Teil 3: Das Recyclingpapier-Monster Beim Thema Digitalisierung sehen wir plötzlich ganz schön angestaubt aus.

Wir sind es gewohnt immer vornedran zu sein. Deutschland ist eines der politisch einflussreichsten Länder Europas, eine wohlhabende Wirtschaftsmacht und ein beliebter Partner für internationale Beziehungen. Beim Thema Digitalisierung sehen wir aber plötzlich ganz schön angestaubt aus. Wie kann das sein?


Im Rathaus von Leipzig herrscht Papierkrieg, so wie in vielen Behörden in Deutschland. Der Leipziger Pressesprecher, Matthias Hasberg, schilderte dies erst kürzlich den Teilnehmern der Bildkorrekturen Konferenz im November 2016. Die üblichen Schauermärchen vom Ämtergang sind hier immer noch Realität. Nummer ziehen, unmenschlich lange Wartezeiten und einschläfernd langsame Bearbeitungswege ­– Beamtenalltag zwischen grauem RecyclingRecycling ist das Sammeln und (teilweise) Verwerten von gebrauchten Gegenständen und Materialien als Rohstoffe für neue Produkte. Der Begriff hat seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet "Wiederverwertung". Gesetzlich wird erst von "Recycling" gesprochen, wenn der Rohstoff zuvor als "Abfall" eingestuft war, andernfalls handelt es sich um "Wiederverwendung". Der umgangssprachliche Gebrauch des Begriffs Recycling umfasst oft beide Bedeutungen. In der wirtschaftlichen Bedeutung ist Recycling die Rückführung von Produktions- und Konsumabfällen in den Wirtschaftskreislauf.-Papier und Yucca-Palmen. Von einem Ende des Gebäudes bis zum anderen kann ein Dokument mit der Hauspost schon einmal Wochen unterwegs sein. Deshalb haben sich die Leipziger ganz ungehorsam Schlupflöcher installiert. Sehr dringende Dokumente werden ausgedruckt, eingescannt und an die entsprechende Stelle als E-Mail Anhang geschickt. Rechtskräftig ist das natürlich alles nicht aber – psssst – immerhin kann es weitergehen, bis die Schriftstücke dann in Originalform nachgeliefert werden. Im Verwaltungsungeheuer Deutschland ganz normaler, abstruser Usus.

Warum machen wir es uns eigentlich so schwer? Wie es leichter gehen kann, zeigen die Esten. Durch die Digitalisierung ihres Staates können sie sich nicht nur viele Behördengänge schenken, sie können sogar die ganze Regierung online wählen. Alles ist hier „e“ oder „i“: e-Cabinet, e-Tax, iVoting, ePrescription. Und in Deutschland? Da überwiegt die Angst vor Datenklau, Missbrauch und Manipulation. Dass diese Ängste nicht ganz unbegründet sind zeigen Beispiele aus dem amerikanischen Alltag und Wahlkampf, wenn Krankenakten zu tausenden gehackt werden oder Präsidentschaftswahlen eine erstaunliche Wende nehmen. Und jetzt? Sollen wir uns als Konsequenz dem allen komplett verschließen und uns für alle Zeiten an vorsintflutartigen Abläufen wie im Rathaus in Leipzig festhalten? Das typisch deutsche Misstrauen und die Zurückhaltung müssen durch eine starke Online-Sicherheitspolitik made in Germany zurückgedrängt werden, damit auch unsere Staats- und Verwaltungsorgane im 21. Jahrhundert ankommen können.