sommer- und eine Winterkapsel bauen und fünf Lieblingsjeans, drei Röcke und ein Dutzend Oberteile kombinieren, die man sowieso am liebsten trägt. Ungeliebte Sachen werden aussortiert, getauscht oder gespendet. Für Unterwäsche, Sportsachen oder Abendkleider kann man extra Kapseln bauen. Außerdem kann man sie beliebig mit Schuhen oder Accessoires ergänzen. Blogger und Stylisten aus den USA schwören auf eine Kapsel aus nur 37 Teilen.

Das sind gute Alternativen in einer Welt, die uns vorgaukelt, dass wir ständig neue Kleider brauchen. Soll man also mehr mit dem Kopf kaufen? Gut überlegen, was man braucht und nur etwas fair Produziertes nehmen? „Mode ist etwas sehr Emotionales,“ sagte Carolin Wahnbaeck: „Man kauft etwas, weil man es mag! Das Bauchgefühl der Leute muss überzeugt werden, weil sie nicht mit dem Kopf konsumieren.“ Wahnbaeck ist ein großer Fan von Tauschmärkten und qualitativ hochwertigen Sachen: „Ich habe auch Outfits von vor zehn Jahren, die ich wahnsinnig gerne trage. Die dreckigsten Kleidungstücke, die man hat, sind immer die Allerneusten! Da sind noch alle Chemikalien drin!“ Kleidertauschen sieht sie als gute Alternative zu Sales: „Es ist viel besser als neue Kleider zu kaufen. Je klassischer ein Kleidungsstück ist, umso länger wird es einem bleiben. Wer jedem Trend hinterherläuft, wird nie eine nachhaltige Garderobe haben.“

„Wir brauchen einen Fair Fashion H&M auf jeder Shopping-Meile!“ Carolin Wahnback (Rechts im Bild) ist für ein Umdenken der Verbraucher (© Bodo Tiedemann für Engagement Global)

Ein eigener Stil ist also besser, als jeden Trend mitzumachen! Schließlich steht nicht jedem alles! Menschen, die etwas rund sind, keine Taille haben oder ein anderes nicht genormtes Körpermerkmal, wie zu kurze Beine oder ein breites Kreuz, tun sich oft schwer in die typischen Trends zu passen. Die Massenware ist nämlich so geschnitten, dass sie vor allem an Models und Kleiderpuppen gut aussieht. Dieses Schnittmuster bleibt bei allen Größen gleich. Sie tut also nichts dafür individuellen Körpern zu schmeicheln. Ähnlich ist es mit dem Hautton. Nicht jedem stehen Pastell- oder Neonfarben. Im schlimmsten Fall sieht man durch die falsche Farbe alt oder unscheinbar aus, aber das ist nichts gegen die Folgen, die der ständige Modekaufrausch auf die Umwelt und die ausgebeuteten Arbeiterinnen hat. Man sollte sich also öfter fragen, ob man wirklich etwas Neues braucht! Der große Fashion Trend 2018 ist übrigens Ugly Chic. Rosa Crocs mit Plateausohlen und Glitzersteinchen? Da kann man getrost passen!

„Alle sollen wissen, was konkret von ihnen erwartet wird“

Das viel kritisierte Bündnis für nachhaltige Textilien hat große Pläne für das Jahr 2018. Ob es die von Bundesminister Gerd Müller ins Leben gerufene Initiative schaffen wird, weiter zu wachsen und den Markt zu verändern? Dr. Jürgen Janssen, Leiter des Bündnissekretariats, gibt sich im Interview positiv.

Im Sommer 2017  haben die Mitglieder erstmals Jahrespläne für verbindliche „Roadmaps“ erstellt. Haben Sie in diesem halben Jahr schon Verbesserungen gesehen?

Wir können noch nicht sagen, ob und was sich konkret verbessert hat. Wir gehen aber auf jeden Fall davon aus das sich etwas tut. Es sind insgesamt über 1500 Maßnahmen, die alle Mitglieder gemeinsam in die zusammengefassten Pläne reingeschrieben haben. Für den großen Tanker „Textilwirtschaft“ ist dies eine Richtungsänderung.

Viele Ihrer Mitglieder sind ausgetreten. Was sind die Gründe dafür?

In den letzten Monaten hatten wir auch einige neue Beitritte. Wir finden, es ist eine relativ normale Entwicklung, dass es bei einer völlig freiwilligen, ohne interne Regelungen funktionierenden Initiative, bei Steigerung des Anforderungsniveaus für die Mitglieder, eine Bereinigung gibt. Einige Mitglieder waren von anderen Anforderungen und Voraussetzungen ausgegangen. Diese hatten nicht geglaubt, dass das Textilbündnis tatsächlich Verpflichtungen einführen würde. Verpflichtungen sind nicht nur konkrete Maßnahmen, sondern insbesondere die geforderte Transparenz. Natürlich soll über die Ergebnisse berichtet werden. Für einige ehemaligen Mitglieder war dies ein Schritt, den sie noch nicht mitgehen wollen.

Wie wollen Sie für die Zukunft wieder mehr Mitglieder gewinnen?

