Panel 1 (Vormittag): Baumwollproduktion in Usbekistan

Usbekistan ist weltweit der drittgrößte Exporteur von Baumwolle. Indem sie dem zentralasiatischem Land jährlich über eine Milliarde US-Dollar einbringt, ist Baumwolle wesentliche Grundlage der usbekischen Wirtschaft. Diese Abhängigkeit berührt verschiedene Bereiche: Zur Baumwollernte im Herbst werden über drei Millionen Usbeken rekrutiert.  Ärzte, Studierende und Angestellte gehen dann nicht mehr ihren eigentlichen Tätigkeiten nach, sondern arbeiten unter harten Bedingungen auf den Baumwollfeldern. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang von Zwangsarbeit gesprochen. Mit der Umwelt leiden auch die Menschen unter eingesetzten Pestiziden: sie setzen sich in Gewässern ab und verursachen Krankheiten wie Tuberkulose, Krebs und Blutarmut. Außerdem benötigen die riesigen Baumwollplantagen viel Wasser, das an anderen Stellen dann fehlt.

Hugh Williamson

Hugh Williamson


ist Direktor der Abteilung Europa & Zentralasien bei Human Rights Watch. Er arbeitete für einige nicht-Regierungsorganisationen und als Korrespondent der Financial Times in Manila und Berlin. Als Panelist der Bildkorrekturen-Konferenz spricht er über die Missachtung der Menschenrechte bei der usbekischen Baumwollernte. Außerdem berichtet er von jüngsten Strategien der usbekischen Regierung, die Situation zu verbessern.

Stig Tanzmann

Stig Tanzmann


arbeitet seit 2010 für Brot für die Welt. Als Referent für Landwirtschaft befasst er sich mit der Wirkung unterschiedlicher Agrarpolitiken auf Bäuerinnen und Bauern. Auf der Konferenz wird er über die Geschichte der Baumwolle als koloniales Produkt sprechen.

 

Panel 1 (Nachmittag): Baumwollproduktion in Usbekistan

Usbekistan ist ein zentralasiatisches Land, dem in deutschen Medien wenig Bedeutung beigemessen wird. Dabei ist Usbekistan der drittgrößte Baumwollexporteur der Welt und bestimmt damit auch unsere Konsumgewohnheiten. Über die Folgen des exzessiven Baumwollanbaus, insbesondere die Zwangsarbeit, diskutieren Umida Niyazova und Edda Schlager.

 

Umida Niyazova

Umida Niyazova


Umida Niyazova ist eine usbekische Journalistin und Menschenrechtlerin, die im Exil in Berlin lebt und dort die Nichtregierungsorganisation „Uzbek-German Forum for Human Rights (UGF)“ gegründet hat. Hauptschwerpunkt ihrer Arbeit ist es, die Arbeitsbedingungen der Baumwollernte zu verbessern, welche große Teile der Bevölkerung jedes Jahr im Herbst durch Zwangsarbeit verrichten müssen. Ihren Beruf als Journalistin führte sie in Usbekistan selbst von 2000 bis 2009 aus. Bereits über einen gewissen Zeitraum hinweg wurde sie vom usbekischen Staat und dessen Geheimdiensten aufgrund staatsschädigender Tätigkeit überwacht und 2009 schließlich zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nachdem sich Teile der internationalen Gemeinschaft sowie die deutsche Botschaft für sie eingesetzt hatten, floh sie nach Deutschland.

Das UGF kann verschiedene Erfolge verzeichnen. So gehen etwa das Verbot der Kinderarbeit während der Baumwollernte und die kürzliche Befreiung der Studenten von der Zwangsarbeit auf sie zurück. Außerdem möchte die NGO die Zulieferer und Verbraucher über aktuelle Entwicklungen und Bedingungen der Baumwollernte informieren und ihr Bewusstsein dafür stärken.

Edda Schlager

Edda Schlager


(Quelle: http://eddaschlager.com/ueber-mich/)


Die Journalistin und Auslandskorrespondentin Edda Schlager lebt seit 2005 in Almaty, Kasachstan. Von hier aus bereist sie zentralasiatischen Länder und berichtet aus Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Zweimal war sie außerdem als Journalistin in Afghanistan.

