Die Angst eritreischer Flüchtlinge vor regimetreuen Dolmetschern

Nutzen regimetreue Tigrinya-Dolmetscher*innen beim BAMF ihre Machtposition aus, um eritreische Geflüchtete im Asylinterview einzuschüchtern? Eine Recherche von Elisabeth Kimmerle und Lucas Grothe.

In Eritrea müssen Frauen und Männer einen zeitlich praktisch unbegrenzt Militärdiesnt leisten - und sind dabei struktureller, körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. Foto: Lucas Grothe

In Eritrea müssen Frauen und Männer einen zeitlich praktisch unbegrenzt Militärdiesnt leisten – und sind dabei struktureller, körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. Foto: Lucas Grothe

Ein einziger Satz kann entscheiden: Anerkennung oder Ablehnung. Wenige Worte können ausschlaggebend dafür sein, ob geflüchtete Eritreer*innen Schutz in Deutschland bekommen. In der Asylanhörung sitzt der Flüchtling einem Entscheider vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gegenüber, dem er detailliert seine Fluchtgründe schildern soll. Zwischen ihnen ein Dolmetscher – er ist die Schlüsselfigur in der Asylanhörung, denn er ist der einzige, der beide Sprachen beherrscht. Der Dolmetscher muss in seinem Beruf zwei Dinge können: Reden und Schweigen. Er muss inhaltsgetreu verdolmetschen, was der Flüchtling in der Anhörung berichtet. Und er muss darauf verzichten, eigene Kommentare in das Gespräch einzubringen. Vor allem aber muss er schweigen über alles, was er im Asylinterview über den Geflüchteten erfährt. Doch was, wenn er Teil des Regimes ist, vor dem die Eritreer*innen geflüchtet sind? Was, wenn er falsch übersetzt oder den Geflüchteten einschüchtert?

Regimetreue Dolmetscher*innen setzen eritreische Geflüchtete unter Druck

Eine Studie über Tigrinya-Dolmetscher in Anhörungen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die in den kommenden Wochen in der Zeitschrift Moderne Sprachen veröffentlicht wird, liefert Anhaltspunkte dafür, dass regimetreue eritreische Dolmetscher*innen für das BAMF arbeiten. „Es soll vorgekommen sein, dass der Dolmetscher in der Anhörung sagt: Hör auf, so über dein Land zu sprechen“, berichtet die Verfasserin der Studie, Eden Mengis. Aus den Interviews, die sie mit eritreischen Geflüchteten und Dolmetscher*innen geführt hat, geht hervor, dass es in Asylanhörungen wiederholt zu Einschüchterungsversuchen gegenüber eritreischen Geflüchteten gekommen sein soll. Freweyni Habtemariam, die als vereidigte Dolmetscherin seit vielen Jahren für Behörden und Gerichte ins Tigrinische dolmetscht, bestätigt diesen Verdacht: „Zu mir kommen gruppenweise Flüchtlinge, die sich darüber beschweren, dass sie im Asylinterview unter Druck gesetzt wurden, nichts Kritisches über die eritreische Regierung zu sagen.“

Ein Satz mit gravierenden Folgen

„Sprich nicht so über dein Land!“ Das ist ein Satz, der den Ausgang des Asylverfahrens verändern kann. Wenn ein Dolmetscher ihn zum Geflüchteten auf der eritreischen Amtssprache Tigrinya sagt, bemerkt der Entscheider das nicht, weil er die Sprache nicht versteht. Doch der Asylbewerber bekommt Angst: Wie soll er vor einem regimetreuen Dolmetscher offenlegen, warum er aus Eritrea geflohen ist – einem Land, in dem Flucht unter Strafe steht? Wie soll er über seinen Herkunftsort, seine Familienverhältnisse in einem Land berichten, in dem Angehörige der Geflüchteten wegen Fluchthilfe ins Gefängnis kommen können? Die Konsequenzen dieses einen Satzes können weitreichend sein: Beschließt der Geflüchtete, Details auszusparen, kann das BAMF seinen Asylantrag als unglaubwürdig einstufen oder als unbegründet ablehnen. Der Asylbewerber riskiert damit eine Abschiebung nach Italien, dem Land, über das die meisten Eritreer*innen nach Europa kommen. Gibt er vor dem regimetreuen Dolmetscher Einzelheiten über seine Familie preis, gefährdet er schlimmstenfalls seine Angehörigen in Eritrea. Schon mit der Flucht nach Europa werden Eritreer*innen vom repressiven Regime ihres Heimatlandes kriminalisiert. In dem Land am Horn von Afrika werden alle Männer und Frauen ab 18 Jahren zum sogenannten National Service – einem Militär- oder Zivildienst – eingezogen, der in der Praxis mehrere Jahrzehnte dauern kann. Ein Grund für die Flucht nach Europa – und für die Anerkennung als Flüchtling in Deutschland.