Um die Mitgliederzahl zu steigern, muss Klarheit im Hinblick auf den Zeitraum 2018 bis 2020 geschaffen werden. Alle Mitglieder sollen wissen, was exakt von ihnen erwartet wird. In der Anfangsphase des Textilbündnisses war das noch nicht der Fall.Mit der Formulierung des Anforderungskatalogs ergibt sich für die Unternehmen Planungssicherheit. Dann wissen die Mitglieder worauf sie sich einlassen.

 Die NGOs haben sie bezüglich der Roadmaps kritisiert. Wie gehen Sie damit um?

Sehr proaktiv. Wir haben die erste Runde des Roadmap-Prozesses angeschoben als ein Element der Bündnisarbeit. Es ist die erste Runde und diese ist noch nicht hunderprozentig ausgereift. Das System, Ziele zu setzen, sie nachzuverfolgen und dann darüber zu berichten, ist völlig neu. Das gibt es so noch nirgends. Für den Roadmap-Prozess 2018 haben wir eine ganze Reihe von Veränderungen und Verbesserungen vorgenommen unter Beteiligung der NGOs. Diese schauen natürlich mit einem anderen Blick auf die Themen als Unternehmen. Aber auch die NGOs sind verpflichtet, eigene Roadmaps abzugeben. Sie sollen zeigen, wie sie ganz konkret die Ziele des Bündnisses verfolgen und unterstützen wollen. In diesem Bereich haben wir sehr viel Feedback von den NGOs bekommen. Diese sagten, dass die Formulierung der Ziele zum Teil nicht passt und geändert werden muss. An diesem Punkt stehen wir momentan.

 

„Ignore cheapness – save your money“ Interview with Ed van Hinte

The fashion industry is speeding up. Leading fashion retailers are producing up to 12 collections per year. Fast fashion is flooding the market. The cheaper the better. Ed van Hinte is a Dutch industrial designer and self confessed „consumption critic“. I talked to him about the problems of the fashion system, sustainable fashion concepts, and how to extend the lifespan of our clothes.

What do you think is the most urgent problem with our clothing regarding sustainability?
The whole fashion system is destructive, because of what it does to the environment, the enormous material flow, pricing pressure and low payment for those who do the work.
The most urgent problem is probably the speed of fashion. Fast fashion is cheap, so it maybe should be something even immaterial. An idea is, you go to a shop and dress up and take pictures of yourself and pay for that and then leave.

Without actually buying something?
You would pay because it would change your image. The clothes themselves would be much more expensive because you don’t have to buy them anymore.
The more obvious idea is that fast fashion is no longer made of textiles. We are all wearing clothes made out of fabric, but that could be different. We should make those kinds of clothes out of materials you can throw away with your newspaper, out of easy recyclable materials, that don’t take energy. The fashion industry has to focus on innovation and development. Yesterday, I mentioned the elastic paper material for instance. The paper is developed in the atmosphere of packaging. Clothing is also packaging.

Are there already clothes made out of paper or is that just an idea?
As far as I know there is a machine now, developed this year by GruppoX in Italy for the packaging industry. There are experiments with paper clothes and in 1967 Scotch produced paper dresses that you could buy for one dollar plus two soap coupons. The principle could be translated into fashion, but not as a one-time gimmick. It is good for industries to learn from each other and mix things up.

What do you think about recycling regarding our clothing?
Fast fashion items should be made out of material that can be recycled easily. Also, you can extend the lifespan of your clothes by wearing them longer. Maybe you can wear them for 15 to 20 years. I have clothes like this. These socks I am wearing are 15 or 20 years old. For this purpose, the clothes have to be such good quality that you can recycle them in a responsible way.

You say that we should extend the lifespan of our clothes by wearing them for up to 20 years. How is this compatible with the new trends that are coming up every season and what would the job of a fashion designer would be like?
As a fashion designer, you could design just slow clothes, very comfortable long-lasting winter clothes for instance. You could also decide to get involved in fast recyclable fashion and design new collections every second day.

How does this work for High-end Fashion Brands like Gucci or Chanel?
They are exceptional. These brands are not mass clothing producers and they are quite expensive. So, what happens to those clothes is that they are collected by people who like them very much and keep them for a long time. That is a different story than with the cheap fast fashion clothing. There is no material flow. What these brands should do is put some of their money into the well-being of the people producing their clothes. There is an economic model which is not based on growth. It is called the doughnut economy developed by Kate Raworth. It says basically that the economy is shaped like a doughnut. The ring itself is the optimum quality for people to survive. Inside the doughnut is where the social circumstances are very bad, so you have to reduce that and get the people from there into the doughnut by spending money. Outside the doughnut you find excess and too much waste. So, you also have to spend money to reduce waste, you should rather get an economy of quality than an economy of quantity. As a fashion designer, you can keep an eye on that.

Companies that produce sustainable fashion are mostly not the leading companies in the fashion industry. How can we make big companies like H&M and Zara produce their clothes more sustainably?
They have to be forced. As long as their business is booming they don’t really care. People are not very considerate. They do not think about sustainability or who produced their clothes. You have to find a way to get under their skin. And this is true for consumers as well as for producers. But for producers it is way more difficult. They are focused on sales revenue. But making more money is not always necessarily good for the environment. What they do with the profits should also be a part of their business plan. They have to invest their profits so that they can produce their clothes in a more sustainable way as well as pay fair wages to their workers.

