Schwulenheiler in Mexiko Mit der Bibel zur Heterosexualität

Obwohl Mexiko auf dem Papier zu den LGBTI-freundlichsten Staaten der Welt gehört, werden Schwule oft zu „Therapeuten“ geschickt – um sie umzupolen. Auch Osmin Reyes sollte von seiner sexuellen Orientierung „kuriert“ werden. Im Video erzählt er seine Geschichte – ein Pastor rechtfertigt dagegen die Umpolungs-„Therapien“.

Der Kurzfilm „¡Estan Curados!“ (dt.: „Sie sind geheilt!“) karikiert die Schwulen-„Therapien“ und überspitzt die Vorstellung von Homosexualität als Krankheit oder Störung. Als Zuschauer fällt es leicht, über die Absurditäten zu lachen: Doch kann das Realität sein? Noch dazu in Mexiko, das weltweit zu den Ländern mit den meisten Rechten für queere Menschen gehört?

„Mit dem Kurzfilm „¡Estan Curados!“ wollte ich darauf aufmerksam machen, dass die Therapien zur Schwulenheilung eine totale Farce sind, um Geld zu verdienen. Ich finde diese Praktiken wirklich alarmierend, da sie dem Betroffenen schaden, indem sie seinen Selbstwert zerstören. Damit ist absolut Niemandem geholfen.“ Gustavo Ambrosio Bonilla (23, Regisseur aus Agua Blanca)

 

Tatsächlich sieht es auf dem Papier gut aus für die LGBTI-Gemeinde in Mexiko, besser als in vielen europäischen Staaten, einschließlich Deutschlands. Schwule und Lesben können Kinder adoptieren, Blut spenden und im Militär dienen. Und während im deutschen Grundgesetzt in Artikel drei lediglich die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben ist, schützt das mexikanische Pendant dazu jede Form sexueller Orientierung. Seit 2003 gibt es außerdem ein zusätzliches Gesetz, das Diskriminierung explizit verbietet. In manchen Bundesstaaten können Homosexuelle schon seit Jahren heiraten. Und im Sommer 2015 hebelte das oberste Gericht eine Reihe von Gesetzen anderer Bundesstaaten aus, die Ehe ausschließlich als Verbindung von Mann und Frau definiert hatten.

„Meine Mutter und auch die Mütter vieler Freunde werfen sich vor, uns zu feminin erzogen zu haben. Die erste Reaktion auf mein Outing war ein Besuch beim Arzt. Dort wurde eine Computertomographie meines Kopfes gemacht. Darauf war natürlich nichts auffälliges zu sehen.“ Jorge Antonio Mendoza (24, aus Hermosillo)

Doch jungen Menschen wie Osmin Reyes, der im Video seine Geschichte erzählt, nützt all das oft nichts. Denn in großen Teilen des Landes begegnen vor allem homosexuelle Männer Unverständnis, oft auch Ablehnung und Hass. Das hat auch mit der mächtigen katholischen Kirche zu tun, die sich – mit wenigen Ausnahmen – gegen gleiche Rechte von Homosexuellen ausspricht. „Die Kirche liebt die Homosexuellen, deswegen lehnt sie die Homoehen ab“, verkündete etwa der einflussreiche Erzbischof von Mexiko-Stadt im Sommer. Eine andere Form, in der sich dieses homophobe Klima auswirkt, ist die Pathologisierung. Wer seinen Eltern als Jugendlicher von seiner Orientierung erzählt, wird – wie Osmin – oft zum„Therapeuten“ geschickt.

„Es ist eine kulturelle Sache“, sagt Gloria Careaga Pérez, GenderIm Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Im Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus. Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus.forscherin von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. “Wenn Eltern klar wird, dass sie ein homosexuelles Kind haben, glauben sie, sie haben etwas falsch gemacht in der Erziehung.“ Den vermeintlichen Schaden wollen sie oft wiedergutmachen. Das Verständnis von Homosexualität als Krankheit oder Störung ist dabei nicht nur in Mexiko weit verbreitet. Auch etwa in Deutschland geben Ärzte vor, Homosexualität „behandeln“ zu können und in den USA versprechen religiöse Organisationen eine Umpolung mithilfe des Glaubens.