Dringen über die Dolmetscher*innen private Informationen nach Eritrea?

„Ich sehe eindeutig die Gefahr, dass diese hochsensiblen Informationen von den regimetreuen Dolmetschern an die eritreische Botschaft weitergeleitet werden“, erklärt Eden Mengis, die selbst als Konferenzdolmetscherin arbeitet. „Was damit in Eritrea an Unrecht geschehen kann, ist viel folgenreicher als die konkreten Konsequenzen für die Asylsuchenden.“ Dass regimetreue Dolmetscher*innen tatsächlich Informationen über eritreische Geflüchtete an die Botschaft übermitteln, ist schwer nachzuweisen. Doch in einem UN-Bericht über Eritrea, der im Juni 2015 erschienen ist, geht die Untersuchungskommission davon aus, dass die eritreischen Bespitzelungsstrukturen, die die Bevölkerung unter ständiger Angst halten, bis nach Europa reichen und dass das Regime in der eritreischen Diaspora Spione einsetzt, um an Informationen über die Geflüchteten zu gelangen. Dass auch Dolmetscher*innen als Spitzel arbeiten könnten, legt ein Gespräch nahe, das Freweyni Habtemariam mit einem Eritreer geführt hat, der in einem eritreischen Ministerium arbeitet: „Er wusste nicht, dass ich Oppositionelle bin und hat mir gesagt: Wir bekommen das, was die Flüchtlinge erzählen, von den Dolmetschern geschickt. Wir sind gut informiert. Das hat mir schon zu denken gegeben“, sagt sie.

Die Angst der Geflüchteten vor dem Regime bleibt

Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Asyl, kennt die Vorwürfe, dass das BAMF in Anhörungen regimetreue Tigrinya-Dolmetscher*innen einsetze. „Die Hinweise auf regimetreue eritreische Dolmetscher sind ein Problem, das im Auge behalten werden muss. Wir beobachten, dass es in vielen Fällen ein großes Misstrauen unter eritreischen Geflüchteten gibt, was die Dolmetscher angeht“, erklärt er. Allerdings sei es schwierig, empirisch zu belegen, dass regimetreue Dolmetscher*innen Flüchtlinge in Asylinterviews einschüchtern oder Informationen an die eritreische Botschaft weiterleiten.

 

Ungewisse Zukunft: Auch aus der eritreischen HauptstadtAsmara flüchten viele Menschen nach Europa. Foto: Lucas Grothe

Ungewisse Zukunft: Auch aus der eritreischen HauptstadtAsmara flüchten viele Menschen nach Europa. Foto: Lucas Grothe

Das liegt auch daran, dass eritreische Geflüchtete in Deutschland Angst haben, sich öffentlich über das Regime zu äußern, vor dem sie geflohen sind. Wie groß das Misstrauen der Asylsuchenden gegenüber der eritreischen Regierung ist, bekommen auch Journalist*innen zu spüren: Bei der Recherche zu diesem Artikel ist kein Flüchtling bereit, über Einschüchterungsversuche von regimetreuen Dolmetscher*innen zu sprechen, nicht einmal anonymisiert.