Derzeit ist Edda Schlager Zentralasien-Korrespondentin für n-ost, das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung, Autorin und Fotografin für deutschsprachige Print- und Onlinemedien wie Berliner Zeitung, Zeit Online, Spiegel Online, Die Presse oder Ost-West-Contact. Als Radio-Journalistin ist sie vor allem für den Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur unterwegs. Zudem betreut sie die Webpräsenz der AHK in Zentralasien.

Panel 3 (Nachmittag): Der Mythos „Made in Europe“

Albanien ist genauso günstig wie China, aber liegt direkt vor unserer Haustür – so wirbt die italienische Wirtschaft für den Standort Albanien. Das läuft unter dem Label „Made in Europe“. Konsumenten glauben, dass sie faire und ökologische Mode kaufen – und werden damit in die Irre geführt. Drei Expertinnen wissen, dass die albanischen Näherinnen die Leidtragenden sind.

Ornela Liperi


Ornela Liperi ist Chefredakteurin von Monitor, das einzig wöchentlich erscheinende Wirtschaftsmagazin in Albanien. 1997 machte sie ihren Abschluss in Marketing an der Wirtschaftsfakultät in Tirana. Sie hat zahlreiche Paper, Studien und Artikel veröffentlicht, die sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung und Integration in Albanien beschäftigen.

Edith Dietrich


Edith Dietrich studierte Slawistik und Soziologie und dreht seit 1997 Filme zu wirtschaftlichen Themen für den WDR und die ARD. Sie ist Dozentin an der HMKW University in Köln und lehrt an der Deutschen Welle Akademie. Bei ihren Recherchen hat sie exklusive Einblicke in die globale Modeindustrie gewonnen.

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Erjona Rusi

Erjona Rusi ist eine albanische Journalistin, die seit mehr als 16 Jahren für verschiedene Medien arbeitet. Derzeit arbeitet sie im Team des Nachmittagsprogramms für die albanische öffentliche Sendeanstalt. Als Korrespondentin arbeitete sie mit dem Balkan Investigative Reporting Network, dem Guardian und dem österreichischen Magazin Datum zusammen.

Panel 3 (Vormittag): Der Mythos „Made in Europe“

Albanien ist für italienische Modelabels besonders attraktiv: Niedrige Löhne auf chinesischem Niveau, dafür aber in unmittelbarer Nähe zum italienischen Markt. Ein guter Deal für die italienischen Unternehmen, denn das Aushängeschild „Made in Europe“ suggeriert sozial wie ökologisch unbedenkliche Produktionsbedingungen. Doch ArbeiterInnen in den Produktionsländern wie Italien und Albanien klagen über Ausbeutung durch schlechte Arbeitsbedingungen und unterdurchschnittliche Löhne.

Deborah Lucchetti

Quelle: privat


Deborah Lucchetti ist eine ehemalige Metallarbeiterin und Gewerkschafterin und arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten an Arbeits- und Menschenrechten und einer gerechteren Globalisierung. In ihrem Vortrag stellt die Koordinatorin der italienischen Niederlassung der „Clean Clothes Campaign“ die Ergebnisse der jüngsten Forschungen über die Lieferketten italienischer Luxus- und populärer Schuh- und Bekleidungsmarken dar und räumt mit dem Vorurteil auf, dass teure Produkte „Made in Italy“ oder „Made in Europe“ unter fairen Bedingungen hergestellt werden.

Artan Xhiani

Quelle: privat


Artan Xhiani arbeitet bei UHY Elite und ist Mitglied von „Confindustria of Albania“. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in Buchhaltung und Steuerberatung sowie über internationale Finanzkenntnisse. Er leitet eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit über 200 Kunden aus verschiedenen Branchen, darunter die Mode- und Bekleidungsindustrie. Darüber hinaus ist er Dozent für Hochschulwesen im Finanzmanagement.

