Beiträge

Stimmen zur Konferenz

Du bist, was Du isst – aber was Du trägst ist egal? Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie ist Nachhaltigkeit in der Textil- und Modebranche immer noch immer noch ein Randgruppenthema. 2016 haben Textilien im fairen Handel nur sechs Prozent des Umsatzes ausgemacht, Kaffee, Lebensmittel und Südfrüchte hingegen insgesamt 82 Prozent. Wie stehen die Teilnehmer*Innen der Bildkorrekturen 2017 zum Thema Fair Fahion? Inga Mohwinkel und Pia Schönfeld haben Einstellungen, Erwartungen und Bildkorrekturen eingefangen.

 

Im Gespräch mit Ellen Köhrer

Für sie ist Grün das neue Schwarz – die Journalistin, Autorin und Bloggerin Ellen Köhrer. Wie ist sie zum Thema Fair Fashion gekommen? Und welche Möglichkeiten gibt es für uns Verbraucher, faire Mode zu erwerben? Dies und vieles mehr haben wir Ellen Köhrer während der Konferenz gefragt.

Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza 2013: Mit 1135 Toten das schlimmste Unglück in der Geschichte Bangladeschs. Ellen Köhrer hatte 2012 selbst vor Ort eine Textilfabrik besucht und dabei die Arbeitsbedingungen hautnah miterlebt. Wir haben nachgefragt, was sie bei diesem Besuch empfunden hat….

Woher kommt meine Kleidung? Auf Nachfrage können selbst die Modehändler nicht beantworten, woher ihre Ware kommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wird. Welche Tipps gibt Ellen Köhrer uns mit auf den Weg zum fairen Shoppen?

Über Ellen Köhrer

Geboren in Stuttgart, absolvierte Ellen Köhrer ihr Diplom in Journalistik und Betriebswirtschaft. Heute ist sie unter anderem für zahlreiche und namhafte Kunden, darunter NGOs, Stiftungen sowie Print- und Onlinemedien (Taz, Welt, Frankfurter Rundschau, GEOlino u. v. a.) tätig.

Am Herzen liegen der freien Journalistin, Autorin und Bloggerin dabei besonders Themen rund um die Mode- und Textilindustrie sowie Aspekte der Nachhaltigkeit und Entwicklungspolitik. Als einschneidendes Erlebnis in ihrer über 20-jährigen beruflichen Laufbahn, beschreibt Ellen Köhrer ihren Aufenthalt in Bangladesch. Hier besuchte sie nicht nur eine Textilfabrik, sondern interviewte darüber hinaus Gründer von Sozialunternehmen der Modebranche, um neben den Schattenseiten der Modeproduktion, gelungene Konzepte aufzuzeigen.

In den Jahren darauf folgte unter anderem ihr Blog Grün ist das neue Schwarz sowie die Veröffentlichung ihres Buches „Fashion Made Fair – Modern. Innovativ. Nachhaltig“ mit Magdalena Schaffrin (Prestel Verlag). Dieses stellt unter anderem Modemarken vor, die ihre Mode nachhaltig produzieren.

Aktuell lebt und arbeitet Ellen Köhrer in Berlin, wo es zahlreiche Modeläden gibt, die schönes Design und faire, nachhaltige Produktionsbedingungen vereinen.

 

 

 

 

Brauch ich das? – Raus aus der Verbraucherfalle Von Viktoria Hausmann

Jede Frau kennt dieses Problem. Wir stehen vor einem Schrank voller Sachen und haben nichts anzuziehen. Immer! Kaum muss Frau zu einem bestimmten Anlass — sei es ein Date, die Hochzeit der besten Freundin oder eine wichtige mündliche Prüfung — findet sich einfach nicht das Richtige im Schrank. Das Outfit, das wir im Kopf haben, mit dem wir Eindruck machen wollen, fehlt. Es ist entweder alles gerade zu eng. Aus der Mode. Schon kaputt. Oder wir haben einfach dieses eine bestimmte Teil nicht! Dieses It-Piece, dass jetzt gerade alle haben!
Abhilfe ist schnell gefunden: Einfach zur Lieblingsmodekette oder gleich im Internet bestellen. Kostet ja fast nix! Und schon hat sie wieder zugeschnappt. Die Verbraucherfalle! Häufig merken wir das erst, wenn der Schrank so dermaßen überquillt, dass man ihn nicht mehr zukriegt. Dann heißt es ausmisten, aber auch das ist ein fest einkalkuliertes Manko der Modeindustrie. Wir spenden längst so viele Altkleider an Dritte Welt Länder, wie Uganda, dass sie dort teilweise ungenutzt auf Müllkippen enden und den lokalen Textilmarkt zerstören. Echte Fashion Crimes sind nämlich nicht Socken in Sandalen, sondern Ausbeutung und Umweltverschmutzung!

