„Molekülspalterei“

Die Tagesschau tut es, Focus tut es, auch der Spiegel, das Umweltbundesamt und der WWF tun es. Wen kümmert es, dass es die Bildkorrekturen, Birgit Steck und Lilo Solcher auch tun? Warum sich über einen Fehler beschweren, den so viele machen? Dabei sagt der Umgang mit „CO2“ auch viel über den Journalismus aus.

Von Theresa Moebus

Es geht um CO2. CO2 könnte der geheime Untertitel der Bildkorrekturen 2013 sein. CO2 wird kritisch beäugt, nachhaltig bewertet und kopfschüttelnd verneint. CO2 würde man am liebsten wieder direkt ins fliegende oder fahrende Gefährt zurückstopfen wollen und damit glorreich die Welt retten.

Wie dumm nur, dass es CO2 gar nicht gibt.

CO2 hingegen gibt es, Kohlenstoffdioxid. Es ist ein Treibhausgas und wir mögen es nicht, weil wir schon so viel davon haben. CO2 wird ganz einfach mit einer kleinen zwei nach dem O geschrieben.

Ist es kleinlich, sich über eine kleine oder große zwei aufzuregen? Ist es spießig, von Medien und einer NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren."skonferenz hier ganz formell und eindringlich zu fordern, diesen inzwischen fast schon anerkannten Fehler zu vermeiden?

Vielleicht. Aber es gäbe da ein paar Gründe, es richtig zu machen:

1. CO2 zu schreiben macht Sinn. Es macht deutlich, wohin die zwei gehört: Zum O. Kohlenstoffdioxid besteht daher aus einem Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatomen – Bildung in drei Zeichen!
2. Wenn es ein Medium oder eine Tagung nicht mal schafft, eine zwei unter ein O zu stellen, traut man denen technisch gar nichts mehr zu. Das schafft immerhin das simpelste Text-Programm!
3. Naturwissenschaftler, die CO2 lesen, nehmen weder diese Tagung noch die Medien ernst. Denn Wissenschaftler sind pingelig (sie selbst bezeichnen das als exakt). Aber sie sind auch nachhaltig – und rühren den CO2-Urheber nie mehr an!
4. Alle, die bis zur 8. Klasse die Schule besucht haben, nehmen die CO2-Tagung und -Medien auch nicht mehr ernst. Man lernt im ersten Jahr in Chemie, wie CO2 geschrieben wird!

Und wem das noch nicht reicht: Selbst Wikipedia schreibt CO2.