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Albanien – Europas unentdecktes Land

Wer das erste Mal als Tourist nach Albanien reist, ist überrascht: unberührte Traumstrände inmitten eindrucksvoller Landschaften. Das Land setzt immer mehr auf den Tourismus. Dank der Digitalisierung könnte Albanien es schon bald schaffen, seinem Nachbarland Griechenland Konkurrenz zu machen.

Traumziel Albanien

Wilde Flüsse, hohe Berge, weite Täler: Albanien hat alles, was ein florierendes Ferienziel haben sollte. Auch die Touristenzahlen haben das in den vergangenen Monaten bewiesen. (Foto: privat)

Saranda ist eine kleine Stadt im Süden Albaniens. Hier kommen die Fähren aus Griechenland und Italien an. Im Sommer leben hier drei Mal so viele Menschen wie im Winter. Die Stadt profitiert vom Tagestourismus, ist aber längst nicht mehr nur Badeort für Landsleute aus Albanien und dem Kosovo, auch aus den angrenzenden Ländern kommen Besucher. Zunehmend sind unter den Strandbesuchern auch Westeuropäer, auch, wenn sie weit in der Unterzahl bleiben. Die meisten von ihnen sind schon von weitem erkennbar: helle Haare, ungebräunte Haut.

Viele Touristen kommen mit der Fähre von Korfu nach Saranda.

 

Leart vermietet in Saranda ein kleines Apartment. Es besteht aus einem einzigen Raum, mit Küchenzeile, großem Bett, einem kleinen Badezimmer. Keine zehn Minuten zu Fuß sind es von hier zum Stadtstrand von Saranda. Leart holt seine Besucher von der Fähre mit dem Auto ab, bietet noch eine kleine Stadtrundfahrt an, bevor es dann zur Unterkunft geht. Er fährt bis zu den großen Hotels im Osten der Stadt, die sich an der Küste drängen. „200 Euro kostet dort eine Nacht. Das ist unglaublich. So viel Geld!“, sagt er. Für den 26-Jährigen ist es unvorstellbar, diese Summe für eine Übernachtung aufzubringen. Eine Nacht in seinem Airbnb-Apartment kostet für zwei Personen 36 Euro.

Illegale Hotels, Geldwäsche, Mafaistrukturen

Ohne das Internet und die Digitalisierung könnte Leart sein Apartment nicht vermieten. Er profitiert wie viele andere Albaner auch von der noch recht neuen Möglichkeit, kostenlos ein Inserat aufzugeben und via Airbnb Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen. Um ganze 90 Prozent ist die Zahl der Unterkünfte in Albanien nach Angaben des Unternehmens im vergangenen Jahr gewachsen. Über 1300 Inserate gibt es aktuell für das Land.

Schon einmal hat Albaniens Schönheit Spekulanten auf den Plan gerufen. Um das Millennium wurden in Saranda innerhalb kürzester Zeit, meist ungenehmigt und ohne Bauplan, riesige Hotelklötze aus dem Boden gestampft. Die Betonmischer rotierten damals rund um die Uhr, beinahe jeden Tag schien ein neues, pastellfarbenes Feriendomizil aus Beton und Styropor hinzuzukommen. Die touristische Zukunft Albaniens lag damals in den Händen der Mafia. Die Gier nach Geld ließ die Stadt beinahe kollabieren. Die Behörden kamen kaum hinterher, illegale Bauvorhaben zu stoppen. Und wenn doch, rückte das städtische Abrisskommando an. Noch heute säumen etliche Ruinen das Stadtbild in Saranda.

Seit einiger Zeit bemüht sich die Regierung jedoch ernsthaft, die Korruption einzudämmen, die Rechtstaatlichkeit aufrecht zu halten und Investoren anzuziehen. Auch die Infrastruktur wächst rasant. Neben dem 2008 eröffneten Mutter Theresa-International Airport entstanden auch verbesserte Verbindungen in den Kosovo und den Süden des Landes. Albanien versucht den Schatten der Vergangenheit abzulegen und die neuen Möglichkeiten, die Digitalisierung beschert, bestens zu nutzen.

Schön (und) günstig

Albanien ist attraktiv. Die Landschaft ist teilweise noch nahezu unberührt, die Strände nicht akkurat mit Liegestühlen und Schirmen zugekleistert, wie es in manchen Teilen Italiens oder Spaniens der Fall ist. Dafür ist das Wetter mindestens genauso gut und die Südküste bekannt für türkisfarbenes Meer und schöne Strände. Günstiger ist Albanien sowieso. Mit dem Bus von Dhermi an der Südküste in die Hauptstadt Tirana – eine Strecke vergleichbar mit der von München nach Frankfurt am Main – zahlt man gerade einmal etwa 15 Euro. Ein Einheitspreis, der auch in der Hauptreisesaison nicht ansteigt.