Intransparenz beim Bundesamt

Auch die Zusammenarbeit des Bundesamts mit Tigrinya-Dolmetscher*innen ist intransparent. Zwar antwortet das BAMF auf Anfrage, das Bundesamt lege „großen Wert darauf, nur zuverlässige und geeignete Dolmetscher einzusetzen und die Qualität der Arbeit kontinuierlich zu kontrollAls Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen.ieren und zu bewerten“. Die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses sei obligatorisch, des Weiteren würden Kontakte des Dolmetschers zu Behörden seines Heimatlandes in die Auswahlentscheidung einbezogen. Dem stehen Aussagen von Seghen Gebreyosus von United4Eritrea entgegen, einer Initiative, die nach den Beschwerden über regimetreue Dolmetscher*innen versucht hat, zu überprüfen, in wie vielen Fällen eritreische Flüchtlinge in ihrer Asylanhörung eingeschüchtert wurden. „Es ist sehr schwierig, das aufzuklären. Die Liste mit Dolmetschern, die vom BAMF veröffentlicht wurde, ist veraltet. Weil so viele eritreische Flüchtlinge kommen, werden die Dolmetscher nicht im Verzeichnis aufgenommen, sondern sie arbeiten auf Rechnung, sind also nicht beim BAMF angestellt“, erklärt Gebreyosus. Teilweise würden die Dolmetscher*innen nur temporär vereidigt. „Anscheinend ist die Not so groß, dass man sagt: Wir brauchen jeden, der uns helfen kann.“

Missstände gibt es nicht erst seit letztem Jahr“

Georgia Mais vom Berufsverband Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e. V. (ADÜ Nord) bekräftigt diese Einschätzung: „Missstände gibt es nach unseren Informationen nicht erst seit letztem Jahr. Ich sehe nicht, dass die Kriterien, die wir als Berufsverband fordern – sei es hinsichtlich der Berufsethik oder der Professionalität – ausreichend berücksichtigt werden“, sagt Mais, die als Diplom-Übersetzerin seit 20 Jahren im ADÜ Nord aktiv ist. „In den aktuellen Stellenausschreibungen ist schwammig von ethischen Grundsätzen die Rede, aber ich höre von Kollegen, dass der Entscheider zulässt, dass der Dolmetscher wesentlich mehr oder weniger redet als der Asylbewerber und auch kommentiert. Da müsste jeder Entscheider hellhörig werden“, berichtet sie. Ihre Beobachtungen stützen sich auf Berichte von freiwilligen Helfer*innen, die mit arabisch sprechenden Flüchtlingen arbeiten. Im Namen des ADÜ Nord hat Mais einen offenen Brief an das Bundesamt mitverfasst, in dem die Entscheider*innen aufgefordert werden, bei Zweifeln an der adäquaten Verdolmetschung zu intervenieren. Dazu komme, dass das BAMF Dolmetscher*innen weit unter Tarif bezahle: Für Termine am Gericht liege der Stundensatz gemäß dem Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz (JVEG) bei 70 bis 75 Euro, für Asylanhörungen bekämen Dolmetscher*innen jedoch nur 25 Euro pro Stunde. „Das Bundesamt versucht, die Kosten für die Dolmetscher so gering wie möglich zu halten“, bestätigt Cornelia Remde vom Verein beeidigter Dolmetscher und Übersetzer Sachsen. Auch der Vorstandsvorsitzenden des Berufsverbands mit Sitz in Dresden ist das Problem der regimetreuen Dolmetscher*innen bekannt. „Es gibt Gerüchte, dass regimetreue Dolmetscher durchaus auch beim BAMF eingesetzt werden, aber wir haben keine Beweise. Die Frage ist: Wie prüft das Bundesamt die Dolmetscher? Das BAMF definiert keine Qualitätsstandards“, kritisiert Remde.

Das Black Box-Problem der Asylanhörung

Bernd Mesovic von Pro Asyl teilt die Einschätzung, dass das Bundesamt „bundesweit ein Qualitätsproblem mit Dolmetschern“ habe. Die Überprüfung von Dolmetscher*innen sei ein ernstzunehmendes strukturelles Problem des Bundesamts. „Es ist kaum leistbar für das BAMF, die Qualität der Dolmetschleistung zu prüfen. Weil keine externen Beobachter am Verfahren beteiligt sind, entsteht hier das Black Box-Phänomen“, erklärt er. Als

