Energie vom Straßenrand Bericht von Bastian Hosan

Noch ist es ein Test: In der Nähe von München verwandelt ein Erfinder Gras und Laub zu Pellets – sie sollen einmal in jeder Heizung verbrannt werden können. Das Konzept ist eine Neuheit, doch noch fehlt der Feinschliff.

Energie wächst am Straßenrand

In der Nähe der Gemeinde Grasbrunn im Landkreis München steht, dort wo es niemand erwartet, eine Testanlage zur Energieproduktion. Hergestellt werden dort Pellets aus Grünschnitt von Straßenrändern und Laubabfall vom Bäumen. Das revolutionäre Konzept steht kurz vor der Vollendung und soll die Energiewirtschaft nachhaltig verändern. Noch aber gibt es einige Hürden zu überwinden, erklärt der Erfinder, der eigentlich Spezialist für Abfallentsorgung und Kompostierung ist: Hans Werner. Sein Ziel ist, dass die grünen Brocken aus Blättern und Gras in jeder Heizung verbrannt werden können. Seit Jahren tüftelt er an ihnen, und inzwischen haben sie „denselben Brennwert wie Holz-Pellets“, sagt er. Energie aus Pflanzenresten – der Name des Projekts ist Programm: „Flora Fuel“.

Wenn Gras trocknet und verbrannt wird, entsteht Säure

Werners Traum wirkt zuerst banal: Gras ernten, hacken, trocknen, in Pellets pressen und verbrennen. Doch so einfach ist es nicht. „Wenn Gras trocknet, steigt der Chlorgehalt“, sagt Werner. Wird es zu Pellets gepresst und verbrannt, entsteht Säure – die zerstört die Heizungen. Werner hat deshalb eine Anlage entwickelt, die mineralische und organische Bestandteile des Grünschnitts trennt. Kompliziert ist das, weil es bisher noch niemand versucht hat: „Die gesamte Anlage dafür haben wir entwickelt“, sagt Werner.

Die Anlage ist weltweit patentiert

Deshalb ist sie mit einem blickdichten Zaun umgeben. Doch „inzwischen haben wir auf alles ein weltweites Patent angemeldet.“ Es gibt keinen Grund mehr, Besucher auszusperren. Im Gegenteil. Werner versucht bereits, die Anlage zu verkaufen, Leute zu finden, die sich für sie interessieren. Auch wenn noch einige Feinheiten ausgebessert werden müssen. „Die Komponenten der Anlage müssen noch richtig aufeinander abgestimmt werden“, noch verwerteten sie unterschiedliche Mengen Gras. Es komme daher zu Staus.

Der Ablauf: Grünschnitt wird zuerst mit Wasser vermischt, dann in einen Wasserschneider geschnitten. Dann werden Salze und Elemente – auch das Chlor –, hinausgefiltert. Nun kommt das von den mineralischen Substanzen getrennte Gras in einen Trockner und wird zu Pellets oder Briketts gepresst. 15.000 Tonnen Gras und Laub können in einer Anlage pro Jahr verwertet werden. In einer Stadt wie Berlin fallen jedes Jahr 55.000 Tonnen Laub an – genug für drei von ihnen. Dort soll bald die nächste Testanlage stehen.

Die Nachfrage im Ausland ist groß

Auch aus Holland, Kanada und Skandinavien erhält Werner Anfragen. Denn „Flora Fuel“ ist vielseitig. „Die Pellets halten alle Feinstaubwerte ein“, sagt er. „Und sie können in Holzgasanlagen verwendet werden.“ Dann produziert die Anlage nicht nur Wärme, sondern auch Strom – und das mit der selben CO2‐Bilanz, als würde das Gras auf der Wiese verrotten.