Was bisher nur Landsleute und Besucher aus umliegenden Ländern zu schätzen wussten, hat sich in den vergangenen Jahren durch die digitale Wolke des Internets global verbreitet. Gerade die niedrigen Preise machen das Land vor allem für junge Alternativreisende reizvoll. Ist das Budget klein, die Reiseneugier aber groß, so scheint Albanien die perfekte Adresse für ein paar Tage Tirana oder auch eine Reise entlang der Küste, wenn es länger dauern darf. Der 27-jährige Jonas Rädel aus Leipzig hat Freunde in Albanien und hat das Land schon öfter besucht. 2014 war der Student das erste Mal dort, im Juli dieses Jahres hat er sich erneut auf die Reise gemacht. Was macht für ihn den besonderen Charme aus?

Essensreste, Plastik, Papier: Albanien kämpft gegen wilde Mülldeponien 

Doch nicht alles ist rosig. Und nicht alle Probleme können durch die Digitalisierung gelöst werden. Wo unberührte Strände sind, kommt man ohne Auto auch schlecht hin. Außerdem produzieren viele Touristen auch viel Müll, und den haben die Albaner noch nicht im Griff: Kleine Haufen Plastikflaschen, Tüten mit Essensresten oder Eisstielen finden sich alle paar hundert Meter an den meisten Stränden. Im beliebten und auch überfüllten Saranda sind Mitarbeiter der Gemeinde als Müllsammler unterwegs. In Livadh oder Dhermi aber sind kaum Abfalleimer, dafür immer wieder Müllhaufen zu sehen, erzählt Martin Kerl. Der 26-Jährige war im Sommer 2016 zum ersten Mal in Albanien unterwegs.

Drei Zimmer, Küche, Bad

Doch nicht nur an der Küste, auch in der Hauptstadt Tirana boomt die Vermietung privater Ferienwohnungen. Artan Kristo ist Journalist, mitten im Zentrum Tiranas vermietet er eine Wohnung. Zwei Schlafzimmer, Küchenzeile, zwei Bäder: Hier können viele Menschen unterkommen, und das günstig: Eine Nacht kostet pro Person 14 Euro. Von der Wohnung aus sind die Besucher schnell in der Innenstadt, das Apartment ist sauber und gemütlich. Der 52-Jährige trifft gern verschiedene Menschen, serviert Raki zur Begrüßung, schreibt Kneipentipps auf, fragt nach, wie der Tag seiner Besucher war.

Erst um Juni hat er damit begonnen, das Apartment, das Teil eines großen Hauses ist, indem er auch selbst wohnt, zu vermieten. „In Zukunft möchte ich gerne mehrere freie Zimmer Besuchern zur Verfügung stellen, das jetzige Appartement ist für mich deshalb ein erster Markttest“, sagt der Journalist. Der Test war erfolgreich. Seit er seine Räume vermietet, waren diese nie länger als zehn Tage leer, ehe der nächste Besucherschwung kam. In den sechs Monaten, die er seither Gastgeber ist, hat er bereits 60 Buchungen bestritten – „demnach waren zwischen 150 und 180 Gäste bei mir“, so Artan.

Artan: Irgendwann soll mein Haus für meine Gäste wie ein richtiges Hotel sein. Falls ich später einmal nicht mehr als Journalist arbeiten kann, kann ich so leicht in die Tourismusbranche wechseln.

Australier, Schweizer, Kroaten, Belgier, Deutsche – Menschen aus aller Welt mieten sich für ihren Urlaub bei Artan ein. „Die Leute wählen Airbnb-Appartements zum einen natürlich, um günstig unterzukommen. Vielen ist aber auch die Nähe zu den Einheimischen wichtig – sie wollen das echte albanische Leben kennenlernen“, erzählt der 52-Jährige. Dank des digital verfügbaren Angebots ist das jetzt jederzeit möglich. Die meisten Gäste haben Artan im Sommer besucht, doch auch während der Wintermonate reißt der Besucherstrom nicht ab. „Albanien hat in diesem Jahr einen regelrechten Tourismusboom erlebt“, berichtet Artan. Zwei Gründe, die er dafür nennt: erstens, die albanische Fußballnationalmannschaft hat das Land mit ihrem Erfolg bei der Europameisterschaft bekannter gemacht. Außerdem hätten die Terroranschläge in der Türkei und in Ägypten diesen Ländern den Tourismus geraubt.

