Im Gespräch mit Ellen Köhrer

Für sie ist Grün das neue Schwarz – die Journalistin, Autorin und Bloggerin Ellen Köhrer. Wie ist sie zum Thema Fair Fashion gekommen? Und welche Möglichkeiten gibt es für uns Verbraucher, faire Mode zu erwerben? Dies und vieles mehr haben wir Ellen Köhrer während der Konferenz gefragt.

Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza 2013: Mit 1135 Toten das schlimmste Unglück in der Geschichte Bangladeschs. Ellen Köhrer hatte 2012 selbst vor Ort eine Textilfabrik besucht und dabei die Arbeitsbedingungen hautnah miterlebt. Wir haben nachgefragt, was sie bei diesem Besuch empfunden hat….

Woher kommt meine Kleidung? Auf Nachfrage können selbst die Modehändler nicht beantworten, woher ihre Ware kommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wird. Welche Tipps gibt Ellen Köhrer uns mit auf den Weg zum fairen Shoppen?

Über Ellen Köhrer

Geboren in Stuttgart, absolvierte Ellen Köhrer ihr Diplom in Journalistik und Betriebswirtschaft. Heute ist sie unter anderem für zahlreiche und namhafte Kunden, darunter NGOs, Stiftungen sowie Print- und Onlinemedien (Taz, Welt, Frankfurter Rundschau, GEOlino u. v. a.) tätig.

Am Herzen liegen der freien Journalistin, Autorin und Bloggerin dabei besonders Themen rund um die Mode- und Textilindustrie sowie Aspekte der Nachhaltigkeit und Entwicklungspolitik. Als einschneidendes Erlebnis in ihrer über 20-jährigen beruflichen Laufbahn, beschreibt Ellen Köhrer ihren Aufenthalt in Bangladesch. Hier besuchte sie nicht nur eine Textilfabrik, sondern interviewte darüber hinaus Gründer von Sozialunternehmen der Modebranche, um neben den Schattenseiten der Modeproduktion, gelungene Konzepte aufzuzeigen.

In den Jahren darauf folgte unter anderem ihr Blog Grün ist das neue Schwarz sowie die Veröffentlichung ihres Buches „Fashion Made Fair – Modern. Innovativ. Nachhaltig“ mit Magdalena Schaffrin (Prestel Verlag). Dieses stellt unter anderem Modemarken vor, die ihre Mode nachhaltig produzieren.

Aktuell lebt und arbeitet Ellen Köhrer in Berlin, wo es zahlreiche Modeläden gibt, die schönes Design und faire, nachhaltige Produktionsbedingungen vereinen.

 

 

 

 

Woher kommt meine Kleidung? Nachhaltigkeit in der Modeindustrie - Ein weiter Weg

Nur etwa fünf Prozent aller in Deutschland verkauften Textilien wurden hier produziert. Stellt sich die Frage: Wo genau kommt mein Lieblingsteil her? Und ist es für den Verbraucher möglich, den Weg seiner Kleidung zurückzuverfolgen?

Vom Rohstoff, zur Verarbeitung und Veredelung und schließlich in die Läden ist es ein weiter Weg. Hinter jedem Kleidungsstück stecken viele einzelne Produktionsschritte, die meist in unterschiedlichen Ländern erfolgen. So kann die Jeans bis zu 20.000km zurücklegen, bevor sie im Kleiderschrank landet. Die Komplexität der Lieferkette macht es jedoch schwierig, den Weg der Kleidung nachzuvollziehen.

1
2
3
4
5
6
7
8
9
Quelle: Rick Cheadle | CC0 1.0 / pixabay.com
1

USA: Anbau und Ernte der Baumwolle

2

Türkei: Die Baumwolle wird in Spinnereien zu Garn gesponnen.

3

Taiwan: Aus dem Baumwollgarn wird in den Webereien der Jeansstoff hergestellt.

4

Polen: Produktion der chemischen Indigofarbe, die zum Einfärben des Jeansstoffes benötigt wird

5

Tunesien: Einfärben des Jeansstoffs mit der Indigofarbe

6

Bulgarien: Veredelung des Jeansstoffs, sodass dieser weich und knitterarm wird

7

China: Hier wird die Jeans zusammengenäht

8

Frankreich: Die Jeans bekommt ihren letzten Schliff, indem sie bspw. mit Bimsstein aus Griechenland gewaschen wird, wodurch der „Stone-washed-Effekt“ entsteht.