„20 Prozent aller neu produzierten Kleidungsstücke werden gar nicht verkauft, sondern sofort weggeworfen,“ erklärt Friederike von Wedel-Parlow. Sie war Professorin für den internationalen Studiengang „Sustainabilty and Fashion“ an der ESMOD in Berlin und hat das Beneficial Design Institute gegründet. Sie berät nachhaltige Modefirmen und ist Befürworterin des Cradle-to-Cradle-Prinzips – einer Produktionsform bei der Neues aus Altem recycelt wird. Das Ziel von Cradle-to-Cradle ist ein geschlossener Kreislauf aus wiederverwertbaren Nährstoffen. Dadurch soll Abfall praktisch auf Null reduziert werden. Noch gibt es jedoch wenig Nachhaltigkeit in der Modeindustrie. Sie ist die Industrie mit der zweitgrößten Umweltverschmutzung der Welt. Nur geschlagen von der Ölindustrie! Sie verschwendet Unmengen an Wasser um Kleidung herzustellen und veredelt Textilien mit Chemikalien, die zum Großteil in der EU verboten sind. Das kritisiert auch die Journalistin Carolin Wahnbaeck, die häufig über die Zustände in Textilfabriken berichtet: „H&M verbrennt haufenweise Kleidung mit kleinen Fehlern. Und zwar direkt in den Fabrikhöfen in Bangladesch. Da hängen sogar schon teilweise die Preisschilder dran. Sie wissen einfach, das wird nicht verkauft und zünden es deswegen an!“

Recycling? Upcycling? Nachhaltig Kleiden – Friederike von Wedel-Parlow (Dritte v. links) im Gespräch mit Martin Wittmann (Wittmann Textil-Recycling) und Julie Keiza (Kimuli Fashion) bei der Bildkorrekturen 2017 (© Bodo Tiedemann für Engagement Global)

Davon kriegt der Otto-Normalverbraucher allerdings nur wenig mit. Billigteile, die schnell out und ebenso schnell kaputt sind, wandern dann auch gleich in den Müll: „Viele sagen, das war so billig, das wasch ich nicht mal. Stattdessen werfen sie es nach einmal tragen weg,“ kritisiert von Wedel-Parlow: „Verbraucher müssen wieder verstehen, dass Kleidung einen echten Wert hat! Wir müssen zurück zu den Wurzeln. Noch vor zwei, drei Generationen haben die Menschen viele ihrer Kleidungsstücke selbst hergestellt. Sie ein Leben lang getragen und manchmal sogar an ihre Kinder weitergegeben.“

Die wichtigste Verbraucherregel ist also „Use what you have“. Am besten man trägt Kleidung, die man schon hat bis sie kaputt geht. Bei Lieblingsteilen gelingt das Vielen von uns auch, wenn sie schon löchrig und fusslig sind. Viele Modemagazine und Fashionblogger geben mittlerweile Tipps, wie man seine Lieblingsteile oder einfache Basics immer so kombinieren kann, dass es gar nicht groß auffällt, dass man sie ständig trägt. Andere wie die US-Fashionbloggerin Sheena zeigen anhand eines Kleidungsstücks —einer Art Alltags-Uniform — wie man seinen individuellen Stil prägt. Vorbilder sind erfolgreiche Unternehmer, wie Steve Jobs, Marc Zuckerberg und Vera Wang, die immer die gleichen Outfits tragen, weil man so unnötige Entscheidungen vermeidet und das Gehirn somit angeblich kreativer und effizienter arbeiten kann.
Ein ähnlicher Trend ist die sogenannte Capsule Wardrobe. Ein funktioneller, optimal kombinierbarer aber minimalistischer Kleider-Mix. Die französische Modedesignerin Justine Leconte gibt auf ihrem YouTube-Chanel tiefere in Einblicke in die Materie.

[embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=0ur13KvWoWE[/embedyt]

Sehr sehenswert: Justine Lecontes Video über die Fast Fashion Trap (Quelle: YouTube Justine Leconte officiel, © Justine Leconte)

In einem reduzierten Kleiderschrank entsteht mehr Überblick. Man kann sich zum Beispiel eine Sommer- und eine Winterkapsel bauen und fünf Lieblingsjeans, drei Röcke und ein Dutzend Oberteile kombinieren, die man sowieso am liebsten trägt. Ungeliebte Sachen werden aussortiert, getauscht oder gespendet. Für Unterwäsche, Sportsachen oder Abendkleider kann man extra Kapseln bauen. Außerdem kann man sie beliebig mit Schuhen oder Accessoires ergänzen. Blogger und Stylisten aus den USA schwören auf eine Kapsel aus nur 37 Teilen.

