Journalisten in Burundi – Bleiben oder fliehen? Autorin: Nadine Dinkel

Erst vor zehn Jahren ging in Burundi ein Bürgerkrieg mit rund 300.000 Toten zu Ende. Auch jetzt liest man in den Medien von einer „Spirale der Gewalt“. Seit April 2015 kommt es immer wieder zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der burundischen Bevölkerung, Oppositionellen und der Regierung. Anlass ist, dass der burundische Präsident Pierre Nkurunziza sich dazu ermächtigen ließ, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Die burundische Verfassung sieht jedoch maximal zwei Amtszeiten vor. Nach einem gescheiterten Putschversuch im Mai ließ die burundische Regierung alle unabhängigen Medienhäuser gewaltsam schließen. Seitdem kommt es immer wieder zu Protesten, bei denen nach Schätzungen der Vereinten Nationen allein im Jahr 2015 mindestens 240 Menschen ums Leben kamen. Regierung und Opposition geben sich gegenseitig die Schuld an den Morden. Binnen eines Jahres sind mehr als 200.000 Menschen aus Burundi geflohen – hauptsächlich in die Nachbarländer Ruanda und TansaniaDie Vereinten Nationen warnen vor einem bevorstehenden Genozid.

 

Stummschaltung der privaten Medien

Die Pressefreiheit in Burundi ist erheblich eingeschränkt. Seit der gewaltsamen Schließung aller privaten Medienhäuser herrscht beinahe ein InformationsblackoutUnter einem Blackout versteht man den plötzlichen und ungeplanten meistgrößten Ausfall der Elektrizitätsversorgung. Defekte Kraftwerke blockieren den Stromtransport durch die Netze. . Bei einem langandauernden großflächigen Stromausfall wäre ein infrastrukteller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Zusammenbruch nicht auf zu halten. Das Auftreten eines Black Outs ist also eine Extremsituation und muss unbedingt verhindert werden.. Informationen erhält die burundische Bevölkerung nur noch über staatliche Medien, die von der Regierung kontrolliert und zu ihren Zwecken instrumentalisiert werden. Kritische Stimmen werden gewaltsam stumm geschalten. Nur etwa fünf Prozent der unabhängigen burundischen Journalisten, die zuvor für private Medienhäuser gearbeitet haben, sind im Land geblieben und berichteten weiterhin.

Auch die Journalistin Diane Nininahazwe war mit ihrer kritischen Berichterstattung zunehmend in das Visier der Regierung geraten. Noch vor wenigen Monaten berichtete sie aus der burundischen Hauptstadt Bujumbura über die politischen Geschehnisse des Landes. Bis zur Schließung am 14. Mai 2015 arbeitete sie als Radiojournalistin für den privaten Radiosender Bonesha FM. Außerdem ist sie als Korrespondentin des US-amerikanischen Radiosenders Voice of America tätig.

 

Irgendwann bleibt nur die Flucht

Trotz der akuten Bedrohung von Journalisten durch die burundische Regierung ließ sich Diane Nininahazwe zunächst nicht an ihrer Arbeit hindern. Sie berichtete weiterhin für den US-amerikanischen Radiosender Voice of America. Dies änderte sich schlagartig, als am 24. Juni eine Granate auf ihrem Grundstück explodierte. Ein Anschlag, der ihr als Journalistin galt. Diane arbeitete gerade an einer Story über unaufgeklärte nächtliche Entführungen in Gihanga, einer Stadt nördlich der Hauptstadt Bujumbura. Für einen Bericht sprach sie vor Ort mit der burundischen Armee. Kurz darauf erhielt sie mehrere anonyme Drohungen, darunter eine konkrete Todesdrohung, dann folgte der Anschlag. Niemand wurde bei der Explosion verletzt. Dennoch blieb Diane nur die Flucht in das Nachbarland Ruanda. Dort kam sie bei ihren Geschwistern unter, ihre Eltern bleiben in Burundi.

 

Verdiente Auszeit

Ab Sommer 2015 lebte Diane als erste Stipendiatin des Auszeit-Stipendiums von Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung in einer kleinen Wohnung in Berlin-Charlottenburg. Der Aufenthalt in Berlin sollte ihr helfen wieder zu Kräften zu kommen. Da sich die politische Lage in Burundi weiter zugespitzt hat, wurde Dianes Aufenthalt bis Ende Januar 2016 verlängert. Mit Ablauf des Stipendiums muss Diane Deutschland verlassen. Bis die politische Lage in Ruanda es ihr erlaubt zurückzukehren sucht sie erneut Zuflucht in Ruanda.

 

Zum Interview mit der burundischen Journalistin Diane Nininahazwe

 

Pressefreiheit in Afrika
Zeit zum Durchatmen: Das Auszeit-Stipendium

Das Auszeit-Stipendium ist ein gemeinsames Projekt der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung. Es ermöglicht Journalisten und Journalistinnen aus Kriegs- und Krisengebieten einen bis zu dreimonatigen Aufenthalt in Berlin. Das Programm richtet sich vorwiegend an Journalisten und Journalistinnen, die in einem repressiven Umfeld tätig sind oder aufgrund ihrer Tätigkeit bedroht oder verfolgt werden. In Berlin erhalten die Stipendiaten die Möglichkeit, sich eine Auszeit zu nehmen und Abstand zu gewinnen. Sie können die Zeit aber auch zum Schreiben und Denken nutzen und das politische Leben in Berlin erkunden.

Rund 270 Journalisten und Journalistinnen aus aller Welt haben sich für das Stipendium beworben, das 2015 zum ersten Mal vergeben wurde. Bewerbungen kamen unter anderem aus Bolivien, Südafrika, Afghanistan, Syrien und der Ukraine. Die erste Stipendiatin ist die burundische Radiojournalistin Diane Nininahazwe.

Sie möchten mehr über das Auszeit-Stipendium erfahren oder sich bewerben?

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/hilfe-schutz/auszeit-stipendium/

Medienlandschaft in Burundi

Ursprünglich gab es in Burundi staatliche und private Medien. Noch bis Ende Februar 2015 war es Journalisten möglich, relativ frei zu berichten. Nachdem der burundische Präsident Pierre Nkurunziza entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit kandidierte, kam es zu politischen Unruhen im Land. Am 14. Mai 2015 wurden alle privatwirtschaftlichen und somit regierungsunabhängigen Medienhäuser von der burundischen Regierung gewaltsam geschlossen. Diese hatten zuvor regierungskritisch berichtet. 95 Prozent der unabhängigen Journalisten flohen in die Nachbarländer, insbesondere nach Ruanda.

Offiziell gibt es derzeit in Burundi nur noch staatliche Medien. Diese werden von der Regierung kontrolliert und zu Propagandazwecken eingesetzt. Inoffiziell erhält die burundische Bevölkerung noch Informationen über soziale Medien. Doch viele Burundier haben keinen Zugang zu Internet oder Smartphone. Zuvor sendeten zehn private Radiosender aus Burundi – Radio ist das wichtigste Medium für eine Bevölkerung, in der viele weder lesen noch schreiben können. Neben den staatlichen Radiosendern bleiben nun nur noch die beiden Auslandssender Voice of America und Radio France Internationale, die aus Washington D.C. bzw. Paris senden. Doch die Sender berichten auf Englisch oder Französisch –  Sprachen, die in Burundi nur die Gebildeten sprechen, denn Amtssprache ist Kirundi. Die breite Masse der burundischen Bevölkerung erreicht also nur noch die staatlichen Medien.