Artan verdient gut daran, sein Haus mit Gästen zu teilen. Das Geld, das er durch die Vermietungen einnimmt, investiert er in den Ausbau seines Zimmers. Die Räume sollen so immer gemütlicher und praktischer werden. Genauso wichtig wie das Geld ist Artan aber das persönliche Feedback der Gäste: „Es ist einfach fantastisch, wenn man nette Menschen trifft und diese mich nach ihrer Abreise mit lieben Worten belohnen.“

Geldstrafen bis zu 100.000 Euro für private Vermietungen in Berlin

Die Gastgeber und auch die anbietenden Plattformen verdienen meist sehr gut. Das passt nicht immer allen und hat mitunter sogar weitreichende Folgen. In manchen Ländern ist Airbnb längst problematisch geworden. In Deutschland beispielsweise geht die Stadt Berlin mittlerweile mit einem Gesetz gegen solche Plattformen vor. Seit 1. Mai dieses Jahres ist es demnach illegal, Wohnung privat zu vermieten. Durch das sogenannte Zweckentfremdungsgesetz macht sich jeder strafbar, der eine Wohnung anders nutzt als zum dauerhaften Wohnen. Wer trotzdem vermietet, riskiert Geldstrafen bis zu 100.000 Euro.

Berlin geht damit im weltweiten Vergleich mit am schärfsten gegen Übernachtungsportale wie Airbnb und Wimdu vor. Und das nicht ohne Grund: Laut einer Studie des Immobilienentwicklers GBI will jeder elfte Hauptstadttourist in Deutschland lieber in bei Privatleuten unterkommen als im Hotel. Man will eben mittendrin sein, im Kiez, unter echten Berlinern. Die Suchenden sorgen so jedoch dafür, dass der ohnehin schon angespannte Wohnungsmarkt so noch stärker ins Wanken gerät. Mittlerweile ist die Situation dermaßen angespannt, dass nur noch so gut wie für jeden zwölften Ein-Personen-Haushalt eine Einzimmerwohnung verfügbar ist. In besonders beliebten Bezirken wie Kreuzberg oder Mitte sind die einzigen Immobilien, die noch frei sind, private Ferienunterkünfte.

Auch in Paris kämpft die Stadt mit dem professionellen Betreiben privater Ferienunterkünfte. Allein Airbnb besitzt in der französischen Metropole mehr als 40.000 aktive Anbieter. Auch hier möchte die Regierung nun gegen die Privatvermietungen vorgehen. Albanien blieb von solchen Problemen bisher noch unberührt, Touristen sind willkommen.

Albanien will Griechenland die Touristen ablocken

Nach Krisen und Kriegen hatte Albanien lange Zeit international mit einem ausgesprochenen Negativimage zu kämpfen. Dem versucht sich das Land nun endgültig zu entsagen. War die Küstenstadt Saranda zu kommunistischen Zeiten noch komplett abgeschottet, hat sich gerade hier mit der Öffnung des Landes hin in Richtung Westen im Tourismussektor Entscheidendes getan.

Um mit der angrenzenden griechischen Urlaubsinsel Korfu konkurrieren zu können, soll Saranda nun sogar einen eigenen Flughafen bekommen. Viele Touristen kämen von Korfu aus auf das albanische Festland, sagt Aristotel Bita. Er ist der behördliche Tourismusbeauftragte von Saranda. In Zukunft solle das jedoch umgekehrt laufen:

„Die Touristen sollen hier bei uns in Saranda landen, um dann von hier aus Griechenland wie etwa die Insel Korfu zu besuchen, denn Albanien ist insgesamt viel günstiger für die Touristen. Das sind unsere strategischen Pläne für den Tourismus in Albanien.“

Das Potenzial der albanische Riviera ist riesig. 362 Kilometer atemberaubende, unverdorbene Küste säumen das Bild an der Adria und am Ionischen Meer. Im Landesinneren eignen sich zerklüftete Berglandschaften zum Wandern und für Abenteuersportler. Man findet Landstriche voller griechischer, römischer und byzantinischer Überreste. Und mit mehr als 190 Sonnenstunden im Jahr hat Albanien sogar das gleiche Klima wie St. Tropez.

Nun muss das Land es nur noch schaffen, den Segen des Tourismus anzunehmen und ihn bestmöglich auszuschöpfen, um Albanien wirtschaftlich nach vorne zu bringen. Es gilt, den schlechten Ruf aus vergangenen korrupten und kriminellen Tagen abzustreifen, Erfahrungen im neuen Aufschwung zu sammeln und diese für Land und Leute bestmöglich umzusetzen.

Macht Digitalisierung krank?

Macht Digitalisierung krank?

