Armes reiches Land

Es ist ein grausames Schicksal, was das Leben tausender Frauen in der Demokratischen Republik Kongo zerstört:
Rund 400.000 Frauen werden jährlich Opfer von Vergewaltigungen.

Lohngleichheit von Mann und Frau, Frauenquote und der Gender-Star – während sich die Geschlechter in Deutschland um Gleichstellung bemühen, kämpfen Frauen auf der anderen Seite der Erde um ihr grundlegendes Menschenrecht: Im zentralafrikanischen Kongo werden jährlich 400.000 Frauen Opfer von sexuellen Gewaltverbrechen, die Dunkelziffer ist deutlich höher. Die Gründe hierfür sind vielschichtig – die Lösungsansätze komplex.

 

 

Vergewaltigung nur Militärstrategie?

Häufig wird die systematische Unterdrückung und sexuelle Ausbeutung mit den andauernden bewaffneten Konflikten in Verbindung gebracht. In den Medien werden Bilder vermittelt, die von der gezielten Vergewaltigung der Frauen durch Militärs erzählen. Strategisch soll so der Feind terrorisiert werden, um ihn schlussendlich zu brechen. Dennoch ist die Vergewaltigung als Militärstrategie nur eine Form des Verbrechens: Sexuelle Sklaverei und opportunistische Vergewaltigungen sind weitere Typen, die die kongolesischen Frauen bedrohen. Doch was führt dazu?

 

„Vergewaltigung ist nicht erst vorgestern im Kongo entstanden.“

Menschenrechtsaktivist und Politiker Kabeya Kasongo

 

Veraltete Wertvorstellungen – aktuelles Problem

Ein grundsätzliches und großes Problem bildet die im Kongo vorherrschende patriarchale Gesellschaftsordnung: Durch die Ungleichstellung der Geschlechter und die Sozialisation wird vielen Männern vermittelt, sich an allem bedienen zu können – auch an den Frauen des Landes. Verstärkend wirken zudem die seit Jahren immer wieder aufkeimenden Kriege. Konfliktpotenzial für die vielen Unruhen bildet unter anderem das reiche Coltan-Vorkommen des Landes, welches zu Gewalt und Kämpfen in den entsprechenden Gebieten führt.

 

„Der Fokus darf nicht nur auf den vergewaltigten Frauen liegen; hauptsächlich
muss eine Betrachtung der Täter erfolgen und die Frage nach dem Warum gestellt werden.
Hier muss man ansetzen.“

Politikwissenschaftlerin Claudia Simons zu den Lösungsansätzen

 

Die eine Lösung?!

Im Fall einer Vergewaltigung haben kongolesische Frauen das Recht auf eine medizinische sowie psychologische Behandlung und auf eine Anzeige der Täter. Dennoch ist die Umsetzung dieser Rechte de facto nicht immer gewährleistet.  Damit es gar nicht so weit kommt, müssen die tatsächlichen Probleme in ihrem Ursprung behoben werden: durch bessere Bildungschancen für Männer und Frauen, durch besser ausgebildete Streitkräfte zum Schutze der Zivilbevölkerung, durch die gerechte Verteilung der Ressourcen und durch den aktiven Einsatz der Regierung. Denn nur wenn sich das Land von Grund auf stabilisiert, kann den Frauen des Kongo geholfen und den Vergewaltigungen Einhalt geboten werden.

 

Problematik im Kongo

Rohstoffkämpfe, Machtansprüche und Stammesstreitigkeiten beherrschen die angespannte Situation in der demokratischen Republik Kongo. 1994 gipfelte der Konflikt zwischen den Völkergruppen Hutu und Tutsi im Völkermord von Ruanda, dessen Nachbeben bis heute zu spüren sind. Durch fehlende staatliche Strukturen und Korruption in wichtigen Institutionen wie Parlament, Militär und Polizei ist der Staat chronisch geschwächt. Seit dem Sturz des Diktators Mobutu im Jahr 1997, gehen der Wiederaufbau und die Befriedung des Landes nur schleppend voran. Problematisch sind vor allem die ständigen Auseinandersetzungen rivalisierender Rebellengruppen, die von der Ausbeutung der reichen Bodenschätze des Landes profitieren. Generationen von Menschen kennen nur Flucht, Gewalt und Konflikte und haben aufgrund fehlender wirtschaftlicher Alternativen oft keine andere Wahl, als am Krieg teilzunehmen.

