Die Dolmetscher der Tagung Die Menschen hinter den Kulissen

Man sieht sie an jedem Tag der Konferenz und doch nimmt man sie hinter ihren Glaskabinen kaum wahr. Vier Dolmetscher berichten über ihre Arbeit.

Die Dolmetscher im Gespräch

  • Romy Bartsch dolmetscht seit 2005; Cornelia Schmidt seit 2003. Bei den Bildkorrekturen arbeiteten sie im Tandem u.a. beim Türkei-Panel.
  • Harald Kirschner dolmetscht seit 1985 und Tino Berndt seit 2009. Bei den Bildkorrekturen übersetzten sie u.a. gemeinsam im Afghanistan-Panel.
  • Alle vier arbeiten mit den Sprachkombinationen Englisch, Spanisch, Deutsch.
Sie fühlen sich im Sprachenmix wohl (v.l.n.r.: Romy Bartsch, Cornelia Schmidt, Harald Kirschner, Tino Berndt) | © Engagement Global / Christiane Fritsch

Sie fühlen sich im Sprachenmix wohl (v.l.n.r.: Romy Bartsch, Cornelia Schmidt, Harald Kirschner, Tino Berndt) | © Engagement Global / Christiane Fritsch

Wissenswertes zum Beruf des Dolmetschers

  • Am Anfang des Studiums üben die angehenden Dolmetscher mit einem deutschen Text, den sie zeitversetzt bzw. so gleichzeitig wie möglich nachsprechen müssen. Diese Übung beschreibt die Technik, die man für den Beruf erlernen muss.
  • In der Regel bzw. je nach Schwierigkeitsgrad lösen sich die Dolmetscher bei der Arbeit alle dreißig Minuten ab. Bei der OECDDie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist eine zwischenstaatliche Wirtschaftsorganisation mit 35 Mitgliedsländern, die 1960 gegründet wurde, Das Ziel der OECD ist es, eine Politik zu befördern, die das Leben der Menschen weltweit in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht verbessert. Die meisten OECD-Mitglieder gehören zu den Ländern mit hohem Pro-kopf-Einkommen und gelten als Industrieländer. wird sogar zu dritt in einer Kabine gearbeitet und im zwanzig Minuten-Rhythmus gewechselt.
  • Dolmetscher sind in der Regel Freiberufler.

 

Vor der Konferenz

…ist eine umfangreiche und vielseitige Vorbereitung unerlässlich

Bartsch: Wir müssen uns über alle möglichen Perspektiven informieren, um eine breite Einsicht zu gewinnen. Ich habe immer ganz gerne eine Bild zu den Rednern. Falls man sie noch vor der Konferenz erreicht, kann man genauer nachfragen, um was es gehen wird. YouTube ist heutzutage sehr hilfreich. Man findet teilweise Reden derjenigen, die wir dann dolmetschen und kann schon mal üben.

Kirschner: In der Regel schaut man im Internet nach, wer auftritt und was ungefähr zu erwarten ist. Hintergrundinformationen in Form von Biographien sind manchmal wichtig.

Berndt: Ich habe zur Vorbereitung auf diese Konferenz das Buch zu Afghanistan von Susanne Koelbl gelesen.

Während der Konferenz

…muss man sich in den Redner hineinversetzen

Bartsch: Man darf nicht denken, dass das einfach so durchläuft. Man ist wirklich aktiv dabei. Man versetzt sich in den Redner hinein, um dann auch das in der anderen Sprache zu sagen, was er sagt.

…aber gleichzeitig Distanz wahren

Schmidt: Man muss sich ein Stück weit davon distanzieren. Wenn man selbst sehr emotional mitreingeht, kann man nicht vernünftig arbeiten. Andererseits muss man versuchen, sich in den Redner hineinzuversetzen, und dann so nah wie möglich am Redner und am Text bleiben, emotional aber immer diese Distanz wahren. Gerade vor Gericht oder bei der Polizei, wird es manchmal emotional schwierig.

…und rhetorische Herausforderungen meistern

Kirschner: Die Rhetorik ist absolut wichtig. Wenn einer kein guter Redner ist, dann ist es beim Dolmetschen wesentlich schwerer, sich in seine Gedankenwelt hineinzuversetzen. Wer also ständig springt und die Sätze neu anfängt, Einschübe hinter Einschübe setzt und immer weiter verschachtelt, wir sehnsüchtig auf das Verb warten müssen, es aber erst nach gefühlt einer halben Stunde kommt und dann noch verneint wird…dann kann ich nochmal von vorne anfangen. Das sind so die Highlights in unserem Berufsleben.

Nach der Konferenz

…werden hoffentlich Bilder korrigiert

Kirschner: Für Afghanistan wurden schon Bilder korrigiert. Frau Nahid Shahalimi hat berichtet, dass es eben doch auch Frauen in Führungspositionen gibt. Zumindest habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Situation anders ist, als es durch unsere Medien vermittelt wird. Und ich habe auch wirklich mitgenommen, dass es wichtig ist, ein bisschen mehr über die positiven Bilder zu sprechen.

Schmidt: Wir haben vorhin den sehr inspirierenden Vortrag von Journafrica gehört. Das ist ein sehr schöner und unterstützenswerter Ansatz. In dem Vortrag ging es darum, Negativberichterstattung ins Positive umzukehren. Es ist auch für mich verwunderlich, wie wenig man selbst darüber nachdenkt. Wie wenig man über Afrika hört und dass manchmal dann wirklich die Vorstellung herrscht, das alles unter einem Deckel zusammenzufassen sei.