PR-ichterstattung?

Sei es das Rezensionsexemplar des kommenden Bestsellers, der Zugang zur Prominenten-Lounge des Fußballstadtions oder die Einladung zur Filmpremiere – Journalisten genießen zahlreiche Privilegien, die sowohl innerhalb der Zunft, als auch von Außenstehenden, nicht in Frage gestellt werden. In vielen Fällen wird durch Journalistenrabatte oder Testexemplare eine journalistische Arbeit erst ermöglicht.

Kommentar von Quentin Lichtblau

Doch gerade im Reisejournalismus wird dieses Prinzip der legitimen Gratis-Ansprüche oftmals in fragwürdige Extreme übersteigert. Auch hier besteht angesichts fehlender Budgets, sowohl in den Reiseredaktionen, erst recht aber unter freien Journalisten, ein Unterstützungsbedarf von außen. Doch kann ein Reisejournalist noch unabhängig berichten, wenn er bei seiner Recherche vor Ort von PR-Agenturen und Fremdenverkehrsämtern nach allen Regeln der Kunst verhätschelt wird? Und falls ja, wird der Reiseveranstalter eben diesem Journalisten eine negativ ausfallende Berichterstattung nachsehen? Der längere Hebel scheint hier bei den Einladenden zu liegen, man munkelt von „schwarzen Listen“ voller unerwünschten Autoren, die sich keine weitere Unterstützung bei Flügen und Hotelbuchungen erhoffen können.

Goldene Zeiten seien unwiederbringlich vorbei

Kritische Töne hierzu waren auf der Bildkorrekturen-Tagung in München eher die Ausnahme. In den angesprochenen Fragen wurde der journalistische Nachwuchs von den Referenten in seinen grauen Vorahnungen eher bestätigt als korrigiert. Ja, man wünsche sich für das investierte Geld auch eine positive Berichterstattung, so die Reiseveranstalter. Nein, dagegen könne und müsse man sich nicht wehren, so das Gros der anwesenden Reisejournalisten von der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen. Die goldenen Zeiten der redaktionellen Reiseetats seien unwiederbringlich vorbei. Deswegen sei Reisejournalismus ohne Finanzierung von außen sei heutzutage nicht mehr denkbar.

Kompromiss aus Cofinanzierung und unabhängiger Berichterstattung?

Eine wohltuende Ausnahme in der trauten Einigkeit: Klaus Betz, Reisejournalist mit 34 Jahren Berufserfahrung. Ohne einen nostalgischen Blick auf die alten Zeiten leugnete er zwar nicht die veränderten Arbeitsbedingungen, stellte aber wohl als einziger eine unabhängige Berichterstattung unter derlei Umständen in Frage. Nach wem sich die Zuhörerschaft aus Jungjournalisten richten wird und ob ein Kompromiss aus cofinanziertem Journalismus und freier Berichterstattung möglich ist, bleibt nach drei Tagen in der Villa Mohr fraglich. Sicher ist nach diesem Wochenende letzten Endes nur, dass es sich in El Salvador hervorragend surfen lässt.