9

Deutschland: Verkauf der fertigen Jeans

Quelle: Rick Cheadle | CC0 1.0 / pixabay.com

Quelle: Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26972

Quelle: Public Domain| https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26972

 

Woher stammt das verwendete Material?

Baumwolle gehört zu den weltweit am häufigsten genutzten Rohstoffen in der Textilindustrie. Zu den größten Produzenten für Baumwolle zählen China mit 30 Prozent, Indien mit 20 Prozent und die Vereinigten Staaten mit 15 Prozent des weltweiten Baumwollanbaus.

Wo genau die Baumwolle herkommt, die für ein Kleidungsstück Verwendung fand, wird jedoch nur in Ausnahmefällen angegeben. Nämlich dann, wenn es sich um einen „ökologisch sicheren“ Anbau handelt. Der Blick auf das Etikett gibt dem Verbraucher diesbezüglich also nur selten Auskunft.

Die Produktionsländer der Textilindustrie

„Made in Bangladesch“, „Made in Kambodscha“ oder „Made in China“ – um Verbrauchern möglichst preiswerte Ware zu liefern, führt der Kampf um die günstigsten Produktionskosten die Hersteller in Billiglohnländer, in denen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen vorherrschen.  Ein Großteil der Textilien wird somit im asiatischen Raum produziert.  Doch auch „Made in Europe“ ist kein Garant für faire Arbeitsbedingungen: Besonders in rumänischen, albanischen und türkischen Textilfabriken arbeiten die Menschen für Löhne unterhalb des Existenzminimums. Wer glaubt, nur Anbieter günstiger Textilprodukte lassen ihre Ware in Billiglohnländern herstellen, täuscht sich! Oftmals nutzen Luxusmarken dieselben Textilfabriken wie die Discounter. So garantieren auch hohe Preise oder Markennamen nicht zwangsläufig faire Herstellungsbedingungen.

Als sichere Herkunftsländer können beispielsweise Schweden oder die Niederlande eingestuft werden, wo inzwischen zumindest ein Bruchteil der H&M-Ware hergestellt wird.

Nachgefragt: Wo kommt meine Kleidung her?

Mir war aufgefallen, dass sich auf dem Etikett meines neuen C&A-Kleides lediglich Informationen über die Materialzusammensetzung (v.a. Polyester als die am häufigsten genutzte Kunstfaserart in der Textilverarbeitung) und Pflegehinweise zu finden sind.  Ein Produktionsland ist nicht angegeben. Grund genug sich einmal zu erkundigen!

Ich bei C&A – einem der umsatzstärksten Unternehmen des deutschen Textilhandels – nachgefragt. Dass Verbraucher nur schwer Informationen bezüglich der Produktionsorte der Kleidungsstücke erhalten, erstaunte mich nicht. In den Geschäften selbst wird man zunächst zum Store-Manager geschickt, der keine verlässliche Auskunft geben kann. Mein Gespräch mit dem Leiter einer C&A-Filliale stellt sich als enttäuschend heraus: Nach dem Verweis auf die „allgemein hohen Qualitätsstandards“ folgt lediglich der Tipp, sich auf der Webseite genauere Informationen einzuholen.

„Wear the change“ – Große Versprechen auf den Webseiten und Ungewissheit der Kunden

Die Online-Auftritte der Textilunternehmen strotzen vor Beiträgen zum Thema Nachhaltigkeit. Entsprechende Kampagnen sind geschickt platziert. „Wear the change“ heißt es bei C&A, um für die neue Kollektion zu werben, die durch nachhaltige Materialien wie Bio-Baumwolle oder recycelte Stoffe, einen Wechsel markieren und somit neue Kunden locken soll. Desweiteren findet sich auf der Internetseite von C&A eine Rubrik, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmet. Informationen, wie das Unternehmen faire Produktionsbedingungen und ökologische Nachhaltigkeit fördert, werden hier zur Verfügung gestellt. Ebenso findet sich eine Übersicht über die weltweiten Lieferanten. Es entsteht der Eindruck, dass der Textilriese auf ökologisch und sozial faire Produkte Wert legt und darüber hinaus bemüht ist, die Lieferkette transparent zu gestalten.

Rückschlüsse darüber, wo genau mein Kleid nun herkommt, finden sich auf der Internetseite natürlich nicht. Die letzte Möglichkeit, nähere Informationen zu erhalten, besteht also darin, sich direkt an den Kundenservice zu wenden. Und tatsächlich bekomme ich nach einigen Tagen eine ausführliche Antwort des C&A-Kundenservices.  Jedoch ausschließlich mit den Informationen, die auf der Internetseite präsentiert werden.