Das sind gute Alternativen in einer Welt, die uns vorgaukelt, dass wir ständig neue Kleider brauchen. Soll man also mehr mit dem Kopf kaufen? Gut überlegen, was man braucht und nur etwas fair Produziertes nehmen? „Mode ist etwas sehr Emotionales,“ sagte Carolin Wahnbaeck: „Man kauft etwas, weil man es mag! Das Bauchgefühl der Leute muss überzeugt werden, weil sie nicht mit dem Kopf konsumieren.“ Wahnbaeck ist ein großer Fan von Tauschmärkten und qualitativ hochwertigen Sachen: „Ich habe auch Outfits von vor zehn Jahren, die ich wahnsinnig gerne trage. Die dreckigsten Kleidungstücke, die man hat, sind immer die Allerneusten! Da sind noch alle Chemikalien drin!“ Kleidertauschen sieht sie als gute Alternative zu Sales: „Es ist viel besser als neue Kleider zu kaufen. Je klassischer ein Kleidungsstück ist, umso länger wird es einem bleiben. Wer jedem Trend hinterherläuft, wird nie eine nachhaltige Garderobe haben.“

„Wir brauchen einen Fair Fashion H&M auf jeder Shopping-Meile!“ Carolin Wahnback (Rechts im Bild) ist für ein Umdenken der Verbraucher (© Bodo Tiedemann für Engagement Global)

Ein eigener Stil ist also besser, als jeden Trend mitzumachen! Schließlich steht nicht jedem alles! Menschen, die etwas rund sind, keine Taille haben oder ein anderes nicht genormtes Körpermerkmal, wie zu kurze Beine oder ein breites Kreuz, tun sich oft schwer in die typischen Trends zu passen. Die Massenware ist nämlich so geschnitten, dass sie vor allem an Models und Kleiderpuppen gut aussieht. Dieses Schnittmuster bleibt bei allen Größen gleich. Sie tut also nichts dafür individuellen Körpern zu schmeicheln. Ähnlich ist es mit dem Hautton. Nicht jedem stehen Pastell- oder Neonfarben. Im schlimmsten Fall sieht man durch die falsche Farbe alt oder unscheinbar aus, aber das ist nichts gegen die Folgen, die der ständige Modekaufrausch auf die Umwelt und die ausgebeuteten Arbeiterinnen hat. Man sollte sich also öfter fragen, ob man wirklich etwas Neues braucht! Der große Fashion Trend 2018 ist übrigens Ugly Chic. Rosa Crocs mit Plateausohlen und Glitzersteinchen? Da kann man getrost passen!

Zementsack meets Fashion: Von der Baustelle auf die Kleiderstange

Wenn Juliet Namujju nicht auf dem Laufsteg zu sehen ist, läuft sie durch Ugandas Hauptstadt Kampala und sammelt Müll ein. Daraus näht sie mit tauben und gelähmten Menschen neue Kleider. Mit ihrem Label Kimuli Fashion möchte sie sich weltweit für nachhaltige Mode einsetzen.

Sie ist eine echte Fashionista aus Uganda: Juliet Namujju. Die 21-Jährige präsentiert auf ihrer Modenschau auf der Bildkorrekturen-Konferenz in Leipzig nachhaltige Mode: Hippe elektronische Musik tönt aus den Boxen, während die Fashiondesignerin mit strahlendem Lächeln zwischen ihren Models hindurchläuft. Die Kleider in warmen Farben erinnern an afrikanische Mode – erst beim genaueren Betrachten fällt auf, dass in Jacken und Röcken auch alte Zementsäcke eingearbeitet sind.

Juliets Label Kimuli Fashion ist eines von wenigen ugandischen Labels, die auf Upcycling – das Wiederverwerten von Materialien – setzen. Und eines von wenigen, die Menschen mit Behinderung beschäftigen: in ihrem Unternehmen sind es drei von sechs Mitarbeitern.

Aus alt mach neu: Upcycling in der Puppenstube

Juliet erzählt, dass es in Uganda nicht schwierig sei, ein Fashionlabel zu gründen. In ihrem Land gebe es eine große Modeindustrie. Aber bis sie ihren ersten Shop vor zwei Jahren eröffnen konnte, war es ein langer Weg. Juliets Eltern starben, als sie noch ein Kind war, daher wuchs sie bei ihrer Großmutter auf. „Meine Oma war für mich eine große Inspiration“, sagt sie. „Wir hatten kein Geld, um neue Anziehsachen für meine Puppen zu kaufen. Aber meine Oma war Schneiderin und brachte mir schon früh das Nähen bei. Also fing ich an, aus ihren übrig gebliebenen Stoffresten Kleider für meine Puppen zu nähen.“ Juliet kam das erste Mal mit Upcycling in Kontakt und entdeckte ihre Leidenschaft für Mode.