Mobiles Internet, öffentliche WLAN-Spots, voller Netzempfang – egal, von wo: Auf die Digitalisierung wollen und können nur noch wenige verzichten. Die Nachfrage ist groß. So groß, dass die Netzanbieter hierzulande mit dem Ausbau kaum hinterherkommen. Digital gesehen, hängt Deutschland hinterher. Nur zögerlich bieten Städte öffentliches WLAN an. Die Deutsche Bahn wirbt seit Jahresbeginn 2017 mit kostenfreiem WLAN in ihren ICEs. Es geht also weiter voran, den Standards anderer europäischer Länder folgend.

Auch in Entwicklungsländern ist voller Empfang immer wichtiger. Neue Apps sollen Bauern zu mehr Wohlstand verhelfen, Informationen bis in den letzten Winkel eines jeden Landes vordringen. Vernetzung wird grundsätzlich als Segen wahrgenommen.

Doch eine Frage bleibt bei der Entwicklung auf der Strecke: Tut die Digitalisierung eigentlich gut? Welche Auswirkungen hat das ständige Signal auf die Gesundheit? Strahlung riecht, schmeckt und sieht man eben nicht – also kein Grund zur Sorge?

Bei unserer Recherche haben wir keine kritischen Stimmen gefunden, die sich zu den möglichen gesundheitlichen Folgen des Netzausbaus in Entwicklungsländern äußern. Also haben wir uns gefragt: Wie ist das eigentlich bei uns in Deutschland? In einem hochentwickelten Land, in dem wir an die Vorzüge der Vernetzung schon längst gewöhnt sind?

Wir laden Sie ein, in diesem Multimediaprojekt die verschiedenen Erfahrungen, Standpunkte und Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und Gesundheit kennenzulernen. Subjektive Empfindungen von Betroffenen sollen dabei für das Thema sensibilisieren – aber auch die wissenschaftliche Faktenlage wird in den folgenden Kapiteln dargestellt. Nicht zuletzt haben wir zusammengefasst, wie man sich vor Strahlungsbelastung schützen kann.

Hören Sie dazu zunächst die Geschichte von Marc aus Dresden. Der 37-Jährige glaubt, dass die Strahlenbelastung für seine gesundheitlichen Probleme wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und Schwindel verantwortlich ist. Das Phänomen wird als „Elektrosensibilität“ bezeichnet und ist wissenschaftlich umstritten. Ernst genommen wird Marc deshalb im eigenen Bekanntenkreis und auch im deutschen Gesundheitssystem fast nie:

Illustration: Hermann Bessonov

1. Elektrosensibilität

Können Menschen Strahlung spüren?

„Ja“, sagt Umweltmediziner Dr. Albrecht Hempel. Doch er weiß auch, dass der Nachweis der Krankheit schwierig ist, da ihre Symptome – Schlafstörungen, Schlappheitsgefühl, Kopfschmerzen – letztlich allgemeine Stresssymptome sind. Elektrosensibilität sei demnach vor allem eine Krankheit, die mit dem individuellen Umgang mit Stress zu tun hätte:

Nicht jeder, der von sich glaubt, elektrosensibel zu sein, ist es auch wirklich. Auch Dr. Albrecht Hempel erlebt in seiner Praxis in Dresden immer wieder, dass Menschen sich die Erkrankung nur einbilden und eine Art Phobie Strahlung gegenüber entwickelt haben. Er versucht Elektrosensibilität bei seinen Patienten nachzuweisen, indem er sie mehrfach der Strahlung eines Schnurlostelefons aussetzt. Diese Methode wird auch in klinischen Forschungsversuchen verwendet:

Wer mit einer erhöhten Herzratenvariabilität auf die Strahlung reagiert, gilt für Hempel als elektrosensibel. Individuell kann die die Empfindlichkeit ganz unterschiedlich sein. Der Arzt berichtet von Fällen, in denen Patienten einen Funkmast schon spüren können, bevor er für sie sichtbar ist. Dementsprechend reichen auch die Therapieansätze von Tipps zum Umgang mit dem eigenen Handy bis hin zu Übungen zur Stärkung des Nervensystems:

Umweltmediziner Hempel kritisiert das Gesundheitssystem in Deutschland stark. Für ihn ist es nicht überraschend, dass Elektrosensibilität nicht als Krankheit bei uns anerkannt wird. Die Gesundheit würde den wirtschaftlichen Interessen schlicht untergeordnet:

Und dennoch: Der Arzt will nicht zurück in die Steinzeit. Digitalisierung mit all seinen Vorzügen ja – aber mit Vorsicht und nicht zu jedem Preis, ist sein Plädoyer. Dafür findet Hempel eine einfache Metapher:

2. Strahlenarm leben

Strahlenarme Zonen in Italien und Frankreich

In Italien und Frankreich gibt es strahlenarme Zonen wie den Parc de Carnè in Italien. In Frankreich könnte Marc Zeit in der sogenannten EHS Refuge Zone (Elektrosensibilitäts-Zufluchtszone) verbringen – ein riesiges Privatgelände inmitten unberührter Natur mit sehr niedriger Strahlung und unberührt von elektromagnetischen Feldern. Die Zone bietet elektrosensiblen Menschen in Krisensituationen die Möglichkeit, sich zu erholen. Seit Mai 2010 gibt es für extreme Fälle einen Faradayschen Käfig auf dem Gelände, der nach der Ankunft für kurze Zeit genutzt werden kann.

Die Besucher der Zone können entweder in eigenen Wohnwägen übernachten oder ein Fahrzeug von der EHS Refuge Zone ausleihen. Alle Aufenthalte in der EHS Refuge Zone sind gratis. Kosten werden lediglich für strahlenfreies Wasser und gegebenenfalls für den Wohnwagen fällig.  Auf dem Gelände befinden sich Einrichtungen wie abgeschirmte Gemeinschaftsbereiche, Gasherde, Duschen, Toiletten, die Entladungsanlage, Beleuchtung mit Glühlampen oder LED-Lampen, Erdkabel, Wasser und Strom, welche ebenfalls umsonst genutzt werden können.

Strahlenbelastung im Alltag senken

Die Strahlenbelastung im Alltag kann man auch durch das eigene Verhalten senken. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat Tipps veröffentlicht, durch die sich die individuelle Strahlenbelastung senken lässt. Zusätzlich sind auf der Seite des BfS Empfehlungen zum Telefonieren mit dem Handy einsehbar:

Individuelle Strahlenbelastung senken

  • Telefonieren Sie mit Headset. Das gilt für Smartphones genauso wie für klassische Mobiltelefone.
  • Surfen im Internet und E-Mails abrufen sollten Sie möglichst nur bei gutem Empfang oder über WLAN. Bei WLAN ist die Sendeleistung in der Regel niedriger als bei den Mobilfunkstandards UMTS, GSM oder LTE.
  • Rufen Sie E-Mails nur bei Bedarf manuell ab.
  • Vermeiden Sie den Abruf von E-Mails, während Sie telefonieren. Wenn Sie Ihre persönliche Strahlenbelastung besonders gering halten möchten, schalten Sie den Hintergrunddatenverkehr ab.
  • Wenn Sie Ihr Smartphone am Körper tragen, achten Sie auf den vom Hersteller angegebenen Mindestabstand. Verwenden Sie das dazu mitgelieferte Tragezubehör.
  • Achten Sie beim Surfen im Internet mit Ihrem Tablet oder Smartphone auf einen ausreichenden Abstand zum Körper. Die Belastung mit hochfrequenten Feldern verringert sich deutlich je größer der Abstand ist.
  • Achten Sie beim Kauf auf einen möglichst niedrigen SAR-Wert.

Tipps für den Umgang mit dem Handy

Die elektromagnetischen Felder, die beim Telefonieren mit Handys in Körpernähe auftreten, sind im Allgemeinen sehr viel stärker als die Felder, denen man beispielsweise durch benachbarte Mobilfunkbasisstationen ausgesetzt ist. Die Empfehlungen des BfS beziehen sich daher auf die Benutzung von Handys. Sie zielen darauf ab, die Stärke (Intensität) der hochfrequenten Felder zu verringern und die Dauer der Strahlenbelastung (Exposition) zu verkürzen:

    • Nutzen Sie das Festnetztelefon, wenn Sie die Wahl zwischen Festnetz und Handy haben.
  • Halten Sie Telefonate mit dem Handy möglichst kurz.
  • Telefonieren Sie möglichst nicht bei schlechtem Empfang, wie zum Beispiel im Auto ohne Außenantenne. Je schlechter die Verbindung zur nächsten Basisstation ist, desto höher muss die Leistung sein, mit der das Handy sendet – und damit die Stärke (Intensität) des hochfrequenten Feldes. Die Autokarosserie zum Beispiel verschlechtert die Verbindung und das Handy sendet deshalb mit einer höheren Leistung.
  • Verwenden Sie Handys, bei denen Ihr Kopf möglichst geringen Feldern ausgesetzt ist. Je geringer der SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) Ihres Handys ist, desto geringer das Feld. Die SAR-Werte der verfügbaren Handy-Modelle finden Sie in der SAR-Liste. Die Hersteller der Handys geben die unter festgelegten Bedingungen ermittelten SAR-Werte in der Regel in der Gebrauchsanweisung an. Auch auf den Internetseiten der Handyhersteller sind oftmals entsprechende Angaben zu finden.
  • Nutzen Sie Head-Sets. Die Intensität der Felder nimmt mit der Entfernung von der Antenne schnell ab. Durch die Verwendung von Head-Sets wird der Abstand zwischen Kopf und Antenne stark vergrößert. Der Kopf ist beim Telefonieren deshalb geringeren Feldern ausgesetzt.
  • Schreiben Sie Textnachrichten. Dabei halten Sie das Handy nicht am Kopf.
3. Kopfsache?