Alle Bio-Baumwoll-Produkte sind entweder nach OCS oder GOTS zertifiziert. Aber woher stammt die übrige Baumwolle, die immerhin den größeren Anteil ausmacht? Das bleibt (zumindest für mich) ungewiss.

Der Vermerk, dass die Kennzeichnung  mit einem ‚country of origin‘ generell problematisch ist, da ein Artikel sowohl von unterschiedlichen Lieferanten als auch aus unterschiedlichen Ländern bezogen werden kann, soll mich vertrösten.

Für mich bleibt die Herkunft meines Kleides letztlich unklar.

Kleine Schritte auf einem weiten Weg

Beim Blick auf die Modebranche, wird ersichtlich, dass die Textilunternehmen längst unter Zwang stehen, „faire“ Kampagnen ins Leben zu rufen. So erscheint beispielsweise der neue Katalog des schwedischen Konzerns H&M auf Recycling-Papier und auch bei den Textilien wird mehr und mehr auf nachhaltige Materialen zurückgegriffen. Doch das sind nur kleine Schritte. Und ein Teil der Verantwortung liegt auch bei den Verbrauchern, die durch ihr Kaufverhalten den Markt mitbestimmen!

Warum kaufen wir eigentlich so viel?

Durchschnittlich kaufen die Deutschen zwischen 40 und 70 Kleidungsstücke pro Jahr. Das sind pro Kopf circa zwölf Kilogramm Kleidung jährlich. Damit ist Deutschland zusammen mit den USA und der Schweiz an der Weltspitze des Klamottenkonsums.

Klar, es geht darum, jedem Trend zu folgen. Angetrieben von sozialen Medien, wie Instagram oder den zahlreichen Modeblogs, verbreiten sich die Trends im Eiltempo – und verschwinden ebenso schnell wieder. Um der Nachfrage hinterher zu kommen, bringen große Textilunternehmen, wie H&M oder Zara, im Wochenrhythmus neue Kollektionen auf den Markt.

Das Bedürfnis, jedem Trend zu folgen, hat zur Konsequenz, dass Kurzlebigkeit den Kleiderschrank bestimmt. Doch machen einen die vielen Sachen am Ende glücklicher? Sicher, Mode kann unser Selbstbewusstsein beflügeln.Wer sich in seiner Kleidung wohlfühlt, ist selbstsicherer und strahlt dies meist auch auf Andere aus. Doch machen Kleider wirklich Leute? Fest steht: Leute machen Kleider! Und das leider zumeist für Hungerlöhne unter widrigen Arbeitsbedingungen. Zeit also das Kaufverhalten zumindest zu überdenken…

 

Welche Alternativen gibt es?

Mode sollte nicht zum Wegwerfartikel verkommen. Warum also die Lieblingshose nicht reparieren, wenn eine Naht aufgeht? Oder warum den Pullover, den man nicht mehr mag, nicht einfach tauschen?

Indem man Kleidung auf Online-Plattformen, in Secondhand-Läden oder auf Flohmärkten verkauft, kann aus den Teilen, die ungenutzt im Kleiderschrank liegen, Geld gemacht werden.

Wie können Verbraucher aktiv werden?

Die Clean Clothes Campaign setzt sich seit 1989 für die Rechte der Arbeiter und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der internationalen Textilindustrie ein. Die Organisation fordert Verbraucher auf, nachzufragen, unter welchen Arbeitsbedingungen die Textilien hergestellt wurden. Indem Käufer, die Shopkarte“ der Clean Clothes Campaign im Geschäft abgeben, kann das Interesse an fairen Kleidungsstücken signalisiert und somit Druck auf die Modeunternehmen ausgeübt werden.

Welche Textilsiegel gibt es?

Aus welchem Material ist mein Kleidungsstück? Wie wurden die notwendigen Rohstoffe angebaut und verarbeitet?  Unter welchen Arbeitsbedingungen wurde die Kleidung produziert?