Hier spricht die Designerin über ihre Mode:

[embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=oTx6smeK3ow[/embedyt]

 

Für viele Ugander sei Upcycling ein Tabuthema: „Die meisten denken, es sei nur eine sinnlose Spielerei und Zeitverschwendung“, erzählt Juliet. „Sie sehen in meinen Klamotten nur Müll. Das sei keine Mode, sagen sie.“

Juliet wuchs in Kampala auf, der Hauptstadt Ugandas. Hier fallen rund 1200 bis 1500 Tonnen Müll täglich an, aber nur etwa 40 Prozent der Abfälle werden eingesammelt. „Wenn du nach Kampala kommst, denkst du sofort: Was ist das für eine Stadt?!“, so Juliet. „Überall liegen Plastikflaschen und Verpackungen herum.“

Umweltbewusstsein und Inklusion: Der Bevölkerung die Augen öffnen

Juliet läuft deswegen mit den Bewohnern Kampalas durch die Straßen und sammelt achtlos weggeworfene Zementsäcke und Tetra Paks ein. Sie möchte die Bevölkerung sensibilisieren – den Menschen zeigen, dass man Müll auch auf eine kreative Art und Weise wiederverwerten kann. Vielleicht würde sich dann auch das Bild von Upcycling-Mode in Uganda ändern, hofft die 21-Jährige. Bisher schätzt Namujju, dass etwa 80 Prozent ihrer Kunden Touristen sind. Die Vermutung liegt nahe, dass dies aber auch an den Preisen liegt: Umgerechnet 75 Euro kostet beispielsweise eine Regenjacke aus Zementsack. Etwas preiswerter sind hingegen Etuis, Armbänder und Ketten: Sie kosten meist weniger als zehn Euro. Jedoch verdient ein Ugander durchschnittlich nur etwa 45 Euro im Monat.

Die Hälfte ihrer Einnahmen kommen aber Menschen mit Behinderungen zugute. Die andere Hälfte werde zur Deckung der Produktionskosten benötigt. Diese waren vor allem zu Beginn sehr hoch, da Juliet spezielle Nähmaschinen anschaffen musste, die an die Bedürfnisse ihrer behinderten Mitarbeiterinnen angepasst sind. Um besser mit ihren tauben Kolleginnen kommunizieren zu können, lernte Juliet in zusätzlichen Kursen die Gebärdensprache.

Weitere Bilder von Juliet

 

„Es war, als würden sie sich selbst hassen.“

„Die Arbeit mit behinderten Menschen liegt mir sehr am Herzen“, sagt Juliet. „Als ich noch sehr klein war, verlor mein Vater bei einem Autounfall beide Beine. Er konnte nicht mehr arbeiten und wurde wegen seiner Behinderung diskriminiert. Er wurde immer pessimistischer und verlor seinen Lebenswillen. Kurze Zeit später starb er.“ Das sei in Uganda keine Seltenheit: Behinderte Menschen würden oft diskriminiert und ihre Behinderung als eine Strafe Gottes angesehen. Teilweise sollen sie sogar von ihren eigenen Verwandten weggesperrt, vor der Öffentlichkeit versteckt oder aus der Familie verstoßen werden. „Behinderte Menschen glauben oft nicht mehr an sich selbst und ihre Fähigkeiten“, sagt Juliet. Zu dieser Erkenntnis gelangte sie, als sie vor wenigen Monaten versuchte, Teilnehmer für einen Näh-Workshop zu gewinnen. Sie zog durch die Dörfer und versuchte, die Menschen direkt anzusprechen. Der Workshop war für Menschen mit Behinderung kostenlos, trotzdem meldete sich kaum jemand an. Erst nach stundenlangem, tagelangem Überzeugen“, so Juliet. „Es war, als würden sie sich selbst hassen. Als würden sie lieber allein sein in ihren Dörfern und niemanden sehen wollen.“

Expandieren und weltweit ein Zeichen setzen

„Ich möchte die Augen der Leute für Menschen mit Behinderungen öffnen – in Uganda und auf der ganzen Welt“, sagt Juliet. „Damit diese Menschen nicht mehr als andersartig angesehen, sondern als ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft akzeptiert werden.“ Ihr Traum sei es, noch viel mehr Menschen mit Behinderung zu beschäftigen und in weitere Länder zu expandieren. Dabei hat sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Mehr als 3.000 Menschen möchte sie in Afrika zu einem neuen Lebenswillen verhelfen, indem sie ihnen einen Arbeitsplatz anbietet. Derzeit verkaufe sie ihre Mode in Uganda, Deutschland und Polen. Zukünftig möchte sie auch Märkte in Österreich oder sogar den USA erschließen. Um nicht nur auf dem Bildkorrekturen-Laufsteg ein Zeichen zu setzen, sondern auf der ganzen Welt.

 

Der „Aha-Effekt“

Hessnatur – Mode, die Umwelt und Mensch respektiert. Sven Bergmann ist verantwortlich für die Unternehmenskommunikation. Sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, ist für ihn eine Leidenschaft. Mehr als nur ein Bestandteil seiner Arbeit. Wir sprechen mit ihm über seine Ziele, Anforderungen an Produktion und Projekte und die große Frage: „Nachhaltige Mode auf internationalen Laufstegen?“

Sven Bergmann, Pressesprecher Hessnatur, Foto: Engagement Global/Bodo Tiedeman

Haben Sie sich für Hessnatur oder hat sich Hessnatur für Sie entschieden?        