What is your concrete suggestion that is practicable for everybody to make clothes more sustainable?
Ignore Black Friday, ignore special offers, ignore cheap clothes. For instance, I bought these pants I am wearing yesterday. They are from „Brax“ and when I bought them I got a radio with them. I did not expect it, I don’t need it. This is a good example on how they try to speed up fashion. Somehow, we have to stop that, because that’s what people always fall for. Sales and special offers. People sometimes buy just for the sake of buying. They buy it because it’s cheap even if they don’t need it. They don’t think about it and that is the problem. The first step would be ignoring cheapness. Save your money.

„Waste is not waste until you waste it!“ Interview with Juliet Namujju

Juliet Namujju is a Ugandan fashion designer and the CEO of Kimuli Fashionability. At the young
age of twenty-one, she was able to build up her own label that revolves around taking waste in
Uganda and creating something entirely new with it. This form of designing and creating clothes is
called upcycling.
Kimuli Fashionability was created in November 2015 at the Social Innovation Academy (SINA) in
Mpigi by Juliet Namujju to produce and create innovative fashion and accessory products. With
combining plastic waste like sugar sacks or cement sacks and African fabrics and garments like
kitenge, sisal or backcloth she creates truly African products in a country full of western fabrics and
cheap, low-quality products imported from most Asian countries.
Juliet Namujju made it her task to step against all of this waste that is being overproduced and not
recycled enough to help our planet be a better one. She and her team members go to waste pits
and collect different types of waste that they can upcycle. Saving the environment is only one of
two reasons Juliet Namujju is doing this. She wants to promote beautiful African garments and
fabrics which she combines with the plastic waste.
Upcycling is all about saving the planet we live on and reusing our worlds plastic waste which is
not environmentally sustainable and does not rot. Plastic waste is an enemy especially to the
animals living on this planet. Tons and tons of plastic waste alight every year in our oceans. Fish,
other Sea animals as well as Birds cannot differentiate between their food and plastic waste,
leading to many animals dying because of it. It is simply destroying our Eco System.

Bildquelle: Engagement Global / Bodo Tiedemann

When and how did you make the decision to open up your own label?
I started last year. Since I was young I loved working with people with disabilities which made me
start building my brand and including people with disabilities. They lack skills, they are vulnerable
and they are being discriminated. Giving them an opportunity, a chance, to teach them the skills
they need for fashion and design will make a good impact on them, their community as well as the
society we live in.
Was it hard to build up your label?
I come from an organization that teaches us not to give up because of bigger challenges but to
look at big things and slowly accomplishes it. „Social Innovation Academy“(SINA) in Uganda
accompanies young people on their way to become an entrepreneur.
Why did you make the decision to do upcycling?
Upcycling is one of the unique ideas in Africa.My grandmother was a Ugandan fashion designer as
well as a tailor. From a young age, I had the opportunity to take her remaining pieces and sew
flowers and dresses for my dolls out of them. I was able to see that waste could be something very
useful. At that age, I didn’t even realize that I was upcycling waste. When I grew up I developed
that passion I have now for upcycling waste and designing something out of it. To be unique from
all fashion designers in Africa.
What type of waste do you use for your upcycling?
Everything plastic waste we can find like sugar sacks, empty milk packets, rice sacks and cement
sacks. Collecting them from rubbish pits, bringing them with us and washing them. After that, we
sew them together with our African fabrics. In that way, we can bring together environmental
sustainability and the traditional African garments and fabrics.
What is your inspiration for creating your designs?
I and my team work very tight together in the creative process of designing our clothes without
copying from other fashion designers. It can also depend on the customer. You may find a person
who comes up with its own idea or design. The design you have in mind could also not work for
 your customer considering the fit, the size, the customer’s figure and the overall look of the item. I
will not hesitate or beat around the bush if the design will not look good on you.
What is your favorite design at the moment?
The rain and waterproof jacket. It got developed last year with one of my customers from Poland
and was instantly trending. It also sold out. It has not been branded yet but that will be done
shortly. They are gonna be restrictions on the design and idea behind the item so that no other
fashion designer can copy it. It is unique and I am very proud of it.
What would you tell a designer thinking about going into upcycling?
Upcycling is all about promoting and saving the environment, about reusing waste. You have to be
creative. You will get waste but will fail with doing something out of it. You can not take yourself to
be a higher person because you have to touch the waste and wash it. As the fashion designer has
to be an example to your workers and even to other members of your company. You have to be
able to make your own hands dirty. That will give you the opportunity to evolve the passion for
collecting waste and creating something out of it.

„Ich arbeite gerne bei KiK“ Interview mit Ansgar Lohmann

Nach dem tragischen Zusammensturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013, in der auch „Kik“ produzieren ließ, kam Ansgar Lohmann ins Unternehmen. Er ist unter anderem verantwortlich für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards sowie den Brandschutz. Im Interview erzählt er von den Herausforderungen seiner Arbeit als Supply Chain Manager.

Wie kamen Sie zum Unternehmen KiK?