Der Nocebo-Effekt

Grundsätzlich schließen Experten nicht aus, dass es elektrosensible Menschen geben kann – wissenschaftlich bewiesen ist die Elektrosensiblität aber nicht.

Es gibt Wissenschaftler, die zwar nicht an den Symptomen der Elektrosensiblen zweifeln, aber glauben, dass die Ursache nicht die elektromagnetischen Felder an sich sind, sondern die Angst davor. Auch Dr. Frank Gollnick vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit an der Uniklinik RWTH Aachen und Dr. Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst verweisen auf den sogenannten Nocebo-Effekt, das negative Pendant zum Placebo-Effekt. Placebo heißt auf lateinisch „Ich werde heilen“, Nocebo heißt „Ich werde schaden“. Im Bezug auf Elektrosensibilität heißt das: Lediglich die Annahme, dass sich elektromagnetische Strahlung negativ auf den Körper auswirken kann, führt zu körperlichen Reaktionen – egal, ob die Strahlung real ist oder nicht.

Schlafforscher der Berliner Charité haben ein Experiment durchgeführt, bei dem sie in zehn Dörfern mobile Sendemasten installierten und den Schlaf von knapp 400 Freiwilligen untersuchten. In fünf von zehn Nächten waren die Sendemaster allerdings nicht aktiv. Das Ergebnis der Studie: Was die Schlafqualität der Probanden angeht, konnten keine Unterschiede zwischen der realen (Sendemastern aktiv) und fingierten Situation (Sendemasten inaktiv) festgestellt werden. Die Schlafqualität hing vielmehr davon ab, ob die Versuchspersonen besorgt oder unbesorgt im Hinblick auf Elektrosmog waren: In Nächten mit vorgetäuschter Strahlung schliefen die Probanden, die sich generell besorgt über elektromagnetische Wellen geäußert hatten, deutlich schlechter als diejenigen, die unbesorgt waren.

4. Forschungsstand

Höhere Strahlenbelastung durch Digitalisierung und Netzausbau?

Digitale Gesellschaft, Industrie 4.0, Internet der Dinge – das sind die politischen Schlagworte der Stunde. In Sachen Digitalisierung muss Deutschland allerdings einiges nachholen. So verfügen in weiten Teilen Ostdeutschlands nur zwischen 10 und 50 Prozent der Haushalte über schnelles Internet mit einer Datenrate von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Das zeigt der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Bis 2018 will das BMVI diese Lücken schließen. Dann sollen bundesweit alle Haushalte auf Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s zugreifen können.

Mit Erdkabeln allein ist dieses optimistische Ziel nicht zu erreichen. „Glasfaser vollständig bis in alle Haushalte zu verlegen, würde bis weit in die 2030er Jahre dauern, weil die Tiefbaukapazitäten in Deutschland beschränkt sind“, sagt Philipp Blank, Pressesprecher der Deutschen Telekom AG. Um ein flächendeckendes Breitbandnetz von 50 Mbit/s bis 2018 einzurichten, brauche es daher sowohl Festnetz- als auch Mobilfunktechnologien im richtigen Technologiemix. So geht der Breitbandausbau zwangsläufig einher mit mehr hochfrequenter Strahlung, verursacht durch mehr leistungsstarke Breitbandantennen. Zusätzlich plant das BMVI, bis 2020 den neuen Mobilfunkstandard 5G einzuführen. Datenraten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) sollen dann möglich sein.

Dr. Frank Gollnick arbeitet an der Uniklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Sein Fachgebiet sind die Wirkungen hochfrequenter und niederfrequenter elektromagnetischer Felder auf Mensch und Umwelt. Außerdem ist er Mitarbeiter beim EMF-Portal der RWTH Aachen. Im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) werden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Auswirkungen elektromagnetischer Strahlungen erfasst und öffentlich zugänglich gemacht. Wie Dr. Frank Gollnick erläutert, operiert die neue Technologie mit Frequenzen im mit Frequenzen im höheren Gigahertz-Bereich zwischen 6 und 100 Gigahertz.