Konsumenten, die auf soziale, ökonomische sowie ökologische Nachhaltigkeit der Kleidungsstücke achten wollen, sehen sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. So gibt es eine Reihe von Gütesiegeln, die sich zumeist jedoch nur auf einen Aspekt der Produktion beziehen. Beispielsweise stellen Siegel wie Global Organic Textile Standards (GOTS), EU Ecolabel oder bluesign sicher, dass es sich um kontrollierten ökologischen Anbau handelt und weder Pestizide noch gentechnisch-verarbeitete Pflanzen genutzt wurden. Während das Fair Trade Siegel Baumwolle bezeichnet, die zu fairen Preisen gehandelt wird und somit faire Löhne für Plantagenarbeiter fördert, bietet die Fair Wear Foundation (FWF) ein Zertifikat für soziale gerechte Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken.

Hilfreich, um im Dschungel der Gütesiegel nicht den Überblick zu verlieren, ist der „Label-Check“  der Clean Clothes Campaign sowie der Ratgeber „Textil-Label unter der Detox-Lupe“ von Greenpeace.

 

 

 

 

 

 

 

 

World Café @ Bildkorrekturen Verschiedene Kulturen, ein Kernthema und viel Diskussionsbereitschaft

  • Mehr als 20 verschiedene Kulturen trafen im World Café aufeinander, um sich näher kennenzulernen und sich über ein Thema auszutauschen: Digitalization & Development – das diesjährige Thema der Bildkorrekturen.

  • In der ersten Runde hatten die Studierenden die Möglichkeit sich näher kennenzulernen. Sie unterhielten sich über ihre Lieblingsthemen, über die sie den ganzen Tag sprechen könnten, über Songs, die auf keiner guten Party fehlen dürfen und auch über ihre Aufgaben auf der Tagung.

  • In der zweiten Runde kam das Thema der Tagung „Digitalization & Development“ wortwörtlich auf den Diskussionstisch. Die Studierenden tauschten persönliche Erfahrungen im Zusammenhang mit Cyberbullying aus und diskutierten über Themen wie Überwachung und Zensur im digitalen Zeitalter.

  • Das Thema Digitalisierung wurde von den Studierenden durchaus kritisch beleuchtet. Auch Skepsis gegenüber neuen Entwicklungen und deren Einfluss auf unser Leben brachten die Studierenden zum Ausdruck. Besonders oft war vom Facebook-Algorithmus und der damit einhergehenden Filter Bubble die Rede.

  • Oft stellten die Teilnehmer kulturelle und gesetzliche Unterschiede zwischen ihren Ländern fest, insbesondere wenn es um das Thema Pressefreiheit ging. Eine Studentin der DWAK berichtete zum Beispiel vom Problem der „Selbstzensur“ in ihrem Heimatland Kolumbien.

  • An einem anderen Tisch werden lockerere Töne angeschlagen. Es geht um die Frage, was man am meisten vermissen würde, wenn man eine Woche lang vom Internet getrennt wäre. Daraufhin Prof. Dr. Markus Behmer (Universität Bamberg): „Ein Tage ohne Internet wäre großartig – keine E-Mails. Aber schon nach einem Tag würde ich es vermissen. Insbesondere die SMS und E-Mails von meinen Töchtern.“

  • Neben Themen der Digitalisierung tauschten sich die Studenten auch über ihre zukünftige Rolle als Journalisten aus.

  • Die Moderation des World Cafés übernahmen die Bamberger Studierenden…

  • … und machten in ihrer Doppelrolle als Teilnehmer und Moderator ihre ganz eigenen Erfahrungen: „Es war ziemlich viel was auf einen eingeprasselt ist in dem Moment. Es war aber auch interessant, weil ich an meinem Tisch sehr viele unterschiedliche Leute hatte: Menschen aus verschiedenen Ländern, Unis und Institutionen und sogar eine syrische Journalistin im Exil. Das fand ich super.“ (Theresa Hoffmann, Universität Bamberg)

  • Natürlich hatten auch die Referenten (Eric Chinje aus Kenia, rechts) Spaß daran, sich am internationalen Austausch zu beteiligen.

  • Sarah Schneidereit, (Universität Leipzig, links) zieht ihr Fazit: „Was ich total spannend fand war, dass man sich auch über die Mediennutzung unterhalten hat. Man merkt, dass die Leute, die nicht aus Deutschland kommen, die Medien zum Teil anders nutzen und auch die Dinge ein bisschen anders sehen als wir hier und dementsprechend auch die Konferenz vielleicht ein bisschen anders für sich nutzen.“

  • Auch Nadia Issufo (rechts im Bild) hat das World Café gefallen: “I liked it because it was a good opportunity to share with others some experience about the new platforms, the social media. I think at the end we have the same opinions about digitalization, about how to use the platforms, the social media.”