Ich bekam vom damaligen Geschäftsführer für das Thema Nachhaltigkeit ein Stellenangebot. Er fragte mich, ob ich im Bereich Supply Chain Management Verbesserungen herbeiführen könnte. Natürlich habe ich das Angebot als reizvolle Herausforderung angesehen. Meine Motivation war, dem Unternehmen zu helfen, die erforderlichen Schritte einzuleiten. Ich arbeite gerne bei KiK.

Was bedeutet für Sie persönlich Nachhaltigkeit?

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, den Menschen in den Mittelpunkt der geschäftlichen Aktivitäten zu stellen. Ökonomisches und gesellschaftliches Handeln sollte miteinander verbunden werden. Um das zu erreichen, kann man für bessere Sozial- und Umweltstandards sowie für Menschenrechte einstehen. Wir als Unternehmen haben sicherlich einen großen Hebel in der Hand, allerdings ist es immer besser, in einer Gruppe aufzutreten. Nachhaltigkeit bedeutet, Humanressourcen und Umweltbelange mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens in Einklang zu bringen.

Das sind alles schöne Ideen. Ganz konkret: Wie kann man die Sicherheitsstandards kontrollieren?

Die Installation der Brandschutzgewerke muss in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Die Verabredungen mit den Fabrikanten werden von ihnen nicht immer eingehalten. Es kommt vor, dass das benötigte Equipment nicht eingekauft oder eingebaut wird. Um beispielsweise Feuerschutztürensysteme, Hydrantensysteme, Blitzableiter oder Gebäudestatik zu gewährleisten, müssen wir permanent selber vor Ort sein und uns einen eigenen Eindruck verschaffen. Wir sind regelmäßig vor Ort, da das der beste Weg ist, um die Sicherheit zu überprüfen.

Reisen Sie persönlich auch an die Standorte?

Ja, vier bis fünf Monate im Jahr bin ich im Ausland. Meine Agenda besagt, jedes Beschaffungsland einmal im Jahr aufzusuchen. Ich bereise die Standorte, um zu überprüfen, ob die getroffenen Verabredungen auch richtig eingehalten wurden. Ich muss mir selbst ein Bild über alles machen.

Sicherheit ist ja nur ein Aspekt. Welche Schwierigkeiten begegnen Ihnen beim Gewährleisten der Sozialstandards?

Es ist wichtig zu beachten, nicht der einzige Auftraggeber in einer Fabrik zu sein. Es wäre ideal, wenn es weitere Auftraggeber gäbe, die wiederum ein eigenes Sozialmanagementsystem dort forcieren würden. Mit mehreren Auftraggebern und dem gleichen Anspruch in eine Fabrik zu gehen, vergrößert die Hebelwirkung und die Wahrscheinlichkeit, Veränderungen herbeiführen zu können. In einer Fabrik, in der wir der einzige westliche Auftraggeber sind und in der parallel für Russen, Chinesen und Brasilianer produziert wird, haben wir ein Problem. Diese Auftraggeber interessieren Sozialstandards nicht im gleichen Maß. Für uns ist es gut, wenn westliche Auftragnehmer, also aus Europa, Amerika oder Australien vorzufinden sind. Das sind jene, die das Thema Menschenrechte und Sozialmanagement schon am Weitesten vorangetrieben haben.

Wie weit engagiert sich KiK für den Existenzlohn?

KiK hat sich Anfang 2017 dafür ausgesprochen, in Bangladesch den Mindestlohn um 10 Prozent zu erhöhen. Von jetzt auf gleich. Zusätzlich sind wir im Textilbündnis Mitglied in der Arbeitsgruppe für Sozialstandards und dort geht es um die sogenannten „living wages“. Es ist kein einfaches Thema, zumal wir als Unternehmen nicht sagen können: „Erhöhe doch jetzt einfach mal den Lohn, lieber Fabrikant“. Das Thema living wage ist von vielen Komponenten abhängig. Wir haben die Möglichkeit, den politischen und sozialen Dialog in Gang zu bringen. Wir bestimmen aber niemals das Lohnniveau mit unseren Preisen. Wir unterhalten uns über einen sogenannten Vollkostenpreis, der Material, Fertigung und Profitmarge des Anbieters beinhaltet, darin ist der Lohn enthalten. Lohnsteigerungen würden direkt durchschlagen in Form eines höheren Beschaffungspreises. Lohnpreissteigerungen dürfen nie isoliert von den makroökonomischen Gegebenheiten betrachtet werden, denn sie bedeuten Inflation, höheres Zinsniveau, Verknappung der Kredite und Einschränkung der Investitionstätigkeit. Beide Seiten der Medaille müssen betrachtet werden.

Welches Ziel würden Sie persönlich gerne für KiK erreichen?

Mein persönlicher Wunsch ist, dass sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen in den Betrieben sich nicht mehr fürchten müssen, an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Die Betriebe sollen insoweit sicher sein, dass kein Arbeiter einen Brand oder einen Gebäudeeinsturz befürchten muss.

Ist es ein realistisches Ziel oder eher ein Wunsch?

Natürlich ist das ein Wunsch. Optativ gesprochen arbeiten wir ja auch mit anderen Unternehmen zusammen. Das beste Beispiel ist das Brandschutzabkommen in Bangladesch, mit zweihundert Unterzeichnern, die die Gewerke optimieren wollen. In Pakistan sind wir leider noch alleine. Dort haben wir die Initiative selber gegründet. Ich bin positiv gestimmt, dass wir es als Vorreiter-Unternehmen schaffen können und andere Unternehmen ebenfalls dazu bewegen können.

