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Weniger Stereotype wagen

Die Berichterstattung über afrikanische Länder ist nach wie vor von Stereotypen geprägt. Bereits die Ausbildung kann darüber entscheiden, ob und wie junge Journalisten für die Problematiken der Afrika-Berichterstattung sensibilisiert werden.

Ein Gedankenexperiment: „Wir haben 100 Leute gefragt: Nennen Sie Begriffe, die Sie mit Afrika verbinden.“ In der beliebten Spielshow „Familien Duell“ mussten in den 90er Jahren Familien die häufigsten Antworten auf eine Frage erraten, die zuvor 100 Personen gestellt worden war. Was wären wohl die Antworten? Vermutlich eher Begriffe wie Hunger, Armut, Aids oder Kriege und wohl weniger Kultur, Vielfalt oder Wachstum.

Es ist erstaunlich, dass das Bild des Kontinentes Afrika nach wie vor von negativen Stereotypen dominiert und verzerrt wird, schließlich gehören mehrere afrikanische Länder zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Zudem weckt die rasante Digitalisierung in Ländern wie Kenia das Interesse von Investoren (z.B. in der„Silicon Savannah“).

Warum bleibt Afrika in den westlichen Köpfen trotz alledem der „K-Kontinent“ – geprägt von Krisen, Katastrophen, Kriegen, Krankheiten? Einer der Sündenböcke sind sicherlich die Vorurteile in den Redaktionen. „Die Journalisten sagen häufig: ‚Für Afrika interessieren sich die Menschen bei uns nicht so sehr. Also müssen wir die Geschichten erzählen, bei denen man an Vorerwartungen anknüpfen kann‘“, meint Markus Behmer, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft an der Universität Bamberg. „Und genau deshalb, weil die Medien immer das gleiche und insgesamt nicht viel über Afrika berichten, interessieren sich die Leute nicht so sehr dafür.“ Ein verhängnisvoller Kreislauf.

(K)eine Afrika-Expertin

Sich als Afrika-Expertin zu bezeichnen findet Isabel Pfaff ein wenig vermessen, dennocherfüllt die Redakteurin im Ressort Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung intern genau diese Rolle. „Wir sind faktisch zwei Leute, die schwerpunktmäßig zu Afrika arbeiten in der Zeitung. Da fungieren wir halt erst einmal als Afrika-Experten, auch wenn wir uns in viele Dinge erst einmal einarbeiten müssen“, erklärt Pfaff. „Ich fände es auch besser, wenn es anders wäre: Wenn ich zum Beispiel Ost-Afrika-Expertin wäre, aber die deutsche Medienwelt funktioniert in Bezug zu Afrika leider so.“ Die Berichterstattung abseits der K-Themen gestaltet sich schwierig:

„Es ist schwierig. Einerseits, weil wir diese Klischees haben in Deutschland und auch in der Redaktion. Es ist aber auch deshalb schwierig, weil auf diesem großen Kontinent diese Dinge auch weiterhin passieren. Als Journalistin will ich die Leute auch nicht hängen lassen, die unter diesen Situationen leiden – und die Situationen gibt es.“ – Isabel Pfaff, Süddeutsche Zeitung

„Das heißt natürlich nicht, dass das überall so ist. Genauso muss man Artikel darüber schreiben, dass sich viele Dinge verbessert haben. So sollte man es flankieren“, fügt Pfaff hinzu. Das nötige Hintergrundwissen kann sie unter anderem aus ihrem Afrikanistik-Studium beziehen. Doch nicht jeder Journalist, der über Afrika berichtet, hat sich mit der Thematik wissenschaftlich auseinandergesetzt. Manchmal seien diese Korrespondenten jedoch genau deswegen gut in ihrem Job. „Sie schauen mit einem ganz unbedarften Blick auf die Themen und das stört mich als Fachfrau dann vielleicht, weil ich oft das Gefühl habe, dass es verzerrend oder gar falsch ist, aber für Nicht-Experten funktioniert dieser Ansatz wohl besser“, erklärt Pfaff. Ihr Afrikanistik-Studium sei trotzdem eine wichtige Ausbildungsstation gewesen. „Ich weiß inzwischen, dass das einem die Arbeit nicht unbedingt erleichtert, weil man viele Schattierungen sieht, die letztlich nicht im Artikel landen können. Von daher: Es ist vielleicht der richtige Weg, aber es ist auch ein steiniger.“

In der Ausbildung Bilder korrigieren

Petra Kohnen (2. v. l.) arbeitet mit Studierenden aus aller Welt.

Wie also sieht die perfekte Ausbildung aus, um angehende Journalisten für die Probleme der Berichterstattung über Afrika zu sensibilisieren? Markus Behmer betont, wie wichtig es ist, dass Studierende sich mit Menschen aus afrikanischen Ländern austauschen und Netzwerke aufbauen, die sie auch nach ihrem Studium noch nutzen können. „Die Hoffnung besteht, dass es viel stärker wirkt, wenn man Menschen im direkten Gespräch begegnet, als wenn man nur etwas darüber liest.“ Bereits seit 15 Jahren sei genau das der Anspruch der Bildkorrekturen-Tagung. Zudem können Reisen in die jeweiligen Länder helfen stereotype Bilder zu korrigieren. Das weiß auch Petra Kohnen, die Leiterin der Internationalen Studienprogramme der Deutschen Welle Akademie: „Wir haben deutsche Studierende, die immer sehr überrascht sind, wenn wir zum Beispiel nach Ägypten gehen und dort die Umwelt eine sehr geringe Rolle spielt. Wir denken, dass wir unsere Umweltstandards mit rüberbringen. Das ist auch ein Bild, welches wir korrigieren müssen: Dass die darauf jetzt nicht gerade gewartet haben…“

Hauptsache digital?

Auch wenn im Internet unzählige Informationen über afrikanische Länder nur einen Klick entfernt sind, darf der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort nicht fehlen. Dennoch hat die Digitalisierung sowohl die Arbeit der Redakteure als auch die Ausbildung dazu verändert. Isabel Pfaff denkt, dass die Digitalisierung helfe, Stereotype zu vermeiden: „Schon allein, weil man viel öfter Afrikaner sprechen lassen kann als es sicher vorher der Fall war.“ Trotz der Informationsfülle befürchtet sie nicht, dass nur noch in sozialen Medien wie Twitter und nicht mehr vor Ort recherchiert wird: „Das ist in Bezug auf Afrika Unsinn, weil es ja nicht so war, dass wir früher zehn Leute auf dem Kontinent hatten, die Berichterstattung vor Ort gemacht haben, sondern wir hatten genauso wie jetzt eine Person und die hatte damals nicht diese ganzen Quellen zur Verfügung, die es heute gibt.“ Vielmehr helfen die sozialen Medien, schneller an afrikanische Haltungen und Meinungen heranzukommen.

Ein Heimspiel für angehende Journalisten, die sich zu der Generation der Digital Natives zählen dürfen? „Man kann die modernen Medien dazu nutzen, um dann tatsächlich zu verifizieren, ob Strategien, ob politische Agenden und so weiter tatsächlich so umgesetzt werden“, erklärt Kohnen. Dennoch sei es wichtig, dass die Studierenden lernen Inhalte aus dem Netz auf ihre Echtheit und ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wenn die jungen Redakteure soziale Medien als Informationsquelle nutzen, ist es folglich enorm wichtig kritisch zu bleiben.