Interessanterweise müssen die elektromagnetischen Felder des zukünftigen Mobilfunkstandards nicht automatisch eine höhere Feldbelastung für den Einzelnen bedeuten. Im Gegenteil: 5G kann sogar weniger Einfluss auf das Körpergewebe haben als die alten Standards GSM und UMTS. Denn Felder mit Frequenzen ab 6 GHz dringen laut Gollnick nicht so tief in den Körper ein wie die Felder heutiger Mobilfunkstandards. Betroffen seien dann vor allem die oberen Hautschichten des Menschen. Innere Organe würden dagegen nicht mehr nennenswert erreicht. „5G birgt somit wahrscheinlich eher weniger Gefahren, da sich in den oberen Hautschichten nicht so viel an Körperphysiologie abspielt wie im Körperinneren.“

Dem steht entgegen, dass Datenverkehr und Sendeeinrichtungen weiter zunehmen werden, was die Feldbelastung grundsätzlich erhöht. Durch die sich verändernde Netzarchitektur wird jedoch auch hier die Feldbelastung für den Einzelnen wahrscheinlich nicht wesentlich höher. „In Ballungsgebieten werden künftig wenige starke, zentrale Sender durch ein Netz von flächendeckenden, schwachen Sendern ersetzt“, erklärt Gollnick und präzisiert: „Das sind Mikrosendeanlagen vergleichbar der Leistung normaler WLAN-Router.“ Und WLAN-Router hält der Biologe, verglichen mit Mobiltelefonen, für eher unbedenklich. Denn sie senden mit relativ kleiner Leistung und man trägt sie nicht am Körper.

Mobiltelefone werden dagegen nahe am Körper betrieben, wodurch die Feldbelastung für den Einzelnen im Betrieb um ein Vielfaches höher ist als durch die Mobilfunk-Basisstationen. Dies wird sich auch bei den künftigen Mobilfunkstandards aller Voraussicht nach nicht ändern.

Thermische vs. nicht-thermische Wirkungen elektromagnetischer Strahlung

Grundsätzlich sind im Hochfrequenzbereich, in dem Mobilfunkgeräte arbeiten, einzig thermische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Körper  zweifelsfrei nachgewiesen. Dabei wird die Erwärmung des Gewebes um bis zu ein Grad als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Durch die gesetzlich gültigen Grenzwerte beispielsweise für Mobilfunkfrequenzen wird dieser Wert allerdings deutlich unterschritten. Wie das Sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft auf seinen Internet-Seiten informiert, erwärmen sich der Körper oder einzelne Körperteile um maximal 0,5 Grad, werden die entsprechenden Grenzwerte eingehalten.

Der Begriff der nicht-thermischen Wirkung ist hingegen irreführend, weil hochfrequente elektromagnetische Felder sich überhaupt nur thermisch auf biologisches Material auswirken. „Nicht-thermische Wirkungen sind dann eben nicht messbare, minimale Temperaturerhöhungen, die nicht ausgeschlossen sind“, beschreibt es Frank Gollnick. Auch diesen minimalen Wirkungen unterhalb der Grenzwerte trauen Wissenschaftler aber zu, dass sie biochemische Prozesse beeinflussen können.

In diesem Feld der Forschung geht es aber genau um jene wissenschaftlich und in der Öffentlichkeit zuweilen emotional diskutierte Frage eines möglicherweise erhöhten Krebsrisikos durch hochfrequente elektromagnetische Felder. Gollnick fasst zusammen: „Der nicht-thermische Bereich wird in der Wissenschaft noch intensiv geforscht, die Datenlage unsicher. Deshalb werden diese Wirkungen von seriöser Seite nur als möglicherweise krebserregend eingeschätzt.“

Wenn aber derartige Wirkungen unterhalb der Grenzwerte durchaus für denkbar gehalten werden, ist es dann nicht ein Fehler, die digitalen Umbrüche unserer Zeit unhinterfragt immer weiter voran zu treiben? Gollnick geht so weit nicht. „In diesem Bereich wird schon zwanzig bis dreißig Jahre geforscht und in dieser Zeit sind die Krebsraten nicht nennenswert angestiegen. Es sind keine klaren Wirkungen erkennbar, sodass man nicht von einer deutlichen Gefahr sprechen kann.“ Subtile, geringfügige oder sehr langfristige gesundheitliche Folgen, die noch erforscht würden, könne man seiner Ansicht nach zunächst in Kauf nehmen. Denn das Risiko sei, sollte eines bestehen, gegenüber anderen schädlichen Umwelteinflüssen wie etwa Dieselruß vergleichsweise klein.