Der „Aha-Effekt“

Hessnatur – Mode, die Umwelt und Mensch respektiert. Sven Bergmann ist verantwortlich für die Unternehmenskommunikation. Sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, ist für ihn eine Leidenschaft. Mehr als nur ein Bestandteil seiner Arbeit. Wir sprechen mit ihm über seine Ziele, Anforderungen an Produktion und Projekte und die große Frage: „Nachhaltige Mode auf internationalen Laufstegen?“

Sven Bergmann, Pressesprecher Hessnatur, Foto: Engagement Global/Bodo Tiedeman

Haben Sie sich für Hessnatur oder hat sich Hessnatur für Sie entschieden?        

Ich habe mir das Unternehmen nicht speziell oder fokussiert ausgesucht, sondern wollte einfach für eine längere Zeit in ein richtiges Unternehmen rein und nicht immer nur für zwei Jahre in eine Agentur. Als Hessnatur mich nach meiner Bewerbung eingeladen hat, habe ich eigentlich sofort festgestellt: Hier ist etwas anders. Die Einarbeitungszeit, die textile Fachschulung, die Art wie die Mitarbeiter miteinander umgehen, welche Substanz dahintersteckt. Das war für mich 2013 ein riesen „Aha-Erlebnis“. Sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, war immer mehr als ein Beruf für mich. Es ist eine Passion, die sich nicht wie Arbeit anfühlt. Die Mitarbeiter im Unternehmen sind wie eine große Familie. Und das ist eine komplett neue Erfahrung, im Vergleich zu den anderen 20 Unternehmen, für die ich vorher gearbeitet habe.

 

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Das ist gar nicht so einfach. Nachhaltigkeit heißt für mich, dass verantwortungsvoll produziert wird, mit Rücksicht auf Mensch, Natur und Umwelt.

 

Hohe Ziele. Können Sie die bei Hessnatur umsetzen?

Auf jeden Fall. Hessnatur ist der Modepionier. Es ist das erste Unternehmen, was überhaupt in diesem Bereich gearbeitet hat. Wir waren bei vielen Projekten, Standards und Entwicklungen Vorreiter. Ich bin da ganz selbstbewusst: Vieles, was heute normal ist und wofür sich andere Unternehmen inzwischen auch engagieren, haben wir angestoßen. Hessnatur war oft 10 oder auch 20 Jahre der Marktentwicklung voraus. Aber auch bei Hessnatur wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Leute müssen bereit sein, eben nicht nur 39 € für eine Jeans zu bezahlen sondern 100 €. Es muss ein gewisses Preisniveau da sein, um Nachhaltigkeit auch auf allen Stufen der textilen Wertschöpfungskette durchsetzen zu können. Das sind die Voraussetzungen.

 

Wie lässt sich eine Produktion von Hessnatur beschreiben?

Bei uns gilt eine faire Produktion für das komplette Sortiment. Unsere Sozialstandards und ökologischen Richtlinien gelten für alle Artikel, für alle Produkte. Wir sind ein Unternehmen, das alles in einer Hand hat. Wir verkaufen nicht andere Artikel, auch nicht im Großhandel oder in anderen Kanälen, sondern haben einen eigenen Online-Shop, einen eigenen Katalog und unsere eigenen Stores. Alle Vertriebswege sind in eigener Hand und das gesamte Sortiment ist nach Vorgabe von Hessnatur kontrolliert produziert.

 

Sie tun Gutes, aber reden Sie auch darüber?

Wir machen schon unheimlich viel und versuchen, das, was wir machen, auch nach außen zu tragen. Teilweise stoßen wir da aber auch auf Erschöpfungszustände, um das mal vorsichtig auszudrücken. Man kann eben nicht x-beliebig lange Etiketten drucken, dicke Nachhaltigkeitsberichte schreiben und Texte ohne Ende online stellen, denn letzten Endes ist das nicht das, was überspringt. Deshalb versuchen wir zu zeigen, wie wir arbeiten. Wir stellen Informationen über Projekte online, machen Kampagnen oder beteiligen uns z.B. am Fashion-Revolution-Day. Dass wir dadurch mehr Kunden für uns begeistern wollen als wir haben, versteht sich auch von selbst. Transparenz spielt eine große Rolle, aber man darf die Leute auch nicht überfrachten. Innerhalb von drei bis fünf Sekunden fällt die Entscheidung, ob man weiterliest oder nicht.

 

Wie oft ist Hessnatur vor Ort und überprüft diese Projekte?

So oft wie möglich. Je langfristiger eine Lieferantenbeziehung ist, desto seltener muss man vor Ort sein. Wenn man weiß, dass es dort gut läuft, braucht man nicht so oft dahin reisen. Bei einem neuen Lieferanten sind wir öfter vor Ort. Nicht nur wir, sondern auch z.B. die Fair Wear Foundation überprüft die Produktionsstätten. Sie hat in den meisten Ländern, in denen wir produzieren, Büros vor Ort. Sie gehen nicht nur ins Unternehmen an sich rein, sondern treffen Mitarbeiter auch dort wo sie sich zum Mittagessen aufhalten. Mit allem Vorbehalt ist einmal im Jahr in jedem Fabrikbetrieb entweder jemand von der Fair Wear Foundation oder jemand von uns.