Ich habe mir das Unternehmen nicht speziell oder fokussiert ausgesucht, sondern wollte einfach für eine längere Zeit in ein richtiges Unternehmen rein und nicht immer nur für zwei Jahre in eine Agentur. Als Hessnatur mich nach meiner Bewerbung eingeladen hat, habe ich eigentlich sofort festgestellt: Hier ist etwas anders. Die Einarbeitungszeit, die textile Fachschulung, die Art wie die Mitarbeiter miteinander umgehen, welche Substanz dahintersteckt. Das war für mich 2013 ein riesen „Aha-Erlebnis“. Sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, war immer mehr als ein Beruf für mich. Es ist eine Passion, die sich nicht wie Arbeit anfühlt. Die Mitarbeiter im Unternehmen sind wie eine große Familie. Und das ist eine komplett neue Erfahrung, im Vergleich zu den anderen 20 Unternehmen, für die ich vorher gearbeitet habe.

 

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Das ist gar nicht so einfach. Nachhaltigkeit heißt für mich, dass verantwortungsvoll produziert wird, mit Rücksicht auf Mensch, Natur und Umwelt.

 

Hohe Ziele. Können Sie die bei Hessnatur umsetzen?

Auf jeden Fall. Hessnatur ist der Modepionier. Es ist das erste Unternehmen, was überhaupt in diesem Bereich gearbeitet hat. Wir waren bei vielen Projekten, Standards und Entwicklungen Vorreiter. Ich bin da ganz selbstbewusst: Vieles, was heute normal ist und wofür sich andere Unternehmen inzwischen auch engagieren, haben wir angestoßen. Hessnatur war oft 10 oder auch 20 Jahre der Marktentwicklung voraus. Aber auch bei Hessnatur wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Leute müssen bereit sein, eben nicht nur 39 € für eine Jeans zu bezahlen sondern 100 €. Es muss ein gewisses Preisniveau da sein, um Nachhaltigkeit auch auf allen Stufen der textilen Wertschöpfungskette durchsetzen zu können. Das sind die Voraussetzungen.

 

Wie lässt sich eine Produktion von Hessnatur beschreiben?

Bei uns gilt eine faire Produktion für das komplette Sortiment. Unsere Sozialstandards und ökologischen Richtlinien gelten für alle Artikel, für alle Produkte. Wir sind ein Unternehmen, das alles in einer Hand hat. Wir verkaufen nicht andere Artikel, auch nicht im Großhandel oder in anderen Kanälen, sondern haben einen eigenen Online-Shop, einen eigenen Katalog und unsere eigenen Stores. Alle Vertriebswege sind in eigener Hand und das gesamte Sortiment ist nach Vorgabe von Hessnatur kontrolliert produziert.

 

Sie tun Gutes, aber reden Sie auch darüber?

Wir machen schon unheimlich viel und versuchen, das, was wir machen, auch nach außen zu tragen. Teilweise stoßen wir da aber auch auf Erschöpfungszustände, um das mal vorsichtig auszudrücken. Man kann eben nicht x-beliebig lange Etiketten drucken, dicke Nachhaltigkeitsberichte schreiben und Texte ohne Ende online stellen, denn letzten Endes ist das nicht das, was überspringt. Deshalb versuchen wir zu zeigen, wie wir arbeiten. Wir stellen Informationen über Projekte online, machen Kampagnen oder beteiligen uns z.B. am Fashion-Revolution-Day. Dass wir dadurch mehr Kunden für uns begeistern wollen als wir haben, versteht sich auch von selbst. Transparenz spielt eine große Rolle, aber man darf die Leute auch nicht überfrachten. Innerhalb von drei bis fünf Sekunden fällt die Entscheidung, ob man weiterliest oder nicht.

 

Wie oft ist Hessnatur vor Ort und überprüft diese Projekte?

So oft wie möglich. Je langfristiger eine Lieferantenbeziehung ist, desto seltener muss man vor Ort sein. Wenn man weiß, dass es dort gut läuft, braucht man nicht so oft dahin reisen. Bei einem neuen Lieferanten sind wir öfter vor Ort. Nicht nur wir, sondern auch z.B. die Fair Wear Foundation überprüft die Produktionsstätten. Sie hat in den meisten Ländern, in denen wir produzieren, Büros vor Ort. Sie gehen nicht nur ins Unternehmen an sich rein, sondern treffen Mitarbeiter auch dort wo sie sich zum Mittagessen aufhalten. Mit allem Vorbehalt ist einmal im Jahr in jedem Fabrikbetrieb entweder jemand von der Fair Wear Foundation oder jemand von uns.

 

Fashion Week in Berlin – Wollen Sie die großen Designer von Ihren Projekten überzeugen?

Es gibt da einen ständigen Austausch, vor allem durch unser Design-Team. Unsere Designerinnen und Designer sind in diesen Themen drin und verfolgen natürlich die Modewelt. Meine große Klammer, mit der ich das immer einbinde, ist die große Konvergenz der Systeme. Es gibt Hessnatur oder die kleineren Anbieter, die aus der Nische kommen, die mehr Kunden gewinnen wollen. Den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigen wir schon, jetzt wollen wir aber auch modischer werden. Es gibt natürlich auch die Großen, die modisch sind und nachhaltiger werden möchten. Beide bewegen sich also in die gleiche Richtung. Die große Frage ist: „Wer ist schneller?“. Bei den Lebensmitteln haben die großen Vier das Rennen gewonnen, also Edeka, Rewe, Aldi und Lidl. Ich würde sagen im Bekleidungsmarkt ist das Rennen noch offen.