„Die digitalen Medien sind manchmal eher dazu geneigt Stereotype zu verfestigen, weil viele sich in ihren Filter-Bubbles und ihren Echo-Räumen bewegen.  Aber die Chance ist zumindest da: Die Chance, dass andere Stimmen laut werden – gerade in Staaten, wo wenig Medienfreiheit ist.“ – Markus Behmer, Universität Bamberg

Mit Filter-Bubbles und Echo-Räumen ist gemeint, dass Algorithmen in den sozialen Medien nur die Inhalte einblenden, die den Nutzer vermeintlich interessieren. Dadurch wird das eigene Informationsspektrum eingeengt und andere Meinungen können untergehen. Die sozialen Medien werden zu Echo-Kammern, in denen Gleichgesinnte ihre Auffassungen wie ein Echo zurückbekommen. Gleichzeitig betont Behmer aber auch, dass es in vielen Staaten Afrikas eine lebendige Blogger-Szene gebe und so auch neue Stimmen Gehör fänden. „Die brauchen allerdings Verstärker. Die Verstärker müssen wiederum die Leitmedien sein. Damit über diese Medien dann eben wieder berichtet wird und das dann wiederum an die Ohren mehrerer Menschen kommt.“

Das von Stereotypen geprägte Afrika-Bild mag in vielen westlichen Köpfen allzu tief festsitzen. Doch eine geeignete Ausbildung der Journalisten ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um mit Vorurteilen aufzuräumen. Auch Projekte wie „Journalism in a Global Context“ oder „JournAfrica!“ wollen das Afrika-Bild korrigieren.

Kriege, Krisen, Krankheiten? Taucht Afrika in europäischen Medien auf, handelt es sich meist um Negativ-Nachrichten. So vermitteln einseitige, oft fehlerhafte Darstellungen ein verzerrtes Bild des schwarzen Kontinents. Umgekehrt weist die Berichterstattung afrikanischer Medien über Deutschland und benachbarte Länder große Mängel auf. Das Projekt „Journalism in a Global Context“ soll dies zukünftig verbessern.

Die Idee ist einfach: Afrikanische und deutsche Journalismus-Institute sollen miteinander vernetzt werden, um den Austausch zwischen Afrika und Europa zu fördern. Auf deutscher Seite beteiligen sich das Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus der TU Dortmund und das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Bamberg. Zusammen mit dem Verein Africa Positive planen sie eine webbasierte Plattform.Dort sollen afrikanische und deutsche Nachwuchsjournalisten gemeinsam an Beiträgen arbeiten, die sich vor allem mit der Situation von Migranten auf dem Weg nach Europa und der Lebensrealität in Deutschland beschäftigen. Dies geschieht im Rahmen universitärer Kurse. Indem die Studierenden unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, wird der Blick über den Tellerrand und damit eine professionelle Auslandsberichterstattung gefördert. Zudem soll die Plattform die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre unterstützen.

Medien bedienen Stereotype

In der aktuellen Flüchtlingskrise wird das Informationsdefizit über afrikanische Länder besonders deutlich. Europäische Medien fokussieren vor allem die Auswirkungen der Zuwanderung auf das Inland und die Flüchtlingspolitik in der Europäischen Union. Fluchtursachen und -motive blenden sie meist aus. „Die Flüchtlingswelle wird mit Hunger und Krieg erklärt. Dabei liegen die Ursachen viel tiefer – korrupte Regierungen, internationale Multis, die die Rohstoffe der afrikanischen Länder ausbeuten, und die globale Waffenindustrie tragen massive Mitverantwortung“, kritisiert Eric Chinje, Präsident der African Media Initiative. Die Medien berichten oftmals vereinfachend – sie bedienen weitverbreitete Stereotype, die den Lesern vertraut sind. Afrika wird meist mit Kriegen, Krisen und Krankheiten in Verbindung gebracht – die Flüchtlingskrise bildet dabei keine Ausnahme.

„Stereotype sind notwendig, um Komplexität zu reduzieren. Nur werden diese in den Medien zu wenig hinterfragt. Es ist einfach, in eingefahrenen Gleisen weiterzufahren. Die Gleise zu verlassen, bedeutet viel Aufwand.“
Markus Behmer, Professor an der Universität Bamberg und Mitbegründer des Projekts

Ferner bleibt die Migration innerhalb des Kontinents weitgehend unbeachtet, denn die meisten Menschen fliehen in angrenzende Nachbarländer. Laut dem Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen lebten 2014 neun von zehn Flüchtlingen in Entwicklungsländern.

Teil der Problematik ist auch die geringe Zahl westlicher Korrespondenten; so ist häufig nur ein Reporter für 33 afrikanische Länder zuständig.

„Die Afrikaner kennen Afrika nicht“

In Afrika fehlt es bei der Auslandsberichterstattung an einer entsprechenden Ausbildung der Journalisten. Wird über andere Länder informiert, dienen oft internationale Nachrichtenagenturen oder ausländische Fernsehprogramme wie die BBC als Quelle. „Die Afrikaner kennen Afrika nicht. Weniger als ein Prozent der Inhalte thematisiert andere afrikanische Länder”, so Eric Chinje bei der diesjährigen Bildkorrekturen-Konferenz. Dabei wäre eine intensive Beschäftigung mit den Nachbarländern Voraussetzung für wirtschaftliche Zusammenarbeit und politischen Austausch. Die Defizite in der Berichterstattung sind somit mitverantwortlich, dass innerhalb Afrikas kaum Überlegungen zu Ursachen und Lösungsmöglichkeiten der Flüchtlingskrise vorhanden sind. Die Artikel der Studierenden beschäftigen sich auch mit diesen Themen. Sie werden einer großen Leserschaft zugänglich gemacht, schließen so Informationslücken in der afrikanischen Bevölkerung und verbessern daher auch die Vernetzung innerhalb des Kontinents.

Falsche Hoffnungen an Europa

Außerdem zeigen viele afrikanische Medien nur Ausschnitte aus der Realität des Lebens in Europa. Da sie ihren journalistischen Aufgaben nicht gerecht werden, haben sich soziale Medien zu einer wichtigen Informationsquelle entwickelt. Bilder von Bekannten, die in Deutschland angekommen sind, ermutigen so den ein oder anderen, selbst zu fliehen. Es entsteht ein Teufelskreis aus mangelhafter Ausbildung, defizitärer Berichterstattung und Flucht. Hier setzt „Journalism in a Global Context“ an mehreren Punkten an: Zum einen thematisieren die Beiträge der Studierenden das Leben in Deutschland und Alternativen zur Flucht; zum anderen fördert das Projekt die journalistische Ausbildung junger Afrikaner, um eine differenziertere Berichterstattung auch langfristig sicherzustellen.

Hilfsorganisationen – Mitgefühl wecken oder Stereotype verstärken?

Geht es um Hilfsorganisationen in Deutschland, fallen einem zahlreiche Namen, vielleicht sogar ganze Werbeslogans der Organisationen ein. Kein Wunder, ob an der Bushaltestelle oder am Bahnhof, die großen Plakate mit weinenden Kinderaugen oder hungernden Menschen kennen wir alle. Gerade zur Weihnachtszeit werben die Organisationen um Spenden, immer mit der impliziten Botschaft, auch mal an Andere zu denken – Menschen denen es schlechter geht als uns. Dabei bleibt der schale Beigeschmack, ob diese Bilder nur Mitgefühl wecken oder auch bereits bestehende Bilder in uns verstärken – Stereotype?