 

Fashion Week in Berlin – Wollen Sie die großen Designer von Ihren Projekten überzeugen?

Es gibt da einen ständigen Austausch, vor allem durch unser Design-Team. Unsere Designerinnen und Designer sind in diesen Themen drin und verfolgen natürlich die Modewelt. Meine große Klammer, mit der ich das immer einbinde, ist die große Konvergenz der Systeme. Es gibt Hessnatur oder die kleineren Anbieter, die aus der Nische kommen, die mehr Kunden gewinnen wollen. Den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigen wir schon, jetzt wollen wir aber auch modischer werden. Es gibt natürlich auch die Großen, die modisch sind und nachhaltiger werden möchten. Beide bewegen sich also in die gleiche Richtung. Die große Frage ist: „Wer ist schneller?“. Bei den Lebensmitteln haben die großen Vier das Rennen gewonnen, also Edeka, Rewe, Aldi und Lidl. Ich würde sagen im Bekleidungsmarkt ist das Rennen noch offen.

 

Denken Sie das nachhaltige Mode Potenzial für die internationalen Laufstege hat?

Das ist ein riesiges Thema und das Alleinstellungsmerkmal von Berlin. Es gibt natürlich dieses Rennen zwischen New York, Paris, London und Mailand. Ich glaube, wenn es rein um Mode geht, kann Deutschland nicht mithalten. Aber ein starkes Argument für Deutschland jetzt ist die Verbindung von Nachhaltigkeit und Mode. Der Green Showroom hat in den letzten Jahren immer mehr Zuspruch bekommen. Ich glaube, dass interessiert die internationale Modewelt an Berlin – wie kommen Mode und Nachhaltigkeit zusammen.

 

Ist Ökologie trendy?

Hemmschwellen, die vorher noch vorhanden waren, sind nicht mehr da. Bezeichnungen wie „Öko-Mode, Schlabber-Mode, sieht nicht so toll aus“ sind definitiv vorbei. Auch gesellschaftlich hat sich etwas fundamental verändert. Dazu gehören nicht nur die jüngeren Erwachsenen. Es sind teilweise auch ältere Kunden, die zu uns zurückkommen und sich freuen, wenn die Kollektionen modischer werden. Und das ist ja etwas Positives.

 

 

CSR – gerechte, grüne Mode? Die Modeindustrie ist eine der umweltschädlichsten Branchen und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken sind oft katastrophal. Das steht in einem starken Gegensatz zu dem Nachhaltigkeitstrend, der gerade durch die Branche geht. Transparenz soll die neue CSR-Berichtspflicht bringen.

Quelle: https://www.hessnatur.com/corporate/bildarchiv/stores/

Quelle: http://www.kik-textilien.com/unternehmen/presse/informationsmaterial/bildmaterial/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Öko- vs. Billig-Mode? Wie gerecht und grün die beiden deutschen Textilunternehmen sind, kann man in ihren CSR-Berichten nachlesen.

Weiterlesen

„Nachhaltige Mode darf nicht nachhaltig aussehen“

Slow, ökologisch, fair: Wenn es um fair produzierte Mode geht, haben viele Konsumenten noch immer das Bild von langweiligen Öko-Kleidern im Kopf. Designerin Friederike von Wedel-Parlow und Bloggerin Antonia Wille von amazed erklären, warum nachhaltige Modeunternehmen im Blogger- und Influencergeschäft hinterherhinken.

Antonia Wille präsentiert bei amazed ein Fair Fashion T-Shirt von Reformation mit einem Blazer der High-Speed Marke Mango. Foto: Antonia Wille / amazed.com

„Für 2018 nehmen wir uns vor, noch öfter auch unter dem Jahr an unsere Mitmenschen zu denken, Hilfe anzubieten und vor allen Dingen auch unseren Modekonsum weiter zu reduzieren und mit Bedacht zu kaufen. Das funktioniert nicht immer, aber immer öfter – und wie ihr wisst: Jeder kleine Schritt zählt!“

Diese Gedanken macht sich Antonia Wille, eine der drei Gründerinnen des erfolgreichen Münchner Modeblogs amazed in einem Instagram-Post kurz vor Neujahr. „Wir stellen immer mal wieder faire Labels vor, um unsere User zu sensibilisieren und um sie auf coole, faire Labels aufmerksam zu machen“. Einzelne Fair Fashion Teile von kleinen Münchner Labels oder von bekannten Firmen wie hessnatur kombinieren die Bloggerinnen mit Fast Fashion Stücken in Outfit-Postings. Dabei sind die Autorinnen von amazed immer wieder erstaunt über die Resonanz der Leser: „Faire Labels kommen extrem gut an. Die Leser sind froh, wenn man ihnen faire Sachen an die Hand gibt. Vor allem, wenn man ihnen gute Alternativen im Basic-Bereich wie T-Shirts und Pullover zeigt. Gerade bei diesen Teilen sind die Leute dann bereit, Geld auszugeben.“

Die Vermittlung eines bewussten Konsumverhaltens ist auch die Agenda von Friederike von Wedel-Parlow, Gründerin des Beneficial Design Instituts und ehemalige Professorin des Studiengangs „Sustainability in Fashion“ an der Esmod Berlin. In Zusammenarbeit mit FEMNET e.V. und mit der finanziellen Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit gab sie im April letzten Jahres den Fair Fashion Guide heraus, einen ästhetisch anspruchsvollen Guide für fair produzierte Mode. „Wir wollten versuchen, die Leute genau da abzuholen, wo sie sind, also Fashion-Konsumenten mit ihren Lese- und Sehgewohnheiten. Wir wollten sie herübertragen in das Feld der Fair Fashion“, sagt von Wedel-Parlow, die für ihren Guide viel positives Feedback bekommen hat.

