Weniger Werbung, mehr Tiefe

Tourismus, nachhaltige Entwicklung und Reisejournalismus: dass dies drei wichtige Themen sind, wurde auf der Bildkorrekturen-Konferenz deutlich. Wie sie zusammengehören, blieb im Ungefähren.

Ein Kommentar von Felicitas Wilke

El Salvador scheint ein tolles Land zu sein. Es ist gesäumt von 300 Kilometer Sandstrand, verfügt über Höhlenmalereien, 52 heiße Quellen und lädt nebenbei auch noch zum Surfen ein. All dies verkündete die Botschafterin Anita Cristina Escher Echeverría in ihrer Keynote – abgesehen von der Tatsache, dass es in El Salvador „fast nur kleine Hotels“ gebe, blieben weitere Informationen zum eigentlichen Thema, dem nachhaltigen Tourismus, aber weitgehend aus. Und auch zur Berichterstattung über den Tourismus in ihrem Land konnte Echeverría nicht viel sagen, denn: „Es berichten noch fast keine Journalisten über das Land.“ Dass Echeverría das ändern will und so vor Nachwuchsjournalist*innen für El Salvador wirbt, ist ihr gutes Recht. Viel mehr als schöne Bilder blieben folglich aber auch nicht vom Vortrag – und die Frage, warum Werbung auf einer Konferenz mit kritischem Anspruch so viel Platz erhält.

Auch im Panel zum Tourismus in Grönland wurde die Chance verspielt, das Thema wirklich kritisch zu reflektieren. Es ist klar, dass Patrick Grübener als Produktmanager eines Reiseveranstalters und Autorin Birgit Lutz, die nebenher als Dozentin auf einem Kreuzschiff für Bildungsreisen arbeitet, ihre Formen des Reisens nach Grönland nachhaltig finden. Wer weiß, vielleicht mag dies auch völlig zutreffend sein – die Argumente der Referenten wirkten durchaus überzeugend. Doch solange kein vom Tourismus unabhängiger Experte diese Sichtweisen bestätigt, bleibt der Eindruck einer Werbeveranstaltung erhalten.

Mehr Tiefe, bitte!

Es ist aber nicht so, dass man auf der Bildkorrekturen-Konferenz nichts gelernt hätte. So gab Klaus Betz praktische Einblicke in den Reisejournalismus – „Journalismus, der unterwegs stattfindet“, wie er es nennt. Wenn er von den Begegnungen mit Einheimischen und dem Aufbau von Vertrauen erzählt, hat dies scheinbar so gar nichts mit Pressereisen und PR-Beeinflussung zu tun. Was man von Betz lernen kann: Guter Reisejournalismus regt nicht nur zum Träumen an – er erkennt auch, wenn Träume in Wahrheit Alpträume sind und scheut sich nicht davor, diese darzustellen. Doch um Hintergründe bieten zu können ist Geld vonnöten, welches die Zeitungen nicht mehr haben. Pragmatisch wirkte da der Ansatz von Birgit Lutz und Freddy Lange, Reisechef der FAZ. Man könne bei großen Zeitungen aus so vielen Einladungen zu Pressereisen schöpfen, dass durchaus auch kritische Worte drin seien. Komme man auf die „schwarze Liste“ eines Veranstalters, blieben unzählige andere.

Ja, es gelang der Bildkorrekturen-Konferenz, einem das schwierige Feld des Reisejournalismus näher zu bringen. Bei den Themen nachhaltige Entwicklung und Tourismus kratzte die Veranstaltung jedoch höchstens an der Oberfläche. Die Konzentration auf einen der drei Themenkomplexe hätte gut getan.

Weniger Werbung, mehr Tiefe – ein gutes Motto für den Reisejournalismus. Und vielleicht eine gute Idee für die Bildkorrekturen.