Afrika ist ein gutes Beispiel. Das Wissen über den Kontinent und seine verschiedenen Länder beschränkt sich bei vielen Deutschen auf ein Mindestmaß. Ausgenommen natürlich wir beschäftigen uns tatsächlich bewusst mit dem Kontinent. Ansonsten sehen wir aber eben oftmals das, was uns von Außen über Medien oder Werbung an uns herangetragen wird. Dazu gehören auch die Plakate von Hilfsorganisationen. In der täglichen Berichterstattung nehmen afrikanische Länder eine Nebenrolle ein, es sei denn es geht um Kriege, Konflikte oder Hungersnöte. Selbstverständlich ist es wichtig über diese Themen zu berichten. Genauso wäre es jedoch auch wichtig, in einer Welt in der wir aufgrund von Globalisierung und Digitalisierung immer mehr zusammenwachsen, uns endlich gegenseitig besser kennenzulernen und voneinander zu lernen. Es gibt nicht nur Kriege und Hungersnöte in Afrika über die es zu berichten gilt.

Über Afrikas Vielfalt und das Potential von Ländern wie Kenia

Um beim Beispiel Afrika zu bleiben, wäre es zunächst wichtig die Vielfalt dieses Kontinents stückweise zu begreifen. Afrika sollte nicht gänzlich in die Schublade der Hilfsbedürftigkeit geschoben werden. Der Kontinent besteht aus 54 Staaten und kann in verschiedene Regionen unterteilt werden. Eine gängige Unterteilung Afrikas ist die in Subsahara-Afrika und Nordafrika, wobei die Wüste Sahara hier als geografische und klimatische Übergangszone verstanden wird. Alles was südlich der Sahara liegt wird daher als Subsahara-Afrika bezeichnet. Der Großteil der afrikanischen Länder zählt zu diesem Gebiet. Selbstverständlich gibt es aber auch zwischen diesen 49 Ländern,  zum Teil große Unterschiede hinsichtlich Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Politik. Neben Ländern wie Äthiopien, Ghana, Nigeria, Senegal oder Uganda zählt unter anderem auch Kenia zu der Region Subsahara-Afrika. Kenia gehört zu den Ländern, die sich in den letzten Jahren stark entwickelt haben.

Vor allem wirtschaftlich gesehen, ist das Land im Gegensatz zu anderen Ländern in Ostafrika gut aufgestellt und hat Potential weiter zu wachsen. Die Landwirtschaft ist zwar nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle, doch vor allem der Dienstleistungssektor und die IT-Branche spielen eine immer größere Rolle. Die Digitalisierung ist daher für Kenia enorm wichtig. Doch nicht nur für die Wirtschaft ist die zunehmende Digitalisierung eine Bereicherung, sondern auch für die Politik. Durch die wachsende Internetnutzung haben Bürger die Möglichkeit sich besser zu informieren. Das politische Mitspracherecht kann durch das Internet verbessert werden, was wiederum zu einer Stabilisierung der Politik beitragen kann. Auch der Bildungssektor profitiert von der Digitalisierung, da der Zugang für Lehrmaterial für Schüler durch das Internet erleichtert werden kann. Laut der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing der Bundesrepublik Deutschland „Germany Trade & Invest“, hat Afrika generell ein großes Potenzial wenn es um Internetwachstum geht. „Lag die Internetdurchdringung in Afrika 2012 noch bei 16% wird sie bis 2025 auf 50% steigen“, so schreibt die Gesellschaft auf ihrer Webseite.

Konflikte gibt es auf der ganzen Welt, Brennpunkte aber benötigen schnelle Hilfe

Kennen wir nur die Probleme afrikanischer Länder?

Letztendlich müssen wir in Europa begreifen, dass der Kontinent Afrika nicht schläft, nur weil wir womöglich nicht viel über Entwicklungen in der Berichterstattung hören. Möglicherweise müssen wir auch lernen neugierig zu bleiben und uns noch mehr für andere Länder um uns herum zu interessieren, der Digitalisierung sei Dank eigentlich kein Problem. Was wiederum die Hilfsbedürftigkeit Afrikas angeht, so gibt es speziell in Subsahara-Afrika immer noch große Armut, Krisen und Nöte. Unter anderem gibt es nach wie vor Probleme mit der Trinkwasser – und Gesundheitsversorgung der Menschen. Ebenso herrscht noch immer in vielen Gebieten Krieg. Konflikte über Ethnien und Terroranschläge verteilen sich über den ganzen Kontinent. Aufgrund des Flüchtlingsstroms begreifen wir nun auch in Deutschland, dass wir die Augen nicht vor den Problemen in anderen Kontinenten verschließen können. Wir wachsen alle zusammen.

Probleme und Konflikte verteilen sich auf der ganzen Welt, aber es gibt eben auch Brennpunkte, die schnelle und gezielte Unterstützung benötigen. Hier sind Hilfsorganisationen gefragt. Sie leisten eine Menge. Zum einen müssen sie vor Ort herausfinden, welche Hilfe konkret benötigt wird und Hilfskonzepte erstellen. Zum anderen müssen sie in dem Teil der Welt, der nicht von diesen Problemen bedroht ist, potentielle Spender erreichen. Dabei sollten sie aber darauf achten, die vorherrschenden Bedrohungen in dem zu helfenden Land menschenwürdig und authentisch darzustellen. Schließlich sollten nicht auch noch Stereotype bedient werden. Bei der Öffentlichkeitsarbeit von Hilfsorganisationen wird oft mit emotionalen Bildern von leidenden Menschen gearbeitet um wiederum andere helfende Menschen zu erreichen.

Isabel Pfaff

Niko Wald

Wenn wir über Stereotype sprechen, sollten wir auch Hilfsorganisationen nicht in einen Topf schmeißen. Zwei Menschen schon lange mit dem Thema Afrika auseinandersetzen sind Isabel Pfaff und Niko Wald. Sie haben eine klare Haltung gegenüber Hilfsorganisationen und deren Umgang mit emotionalen, teilweise klischeebehafteten Bildern. Durch seine Arbeit bei bekannten NGOs in Deutschland hat Niko Wald bereits Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsarbeit von Hilfsorganisationen sammeln können: „Seriöse Organisationen haben auch eine professionelle Bildsprache. Sie stellen die Würde des Menschen in den Mittelpunkt. Seriöse Organisationen tun alles, damit Menschen nicht dauerhaft von Hilfe abhängig sind.“ Auch Isabel Pfaff sieht es durchaus kritisch, dass manche Organisationen mit klischeehaften Bildern arbeiten. Allerdings kennt sie das Problem, mit dem auch Hilfsorganisationen kämpfen. Als Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, berichtet sie oft über Afrika und im Speziellen über Subsahara-Afrika. Ihr liegt der Kontinent am Herzen. Sie stellt dennoch immer wieder fest, dass sich Menschen in Deutschland kaum für Afrikathemen interessieren:

„Das ist ein Problem und das ärgert mich auch, aber ich glaube, man muss trotzdem weiter machen“ (Isabel Pfaff)