15 Jahre Bildkorrekturen – ein Blick hinter die Kulissen

Digitalization & Development – Mind the gap! Unter diesem Motto standen die diesjährigen Bildkorrekturen in Leipzig vom 17. bis 19. November. Im Jahr 2001 fand die Tagung für Nachwuchsjournalisten und Nachwuchsjournalistinnen zum ersten Mal statt. Heute, 15 Jahre später, bietet das Jubiläum einen Anlass, um einen Blick hinter die Kulissen der Bildkorrekturen zu werfen: Wer sind die „Drahtzieher“ der Tagung? Wie hat sich die Tagung in den letzten Jahren entwickelt und was macht die Bildkorrekturen so einzigartig?

Von Feldafing bis Leipzig

Mann der ersten Stunde: Markus Behmer

Alles begann Anfang des neuen Jahrtausends mit einem kleinen Kongress in Feldafing am Starnberger See: Studierende des damaligen Diplomstudiengangs „Journalistik“ an der Ludwig-Maximilians-Universtität und der Deutschen Journalistenschule in München diskutierten mit Experten aus Nigeria und Indien zum Thema „Nothing more than hunger and poverty? Everyday life in the global south.“
Einer der Impulsgeber der ersten Tagung und somit Mann der ersten Stunde war Prof. Dr. Markus Behmer. Damals noch Dozent an der LMU in München leitete er verschiedene Seminare zu medialer Berichterstattung in und über so genannte Entwicklungsländer. Gemeinsam mit Dr. Kayode Salau, ehemals Mitarbeiter bei InWEnt Deutschland, verfolgte er die Idee, Themen der Nord-Süd-Zusammenarbeit in den Medien im Rahmen einer Tagung an ein größeres Publikum zu verbreiten. Die erste Bildkorrekturen-Tagung war geboren.

Von InWEnt über die GIZ zu Engagement Global

Die Organisation InWEnt, Tochteragentur des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, war auch der erste Träger der Tagung. Im Laufe der Jahre ging die Finanzierung dann zunächst an die GIZ und später, nach der Fusion, an Engagement Global über. Hauptverantwortlich für die Koordination der Bildkorrekturen bei Engagement Global ist in diesem Jahr zum zweiten Mal Sabine Witt. Als Leiterin des Leipziger Büros ist sie somit seit zwei Jahren Teil des Organisations-Teams, inhaltlich ist sie jedoch schon seit vielen Jahren beteiligt. Bildkorrekturen ist heute eines der großen überregionalen Projekte von Engagement Global, da es über die eigentliche Grenze der Region Mitteldeutschlands hinaus geht.

Die Frau der ersten Stunde

Julia Schmitt-Thiel übernimmt die Moderation

Ebenfalls von der ersten Stunde an den Bildkorrekturen beteiligt war Julia Schmitt-Thiel, Kulturmanagerin und Mitglied des Bundes Nachwuchsjournalisten in Bayern e.V.. Ursprünglich studentische Teilnehmerin, wechselte sie bereits nach ihrer ersten Teilnahme in Feldafing in das Organisationsteam der Tagung und tauschte ihre Rolle als Mitglied der peer-Group gegen die der Spokesperson für die jungen Studierenden. Sie war begeistert vom Konzept, sah jedoch an einigen Stellen noch verbesserungswürdige Aspekte, die sie gerne in Angriff nehmen wollte, um den Kontakt und persönlichen Austausch weiter zu vertiefen. Neben organisatorischen Tätigkeiten übernimmt sie heute in erster Linie die Moderation der Tagung, betont im gleichen Atemzug aber auch ihren Benefit als Tagungsteilnehmerin:

„Damals und auch heute noch profitiere ich selber am meisten von den Pausen. Nochmal bilateral zu sprechen – wahnsinnig spannend! Sowohl mit den Studierenden von anderen Schulen, als auch natürlich mit den internationalen Gästen.“

