Ein Tag im Leben Ein Kenianer auf der Bildkorrekturen Konferenz

Samuel Mwangi als fiktionaler kenianischer Durchschnittsbürger besucht die diesjährige Bildkorrekturen Konferenz und gibt Einblicke in das kenianische Leben mit Bezug zur digitalen Vernetzung.

„WLAN ‚Leipziger‘ – Then continue to browser“

Das liest Samuel Mwangi als erstes, als er am 17. November 2016 den dritten Stock des zeitgenössischen Forums in Leipzig betritt. Er ist hier um die Tagung zum Thema „Bildkorrekturen – Digital DivideDer Begriff beschreibt Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozioökonomischen Faktoren. Er bezieht sich sowohl auf regionale, nationale als auch internationale Unterschiede.“ zu besuchen. In seinem Heimatdorf in Kenia gibt es zwar inzwischen Internet, das auch insgesamt stark im ganzen Land verbreitet ist, aber kostenfreies WLAN gibt es trotzdem nicht so einfach an jeder Ecke.

Samuel sieht im Eingangsbereich direkt viele Menschen, die ihre Smartphones gezückt haben, um diese kostenlos zur Verfügung gestellte Internetverbindung sofort zu nutzen. Samuel kommt aus einem ländlicheren Teil Kenias und besitzt zwar ein Smartphone versucht aber damit möglichst selten ins Internet zu gehen, da dort die Preise dafür noch vergleichsweise astronomisch sind.

Samuel ist schon gespannt auf die erste Bildkorrekturen Keynote. Die ganze Konferenz ist auf Englisch ausgelegt, daher hat er auch keinerlei Probleme dem Programm jeder Zeit zu folgen. In Samuels Heimat ist Englisch eine Amtssprache. Über Übersetzungs- oder Ausdrucksfehler wie sie ab und an auf der Konferenz gemacht werden, kann er daher nur schmunzeln. Zum Beispiel erläutert die Moderatorin der Konferenz, Dr. Julia Schmitt-Thiel bevor die erste Keynote beginnt, einige organisatorische Aspekte. Unter anderem fällt die Devise, „widen your angel of view“. Neben Samuel gibt es noch andere Teilnehmer auf der Konferenz, beispielsweise von der Deutschen Welle Akademie, deren Amtssprache im jeweiligen Heimatland ebenfalls Englisch ist. Daher wird der kleine Fehler bald verbessert.

Zusätzlich dazu wird von Schmitt-Thiel auch die Socialmedia Seite der Konferenz vorgestellt. Es gibt mehrere Hashtags für die Konferenz (#digidev und #bildkorr16) und es wurden auch extra Accounts auf allen gängigen Social Media Plattformen angelegt. Samuel findet es interessant, dass auf Instagram und Twitter extra Accounts angelegt wurden. Denn er persönlich hat weder Twitter noch Instagram.

Die junge Frau, die die erste Keynote hält, Julia Manske, ist älter als er, so wie es fast alle auf der Tagung sind. Samuel ist gerade mal 19. Manske hält einen sehr spannenden Vortrag und spricht viele Punkte an, denen Samuel nur zustimmen kann. Dass es durch M-Pesa beispielsweise viel sicherer für Schulkinder geworden ist, da sie ihre Schulgebühren nicht mehr persönlich an einem bestimmten allseits bekannten Tag mit in ihre Schule bringen müssen. Oder aber, dass der Zugang zu Mobilfunk in Kenia inzwischen sehr gut ist, die Preise für eine Internetverbindung dennoch weiterhin zu teuer sind.

Danach gibt es eine kleine Pause bevor es mit der zweiten Grundsatzrede weitergeht. Ein sogenanntes World Cafe findet statt. Dabei sollen sich die Teilnehmer der Konferenz kennenlernen können, während eine Frage zum Thema „digital divideDer Begriff beschreibt Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozioökonomischen Faktoren. Er bezieht sich sowohl auf regionale, nationale als auch internationale Unterschiede.“ diskutiert wird. Samuel stellt sich an einen der Tische und hört sich die Diskussion zu der Frage „How often do you upgrade your gadgets?“ an. Insgesamt sind sich alle einig, niemand muss sofort das neuste vom neusten haben. Samuel passt also mit seinem nicht gerade brandneuen Smartphone fast schon sehr gut zum Rest der Diskussionsrunde.

Nach dieser kurzen Verschnaufpause spricht Eric Chinje. Er ist in Kamerun geboren und schon seit vielen Jahren im Bereich Medien in ganz Afrika tätig. Außerdem ist er der CEO der African Media Initiative. Chinje überrascht Samuel und den Rest seiner Zuhörer und improvisiert einfach mal eben aus dem Ärmel geschüttelt seinen Vortrag, nachdem seine Notizen sich auf seinem Tablet nicht öffnen lassen.

Ein Tablet hat Samuel nicht, aber er findet, dass Chinje mit einem guten Beispiel vorangeht und zeigt, dass es auch ohne funktionieren kann. Trotz dieser Rückkehr ins Analogzeitalter, geht immer noch vieles Digitale im Hintergrund von statten. Auf Instagram und Twitter werden Chinje und seine Keynote noch während des Haltens mehrmals verlinkt und erwähnt. Samuel überlegt sich deshalb ob es nicht doch langsam Zeit wird sich einen Twitteraccount zuzulegen.

Danach machen sich die Konferenzteilnehmer gesammelt auf den Weg zum Leipziger Rathaus. Dort gibt es eine Podiumsdiskussion, die unglücklicherweise für Samuel auf Deutsch gehalten wird. Jedoch wird auch eine Simultanübersetzung für die Englischsprechenden Konferenzteilnehmer angeboten, so dass Samuel die Diskussion trotzdem verfolgen kann.

Es geschieht während der Diskussion wie auch den Rest der Konferenz über vieles gleichzeitig. Einige Studierende der Deutsche Welle Akademie streamen die Podiumsdiskussion live auf der Facebook Seite von Bildkorrekturen. Das bekommt Samuel aber nur durch einige andere anwesende Zuhörer mit, da er zwar einen Facebook Account hat, aber mit seinem Handy wegen den entstehenden Kosten nicht darauf zugreifen will.

Der erste Tag der Bildkorrekturen Konferenz neigt sich dem Ende zu. Samuel fand diesen ersten der drei geplanten Tage unglaublich anregend und er konnte viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Mit freudiger Erwartung auf die nächsten zwei Tage geht er am Abend in sein Bett und ist sich sicher, dass er noch viele weitere interessante Erlebnisse und Möglichkeiten vor sich hat, sich neues Wissen anzueignen. Vielleicht ist es neben Twitter auch an der Zeit sich einen Instagram Account zu holen um das meiste aus der Konferenz und deren vorbildlicher Social Media Präsenz herauszuholen.