Sie erklärt, dass es Hilfsorganisationen womöglich oft ähnlich ergeht, da sie die Menschen hier vor Ort erreichen müssen, um auf Themen und Probleme in Afrika aufmerksam zu machen. Die Redakteurin könne sich daher vorstellen, dass Organisationen manchmal auch auf weniger differenzierte Botschaften zurückgreifen, um überhaupt einen Teil der Bevölkerung in Deutschland zu erreichen. Es stellt sich die Frage, ob die Möglichkeiten des Internets auch für Hilfsorganisationen eine Option sein können, sich und ihre Projekte ausführlicher und offener zu präsentieren? Niko Wald sieht mithilfe des Internets durchaus Chancen für Organisationen ihre Arbeit in mehreren Dimensionen darstellen zu können. „Storytelling ist ein großartiges Instrument, um Spenderinnen und Spender in mehr Facetten zu informieren als das etwa ein Flyer oder ein Plakat könnte. Es ist eine intensivere, authentischere – und aufrichtige – Art, zu vermitteln, um was es geht und warum es wichtig ist, hinzuschauen und Aufmerksamkeit, Zeit und vielleicht auch Geld beizusteuern.“ Es scheint demnach als böte das Internet durchaus Möglichkeiten für Organisationen sich und ihre Projekte transparenter darzustellen. In welchem Maße Hilfsorganisationen diese Option in kommender Zeit auch nutzen werden, bleibt abzuwarten. Möglicherweise besteht auch für den Journalismus die Möglichkeit, eher unliebsame Themen durch Storytelling-Maßnahmen für die Leserschaft interessanter aufzubereiten.

Stereotype können jedoch trotzdem bleiben, da kommt es auf etwas ganz anderes an. Isabel Pfaff sieht es nach wie vor als ihre Aufgabe im Journalismus, Bilder zu brechen ohne dabei die Message aus den Augen zu verlieren:

„Ich will Klischees nicht reproduzieren. Ich will eben gegen solche Bilder arbeiten…“ (Isabel Pfaff)

„Gleichzeitig stehe ich auch oft vor der Situation, dass Dinge, die als Klischee gelten, tatsächlich auch passieren – Kriege, Hungersnöte. Wenn diese Dinge passieren, dann halte ich es schon für meine Pflicht gegenüber den Betroffenen, das auch zu benennen und nicht unter den Teppich zu kehren.“ Es geht also bei der Berichterstattung nicht darum zwanghaft Klischeethemen vom Publikum fernzuhalten nur um Stereotype zu verhindern. Vielmehr geht es um ausgewogene Berichte, welche die Gräuel in anderen Ländern durchaus benennen aber auch Neuigkeiten enthalten, von denen die Leserschaft womöglich noch nicht gehört hat. Für Pfaff bleibt es schwierig, da „das deutsche Publikum oft nur das wahrnimmt, was ohnehin schon seinen Bildern entspricht.“ Dennoch glaubt sie daran, dass man weiterhin ein bisschen gegensteuern muss, um den Menschen auch viel von den positiven Gegebenheiten in den afrikanischen Ländern vermitteln zu können. Der Journalismus trägt daher, ebenso wie die Hilfsorganisationen bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit, die Verantwortung, mit klischeebehafteten Bildern vorsichtig umzugehen. Niko Wald ist bewusst, dass es, was das Bild von Afrika betrifft, leider auch viele negative Beiträge von Hilfsorganisationen gibt. Fairness ist ihm dahingehend besonders wichtig, vor allem bei Bildern: „Fair zum einen gegenüber den Menschen, die auf Fotos oder in Videos zu sehen sind: Sind sie überhaupt gefragt worden, haben sie ihr Einverständnis erklärt und wurde ihnen auch erklärt, was hier in Deutschland mit dem Bild passieren soll? Und fair auch gegenüber den potentiellen Spenderinnen und Spendern:“

„…, dass es wirkliche Bilder aus Projekten sind – und keine Models. Aber auch, dass es Bilder sind, die Menschen nicht emotional unter Druck setzen, wie es zum Beispiel bei vielen Fotos mit Kindern ist.“ (Niko Wald)

Ein Fazit

Was können wir also tun? Erst einmal die Hilfsorganisationen nicht alle unter Generalverdacht stellen. Wir sollten bei den Plakaten am Straßenrand nicht wegschauen, aber wir sollten neugierig bleiben und vielleicht auch mal auf die Webseiten der Organisationen klicken, wenn wir mehr erfahren möchten oder ihnen nicht trauen. Generell würde uns in Deutschland eine Portion Neugier und Weltoffenheit ganz gut tun. Dann könnten Stereotype uns weniger anhaben und engagierte Journalisten, die seit Jahren für Afrikathemen kämpfen, würden zu Recht endlich mehr Interesse und eine größere Leserschaft für ihre Beiträge bekommen.

Zwei Menschen, die das Bild von Afrika verändern möchten

Isabel Pfaff

  • arbeitet als Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung
  • ist zuständig für den Ressort Außenpolitik (Schwerpunkt Afrika)
  • studierte zuvor Afrikanistik, Politikwissenschaft und Geschichte
  • hat bereits einige Artikel über Entwicklungshilfe geschrieben

 

 

Niko Wald

  • arbeitet derzeit als Referent im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre und arbeitete als Journalist
  • arbeitete zuvor unter anderem bei „Brot für die Welt“ und „Diakonie Katastrophenhilfe“
  • arbeitet seit Jahren mit Partnerinnen und Partnern in afrikanischen Länder zusammen

„Entweder wir schweigen oder wir retten die Welt“ – Im Gespräch mit Diane Nininahazwe Autorin: Nadine Dinkel

Im Panel zu Burundi sitzt mir die 26-jährige Radiojournalistin Diane Nininahazwe gegenüber. Sie wirkt angespannt und ernst. Wir sehen uns kurze Videosequenzen vom Wahltag in Bujumbura und der Situation von Journalisten in Burundi an. Als Diane die gewaltbeherrschten Bilder aus ihrer Heimat sieht, ist sie sehr bewegt. „Die burundische Regierung tötet Menschen, sie respektiert ihre Rechte nicht.“ Nach politischen Unruhen wurden 2015 alle privaten Radiostationen im Land geschlossen oder zerstört. Pressefreiheit? Die gibt es nicht mehr. Immer mehr burundische Journalisten sind gezwungen, das Land zu verlassen. Obwohl der Radiosender, für den Diane arbeitet, am 14. Mai 2015 geschlossen wird, entscheidet sie sich zu bleiben und weiterhin zu berichten. Immer wieder wird sie von Freunden und ihrer Familie gefragt: „Bist du verrückt, das zu machen?“ Doch für Diane als Journalistin gibt es nur zwei Möglichkeiten: „Entweder wir schweigen und lassen die Bevölkerung im Stich oder wir reden und riskieren zu sterben.“

 

„Wir sollten unsere Mikrofone dazu nutzen, die Welt zu verändern“

Als burundische Journalistin verdient Diane weniger als 100 Dollar im Monat. ‚Journalistin sein‘ ist für sie nicht nur ein Beruf, es ist ihre Berufung, ihre Leidenschaft. „Meine Aufgabe ist es, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Ich als Journalistin habe die Möglichkeit dazu.“ Medien haben für sie vor allem die Aufgabe, der Bevölkerung eine Stimme zu verleihen und die Regierung zu kritisieren: „Wir Journalisten sind die vierte Gewalt, wer, wenn nicht wir, soll die Gesellschaft verändern?“ Viele zu Unrecht inhaftierte Burundier, darunter auch Journalisten, wurden durch den Druck der Medien wieder frei gelassen. Jetzt stehen die Medien selbst im Visier der Regierung.