© Till Mayer

Typologie der Vergewaltigungen

Dass Vergewaltigung in Kriegsgebieten nicht immer gleich Kriegsvergewaltigung ist, hat das Internationale Konversionszentrum Bonn (BICC) herausgearbeitet. In einer Studie haben die Forscher herausgefunden, dass es viele verschiedene Arten, Gründe und Täter gibt. Insgesamt unterscheiden die Forscher acht Typen von Vergewaltigungen: Vergewaltigungen durch einen Verbündeten, Sexuelle Sklaverei, Vergewaltigung als Militärstrategie, Vergewaltigung durch einen Nachbarn, Vergewaltigungslager, Vergewaltigung in Gefangenschaft, opportunistische Vergewaltigung und gezielte Vergewaltigung. Abhängig von der Art der sexuellen Unterdrückung ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen für die Frauen bzw. für die Gesellschaften. Die ganze Studie findet sich hier zum Nachlesen:

Coltan-Vorkommen

Es ist das wohl am meisten umkämpfte Erz der Welt: Coltan, ein Rohstoff aus dem das seltene Metall Tantal gewonnen wird. Tantal wird benötigt für all das, was die westliche Welt modern macht – Smartphones, Laptops oder Flachbildschirme. Doch Coltan ist ein Konfliktmineral, zu einem Großteil gewonnen in Krisenregionen der Demokratischen Republik Kongo. Dort entziehen sich der Abbau und der Export hochwertiger Bodenschätze häufig staatlicher Kontrolle. Die rivalisierenden Rebellengruppen im Kongo kämpfen täglich um die Eroberung der kleinen, illegalen Minen. Sie profitieren erheblich vom Abbau und Verkauf der seltenen Bodenschätze des Landes, denn der Erlös aus dem Erz Coltan fließt häufig direkt wieder in die Finanzierung des Bürgerkrieges. Ein Kreislauf der Gewalt, der nur durchbrochen werden kann, wenn sich ausländische Elektronikunternehmen der Problematik des „Blut-Coltan“ bewusst werden und beginnen zu handeln.

Psyche und Motive der Vergewaltiger

Unbestritten ist: Frauen müssen – nicht nur im Kongo – vor sexueller Gewalt geschützt werden. Was jedoch leicht vergessen wird, ist die Tatsache, dass der Schutz der Opfer mit der Analyse der Täter einhergeht: Versteht man die Motive der Vergewaltigungen, versteht man auch mögliche Lösungsansätze. Die Wissenschaftlerinnen Maria Eriksson Baaz und Maria Stern von der Universität Göteborg fanden in einer Analyse der sexuellen Vergewaltigungen im Kongo unter anderem heraus, dass Übergriffe nicht zwangsläufig militärische Druckmittel sind. Viel mehr erfolgten die sexuellen Gewalttaten wenig taktisch und sind deutlich komplexer, als es eine Militärstrategie sein könnte. Entsprechend sind die Ursachen unter anderem in Armut, Alkohol- und Drogenmissbrauch zu suchen. Ebenso trägt die Institution des Militärs zu den Vergewaltigungen bei: Soldaten werden – nicht nur im Fremd- sondern vor allem im Selbstbild – mit Männlichkeit und hoher sexueller Potenz verbunden. Weitere Informationen und die gesamten Ergebnisse der Studie finden sich hier:

„Silent revolution of Afghanistan“ – ein Land voll starker Frauen.

Selbstbestimmte Frauen in Afghanistan? Die meisten Geschichten die uns aus dem Land am Hindukusch über die Medien erreichen, zeichnen ein anderes Bild. Doch es gibt sie – zahlreich. Auf der Bildkorrekturen-Konferenz stellte diese Frauen die afghanische Aktivistin und Künstlerin Nahid Shahalimi dem Publikum vor. Shahalimi bezeichnet sie als „silent revolution of Afghanistan“.

Screenshot | Twitter

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Über 20 Gesichter von afghanischen Frauen flimmerten über die Projektion des Beamers. Jede von ihnen hat Nahid Shahalimi persönlich getroffen. Unter ihnen sind nicht nur junge Afghaninnen, der sogenannten „neuen Generation“, sondern auch viele ältere, die die Herrschaft der Taliban nicht aus der Sicht eines Kindes kennengelernt haben.

Ihre Geschichten bewegten während der Konferenz nicht nur das Publikum. Auch Shahalimi wirkte beim Erzählen erneut von dem Einsatz der Frauen, etwas für sich und ihr Land zu tun, gerührt. „Jede von ihnen sollte einen Friedensnobelpreis erhalten“, erklärte Shahalimi mit brüchiger Stimme.