Können Mobilfunkgeräte DNA-Brüche verursachen?

Elektromagnetische Wellen sind im Frequenzbereich von Mobilfunk-Anwendungen nicht energiereich genug, um DNA direkt zu schädigen. Somit können sie auch keine DNA-Strangbrüche verursachen. Möglich wäre deshalb höchstens eine indirekte Schädigung, nämlich dann, wenn elektromagnetische Felder bestimmte biochemische Prozesse in den Zellen negativ beeinflussen.

„DNA unterliegt ständig einer gewissen Rate an natürlichen Brüchen und entsprechenden Reparaturprozessen“, so Frank Gollnick. Diese Brüche würden unter anderem verursacht durch Sauerstoffradikale, sogenannte Peroxide.

Elektromagnetische Felder könnten also, wenn sie den Spiegel oxidativer Stoffe in der Zelle erhöhen, den Anteil an DNA-Strangbrüchen so vergrößern, dass die Reparaturvorgänge nicht mehr ausreichend nachkommen. In der Wissenschaft spricht man dann von oxidativem Stress. Dadurch könnten vermehrt Mutationen auftreten und sich möglicherweise Tumoren bilden. Wissenschaftliche Hinweise auf solche Vorgänge gibt es, jedoch bei niederfrequenten Feldern wie sie an Stromleitungen entstehen. Gollnick untermauert: „Nach neueren Forschungen hat sich diese Wirkung für die hochfrequenten Felder im Mobilfunk-Bereich nicht bestätigen lassen – bei niederfrequenten Feldern wird es aber tatsächlich für möglich gehalten.“

5. Fazit

Was ist nun wahr, was nicht? Es ist nicht leicht, verschwörungstheoretische Behauptungen von tatsächlichen Risiken klar zu trennen. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass in der Forschung noch immer einige offene Fragen bestehen.

Elektrosensibilität – ein Mythos?

Elektrosensibilität ist ein für die Wissenschaft schwieriges Feld. Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass Menschen tatsächlich körperlich auf elektromagnetische Strahlungsquellen reagieren. Doch liegt schon hier ein erstes Problem. Das Krankheitsbild ist derart unspezifisch, dass sich Elektrosensibilität durch diverse körperliche Reaktionen äußern kann. Laborversuche scheitern meist durch die hohe Zahl an Störfaktoren, die sich kaum ausschließen lassen. Für die Probanden kommt hinzu, dass sich die abgeschirmten Laborbedingungen zu stark von ihrem alltäglichen Umfeld unterscheiden. Deshalb reagieren sie im Versuch möglicherweise anders.  „Es ist schwer, den Betroffenen so weit entgegen zu kommen, dass sie sich wohl fühlen und Störfaktoren zugleich weitgehend ausgeschlossen sind“, beschreibt Gollnick die Problematik. „Uns ist derzeit noch kein Weg bekannt, wie man einmal klipp und klar nachweisen könnte, dass es dieses Phänomen tatsächlich gibt.“ In  diesem Bereich wird aber weiter geforscht.

Weitere offene Fragen

Offene Fragen zu den Risiken elektromagnetischer Strahlung betreffen vor allem niederfrequente Felder. Zum einen wird in der Forschung ein möglicherweise erhöhtes Kinderleukämie-Risiko diskutiert. Dabei spielt die alltägliche Nähe zu Strommasten eine Rolle. Nach Angaben Frank Gollnicks gibt es hierzu deutliche Hinweise aus Bevölkerungsstudien, die sich im Labor aber bislang noch nicht erhärtet haben. Zum anderen gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für ALS- sowie Demenzerkrankungen bei Personen, die beruflich mit starken Stromquellen arbeiten. Auch das deuten Bevölkerungsstudien an.

Im hochfrequenten Bereich ist die Forschung weiterhin beschäftigt mit der Frage eines eventuell erhöhten Tumor-Risikos durch intensive Nutzung von Mobiltelefonen. „Da sind die Nutzungszeiträume noch nicht lang genug, um eine endgültige Aussage zu treffen“, so Gollnick. Deshalb in Panik zu geraten, hält er angesichts des Risikos, das er als vergleichsweise gering einschätzt, für unangebracht. „Aber es ist gut, dass die Diskussion geführt und an den offenen Fragen fortlaufend geforscht wird. Dass man totale Entwarnung geben kann, würde ich nicht sagen.“

Eine abschließende Beurteilung bleibt also schwierig. Bis die Forschung zu eindeutigen Ergebnissen kommt, gilt zumindest: Vorsicht im Umgang mit Strahlung ist auf jeden Fall nicht gesundheitsschädlich.