 

„Journalisten sind nationale Helden“

Die burundische Bevölkerung schätzt Journalisten, die über Konflikte berichten. „Journalisten sind sehr anerkannt, Ihnen kommt viel Dank zu.“ Dennoch ist es oft schwierig und gefährlich. Burundi ist ein kleines Land, jeder kennt jeden. „Es ist nicht möglich, als Journalist unauffällig unterwegs zu sein. Oft wird man auf der Straße angesprochen: Darüber hättest du nicht berichten sollen!“

 

„Ich mochte das Mikrofon“

Dianes Eltern haben ihren Wunsch, als Journalistin zu arbeiten, immer unterstützt. „Als ich zwölf Jahre alt war, beschloss ich, Journalistin zu werden. Ich mochte das Mikrofon und wollte Sendungen für Kinder machen, den Kindern einen Stimme geben.“ Mit 16 Jahren machte Diane ein dreijähriges Volontariat bei Radio ijwi ry’amahoro („Voice of Peace“), einem katholischen Sender. Später hat Diane an der Universität Kommunikation für Entwicklung studiert. „Mit Journalismus hat das nicht viel zu tun. Journalismus kann man in Burundi nicht studieren. Viele große Journalisten haben überhaupt nicht studiert. Die meisten seien Journalisten aus Leidenschaft und lernten in der Praxis.“

 

Das Geschlecht spielt (k)eine Rolle

„In Burundi sind alle Journalisten gleich. Du wirst bedroht, weil du Journalist bist, nicht weil du eine Frau bist.“ Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es trotzdem. „Weibliche Journalisten sind vom Schicksal Einzelner oft stärker berührt als ihre männlichen Kollegen. Journalistinnen setzen sich außerdem mit anderen Themen auseinander. Da die Entscheidungsfindung in Medienunternehmen aber überwiegend bei Männern liegt, bekommen diese Themen dann oft wenig Platz im Programm.“

 

Aufgeben ist keine Option

Am 24. Juni 2015 ändert sich Dianes Leben schlagartig. Sie wird bedroht, eine Granate explodiert auf ihrem Grundstück. Sie ist nicht zuhause und überlebt. Ihr Mutter fleht: Wann hörst du endlich mit deiner Arbeit als Journalistin auf? Doch Diane kann und will nicht aufhören. Zunächst versteckt sie sich und schläft jede Nacht woanders, dann flieht sie in das Nachbarland Ruanda. Zum Zeitpunkt unseres Interviews lebt Diane dank der Unterstützung des Auszeit-Stipendiums in Berlin. Informationen über die aktuelle Situation in Burundi bekommt Diane via Internet, Whats App und Facebook. „Meine Kollegen senden Informationen aus Kigali, der Hauptstadt Ruandas, und verbreiten diese über Social Media.“

 

„Burundi ist ein Schatz, ein kleiner Schatz“

Auf die Frage, was sie machen würde, wenn sie eines Tages zurück nach Burundi könnte, antwortet sie ohne zu zögern: „Ich bin und bleibe Journalistin. Meine Aufgabe als Journalistin ist es zu zeigen, dass wir die Gesellschaft verändern können.“ Diane musste ihre Heimat Burundi im Sommer 2015 verlassen, in der Hoffnung, bald zurückkehren zu können. Ein halbes Jahr lang findet sie Zuflucht in Berlin. Mit Ende des Stipendiums kehrt sie Ende Januar 2016 wieder nach Ruanda zurück, um dort Schutz zu suchen. Wann und ob sie nach Burundi zurückkehren kann, ist nicht absehbar. Dianes Wunsch ist es, eines Tages in ein friedliches Burundi zurückzukehren.

 

„In Burundi gibt es keine Züge“

Unser Interview findet größtenteils auf dem Weg zum Leipziger Bahnhof statt. Diane ist aufgeregt und erklärt mir, dass sie heute zum ersten Mal in ihrem Leben Zug gefahren sei. In Burundi gibt es keine Züge. Ich warte noch eine Stunde mit ihr am Bahnhof. Wir sprechen über alltägliche Dinge, wie es ihr in Berlin gefällt und ob sie schon andere Städte in Deutschland gesehen hat. Sie mag deutsches Bier und hat noch nie Glühwein getrunken. Zum ersten Mal seit vier Stunden wirkt sie etwas entspannt. Sie lächelt und erzählt ein wenig von ihrer Heimat Burundi, davon, wie sie früher einmal war.

SOS Médias Burundi

Die Pressefreiheit der burundischen Medien hat 2015 erhebliche Einschnitte erfahren. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Eine Gruppe burundischer Journalisten lässt sich nicht einfach stumm schalten. SOS Médias Burundi nutzt die sozialen Medien und informiert via Soundcloud, Twitter und Facebook die burundische Bevölkerung über die Geschehnisse vor Ort.

Afrika – Der vergessene Kontinent? Autorin: Nadine Dinkel

Burundi? Wo genau liegt das überhaupt? In den deutschen Medien liest man kaum etwas über den Staat, in dem zehn Millionen Menschen leben. Zumindest gab es im Jahr 2014 fast keine Berichterstattung über den zentralafrikanischen Staat. Warum? Sicherlich nicht, weil dort nichts Berichtenswertes passierte. Vielmehr interessiert sich der durchschnittliche Leser, Zuschauer oder User einfach nicht sonderlich dafür. Das wiederum liegt auch daran, dass die Medien demjenigen, der sich für die Geschehnisse in Afrika interessiert, kaum Informationen bieten. Das Interesse an einem Thema wächst meist erst dann (auf Seiten des Lesers, wie auch in den Medien), wenn es Auswirkungen auf Europa, Deutschland oder das eigene Leben hat. So etwa bei der aktuellen Flüchtingskrise. Es mag hart klingen, ist aber so. Oder wann haben Sie das letzte Mal einen Artikel über Geschehnisse in Afrika gelesen? Moment, ist zwar schon beinahe zwei Jahre her, aber zur Ebola-Krise haben Sie viel gelesen. Stimmt, hat aber nichts mit Burundi zu tun.

Ihr Interesse ist geweckt und Sie möchten sich über Burundi informieren? Das könnte schwierig werden – zumindest, wenn Sie mehr interessiert, als die momentan prekäre politische Lage in dem zentralafrikanischen Staat. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass viele Medien keine Auslandskorrespondenten in Afrika haben. Gerade einmal 20 feste Korrespondenten deutscher Medien für den gesamten afrikanischen Kontinent. Keine personellen Ressourcen, keine Informationen, keine Nachrichten über Afrika. So einfach ist das.

Ist es nicht. Denn plötzlich tut sich etwas in Burundi… eine verfassungswidrige dritte Amtszeit des Präsidenten, ein gescheiterter Putschversuch, gewalttätige Ausschreitungen, Kritiker werden bedroht und angegriffen, Menschen fliehen, Menschen sterben. 2015 taucht Burundi wieder in den deutschen Medien auf – wenn auch spärlich und mit überwiegend negativen Berichten. Afrika, der K-Kontinent. K wie Kriege, Krisen, Katastrophen.