Screenshot | Twitter

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Nicht nur die Geschichte der 70-jährigen Pigeon, die Männer vor dem Terror Al-Qaidas rettete, zeigt, dass die Frauen Afghanistans wehrlos und machtlos sein müssen. Tatsächlich sind sie in den unterschiedlichsten Bereich aktiv dabei, etwas für den Wandel in ihrem Land zu tun.

Let’s make us famous by art, not war. – Zitat einer afghanischen Graffitikünstlerin

Da sind eine Pilotin und eine Architektin, die selbstbestimmt und vor allem erfolgreich vermeintlich „männliche“ Berufe ausüben. Da sind die Frauen des Vereins „Skateistan„, die mithilfe von Skateboardfahren die Grenzen von Stammeszugehörigkeiten und sozialer Herkunft in Afghanistan überwinden wollen.

Screenshot | Twitter

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Doch auch wenn sich die Frauen in sämtlichen gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Bereichen engagieren, der Krieg ist noch immer überall. Die Afghaninnen gehen oftmals hohe Risiken ein, um für sich und die Selbstbestimmung der Frauen in ihrem Land einzustehen.

So auch Mariam Sediqi, die als Moderatorin für das einzige Frauenradio Afghanistans arbeitet. Schon häufig wurde es gefährlich für sie. Drohungen und Angriffe sind keine Seltenheit. Erst vor wenigen Monate musste Sediqi pausieren. Aufgeben wird sie, genauso wie alle anderen Frauen, trotzdem nicht.

Screenshot| Twitter

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Beim Präsidenten brennt noch Licht Ägypten im Kampf um stabile Energieversorgung

Erfahrungsberichte aus einem Kairo, das Straßen wie Pyramiden mit Licht bestrahlt während die Bevölkerung im Dunklen sitzt. Ein Panelbericht von Jonas Rosen.

Lage der Energieversorgung in Ägypten

  • Hauptstromlieferanten Gas und Öl
  • angespannte finanzielle Lage durch gesunkene Devisenreserven
  • vollständige Versorgung kann nicht aufrecht erhalten werden
  • häufige Stromausfälle
  • wachsende Bevölkerung
  • Investitionen in Erneuerbare Energie sollen Entspannung bringen (insbesondere Photovoltaik und Windkraft)

 

Nach dem arabischen Frühling steht Ägypten noch vor vielen Baustellen. Im Alltag der Menschen macht sich die instabile Energieversorgung besonders bemerkbar und ein geregeltes Leben schwierig. Von der politischen Situation und ihrem Hintergrund, den Schwierigkeiten im alltäglichen Leben bis hin zu den ersten „grünen“ Bauten – Ägypter gewähren uns einen Einblick in ihr Leben nach der Revolution.

 

Politisch wie wirtschaftlich ist Ägypten noch instabil

Das Land lebte 30 Jahre unter dem autoritären Regime von Husni Mubarak und sucht seit der Revolution 2011 immer noch nach Stabilität. Nach dem arabischen Frühlings steckt das Land in einer Kreditklemme, die es ihm unmöglich macht, seinen Bedarf an Energie zu finanzieren. So müssen Teile der Bevölkerung täglich mit unvorhersehbaren „Blackouts“ rechnen. „Wenn sie eine stabile Stromversorgung wollen, ziehen sie in die Nachbarschaft des Präsidenten“, weiß Dr. Mona Magdy, Dozentin für Kommunikationswissenschaft an der Deutschen Universität von Kairo, zu berichten. „In seinem Viertel brennt immer Licht:“

Das Land speist seine Stromversorgung vor allem aus Kraftwerken, die mit Öl und Erdgas verbrennen. Die Anlagen und Ressourcen reichen aber bei weitem nicht, um den steigenden Energiebedarf der Bevölkerung zu decken.

 

Täglich muss man sich auf „Blackouts“ gefasst machen

Zwei Studentinnen von Mona Magdy bringen die Problematik auf eine persönlichere Ebene. Die häufigen Stromausfälle wirken überflüssig, wenn man bedenkt, wofür der vorhandene Strom verwendet wird. „Noch im Morgengrauen kann man in Kairo, der Stadt die niemals schläft, die Straßenbeleuchtung flackern sehen.“ Rita Zakarian hat sich zum Thema gesetzt, die Fehlverwendung von Strom aufzuzeigen, und stößt dabei auf so manche Absurdität. Ihre Kommilitonin Nawarra Hany Mehrem hat die Thematik in einem Artikel verarbeitet. „My Daily Life with Blackouts“ beschreibt ihren von Stromausfällen geprägten Tagesablauf. Sie macht deutlich, wie stark Strom im Alltag genutzt wird und dass die Abhängigkeit davon erst auffällt, wenn man ohne ihn zurecht kommen muss.