Die gleiche Idee wie vor 15 Jahren

Genau dieser fruchtbare Austausch ist auch heute, 15 Jahre später, nach wie vor die Idee hinter den Bildkorrekturen: Die dreitägige Konferenz soll junge Studierende, insbesondere Nachwuchsjournalisten und –journalistinnen, für entwicklungspolitische Themen sensibilisieren und ihnen einmal im Jahr die Gelegenheit bieten, mit Journalistenkollegen und Experten aus dem globalen Süden ins Gespräch zu kommen und, wie es Sabine Witt erklärt, dabei „(…) nicht nur übereinander, sondern miteinander zu sprechen.“ Das Besondere: Die Studierenden nehmen hierbei eine Doppelrolle ein. Einerseits sind sie die Teilnehmer der Tagung, gleichzeitig aber auch die Organisatoren und Reporter. Sie sind nicht nur stille Zuhörer, sondern übernehmen aktiv einen Teil der Moderation und vor allem die Live- bzw. Nachberichterstattung der Konferenz auf der Bildkorrekturen Homepage. Gemeinsam sollen Bilder und Vorurteile korrigiert werden; hinterfragt werden, warum Themen auf eine bestimmte Art und Weise in den Medien dargestellt werden. In seiner Begrüßungsrede spricht Professor Behmer davon, dass die Kritik an der Berichterstattung über Länder des globalen Südens seit Jahren die gleiche ist: Coverage is not enough. Die Berichterstattung orientiert sich an der Elite, nicht den normalen Menschen. Sie berichtet häufig über Krisen, Konflikte und Katastrophen, seltener über positive Entwicklungen. Die Teilnehmer von Bildkorrekturen fragen sich daher, wie Journalisten Geschichten erzählen können, die eine breitere Öffentlichkeit interessieren und erreichen.

Ein wachsendes Netzwerk

Die Bildkorrekturen sind über die vergangenen Jahre zu einem großen Netzwerk herangewachsen. Neben den beiden Münchner Institutionen sind seit vielen Jahren nun auch die Universität Bamberg und die Deutsche Welle Akademie Bonn Mitausrichter der Veranstaltung. Die Universität Leipzig kam schließlich 2013 über die Entwicklung der Tagungs-Homepage mit ins Boot. Nayla Fawzi (LMU), Petra Kohnen (DWAK), Florian Mayer, Holger Müller (Universität Bamberg) sowie Kristine Arndt und Robert Jahn (Universität Leipzig) machen als Dozenten der jeweiligen Bildungsträger das mittlerweile neunköpfige Organisationsteam komplett. In enger Zusammenarbeit mit ihren Studierenden entwickeln sie die unterschiedlichen Inhalte der Tagung zu den einzelnen Ländern und rekrutieren in diesem Zusammenhang auch die internationalen Experten. Die Verteilung der Aufgaben ist jedes Jahr anders. „Dennoch“, erklärt Robert Jahn, „war es schon immer so, dass die Leipziger Studierenden multimediale Beitragsideen umgesetzt haben, die sich zwar mit einem Thema der Konferenz beschäftigen, aber nicht konkret mit einem Panel oder einer Person des Panels.“ In diesem Jahr hatten die Münchener Studierenden den Schwerpunkt Indien, die Leipziger Studierenden befassten sich mit Estland und die Bamberger Studierenden mit Kenia. Die Aufgabe der Studierenden der Deutschen Welle Akademie lag in diesem Jahr ausschließlich in der Live-Berichterstattung der Tagung. Während für alle anderen Nachwuchsjournalisten ein Großteil der Arbeit nach der Tagung losging, waren die Studierenden der DWA am letzten Tagungstag bereits fertig mit ihren Projekten.

Networking mit der Welt

Networking und Austausch auch unter den Organisatoren: Nayla Fawzi (LMU), Florian Mayer (Uni Bamberg), Kristine Arndt (Uni Leipzig) (v.l.n.r.)

Die Bildkorrekturen Tagung ist nicht nur für die Studierenden eine besondere und vor allem wichtige Veranstaltung, sondern auch für die Dozenten und Organisatoren. Die Veranstalter sind sich einig: Der Networking-Charakter der Bildkorrekturen ist einmalig! Denn wann sonst erhält man die Möglichkeit mit Menschen aus mehr als 30 unterschiedlichen Ländern ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen? Wann sonst können sich Studierende, Dozenten, Journalisten, Wissenschaftler, Aktivisten und Experten aus dem globalen Süden an einen Tisch setzen und sich in entspannter Atmosphäre intensiv mit einem entwicklungspolitischen Thema auseinandersetzen? Stereotype Bilder in den Köpfen korrigieren sich im gemeinsamen Austausch und nicht im Rahmen einer Facebook-Gruppe, denkt auch Robert Jahn. Daher ist die Tagung von enormer Bedeutung. Petra Kohnen erklärt dazu: „Die Studierenden der DWA zum Beispiel kommen aus aller Welt, aber es ist ganz wichtig, dass sie nicht nur im eigenen Saft schmoren. Sie sollen in den zwei Jahren, in denen sie in Deutschland studieren, auch das „normale“ Studentenleben mitbekommen. Die Kommilitonen aus Bamberg, aus München, aus Leipzig: Was studieren sie? Wie leben sie? Wie spielt sich ein demokratisches Leben in Deutschland ab?“