Und schon wird die nächste Kritik laut, es werde immer nur negativ über Afrika berichtet. Doch lässt sich ein derart schreckliches Bild, wie das der aktuellen politischen Situation in Burundi „korrigieren“ oder spiegelt es nicht vielmehr die traurige Realität wider? Die politische Lage in Burundi ist prekär, die Spannungen nehmen zu. Die Vereinten Nationen sprechen von einem bevorstehenden Völkermord. „Auf den ersten Blick scheint die Berichterstattung übertrieben und auf das Negative fokussiert. Es scheint, als würden sich die Probleme binnen weniger Monate wieder legen. Aber die Gefahr eines Genozids ist real, es muss gehandelt werden“, sagt die burundische Radiojournalistin Diane Nininahazwe.

Es gibt Bilder, die sich nicht „korrigieren“ lassen. Doch wir als Journalisten haben die Möglichkeit, andere Blickwinkel einzunehmen, Betroffene zu Wort kommen zu lassen oder das Afrika fernab der Kriege, Konflikte und Katastrophen zu zeigen. Und wenn das alles nicht möglich ist, dann schaffen wir es vielleicht zumindest, unsere Leser, Zuschauer oder User für bestimmte Themen zu sensibilisieren.

 

Wie sieht gute Berichterstattung über Afrika aus? – Zwei gelungene Projekte:

JournAfrica! ist eine Internetplattform für Journalismus aus Afrika über Afrika – jenseits der Klischees und Vorurteile.

 

 

Africa on the Move ist ein multimediales Projekt der Deutschen Welle, dass junge Afrikaner und Afrikanerinnen zu Wort kommen lässt, die mit ihren besonderen Fähigkeiten ihr Land verändern möchten.

 

Journalisten in Burundi – Bleiben oder fliehen? Autorin: Nadine Dinkel

Erst vor zehn Jahren ging in Burundi ein Bürgerkrieg mit rund 300.000 Toten zu Ende. Auch jetzt liest man in den Medien von einer „Spirale der Gewalt“. Seit April 2015 kommt es immer wieder zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der burundischen Bevölkerung, Oppositionellen und der Regierung. Anlass ist, dass der burundische Präsident Pierre Nkurunziza sich dazu ermächtigen ließ, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Die burundische Verfassung sieht jedoch maximal zwei Amtszeiten vor. Nach einem gescheiterten Putschversuch im Mai ließ die burundische Regierung alle unabhängigen Medienhäuser gewaltsam schließen. Seitdem kommt es immer wieder zu Protesten, bei denen nach Schätzungen der Vereinten Nationen allein im Jahr 2015 mindestens 240 Menschen ums Leben kamen. Regierung und Opposition geben sich gegenseitig die Schuld an den Morden. Binnen eines Jahres sind mehr als 200.000 Menschen aus Burundi geflohen – hauptsächlich in die Nachbarländer Ruanda und TansaniaDie Vereinten Nationen warnen vor einem bevorstehenden Genozid.

 

Stummschaltung der privaten Medien

Die Pressefreiheit in Burundi ist erheblich eingeschränkt. Seit der gewaltsamen Schließung aller privaten Medienhäuser herrscht beinahe ein Informationsblackout. Informationen erhält die burundische Bevölkerung nur noch über staatliche Medien, die von der Regierung kontrolliert und zu ihren Zwecken instrumentalisiert werden. Kritische Stimmen werden gewaltsam stumm geschalten. Nur etwa fünf Prozent der unabhängigen burundischen Journalisten, die zuvor für private Medienhäuser gearbeitet haben, sind im Land geblieben und berichteten weiterhin.

Auch die Journalistin Diane Nininahazwe war mit ihrer kritischen Berichterstattung zunehmend in das Visier der Regierung geraten. Noch vor wenigen Monaten berichtete sie aus der burundischen Hauptstadt Bujumbura über die politischen Geschehnisse des Landes. Bis zur Schließung am 14. Mai 2015 arbeitete sie als Radiojournalistin für den privaten Radiosender Bonesha FM. Außerdem ist sie als Korrespondentin des US-amerikanischen Radiosenders Voice of America tätig.

 

Irgendwann bleibt nur die Flucht

Trotz der akuten Bedrohung von Journalisten durch die burundische Regierung ließ sich Diane Nininahazwe zunächst nicht an ihrer Arbeit hindern. Sie berichtete weiterhin für den US-amerikanischen Radiosender Voice of America. Dies änderte sich schlagartig, als am 24. Juni eine Granate auf ihrem Grundstück explodierte. Ein Anschlag, der ihr als Journalistin galt. Diane arbeitete gerade an einer Story über unaufgeklärte nächtliche Entführungen in Gihanga, einer Stadt nördlich der Hauptstadt Bujumbura. Für einen Bericht sprach sie vor Ort mit der burundischen Armee. Kurz darauf erhielt sie mehrere anonyme Drohungen, darunter eine konkrete Todesdrohung, dann folgte der Anschlag. Niemand wurde bei der Explosion verletzt. Dennoch blieb Diane nur die Flucht in das Nachbarland Ruanda. Dort kam sie bei ihren Geschwistern unter, ihre Eltern bleiben in Burundi.

 

Verdiente Auszeit

Ab Sommer 2015 lebte Diane als erste Stipendiatin des Auszeit-Stipendiums von Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung in einer kleinen Wohnung in Berlin-Charlottenburg. Der Aufenthalt in Berlin sollte ihr helfen wieder zu Kräften zu kommen. Da sich die politische Lage in Burundi weiter zugespitzt hat, wurde Dianes Aufenthalt bis Ende Januar 2016 verlängert. Mit Ablauf des Stipendiums muss Diane Deutschland verlassen. Bis die politische Lage in Ruanda es ihr erlaubt zurückzukehren sucht sie erneut Zuflucht in Ruanda.

 

Zum Interview mit der burundischen Journalistin Diane Nininahazwe

 

Pressefreiheit in Afrika
Zeit zum Durchatmen: Das Auszeit-Stipendium

Das Auszeit-Stipendium ist ein gemeinsames Projekt der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung. Es ermöglicht Journalisten und Journalistinnen aus Kriegs- und Krisengebieten einen bis zu dreimonatigen Aufenthalt in Berlin. Das Programm richtet sich vorwiegend an Journalisten und Journalistinnen, die in einem repressiven Umfeld tätig sind oder aufgrund ihrer Tätigkeit bedroht oder verfolgt werden. In Berlin erhalten die Stipendiaten die Möglichkeit, sich eine Auszeit zu nehmen und Abstand zu gewinnen. Sie können die Zeit aber auch zum Schreiben und Denken nutzen und das politische Leben in Berlin erkunden.

Rund 270 Journalisten und Journalistinnen aus aller Welt haben sich für das Stipendium beworben, das 2015 zum ersten Mal vergeben wurde. Bewerbungen kamen unter anderem aus Bolivien, Südafrika, Afghanistan, Syrien und der Ukraine. Die erste Stipendiatin ist die burundische Radiojournalistin Diane Nininahazwe.

Sie möchten mehr über das Auszeit-Stipendium erfahren oder sich bewerben?