Neben der katastrophalen Menschenrechtslage ist auch die marode Wirtschaft ein Fluchtgrunde für viele Eritreer*innen. Foto: Lucas Grothe

Neben der katastrophalen Menschenrechtslage ist auch die marode Wirtschaft ein Fluchtgrunde für viele Eritreer*innen. Foto: Lucas Grothe

KontrollAls Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen.möglichkeit schlägt Mesovic vor, gelegentlich einen weiteren Dolmetscher hinzuzuziehen – was zur Folge haben könnte, dass dann korrekt übersetzt wird – oder Tonbandaufnahmen zu machen. Allerdings müsse man die Qualität von der politischen Einstellung der Dolmetscher*innen trennen. „Die Behauptung der politischen Manipulation eines Dolmetschers ist schwerwiegend. Wie kann ein Dolmetscher beweisen, dass er unverdächtig ist?“, gibt er zu bedenken. Der Kontakt zur Botschaft ist kein zwingendes Indiz dafür, dass ein Dolmetscher regimetreu ist, da viele Eritreer*innen die Dienste der Botschaft in Anspruch nehmen müssen, um etwa Dokumente aus ihrem Heimatland ausgestellt zu bekommen. Eden Mengis plädiert in ihrer Studie dennoch dafür, dass das Bundesamt keine Dolmetscher*innen einstellt, die Kontakte zur eritreischen Botschaft haben. „Das wäre ein Abwägen, weil dadurch Dolmetscher ausgeschlossen werden, die auf die Botschaft angewiesen sind, weil sie zum Beispiel Unterlagen brauchen. Aber viel schlimmer ist, wenn Menschenrechtsverletzungen in Eritrea begangen werden, weil regimetreue Dolmetscher Zugang zu sensiblen Informationen hatten“, erklärt sie. Zwar könne nicht abschließend festgestellt werden, dass die Botschaft gezielt Dolmetscher*innen in die Asylanhörungen einschleust, aber die Vermutung liege nahe, so Mengis. Problematisch sei zudem, wenn Geflüchtete von Dolmetscher*innen eingeschüchtert würden.

Einzelfälle oder strukturelles Problem?

Das BAMF weist die Vorwürfe zurück: „Die von Ihnen geschilderten Situationen sind uns nicht als generelles Problem bei eritreischen Dolmetschern bekannt. Weder liegen uns hierzu Hinweise aus den Außenstellen noch von anderer Seite vor“, antwortet die Pressestelle des Bundesamts auf Anfrage. Die Problemlage ist kompliziert, das sieht auch Seghen Gebreyosus von United4Eritrea ein. „Natürlich sprechen wir immer noch von Einzelfällen, aber wir wissen nicht, wie viele Fälle es noch gibt. Gerade, weil es so schwer nachzuvollziehen ist. Im Nachhinein kann man nicht aufklären, ob falsch verdolmetscht wurde oder nicht. Es gibt keine Tonbandaufnahmen aus der Anhörung“, wendet sie ein. Bei fast 11000 Asylanträgen von eritreischen Geflüchteten im vergangenen Jahr handelt es sich bei den wenigen dokumentierten Beschwerden für das Bundesamt statistisch um Einzelfälle, die keine Reaktion erfordern. Doch hinter jedem Einzelfall, in dem ein Tigrinya-Dolmetscher nicht neutral verdolmetscht oder seine Verschwiegenheitspflicht verletzt, steht ein Mensch, der mit den gravierenden Konsequenzen leben muss. Dass die Dunkelziffer weit höher liegt, ist angesichts der Angst eritreischer Geflüchteter, sich öffentlich über das Regime zu äußern und der intransparenten Zusammenarbeit des Bundesamts mit Dolmetscher*innen denkbar. Die Initiative United4Eritrea überlegt, dem BAMF ihre Mithilfe bei der Überprüfung der Tigrinya-Dolmetscher*innen anzubieten, und auch Pro Asyl will das Problem im Auge behalten. „Da wird ein strukturelles Problem weggeredet“, kritisiert Bernd Mesovic. „Man kann aber nicht über die Einzelfälle hinweggehen, weil es da um Existenzen geht.“

Trotz tausender Kilometer, die eritreische Schutzsuchende auf ihrerFlucht bis nach Deutschland zurückgelegt haben, können sie sich also scheinbar nicht immer dem langen Arm des Regimes entziehen. Eine Sensibilisierung für das Thema scheint im BAMF derzeit wenig vorhanden zu sein. Und das, obwohl in der Asylanhörung jedes (falsch) übersetzte Wort über die Zukunft der Geflüchteten entscheiden kann.