 

Denken Sie das nachhaltige Mode Potenzial für die internationalen Laufstege hat?

Das ist ein riesiges Thema und das Alleinstellungsmerkmal von Berlin. Es gibt natürlich dieses Rennen zwischen New York, Paris, London und Mailand. Ich glaube, wenn es rein um Mode geht, kann Deutschland nicht mithalten. Aber ein starkes Argument für Deutschland jetzt ist die Verbindung von Nachhaltigkeit und Mode. Der Green Showroom hat in den letzten Jahren immer mehr Zuspruch bekommen. Ich glaube, dass interessiert die internationale Modewelt an Berlin – wie kommen Mode und Nachhaltigkeit zusammen.

 

Ist Ökologie trendy?

Hemmschwellen, die vorher noch vorhanden waren, sind nicht mehr da. Bezeichnungen wie „Öko-Mode, Schlabber-Mode, sieht nicht so toll aus“ sind definitiv vorbei. Auch gesellschaftlich hat sich etwas fundamental verändert. Dazu gehören nicht nur die jüngeren Erwachsenen. Es sind teilweise auch ältere Kunden, die zu uns zurückkommen und sich freuen, wenn die Kollektionen modischer werden. Und das ist ja etwas Positives.

 

 

„Nachhaltige Mode darf nicht nachhaltig aussehen“

Slow, ökologisch, fair: Wenn es um fair produzierte Mode geht, haben viele Konsumenten noch immer das Bild von langweiligen Öko-Kleidern im Kopf. Designerin Friederike von Wedel-Parlow und Bloggerin Antonia Wille von amazed erklären, warum nachhaltige Modeunternehmen im Blogger- und Influencergeschäft hinterherhinken.

Antonia Wille präsentiert bei amazed ein Fair Fashion T-Shirt von Reformation mit einem Blazer der High-Speed Marke Mango. Foto: Antonia Wille / amazed.com

„Für 2018 nehmen wir uns vor, noch öfter auch unter dem Jahr an unsere Mitmenschen zu denken, Hilfe anzubieten und vor allen Dingen auch unseren Modekonsum weiter zu reduzieren und mit Bedacht zu kaufen. Das funktioniert nicht immer, aber immer öfter – und wie ihr wisst: Jeder kleine Schritt zählt!“

Diese Gedanken macht sich Antonia Wille, eine der drei Gründerinnen des erfolgreichen Münchner Modeblogs amazed in einem Instagram-Post kurz vor Neujahr. „Wir stellen immer mal wieder faire Labels vor, um unsere User zu sensibilisieren und um sie auf coole, faire Labels aufmerksam zu machen“. Einzelne Fair Fashion Teile von kleinen Münchner Labels oder von bekannten Firmen wie hessnatur kombinieren die Bloggerinnen mit Fast Fashion Stücken in Outfit-Postings. Dabei sind die Autorinnen von amazed immer wieder erstaunt über die Resonanz der Leser: „Faire Labels kommen extrem gut an. Die Leser sind froh, wenn man ihnen faire Sachen an die Hand gibt. Vor allem, wenn man ihnen gute Alternativen im Basic-Bereich wie T-Shirts und Pullover zeigt. Gerade bei diesen Teilen sind die Leute dann bereit, Geld auszugeben.“

Die Vermittlung eines bewussten Konsumverhaltens ist auch die Agenda von Friederike von Wedel-Parlow, Gründerin des Beneficial Design Instituts und ehemalige Professorin des Studiengangs „Sustainability in Fashion“ an der Esmod Berlin. In Zusammenarbeit mit FEMNET e.V. und mit der finanziellen Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit gab sie im April letzten Jahres den Fair Fashion Guide heraus, einen ästhetisch anspruchsvollen Guide für fair produzierte Mode. „Wir wollten versuchen, die Leute genau da abzuholen, wo sie sind, also Fashion-Konsumenten mit ihren Lese- und Sehgewohnheiten. Wir wollten sie herübertragen in das Feld der Fair Fashion“, sagt von Wedel-Parlow, die für ihren Guide viel positives Feedback bekommen hat.