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/hilfe-schutz/auszeit-stipendium/

Medienlandschaft in Burundi

Ursprünglich gab es in Burundi staatliche und private Medien. Noch bis Ende Februar 2015 war es Journalisten möglich, relativ frei zu berichten. Nachdem der burundische Präsident Pierre Nkurunziza entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit kandidierte, kam es zu politischen Unruhen im Land. Am 14. Mai 2015 wurden alle privatwirtschaftlichen und somit regierungsunabhängigen Medienhäuser von der burundischen Regierung gewaltsam geschlossen. Diese hatten zuvor regierungskritisch berichtet. 95 Prozent der unabhängigen Journalisten flohen in die Nachbarländer, insbesondere nach Ruanda.

Offiziell gibt es derzeit in Burundi nur noch staatliche Medien. Diese werden von der Regierung kontrolliert und zu Propagandazwecken eingesetzt. Inoffiziell erhält die burundische Bevölkerung noch Informationen über soziale Medien. Doch viele Burundier haben keinen Zugang zu Internet oder Smartphone. Zuvor sendeten zehn private Radiosender aus Burundi – Radio ist das wichtigste Medium für eine Bevölkerung, in der viele weder lesen noch schreiben können. Neben den staatlichen Radiosendern bleiben nun nur noch die beiden Auslandssender Voice of America und Radio France Internationale, die aus Washington D.C. bzw. Paris senden. Doch die Sender berichten auf Englisch oder Französisch –  Sprachen, die in Burundi nur die Gebildeten sprechen, denn Amtssprache ist Kirundi. Die breite Masse der burundischen Bevölkerung erreicht also nur noch die staatlichen Medien.

Interview mit Claudia Simons: „Die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen sind ein globales Problem“

Interview mit der Peacebuilding-forscherin Claudia Simons von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Wie würden Sie die gesellschaftliche Stellung der Frau im Kongo beschreiben? Wie haben sie selbst es dort erlebt?

Die Frage nach der gesellschaftlichen Stellung der Frau kann man fast global beantworten: Sie ist trotz vieler Veränderungen in verschiedenen Teilen der Welt noch prekär. Das gesamte gesellschaftliche System ist sehr patriarchal strukturiert, das wirkt sich im Rechtssystem aus, in bestimmten kulturellen Praktiken etc. Man kann zwar sagen, dass sich durch die Frauenbewegung in Europa viel geändert hat. Aber selbst in Europa hat man in vielen Ländern, inklusive Deutschland, immer noch bestimmte Strukturen, in denen man merkt, dass der Bias in der Gesellschaft sehr patriarchal ist. In Ländern wie Kongo und Burundi ist es zum Teil schlimmer, da die Gesellschaftsstrukturen noch stärker männerdominiert sind und diese Themen in der Politik kaum Beachtung finden. Gerade die Rechtsprechung, vor allem im Erbrecht, ist ein guter Indikator dafür, ob es gesellschaftliche Gleichstellung gibt oder nicht. In Burundi zum Beispiel hat die Frau nach wie vor kein volles Erbrecht. Wenn ihr Mann stirbt, hat sie kein Recht auf das hinterlassene Land.

Wie sieht es mit der gesetzlichen Lage im Kongo aus? Werden nach Frauen in Bezug auf sexuelle Übergriffe ausreichend geschützt?
Vom Gesetz her schon. Die demokratische Republik Kongo ist eines der wenigen Länder, das Vergewaltigung explizit mit der sogenannten „rape-law“ im Gesetz verankert hat. Es ist interessant zu sehen, dass sich mittlerweile auch viele Zivil- und Militärgerichte mit Vergewaltigungen befassen. Aber leider kommt es sehr selten zu einer Verurteilung. Es ist natürlich immer die Frage, inwiefern das formelle Recht auch angewandt wird und inwiefern informelle Rechtspraktiken bestehen. Ein anderes Problem ist, dass viele Vergewaltigungen nicht angezeigt werden. Vor allem bei Vergewaltigungen durch Soldaten und Familienmitglieder im Rahmen häuslicher Gewalt ist dies der Fall. Auch in Deutschland ist häusliche Gewalt ist ein sensibles Problem. Es besteht eine wahnsinnig hohe Dunkelziffer, die man überhaupt nicht einschätzen kann.

Liegt es vielleicht auch daran, dass vergewaltigte Frauen im Kongo oftmals von ihren Männern verstoßen werden und sich deshalb gar nicht trauen, die Vergewaltigung zur Anzeige zu bringen aus Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung?
Vergewaltigung ist immer ein Stigma. Es ist auch ein typisches Phänomen, die Schuld umzudrehen und zu sagen, dass die Frau schuld sei an der Vergewaltigung oder sie provoziert hätte. Das passiert sehr häufig überall auf der Welt.
Es hat sich in den letzten Jahren im Kongo insofern gewandelt, da das Thema „Vergewaltigung als Kriegswaffe“ extrem dominant geworden ist. Viele internationale NGOs befassen sich nun mit diesem Thema. Was einerseits positiv ist, da gerade in den Kriegsgebieten wie im Ostkongo Frauen und sogar Männer mehr Mut haben, über Vergewaltigungen zu sprechen und das Thema dadurch etwas enttabuisiert wird. Gleichzeitig hat es den perversen Effekt, dass in manchen Krankenhäusern die Angabe einer Vergewaltigung schon fast notwendig ist, um überhaupt medizinische Versorgung zu bekommen. Das kann von Männern wiederrum benutzt werden, um zu behaupten, dass es gar keine Vergewaltigung gab und die Frau sich diese nur ausgedacht habe. Das Tabu ist deshalb noch längst nicht gebrochen.

Claudia Simons Quelle: http://www.swp-berlin.org/de/wissenschaftler-detail/profile/claudia_simons.html

Claudia Simons ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Berliner Forscherin arbeitet in einer Forschungsgruppe mit Schwerpunkt Naher und Mittlerer Osten sowie Afrika. Sie ist Expertin für die zentralafrikanischen Länder DR Kongo und Burundi. Zu ihren Forschungsgebieten zählen Peacebuilding, innerstaatliche Konflikte wie Bürgerkriege sowie regionale und zwischenstaatliche Konflikte. Außerdem setzt sie sich im Rahmen ihrer Arbeit viel mit dem Thema Gender und „Frauen in Kriegen“ auseinander.

Wie schätzen sie die Berichterstattung über den Kongo und Burundi in den deutschen Medien ein?
Es gibt allgemein recht wenig Berichterstattung über diese Länder. Die Mainstream-Berichterstattung ist einfach sehr stark auf bestimmte politische Entwicklungen fokussiert. Häufig wird über gewaltsame politische Ereignisse wie Rebellionen, Putschversuche oder Massenvergewaltigungen berichtet, wenig von anderen interessanten Ereignissen. In vielen Auslandsredaktionen ist es ein richtiger Kampf, ein Thema aus einem afrikanischen Land auf die Agenda zu bringen.

Was würden Sie sich von den deutschen Medien bezüglich der Berichterstattung über afrikanische Länder wünschen?
Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Leute in den Redaktionen sitzen, die sich für bestimmte andere Themen über Afrika begeistern und das auf eine Weise berichten können, die für die Leser interessant ist. Oftmals wird sehr einseitig berichtet oder sich an alten Klischees bedient. Aus Leserperspektive ist das wirklich schade, da ich auch mal was anderes erfahren möchte als das, was man sowieso schon weiß.