Frauenrechte in Eritrea: Zwischen gesetzlicher Gleichberechtigung und faktischer Benachteiligung

In Eritrea sind Frauen und Männer gleichberechtigt. So steht es in der Präambel der Konstitution, die 1997 ratifiziert wurde. Grund für die besondere Stellung, die Eritrea den Frauenrechten einräumt, ist die Beteiligung der Frauen am 30-jährigen Unabhängigkeitskrieg der eritreischen Befreiungsarmee EPLF. Bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1991 kämpften eritreische Frauen Seite an Seite mit den Männern gegen die Kolonialmacht Äthiopien. Auch in der Zivilgesellschaft waren die Frauen während des Kriegs emanzipiert: Sie übernahmen für ihre abwesenden Männer die Verantwortung für den Haushalt, die Geschäfte und die Landwirtschaft. Nach der Unabhängigkeit hat Eritrea mehrere Gesetze zur Gleichstellung der Frauen erlassen. So gewährt etwa die Landreform-Proklamation von 1994 und 1997 jedem Bürger unabhängig von Geschlecht, Religion und Ethnie das Recht, Land zu besitzen. Dieses Gesetz ermöglicht Frauen, landwirtschaftliche Betriebe und kleine Geschäfte aufzubauen. Laut dem Jahresbericht der afrikanischen Frauenrechtsorganisation Make Every Woman Count (MEWC) aus dem Jahr 2014 kontrollAls Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im
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Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen
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ieren Frauen 40 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Eritrea.

Die Arbeitsproklamation von 2001 schützt Frauen im Beruf gesetzlich. In der Verwaltung und im Parlament gilt eine Frauenquote: 30 Prozent der Sitze sind für Frauen reserviert. Bereits 1995 hat Eritrea zudem die internationale Frauenrechtskonvention CEDAW ratifiziert, ein Übereinkommen über die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Damit ist die Gleichstellung der Frau gesetzlich vergleichsweise gut geschützt.

In der Praxis sind eritreische Frauen dennoch Diskriminierung und sexueller Gewalt ausgesetzt. Im aktuellen Bericht zur Umsetzung der CEDAW äußert das UN-Komitee vor allem Besorgnis über die negativen Auswirkungen des National Service auf die Rechte der Frau. Der Militärdienst ist in Eritrea für Männer und Frauen von 18 bis 40 Jahren verpflichtend. Eigentlich auf 18 Monate begrenzt, müssen Eritreer*innen den National Service oft auf unbegrenzte Zeit ableisten. Alle Schüler*innen werden im 12. Schuljahr zum Militärdienst im Ausbildungslager Sawa eingezogen. Die UN-Kommission kritisiert die Zwangsrekrutierung, auch von minderjährigen Frauen in den zeitlich unbegrenzten Militärdienst unter Bedingungen, die der Zwangsarbeit ähneln. Berichten zufolge würden Frauen im National Service zudem häufig Opfer sexueller Gewalt durch Offiziere und männliche Rekruten. Als problematisch bewertet das Komitee auch, dass junge Frauen vermehrt frühzeitig die Schule verlassen oder minderjährig schwanger werden, um den Militärdienst zu umgehen. Abseits des National Service besteht für Frauen die Gefahr, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden. Auch Genitalverstümmelung betrachtet die Frauenrechtsorganisation Make Every Woman Count als ein ernstzunehmendes Problem in Eritrea: 89 Prozent aller eritreischen Frauen sind laut MEWC davon betroffen.

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  1. […] Verbundenheit zum Heimatregime: In ihrer Masterarbeit „Sprich nicht so über dein Land“ untersuchte Eden Mengis im Wintersemester 2014/2015 diesen Punkt am Beispiel von Tigrinya-Dolmetschern. […]

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