„Die Schnitte sehen oft aus wie von 1980“

Auch die Münchner Bloggerin Antonia Wille ist sich sicher: Es gibt eine große Nachfrage an fairer Mode. Für amazed würde es sich anbieten, öfter mit fairen Labels zu kooperieren. Allerdings tut sich das Blog-Unternehmen schwer, geeignete Partner zu finden. „Das große Problem ist, dass nachhaltige Mode oftmals nach Nachhaltigkeit aussieht.“ Meist seien nur wenige einzelne Teile aus Kollektionen passend für Blogeinträge. „Die Sachen dürfen nicht nach „öko“ oder Schnitten von 1980 aussehen. Ich verstehe es oftmals nicht, dass sich niemand von den fairen Labels einen Designer von Inditex oder H&M ins Haus holt.“

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Der Fair Fashion Guide von Friederike von Wedel-Parlow gibt Tipps für bewusstes Shopping und stellt nachhaltige Labels vor. Foto: Regina Steffens

Designer sind teuer, das Budget fairer Labels oft gering. Modern und aufwendig geschnittene nachhaltige Mode hat deshalb oftmals ihren Preis. „Eine schöne, faire Jeans eines kleinen Labels kostet gerne mal 500 Euro. Die kann ich unseren Lesern nicht vorstellen, denn die kann sich kaum wer leisten.“ An Geld fehlt es nachhaltigen Modeunternehmen auch oft für Marketing. „Viele nachhaltige Labels stecken ihr Geld lieber in faire Löhne, Entwicklungsarbeit, gute Materialien und Transparenz, als in teure Kooperationen mit Influencern“, meint von Wedel-Parlow.

Für die Modefrau Wille ist jedoch ein niedriges Budget keine Ausrede. Gerade in Sozialen Netzwerken, die man günstig bespielen kann, lägen nachhaltige Marken zurück. „Die Kanäle sind oft sehr öko-angehaucht, sehr bunt, wenig ästhetisiert, wenig von dem, wonach Mode-Menschen heute eben auswählen. Da versagen die Labels.“

Die Story steckt im Produkt

Doch gerade hier erkennt die Bloggerin eine Chance: Haben kleine Marken verstanden, wie Ästhetik heute funktioniert und sie dem Kunden nicht bloß ein Produkt, sondern auch einen Lifestyle verkaufen, steigen Followerzahlen und Verkäufe enorm an. „Ich glaube, es würde funktionieren, wenn man zeigen könnte wie toll und schön Fair Fashion ist, welche Konzepte und Stories dahinter stecken. Bei nachhaltig produzierter Kleidung muss man sich keine Story ausdenken. Sie steckt im Produkt“, meint auch von Wedel-Parlow.

Den Vorteil gegenüber Fast Fashion Marken, dem Konsumenten ein gutes Gefühl durch nachhaltige, fairen Produktion zu geben, haben kleine Marken, fern von Armed Angels und hessnatur, bis jetzt allerdings wenig ausgenutzt. „Es würde viele Leute vielleicht sogar stolz machen, faire Mode zu tragen“, vermutet Wille.

Influencer wollen sich mit dem guten Image nachhaltiger Mode identifizieren

Hier knüpft sich für kleine Labels eine zweite Chance an: Influencer und Blogger ins Boot  holen. Auch dabei ist für Wille das Budget-Problem keine Entschuldigung. „Es gibt immer mehr Blogger, die sich über bewusstes Leben und faire Mode Gedanken machen und wissen, dass es ihre Abonnenten interessiert.“ Eine Kooperation mit nachhaltigen Modemarken färbt auch auf den Charakter eines Blogs oder Instagram-Kanals ab: „So eine Zusammenarbeit kann total richtungsweisend sein“, weiß das amazed-Team. „Es ist ja auch Imagebildung für uns.“

Deshalb würden viele Blogger auch ohne Bezahlung mit kleinen Marken kooperieren. Auch, wenn Blogs wie amazed zu unbezahlten Partnerschaften bereit sind, wünschen sie sich einen Partner, der den gleichen Stil fährt wie sie selbst. Ästhetik und einen coolen Lifestyle sind das, was Influencer und Blogger wollen – und faire Labels brauchen.

 

Interview mit Textilingenieur Kai Nebel: „Textil-Recycling trägt nicht zur Verbesserung der Umwelt bei“

Kai Nebel ist Textilingenieur an der Hochschule Reutlingen und erforscht, wie Textilien nachhaltiger gemacht werden können. Im Interview spricht er darüber, was er von recycelter Kleidung hält und welche Maßnahmen wirklich helfen würden, den Umgang mit Textilien umweltfreundlicher zu gestalten.