 

Erneuerbare Energien sowie effizienter Ressourcenumgang noch wenig ausgebaut

Aus europäischer Sicht möchte man dem Land oberlehrerhaft sagen, dass erneuerbare Energien und effizienter Ressourcenumgang doch so nahe liegen: „Am Nil scheint doch immer die Sonne – nutzt die Solarenergie.“ Das, so weiß Ahmed El Maghraby, Ingenieur in Kairo, ist jedoch nicht so einfach. Die Technik, die zu Gewinnung von Solarenergie benötigt wird, muss fast ausschließlich importiert werden und das kostet Geld. Geld, das die Bewohner des stark gebeutelten Lands nicht aufbringen können. Einen effizienten Ressourcenumgang jedoch treibt El Maghraby durch die Planung von energieeffizienten Bauten nach hohen Standards voran.

 

 

 

Energiewende von unten

Bürgerenergiegenossenschaften unterstützen mit regionalen Projekten die Energiewende. Ein Beispiel findet sich in der fränkischen Kleinstadt Lichtenfels.

„Wir brauchen eine Vision für die Energiezukunft. 100 Prozent erneuerbare Energien in 20 Jahren – das wäre doch eine schöne Vorstellung, oder?“ Aus dem Mund von Jens Backert klingt das ganz einfach. Der junge Grünen-Politiker ist Aufsichtsratsvorsitzender der Neue Energie Obermain eG (NEO), einer Bürgerenergiegenossenschaft in der fränkischen Kleinstadt Lichtenfels. Er hat eine klare Vision für die Energiezukunft Deutschlands. Nach dem Motto „Gemeinsam erreichen, was einer allein nicht schaffen kann“ versucht er mit den anderen Genossenschaftsmitgliedern der NEO eG durch regionale Projekte wie Freiflächen-Photovoltaikanlagen zur Energiewende beizutragen.

Vom Arbeitskreis zur Genossenschaft

Aus wöchentlichen Mahnwachen nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima entstand zunächst der Arbeitskreis Bürgerbündnis Erneuerbare Energien im Landkreis Lichtenfels und schließlich im Dezember 2011 die NEO eG. „Als wir uns regelmäßig Montagabend vor dem Rathaus getroffen haben, um für eine bessere Energiepolitik zu demonstrieren, lag die Frage auf der Hand, was wir selbst dazu beitragen können“, erzählt Backert. „Unser Ziel war es, dieses Vorhaben basisdemokratisch zu gestalten, in Form einer Genossenschaft.

Eigener Beitrag zur Energiewende

Seit 2012 wurden durch diese Genossenschaft bereits drei Photovoltaik-Projekte geplant und realisiert: Eine kleinere Aufdachanlage sowie zwei Freiflächenanlagen mit Maximalleistungen von 984 beziehungsweise 1200 kWh. Diese Zahlen stehen für den Jahresverbrauch von etwa 250 beziehungsweise 300 Vier-Personen-Haushalten. Damit folgt die NEO eG dem Vorbild von über 700 weiteren Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland. Für Jens Backert macht es durchaus Sinn, die Energiewende zumindest teilweise in die Hände der Bürger zu legen. „Das Abschalten der Atomkraftwerke hat bis heute noch zu keinem Stromausfall geführt. Das liegt vor allem daran, dass die Bürger auf ihren Dächern und die zahlreichen Bürgerenergiegenossenschaften fleißig erneuerbare Energien zugebaut haben.“

Grundkonzept fehlt

Unterstützt wurde das Bürgerengagement auch durch das alte Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, das Jens Backert für ein Erfolgsmodell hält: „Klare Rahmenbedingungen haben es auch für den ‚kleinen Mann‘ leicht gemacht, Investitionen in diesem Bereich zu tätigen.“ In der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung hingegen fehlt ihm dieses klare Konzept. „Meine Vision von 100 Prozent erneuerbaren Energien in 20 Jahren wäre zwar eine große Herausforderung, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Die Politik müsste einfach endlich einen Weg aufzeigen. Details erwartet niemand, aber ein Grundkonzept schon.“