Die Kontakte, die auf der Bildkorrekturen Tagung geknüpft werden, bleiben in vielen Fällen über mehrere Jahre bestehen. Oftmals kehren Personen, die einmal als Teilnehmer bei der Konferenz waren, als Experten zurück. So entsteht ein stetig wachsendes Netzwerk, was es den Organisatoren erlaubt, die Tagung nachhaltig Jahr für Jahr fortzusetzen. Diese Kontinuität ist etwas Besonderes, findet auch Professor Dr. Markus Behmer.

Nach der Tagung ist vor der Tagung

Nach der Tagung ist vor der Tagung – die Organisatoren planen bereits die Bildkorrekturen 2017

Die Planung der nächsten Veranstaltung beginnt direkt im Anschluss an die vorherige. Noch am letzten Konferenztag werden die ersten Ideen für die nächste Tagung ausgetauscht. Wie genau kommt die Themen- und Länderauswahl Jahr für Jahr zustande? „Das ist ein Brainstorming-Prozess“, erklärt Nayla Fazwi. „Wir haben ganz unterschiedliche Themen zur Auswahl und dann wird darüber diskutiert und geguckt, dass es auch ein bisschen abwechslungsreich ist über die Jahre hinweg.“ Das ist den Organisatoren gelungen. Das Themenspektrum der Bildkorrekturen ist in der Tat sehr vielfältig: Von Sport und Entwicklung über Biodiversität und Gender Issues standen in den letzten Jahren viele relevante Aufgabenfelder der Entwicklungsarbeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dabei steht nicht nur das Thema an sich im Fokus, sondern ebenso die journalistische Berichterstattung darüber – und zwar gleichzeitig in den Ländern des globalen Südens, wie in den westlichen Ländern der nördlichen Hemisphäre.

Die Auswahl des Länderschwerpunkts läuft ähnlich ab. Die Organisatoren stellen sich Fragen wie: „Welche Länder sind spannend für das gewählte Thema? In welchen Ländern gibt es diesbezüglich viele Bilder zu korrigieren? Wo gibt es Kontakte zu Experten?“ Nachdem eine Entscheidung gefällt ist, konzentrieren sich die Dozenten dann auf die unterschiedlichen Länder – je nachdem welche Kontakte sie aus ihrem Netzwerk einbringen können.
Dass die Planung nicht immer ganz reibungslos über die Bühne geht, ist selbstverständlich, schließlich steht ein riesiger Stab hinter der Organisation:

„Durch die vielen Jahre Erfahrung sind wir ein relativ gut ein eingespieltes Team. Aber dennoch ist die Koordination des Ganzen immer wieder eine Herausforderung. Das braucht viel Raum und Zeit, aber es macht auch unheimlich viel Spaß und ist sehr befruchtend für uns alle“, erläutert Sabine Witt.

Sabine Witt, Engagement Global

Eine große Herausforderung ist es, jedes Jahr aufs Neue geeignete Referenten zu finden, die kommen können und die auch helfen können, Bilder zu korrigieren. Professor Dr. Behmer verdeutlicht, dass „es besonders schwer ist, Leute zu finden, die kontrovers sind, an denen man sich reiben kann. Denn auch wir bewegen uns alle in der Filter Bubble mit Leuten, die alle meinen, dass Entwicklungspolitik ein ernsthaftes Thema ist. Diese Bubble aufzubrechen und auch andere Positionen miteinzubeziehen, das ist schwierig.“ Weiterhin müssen die Organisatoren mit kurzfristigen Absagen umgehen und an dieser Stelle ihr Improvisationstalent unter Beweis stellen. Und an letzter Stelle steht natürlich wie immer: die Zeit. Denn die ist oft knapp.

Was bringt die Zukunft?