„Die Schnitte sehen oft aus wie von 1980“

Auch die Münchner Bloggerin Antonia Wille ist sich sicher: Es gibt eine große Nachfrage an fairer Mode. Für amazed würde es sich anbieten, öfter mit fairen Labels zu kooperieren. Allerdings tut sich das Blog-Unternehmen schwer, geeignete Partner zu finden. „Das große Problem ist, dass nachhaltige Mode oftmals nach Nachhaltigkeit aussieht.“ Meist seien nur wenige einzelne Teile aus Kollektionen passend für Blogeinträge. „Die Sachen dürfen nicht nach „öko“ oder Schnitten von 1980 aussehen. Ich verstehe es oftmals nicht, dass sich niemand von den fairen Labels einen Designer von Inditex oder H&M ins Haus holt.“

http:// www.fairfashionguide.de/ #section2

Der Fair Fashion Guide von Friederike von Wedel-Parlow gibt Tipps für bewusstes Shopping und stellt nachhaltige Labels vor. Foto: Regina Steffens

Designer sind teuer, das Budget fairer Labels oft gering. Modern und aufwendig geschnittene nachhaltige Mode hat deshalb oftmals ihren Preis. „Eine schöne, faire Jeans eines kleinen Labels kostet gerne mal 500 Euro. Die kann ich unseren Lesern nicht vorstellen, denn die kann sich kaum wer leisten.“ An Geld fehlt es nachhaltigen Modeunternehmen auch oft für Marketing. „Viele nachhaltige Labels stecken ihr Geld lieber in faire Löhne, Entwicklungsarbeit, gute Materialien und Transparenz, als in teure Kooperationen mit Influencern“, meint von Wedel-Parlow.

Für die Modefrau Wille ist jedoch ein niedriges Budget keine Ausrede. Gerade in Sozialen Netzwerken, die man günstig bespielen kann, lägen nachhaltige Marken zurück. „Die Kanäle sind oft sehr öko-angehaucht, sehr bunt, wenig ästhetisiert, wenig von dem, wonach Mode-Menschen heute eben auswählen. Da versagen die Labels.“

Die Story steckt im Produkt

Doch gerade hier erkennt die Bloggerin eine Chance: Haben kleine Marken verstanden, wie Ästhetik heute funktioniert und sie dem Kunden nicht bloß ein Produkt, sondern auch einen Lifestyle verkaufen, steigen Followerzahlen und Verkäufe enorm an. „Ich glaube, es würde funktionieren, wenn man zeigen könnte wie toll und schön Fair Fashion ist, welche Konzepte und Stories dahinter stecken. Bei nachhaltig produzierter Kleidung muss man sich keine Story ausdenken. Sie steckt im Produkt“, meint auch von Wedel-Parlow.

Den Vorteil gegenüber Fast Fashion Marken, dem Konsumenten ein gutes Gefühl durch nachhaltige, fairen Produktion zu geben, haben kleine Marken, fern von Armed Angels und hessnatur, bis jetzt allerdings wenig ausgenutzt. „Es würde viele Leute vielleicht sogar stolz machen, faire Mode zu tragen“, vermutet Wille.

Influencer wollen sich mit dem guten Image nachhaltiger Mode identifizieren

Hier knüpft sich für kleine Labels eine zweite Chance an: Influencer und Blogger ins Boot  holen. Auch dabei ist für Wille das Budget-Problem keine Entschuldigung. „Es gibt immer mehr Blogger, die sich über bewusstes Leben und faire Mode Gedanken machen und wissen, dass es ihre Abonnenten interessiert.“ Eine Kooperation mit nachhaltigen Modemarken färbt auch auf den Charakter eines Blogs oder Instagram-Kanals ab: „So eine Zusammenarbeit kann total richtungsweisend sein“, weiß das amazed-Team. „Es ist ja auch Imagebildung für uns.“

Deshalb würden viele Blogger auch ohne Bezahlung mit kleinen Marken kooperieren. Auch, wenn Blogs wie amazed zu unbezahlten Partnerschaften bereit sind, wünschen sie sich einen Partner, der den gleichen Stil fährt wie sie selbst. Ästhetik und einen coolen Lifestyle sind das, was Influencer und Blogger wollen – und faire Labels brauchen.

 

Interview mit Textilingenieur Kai Nebel: „Textil-Recycling trägt nicht zur Verbesserung der Umwelt bei“

Kai Nebel ist Textilingenieur an der Hochschule Reutlingen und erforscht, wie Textilien nachhaltiger gemacht werden können. Im Interview spricht er darüber, was er von recycelter Kleidung hält und welche Maßnahmen wirklich helfen würden, den Umgang mit Textilien umweltfreundlicher zu gestalten.

 

Kleidung zu recyceln klingt ja erst einmal nach einer guten Idee. Einige Ketten wie H&M bieten zum Beispiel an, gebrauchte Klamotten in den Laden zurückzubringen und geben dafür Rabatte auf neue Kleidung. Ist das eine gute Idee – oder nur gutes Marketing?

Kai Nebel: Das ist ziemlich gutes Greenwashing. Die verbrennen die Klamotten schließlich, wie jetzt durch die Presse ging. Wirklich recycelt wird die Kleidung also nicht. Zum Teil wird sie auch einfach weiterverkauft. Das ist hauptsächlich ein gutes Geschäft für die Entsorger, und für H&M natürlich auch.

Was soll man dann mit alter Kleidung tun? Ab zur Altkleider-Sammlung, oder doch gleich in die Restmülltonne? Viele haben ja das Gefühl, dass sie ohnehin nichts ausrichten können.