Artemisa Ljarja

Panel 2 (Vormittag): Nachhaltigkeit in der Modeindustrie

 

Was ist nachhaltige Kleidung? Welche Rolle spielen Recycling und Upcycling? Und gibt es noch andere Konzepte? Das ist das Thema der Podiumsdiskussion. Dabei tauschen sich Akteure aus Deutschland und Uganda aus.

Friederike von Wedel-Parlow

Friederike von Wedel-Parlow, Designerin aus Berlin


Friederike von Wedel-Parlow berichtet aus der wissenschaftlichen Perspektive. Sie gründete 2016 das „Beneficial Design Institute“. Das Institut richtet den Blick auf Innovation für einen kulturellen Wandel in der Welt mit positiven Auswirkungen auf ökologische, ethische, soziale und ökonomische sowie kulturelle und ästhetische Ebenen. Als Dozentin für „Sustainable Design Strategies“ leitete sie das Masterprogramm „Sustainability in Fashion“ an der Esmod Hochschule Berlin. Außerdem hat sie ihr eigenes Modelabel und assistierte Vivienne Westwood an der Universität der Künste. Friederike von Wedel-Parlow ist beratende Expertin für „Fashion for Good“ aus Amsterdam, Mentorin bei „Swiss Cultural Entrepreneurship“ und Jurymitglied beim “Bundespreis Ecodesign”.

Martin Wittmann

Martin Wittmann, CEO Wittmann Textilien


Martin Wittmann studierte BWL in München und Halle/Saale und spricht aus unternehmerischer Perspektive. Seine Diplomarbeit schrieb er über ethisch-orientierte Strategien im Recycling Business. Er ist Geschäftsführer des familieneigenen Unternehmens, mit Sitz in Bayern. Die Firma mit über 100 Mitarbeitern steht in 50-jähriger Tradition und hat sich auf gebrauchte Mode und Recycling spezialisiert. Außerdem ist er Beisitzer im Bereich Textil des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung. In seinem Vortrag wird er über das positive Image des (Textil-) Recycling sprechen.

Juliet Namujju

Juliet Namujju, CEO Kimuli Fashion


Juliet Namujju ist 21 Jahre alt und berichtet aus der Perspektive Ugandas. Sie hat das Start Up Kimuli Fashions in Uganda gegründet. Sie beklagt, dass die Gesellschaft in Uganda keinen Sinn für Mülltrennung hat. Aus dem Grund werden große Mengen von Plastik nicht getrennt und verbrannt. Dadurch entstehen giftige Gase, die die Bevölkerung schädigen und zur Erderwärmung beitragen. Kimuli Fashion versucht dem etwas entgegenzusetzen: durch Upcycling von Verpackungen.

Panel 2 (Nachmittag): Nachhaltigkeit in der Modeindustrie

Upcycling, recycling, second hand? Was ist für den nachhaltigen Kleiderschrank die beste Variante? Darüber diskutieren am Nachmittag diese Gäste:

Ellen Köhrer

© Kathrin Harms


Ellen Köhrer ist eine Journalistin und Autorin aus Berlin. Seit 20 Jahren schreibt sie über Nachhaltigkeit in der globalen Textil- und Modeindustrie sowie über Nachhaltigkeitsmanagement und Entwicklungspolitik. Ihre Texte wurden unter anderem von Spiegel Online, enorm und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge veröffentlicht. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf asiatischen Textilfabriken und europäischen fair fashion Designern. Auf der Bildkorrekturen-Konferenz wird sie unter anderem den Einsturz der Fabrik Rana Plaza 2013 thematisieren.

Carolin Wahnbaeck


Carolin Wahnbaeck arbeitet als freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel. In ihren Texten geht es häufig um Nachhaltigkeit in der Modeindustrie, insbesondere das Gegenüber von fast und slow fashion. Für sie stellt sich Recycling als Mogelpackung dar, weil es vor allem mit Downcycling – einer Qualitätsminderung – einhergeht. Außerdem kritisiert sie die Verschiffung gebrauchter Kleidung nach Afrika aufgrund der Folgen für die dortige Textilindustrie.