Keine der erwähnten Herausforderungen hat das Projekt Bildkorrekturen in den letzten 15 Jahren daran gehindert sich weiter zu entwickeln und zu wachsen. Seit der ersten Tagung in Feldafing bis heute in Leipzig sind drei wichtige Trägerinstitutionen hinzugekommen, das Netzwerk erweitert sich stetig, und auch immer mehr Gäste aus dem globalen Süden haben die Möglichkeit, an der Tagung teilzunehmen, da das BMZ mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt hat. Passend zum diesjährigen Thema hat auch die Digitalisierung Eingang in die Bildkorrekturen gefunden: seit 2013 gibt es keine Tagungsbroschüre mehr, sondern eine Tagungs-Homepage. Im Jahr 2015 wurde das erste Mal via Periscope live von der Tagung berichtet, 2016 wurde die Live-Berichterstattung weiter ausgebaut.
Liegt die Zukunft der Tagung also in der digitalen Welt? Dass die Tagung von nun an immer einen Bezug zur Digitalisierung hat, darüber sind sich alle Organisatoren einig. Dennoch möchte man sich in den nächsten Jahren wieder stärker auf die Ereignisse auf der Tagung fokussieren, wieder mehr Raum für Networking schaffen, sich wieder intensiver in der realen Welt anstatt auf sozialen Plattformen begegnen. Darüber hinaus bringt jedes Team-Mitglied seine ganz eigenen Ideen für die zukünftige Gestaltung der Tagung mit. Petra Kohnen spricht von einer möglichen Zusammenarbeit mit Startups, während Robert Kohnen über universitätsübergreifend realisierte Multimediaprojekte nachdenkt. Nayla Fawzi schlägt vor, zukünftig noch weitere Standorte miteinzubeziehen, um noch mehr junge Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten für entwicklungspolitische Themen zu sensibilisieren und ihnen die Chance zu geben, sich mit Menschen aus aller Welt zu vernetzen. Sabine Witt sieht zukünftig eine Tendenz dahingehend, mehr Journalisten mit persönlicher Fluchterfahrung einzubeziehen, wie es in diesem Jahr zum ersten Mal der Fall war, und ihnen zu helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Welche Ideen sich auf zukünftigen Tagungen durchsetzen, wird sich in den nächsten Jahren Bildkorrekturen zeigen. Denn eins steht für Professor Dr. Markus Behmer fest:

„Die Themen werden uns auch zukünftig nie ausgehen, denn die Probleme und Herausforderungen der Nord-Süd-Kommunikation werden bestehen bleiben.“

Und somit auch Bilder in unseren Köpfen, die es zu korrigieren gilt.

 

Zwei Menschen, die das Bild von Afrika verändern möchten

Isabel Pfaff

  • arbeitet als Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung
  • ist zuständig für den Ressort Außenpolitik (Schwerpunkt Afrika)
  • studierte zuvor Afrikanistik, Politikwissenschaft und Geschichte
  • hat bereits einige Artikel über Entwicklungshilfe geschrieben

 

 

Niko Wald

  • arbeitet derzeit als Referent im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre und arbeitete als Journalist
  • arbeitete zuvor unter anderem bei „Brot für die Welt“ und „Diakonie Katastrophenhilfe“
  • arbeitet seit Jahren mit Partnerinnen und Partnern in afrikanischen Länder zusammen

Gathering in Leipzig

The DW Akademie students traveled to share with the Leipzig students the Bildkorrekturen 2016. They had the opportunity to walk around the city to discover it and get to know each other.

  • Reflecting before the conference

  • Practicing digital skills

  • A cheerful journey to Leipzig

  • Arrival at a charming train station

  • Architectural simphony

  • The Leipzig students showed their city

  • Looking forward to the event

  • Anecdotes and curiosity

Webmaster: Pamela Guachamin

Excited about Bildkorrekturen!

Students from the Deutsche Journalistenschule in Munich have shared their motivations to participate in the 2016 Bildkorrekturen conference.

Vera is looking forward to the conference, and she is particularly interested in India panel because she has already been in the country.

Mathias wants to meet other young journalists and exchange their experiences. His wish will probably come true during the conference!

For Sören, the most interesting is the international aspect of the conference. He is looking forward to meet other journalists from around the world and listen to their stories.

Franziska believes digitalization is an essential topic nowadays. She is particularly curious to learn more about countries like Estonia.

Lotte is excited to prepare the India panel since she doesn’t know much about it. There is no doubt, she wants to correct the idea about the country!

Organizing from Bonn

Petra Kohnen, a lecturer of DW Akademie and organizer of the Bildkorrekturen conference is excited to exchange ideas with media experts from India, Kenya and Estonia in Leipzig. She is moreover happy to lead a team of enthusiastic media students from DW Akademie who are actively participating in the training for the upcoming conference.