Es gibt viele Studien und Berichte, die die Vergewaltigungen im Kongo als strategische Kriegswaffe und systematische Unterdrückung des Feindes definieren. In ihrem Vortrag haben Sie von Studien berichtet, die einen anderen Blickwinkel hervorheben. Könnten Sie diese Studien nochmals erläutern?
Im Rahmen einer Studie von Maria Ericksson Baaz und Maria Stern wurden sehr viele Soldaten der kongolesischen Armee FARDC zum Thema Vergewaltigung in Kriegssituationen befragt. Ericksson und Stern stellten fest, dass mehrere Aspekte von diesem Konzept „Vergewaltigung als Kriegswaffe“ so nicht ganz zutreffen oder sich in der Realität als wesentlich komplexer ergeben. Unter anderem wurde die Frage, ob Vergewaltigungen von oben angeordnet sind und von Kriegsführern als Strategie angewandt werden, um systematisch Städte zu erobern, Menschen zu vertreiben, etc. von fast allen Soldaten verneint. Es soll nicht heißen, dass Vergewaltigung kein Faktor im Krieg ist, aber es geht darum, das Phänomen zu verstehen und zu begreifen, auf welcher Ebene angesetzt werden muss. Muss man sich mit den Rebellenführern an einen Friedenstisch setzen und diskutieren, was wir tun können, damit Vergewaltigungen nicht mehr als Strategie verwendet werden? Oder geht es allgemein um patriarchale Gesellschaftsformen und das Bild der Frau in der Gesellschaft? Das sind die unterschiedlichen Ansatzpunkte.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Simons.

 

Weitere Infos über die Referentin

Mehr über Claudia Simons und ihre Arbeit bei der Stiftung Wissenschaft und Politik finden Sie auf der Homepage des Instituts.

 

 

Nachrichtenportal JournAfrica! bietet Deutschland neue Afrika-Bilder Da ansetzen, wo andere gar nicht erst hinschauen: Tammo Strunk berichtet in Leipzig über JournAfrica!, das erste deutsche Nachrichtenportal für Journalismus aus Afrika.

Tammo Strunk (Quelle: https://vimeo.com/145851314)

Tammo Strunk (Quelle: https://vimeo.com/145851314)

Tammo Strunk ist neben Philipp Lemmerich und Raoul Jochum einer der Gründer des Projekts JournAfrica! und stellt dieses auf der Bildkorrekturen-Tagung vor. Mit dem Online-Magazin gibt es seit gut einem Jahr ein deutschsprachiges Nachrichtenportal für Journalismus aus Afrika. Hier berichten afrikanische JournalistInnen aus über 50 Ländern und liefern Geschichten unmittelbar vom Ort des Geschehens.

In Deutschland herrsche eine einseitige Berichterstattung über Afrika vor, die von Krisen und Kriegen beherrscht wird – und genau das sei es, was die Gründer von JournAfrica! störte, erklärt Tammo Strunk. Die Macher wollen mehr bieten als die nächste Schreckensmeldung – spannende Alltagsgeschichten vom „vergessenen Kontinent“ sollen Stereotype brechen und den Blickwinkel erweitern. „Vor meinem Studium war ich einige Monate im südlichen Afrika unterwegs und die Bilder und die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, haben sich überhaupt nicht mit den Bildern gedeckt, die ich vorher im Kopf hatte“, berichtet Strunk. „Die Medien in Deutschland tragen dazu bei, dass wir hier ein sehr negatives und einseitiges Afrika-Bild haben.“

Zum einen sehen die Gründer das Problem darin, dass die deutschen Medienhäuser in der Krise stecken und es kaum noch Korrespondenten in Afrika gibt. „Korrespondenten können entweder gar nicht oder nur noch sehr selten vor Ort sein“, prangert Strunk an. Das Problem liegt aber nicht nur bei den Medien: „Das Interesse der deutschen Rezipienten an Afrika fehlt, da wir alle uns immer in den gleichen Strukturen bewegen – gleiche Nachrichtenseiten, gleiche Klicks, gleiche Kontakte.“ Der zentrale Punkt sei, einen Bezug zwischen der Lebenswelt hier und vor Ort herzustellen.

Die Gründer von JournAfrica! (Quelle: https://vimeo.com/145851314)

Die Gründer von JournAfrica! (Quelle: https://vimeo.com/145851314)

Das will JournAfrica! mit spannenden Alltagsgeschichten schaffen, die eine große Leserschaft ansprechen und das Interesse an Afrika steigern sollen. „Wir haben schon richtig gute Storys gebracht. Meine persönliche Lieblingsgeschichte ist über die mit Graffiti verzierten Busse in Kenia , die Matatubusse, die da im Nahverkehr eingesetzt werden. Da fahren die Leute nicht gewöhnlich mit ihrem Linienbus, sondern warten bis ihr Matatubus vorbeikommt und steigen in den ein, weil sie mögen, wie er gestaltet ist, was für Musik darin läuft, sie kennen die Leute die darin mitfahren“, erzählt Strunk begeistert. Die Geschichten findet die Redaktion von JournAfrica! entweder selbst durch Medienscanning oder sie werden ihnen direkt von den JournalistInnen aus Afrika vorgeschlagen.

Die Zukunft von JournAfrica! hat Strunk ganz klar vor Augen: „Wir wollen die jetzige Korrespondentenstruktur von

Tammo Strunk wäjrend des Kongo Panels auf der Bildkorrekturen Tagung in Leipzig (Foto: Theresa Boll)

Tammo Strunk während des Kongo Panels auf der Bildkorrekturen Tagung in Leipzig (Foto: Theresa Boll)

Afrika gar nicht ersetzen, wir wollen sie ergänzen. Wir wollen einen Mehrwert für Leute bieten, die sich hintergründiger und anders informieren wollen und auch Bock haben, mal andere Seiten der Welt kennen zu lernen, aber nicht die Chance haben, da mal hinzureisen.“ Die Gründer rechnen fest damit, dass ihr Magazin noch stark an Bekanntheit gewinnen wird und haben sich als langfristiges Ziel gesetzt, ihre vielfältige Afrikaberichterstattung weiter auszubauen.

Ein großer Meilenstein für das Projekt wurde Ende 2015 bereits gelegt: Um die Finanzierung der Plattform in 2016 stemmen zu können, starteten die Macher von JournAfrica! ein Crowfunding- Projekt, dessen Einnahmen in voller Höhe in den laufenden Betrieb von JournAfrica! fließen sollen. Das Crowdfunding- Ziel von 12.000 Euro wurde pünktlich zum Jahreswechsel erreicht.

JournAfrica! ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins treemedia e.V. aus Leipzig, der Mitte 2014 von Raoul Jochum, Tammo Strunk und Philipp Lemmerich gegründet wurde. Das junge Team verortet sich selbst an der Schnittstelle zwischen Journalismus, politischer Kommunikation und Medienentwicklung. Bisher arbeitet das zwölfköpfige Team ehrenamtlich an der Plattform. Die JournalistInnen und FotografInnen aus über 50 Ländern des afrikanischen Kontinents erhalten jedoch ein Honorar von durchschnittlich 50 Euro. Die Artikel erscheinen bislang in unregelmäßigen Abständen, doch das soll sich ändern. Ziel ist es, mindestens ein bis zwei Artikel pro Woche zu veröffentlichen. JournAfrica! plant dafür eine Finanzierung durch entwicklungspolitische Stiftungen, Crowdfunding und Spenden. Innerhalb des nächsten Jahres will JournAfrica! mit einem Community-/Abo-Modell auch über die Plattform Geld verdienen und so eine nachhaltige Finanzierung sichern.