Afrika – Der vergessene Kontinent? Autorin: Nadine Dinkel

Burundi? Wo genau liegt das überhaupt? In den deutschen Medien liest man kaum etwas über den Staat, in dem zehn Millionen Menschen leben. Zumindest gab es im Jahr 2014 fast keine Berichterstattung über den zentralafrikanischen Staat. Warum? Sicherlich nicht, weil dort nichts Berichtenswertes passierte. Vielmehr interessiert sich der durchschnittliche Leser, Zuschauer oder User einfach nicht sonderlich dafür. Das wiederum liegt auch daran, dass die Medien demjenigen, der sich für die Geschehnisse in Afrika interessiert, kaum Informationen bieten. Das Interesse an einem Thema wächst meist erst dann (auf Seiten des Lesers, wie auch in den Medien), wenn es Auswirkungen auf Europa, Deutschland oder das eigene Leben hat. So etwa bei der aktuellen Flüchtingskrise. Es mag hart klingen, ist aber so. Oder wann haben Sie das letzte Mal einen Artikel über Geschehnisse in Afrika gelesen? Moment, ist zwar schon beinahe zwei Jahre her, aber zur Ebola-Krise haben Sie viel gelesen. Stimmt, hat aber nichts mit Burundi zu tun.

Ihr Interesse ist geweckt und Sie möchten sich über Burundi informieren? Das könnte schwierig werden – zumindest, wenn Sie mehr interessiert, als die momentan prekäre politische Lage in dem zentralafrikanischen Staat. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass viele Medien keine Auslandskorrespondenten in Afrika haben. Gerade einmal 20 feste Korrespondenten deutscher Medien für den gesamten afrikanischen Kontinent. Keine personellen Ressourcen"Der Begriff kommt aus dem Lateinischen (resurgere – „hervorquellen“) bzw. Französischen (la ressource – Mittel, Quelle). Er bezeichnet im weiteren Sinne alle Mittel, die in die Produktion von Gütern und Dienstleistungen einfließen. Zu den natürlichen Ressourcen zählen zum Beispiel Rohstoffe, Wasser, Boden und Luft. Sie werden unterschieden in regenerierbare (z.B. Wälder) und nicht regenerierbare Ressourcen (z.B. fossile Brennstoffe).", keine Informationen, keine Nachrichten über Afrika. So einfach ist das.

Ist es nicht. Denn plötzlich tut sich etwas in Burundi… eine verfassungswidrige dritte Amtszeit des Präsidenten, ein gescheiterter Putschversuch, gewalttätige Ausschreitungen, Kritiker werden bedroht und angegriffen, Menschen fliehen, Menschen sterben. 2015 taucht Burundi wieder in den deutschen Medien auf – wenn auch spärlich und mit überwiegend negativen Berichten. Afrika, der K-Kontinent. K wie Kriege, Krisen, Katastrophen.

Und schon wird die nächste Kritik laut, es werde immer nur negativ über Afrika berichtet. Doch lässt sich ein derart schreckliches Bild, wie das der aktuellen politischen Situation in Burundi „korrigieren“ oder spiegelt es nicht vielmehr die traurige Realität wider? Die politische Lage in Burundi ist prekär, die Spannungen nehmen zu. Die Vereinten Nationen sprechen von einem bevorstehenden Völkermord. „Auf den ersten Blick scheint die Berichterstattung übertrieben und auf das Negative fokussiert. Es scheint, als würden sich die Probleme binnen weniger Monate wieder legen. Aber die Gefahr eines Genozids ist real, es muss gehandelt werden“, sagt die burundische Radiojournalistin Diane Nininahazwe.

Es gibt Bilder, die sich nicht „korrigieren“ lassen. Doch wir als Journalisten haben die Möglichkeit, andere Blickwinkel einzunehmen, Betroffene zu Wort kommen zu lassen oder das Afrika fernab der Kriege, Konflikte und Katastrophen zu zeigen. Und wenn das alles nicht möglich ist, dann schaffen wir es vielleicht zumindest, unsere Leser, Zuschauer oder User für bestimmte Themen zu sensibilisieren.

 

Wie sieht gute Berichterstattung über Afrika aus? – Zwei gelungene Projekte:

JournAfrica! ist eine Internetplattform für Journalismus aus Afrika über Afrika – jenseits der Klischees und Vorurteile.

 

 

Africa on the Move ist ein multimediales Projekt der Deutschen Welle, dass junge Afrikaner und Afrikanerinnen zu Wort kommen lässt, die mit ihren besonderen Fähigkeiten ihr Land verändern möchten.