Die Mülltonne ist immer eine schlechte Lösung, denn in der Regel sind die Klamotten noch tragbar. Am besten sind Kleidertauschbörsen, Second Hand oder die Kleidung an Freunde und Bekannte weiterzugeben. Was die Altkleider-Container angeht, sollte man wissen: Etwa 60 Prozent der Kleider werden weiterverkauft. Das ist ein Riesengeschäft. Nur die nicht mehr tragbaren Klamotten, oder bei denen der Aufwand zu hoch wäre, werden zerrissen – um dann zu schauen, was daraus gemacht werden kann. Das ist also kein Recycling, sondern ein Downcycling.

Wie sieht es mit Textilien aus recycelten Materialien aus? Einige Outdoor-Marken verkaufen beispielsweise Jacken aus PET-Flaschen.

Wir haben achteinhalb Milliarden Tonnen Plastik auf der Welt. Da liegt es schon nahe, das als Ressource zu nutzen. Aber es löst das Problem nicht. Klamotten haben wir sowieso zu viel, die nicht getragen oder gar nicht verkauft werden. Warum müssen aus Flaschen oder aus alten Fischernetzen noch Klamotten gemacht werden? Außerdem sind die Recycling-Sachen in der Regel teurer als die aus jungfräulichem Material. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Recycling, aber die Argumentation, die da angeführt wird, trägt nicht unbedingt zur Verbesserung der Umwelt bei.

Wieso sind die recycelten Klamotten denn teurer als die neue Ware?

Man braucht doppelt so viel Maschinen, man braucht Lagerfläche, Logistik –  und der ganze Sortieraufwand. Insgesamt ist ein Produkt aus Recyclingmaterial zwei bis zweieinhalbmal so teuer, also kann es eigentlich nur Marketing sein. Wir haben noch nie so viel über Nachhaltigkeit und Recycling gesprochen, es gab noch nie so viele Nachhaltigkeitsprogramme, Forschungen, Publikationen, und so weiter, und was ist passiert? Wir haben unseren Verbrauch verdoppelt. Man kann also sagen, dass das zu nichts führt.

Wenn das nichts bringt, was muss passieren, um die Textilindustrie wirklich fairer und nachhaltiger zu machen?

Die Subventionierung des Massenkonsums muss aufhören. Ich war in letzter Zeit auf ein paar Veranstaltungen, bei denen es um nachhaltige Entwicklung ging. Der Tenor war, wir sollen weitermachen wie bisher, möglichst viel konsumieren, aber nachhaltig oder zumindest mit gutem Gewissen. Machen Sie das Radio an, dann hören Sie: Der Konsumklimaindex steigt an. Da muss ich mir keine Gedanken machen, ob ich irgendein T-Shirt recycle.

Wie lässt sich dann etwas ändern? Wie kann man selbst dazu beitragen, der Umwelt weniger mit seinen Klamotten zu schaden?

Im Grunde ist es fast egal, was ich für ein Textil habe. Ich muss es nur lang nutzen. Wenn ich das zwanzig Jahre anhabe, ist das zehn Mal nachhaltiger, als wenn ich mir jede Woche irgendwas mit einem Siegel für Umweltverträglichkeit kaufe. Ein Kilo Baumwolltextil braucht dreißig, vierzigtausend Liter Wasser, mindestens ein Kilo Chemikalien, die Energie einer Tankfüllung von einem Kleinwagen plus Arbeitskraft plus Emissionen und Abwasser – dafür, dass ich mir das ein Jahr lang in den Schrank hänge und dann wegwerfe.

Und wenn man doch einmal ein neues Kleidungsstück braucht?

Der beste Ansatz ist erst einmal Second Hand. Und wenn ich dann schon ein Textil kaufen möchte, dann muss ich das bewusst tun. Wenn ich weniger kaufe, kann ich vielleicht auch ein bisschen mehr Geld ausgeben, wobei das keine Garantie für nachhaltige Produktion ist. Dann kaufe ich wenigstens da, wo Transparenz herrscht. Ich persönlich würde raten, kauf bei dem Label, wo du hinfahren kannst. Wo man sich die Produktion anschauen und mit den Leuten sprechen kann. Man muss vernünftig dafür zahlen, und ein gutes Produkt bekommen, das man lange trägt.

Ohne Fortschritt keine Fair Fashion - Die Zukunft für nachhaltige Kleidung aus Sicht der bildKORREKTURen Referenten 2017

Die bildKORREKTURen Tagung 2017 bot einen großen Einblick in verschiedene Bereiche zum Thema „Fair Fashion and Development“ und schnell wurde deutlich: Es sind Fortschritte in vielen unterschiedlichen Bereichen nötig, damit in Zukunft mehr Mode zu fairen Konditionen produziert und verkauft werden kann. Referent*Innen und Verantwortliche der bildKORREKTURen 2017 über ihre Wünsche für die Zukunft der Modebranche.

Bildbearbeitung, Interview & Text: Helena Klose
Fotorechte: Vera Katzenberger, Helena Klose, Louise Zenker