 

Kleidung zu recyceln klingt ja erst einmal nach einer guten Idee. Einige Ketten wie H&M bieten zum Beispiel an, gebrauchte Klamotten in den Laden zurückzubringen und geben dafür Rabatte auf neue Kleidung. Ist das eine gute Idee – oder nur gutes Marketing?

Kai Nebel: Das ist ziemlich gutes Greenwashing. Die verbrennen die Klamotten schließlich, wie jetzt durch die Presse ging. Wirklich recycelt wird die Kleidung also nicht. Zum Teil wird sie auch einfach weiterverkauft. Das ist hauptsächlich ein gutes Geschäft für die Entsorger, und für H&M natürlich auch.

Was soll man dann mit alter Kleidung tun? Ab zur Altkleider-Sammlung, oder doch gleich in die Restmülltonne? Viele haben ja das Gefühl, dass sie ohnehin nichts ausrichten können.

Die Mülltonne ist immer eine schlechte Lösung, denn in der Regel sind die Klamotten noch tragbar. Am besten sind Kleidertauschbörsen, Second Hand oder die Kleidung an Freunde und Bekannte weiterzugeben. Was die Altkleider-Container angeht, sollte man wissen: Etwa 60 Prozent der Kleider werden weiterverkauft. Das ist ein Riesengeschäft. Nur die nicht mehr tragbaren Klamotten, oder bei denen der Aufwand zu hoch wäre, werden zerrissen – um dann zu schauen, was daraus gemacht werden kann. Das ist also kein Recycling, sondern ein Downcycling.

Wie sieht es mit Textilien aus recycelten Materialien aus? Einige Outdoor-Marken verkaufen beispielsweise Jacken aus PET-Flaschen.

Wir haben achteinhalb Milliarden Tonnen Plastik auf der Welt. Da liegt es schon nahe, das als Ressource zu nutzen. Aber es löst das Problem nicht. Klamotten haben wir sowieso zu viel, die nicht getragen oder gar nicht verkauft werden. Warum müssen aus Flaschen oder aus alten Fischernetzen noch Klamotten gemacht werden? Außerdem sind die Recycling-Sachen in der Regel teurer als die aus jungfräulichem Material. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Recycling, aber die Argumentation, die da angeführt wird, trägt nicht unbedingt zur Verbesserung der Umwelt bei.

Wieso sind die recycelten Klamotten denn teurer als die neue Ware?

Man braucht doppelt so viel Maschinen, man braucht Lagerfläche, Logistik –  und der ganze Sortieraufwand. Insgesamt ist ein Produkt aus Recyclingmaterial zwei bis zweieinhalbmal so teuer, also kann es eigentlich nur Marketing sein. Wir haben noch nie so viel über Nachhaltigkeit und Recycling gesprochen, es gab noch nie so viele Nachhaltigkeitsprogramme, Forschungen, Publikationen, und so weiter, und was ist passiert? Wir haben unseren Verbrauch verdoppelt. Man kann also sagen, dass das zu nichts führt.

Wenn das nichts bringt, was muss passieren, um die Textilindustrie wirklich fairer und nachhaltiger zu machen?

Die Subventionierung des Massenkonsums muss aufhören. Ich war in letzter Zeit auf ein paar Veranstaltungen, bei denen es um nachhaltige Entwicklung ging. Der Tenor war, wir sollen weitermachen wie bisher, möglichst viel konsumieren, aber nachhaltig oder zumindest mit gutem Gewissen. Machen Sie das Radio an, dann hören Sie: Der Konsumklimaindex steigt an. Da muss ich mir keine Gedanken machen, ob ich irgendein T-Shirt recycle.

Wie lässt sich dann etwas ändern? Wie kann man selbst dazu beitragen, der Umwelt weniger mit seinen Klamotten zu schaden?

Im Grunde ist es fast egal, was ich für ein Textil habe. Ich muss es nur lang nutzen. Wenn ich das zwanzig Jahre anhabe, ist das zehn Mal nachhaltiger, als wenn ich mir jede Woche irgendwas mit einem Siegel für Umweltverträglichkeit kaufe. Ein Kilo Baumwolltextil braucht dreißig, vierzigtausend Liter Wasser, mindestens ein Kilo Chemikalien, die Energie einer Tankfüllung von einem Kleinwagen plus Arbeitskraft plus Emissionen und Abwasser – dafür, dass ich mir das ein Jahr lang in den Schrank hänge und dann wegwerfe.

Und wenn man doch einmal ein neues Kleidungsstück braucht?

Der beste Ansatz ist erst einmal Second Hand. Und wenn ich dann schon ein Textil kaufen möchte, dann muss ich das bewusst tun. Wenn ich weniger kaufe, kann ich vielleicht auch ein bisschen mehr Geld ausgeben, wobei das keine Garantie für nachhaltige Produktion ist. Dann kaufe ich wenigstens da, wo Transparenz herrscht. Ich persönlich würde raten, kauf bei dem Label, wo du hinfahren kannst. Wo man sich die Produktion anschauen und mit den Leuten sprechen kann. Man muss vernünftig dafür zahlen, und ein gutes Produkt bekommen, das man lange trägt.