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„Meine Familie hat zum Glück nie ein Problem damit gehabt, dass ich schwul bin. Bei vielen meiner Bekannten ist das anders. Der Vater eines Freundes hat mit den Worten ,Lieber ein Kind, das raubt, Drogen nimmt und mordet als ein Schwules‘, auf sein Coming-Out reagiert.“ Damian Feria (24, aus Mexiko Stadt)

Die „ExodusDie Organisation „Exodus Global Alliance“ ist eine international operierende christliche Organisation aus der sogenannten Ex-Gay-Bewegung. Exodus bietet sogenannte Konversionstherapien (auch: Reparativtherapien) für Homosexuelle an, in denen sie durch den Glauben an Jesus Christus  zu Heteros umgepolt werden sollen. Die „Exodus Global Alliance“ ging aus "Exodus International" hervor. Letztere Organisation löste sich 2013 auf, nachdem ihr Präsident sich öffentlich bei Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender für die Umpolungstherapien entschuldigt hatte. Global Alliance“ beispielsweise ist eine international agierende fundamentalchristliche Organisation. Deren lokale Vertretungen, wie die Kirchengemeinde von Pastor Farias im Video, sind oft die nächste Anlaufstelle, wenn Besuche bei Ärzten und Psychologen nicht den gewünschten Erfolg haben. „Sie arbeiten mit sehr aggressiven, gewalttätigen Methoden“, so Careaga Pérez, „sie isolieren die Kinder, spritzen sie mit kaltem Wasser ab.“ Ideologischer Unterbau ist dabei eine konservative Auslegung der Bibel, in der vor allem alttestamentarische Elemente wie die Geschichte von Sodom und Gomorrha betont werden. Die Kurse leiten sogenannte „Ex-Gays“ – wie Pastor Farias im Video – die angeben bereits „geheilt“ zu sein von dem, was sie nicht Homosexualität, sondern AMS nennen -Anziehung zum gleichen Geschlecht. „Sie wollen, dass die Kinder sich schuldig fühlen für die Wünsche und Gefühle, die sie haben“, so Careaga Pérez.

„Als ich mich mit 16 Jahren geoutet habe ist meine Mutter ausgerastet und wollte, dass ich zum Psychologen gehe. Da wollte ich auf keinen Fall hin. Deshalb habe ich jahrelang so getan, als ob ich doch auf Mädchen stehe und das Schwulsein nur eine kurze Phase gewesen ist.“ Rodolfo Delgado Zaldivar (23, aus Mexiko Stadt)

Dass Eltern trotzdem bereit sind, ihre Kinder in Behandlungen zu geben, liegt laut der Wissenschaftlerin an der Kommunikationspolitik von ExodusDie Organisation „Exodus Global Alliance“ ist eine international operierende christliche Organisation aus der sogenannten Ex-Gay-Bewegung. Exodus bietet sogenannte Konversionstherapien (auch: Reparativtherapien) für Homosexuelle an, in denen sie durch den Glauben an Jesus Christus  zu Heteros umgepolt werden sollen. Die „Exodus Global Alliance“ ging aus "Exodus International" hervor. Letztere Organisation löste sich 2013 auf, nachdem ihr Präsident sich öffentlich bei Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender für die Umpolungstherapien entschuldigt hatte. und ähnlichen Organisationen. Es gäbe ein passgenaues Narrativ für die Eltern, so Pérez, bei dem von Liebe und Fürsorge für die Kinder die Rede sei. Die Realität in der Organisation sei dann eine ganz andere.

Die Gefahr, die von den selbsternannten Schwulentherapeuten ausgeht, sieht die GenderIm Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Im Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus. Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus.forscherin dabei nicht nur für die Individuen: „Den Schaden dieser Behandlungen tragen nicht nur die Kinder davon, sondern auch die Familien und die Gesellschaft. Denn wer so behandelt wird, kann viel Hass und Wut mit sich herumtragen. Und so wird es von einem individuellen zu einem gesellschaftlichen Problem.“

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  1. […] überzeugt, dass er sich durch seinen Glauebn selbst „geheilt“ hat. Danke an bento und Bildkorrekturen für die […]

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