Die Situation von LGBT in Balkanländern

Das Bild vom einheitlich LGBT-feindlichen Balkan ist schnell gezeichnet. Doch wie sieht die Lage konkret in den verschiedenen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens aus? Dem widmet sich dieses Projekt und zeigt am Beispiel von vier ex-jugoslawischen Staaten die jeweilige rechtliche und reale Situation von LGBT auf – sowie die große Diskrepanz dazwischen.

Serbien

Wandel trotz gesellschaftlichem Gegenwind

 

Rechtliche Lage: Verbesserungen mit Mängeln

Rainbow-Europe-IndexVon der europäischen Sektion der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans- & Intersex Association (ILGA) erstellte Index zur Bewertung der rechtlichen Situation von LGBT-Personen in europäischen Ländern. Zum aktuellen Bericht (hier wenn möglich folgende Seite verlinken: http://www.ilga-europe.org/sites/default/files/01_full_annual_review_updated.pdf).: Platz 24 von 49

Für LGBT hat sich die gesetzliche Lage seit der Demokratisierung Serbiens im Jahr 2000 stetig verbessert. Dennoch haben auch die aktuellen Gesetze Mängel.

Lange fanden sich die Rechte von LGBT nicht in serbischen Gesetzen wieder. Als erster Schritt, diese gesetzlich zu verankern, kann der 2006 eingeführte Paragraph 387 des Strafgesetzbuchs gelten. Danach wurden Handlungen bestraft, die sich sich gegen Personen und Organisationen richten, die sich für Gleichberechtigung in jeglicher Weise einsetzen. Im Gesetz wurden die Gleichberechtigungsbestrebungen von LGBT jedoch nicht namentlich erwähnt. Entsprechend schwach und schwer anzuwenden ist der Rechtsschutz für LGBT nach diesem Paragraphen.

Ähnlich sah es die Europäische Kommission. In einem Bericht aus dem Jahr 2008 konstatiert sie, dass es in Serbien kein umfassendes Anti-Diskriminiserungsgesetz gebe. Als Reaktion verabschiedete die serbische Nationalversammlung im März 2009 ein umfangreiches Anti-Diskriminierungsgesetz. Dieses war Teil weitreichender Reformen für die laufenden EU-Beitrittsverhandlungen. Unter anderem verbietet es die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierungen in jeder Form.

Jelena

Interview mit Jelena (37), LGBT-Aktivistin, aus Belgrad, Serbien

Daneben verbieten beispielsweise auch Passagen in Gesetzen zum Jugend-, Medien- und Arbeitsrecht die Diskriminierung von LGBT. Aktuelle Strategiepapiere der Regierung zur Prävention von Diskriminierung erwähnen zudem explizit die Aufgabe, die LGBT-Community in Serbien zu unterstützen und ihre Rechte und Freiheiten zu schützen.

Der Shadow-Report der der LGBT-Rechts-Gruppe Labris an die UN kritisiert jedoch, das durch die Überarbeitung der Verfassung im Jahr 2006 eine Ehe nur noch zwischen Mann und Frau geschlossen werden darf, was in der vorherigen Fassung von 2000 nicht näher definiert wurde. Weiter kritisiert der Report, dass sich die nationale Gesetzgebung an keiner Stelle an Transsexuelle und TransgenderIm Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Im Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus. Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus. richtet. Aus Sicht der Autoren zeigt dies den Unwillen der Regierung, die Existenz und Rechte dieser Gruppen anzuerkennen.

 

Reale Situation: Die Intoleranz bleibt

Aus rechtlicher Sicht waren in den vergangenen Jahren einige Verbesserungen zu verzeichnen. An der alltäglichen Situation von LGBT in Serbien hat dies jedoch wenig geändert. „Seit Jahrzehnten leben LGBT in Serbien in einem Umfeld, das geprägt ist von Intoleranz und einem hohen Grad an HomophobieHomophobie bezeichnet die Ablehnung beziehungsweise Feindseligkeit gegenüber Homosexualität, welche häufig zur Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen führen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine klassische Phobie im Sinne einer Angst. Negative Einstellungen gegenüber Homosexuellen beruhen zumeist auf tradierten Vorstellungen von Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von Homosexuellen in Frage gestellt werden. Ein anderer Grund für Homophobie beziehungsweise Heterosexismus kann die Verdrängung homosexueller oder nicht dem eigenen Rollenbild entsprechenden Anteile der eigenen Sexualität sein. und Gewalt“, sagt Jelena Vasilević vom Belgrader Verein Labris, der sich für die Rechte von LGBT in Serbien einsetzt. „Ihr Alltag ist geprägt von Angst.“ Dabei sind es besonders rechte Gruppen, religiöse Organisationen und die Medien, die die Vorurteile und Ablehnung gegenüber LGBT befördern.

Wie tief die Ablehnung von LGBT in der Gesellschaft verwurzelt ist, zeigen verschiedene Studien. Eine Umfrage im Auftrag des nationalen Kommissars zum Schutz der Gleichberechtigung ergab, dass 80 Prozent der Befragten keine LGBT in ihrer Familie wollen.

Nach einem Report des Belgrader Zentrums für Menschenrechte befürworten zudem 80% der Schüler die Diskriminierung von LGBT.

Nicht verwunderlich ist, dass ein EU-Bericht zu den Beitrittsverhandlungen mit Serbien aus dem jahr 2011 LGBT als Gruppe sieht, die mit am häufigsten Diskriminierungen ausgesetzt sind: „Sie sind oft Opfer von Intoleranz, Beleidigungen und auch physischen Angriffen.“

Positiv gesehen werden kann allenfalls, dass die Pride Parade seit 2014 ohne größere Zwischenfälle durch Belgrad ziehen kann, nachdem sie drei Jahre lang nicht stattfinden durfte. Doch schon im Zusammenhang mit dem 2013 nicht durchgeführten Pride March äußerte sich der damalige serbische Ministerpräsident und heutige Außenminister, Ivica Dacic, mit den Worten: „Ich kann sie nicht als normal akzeptieren.“

 

Aktivismus: Mediale Öffentlichkeit trotz Ablehnung

Mit den Rechten von LGBT beschäftigen sich in Serbien 15 Organisationen mit nur wenigen hundert Mitgliedern. Größere Bedeutung hat dabei die lesbische Menschenrechtsgruppe Labris erlangt. Neben der Communityarbeit hat der Verein immer wieder versucht, die rechtliche Lage von LGBT in Serbien zu verbessern und die Regierung auch bei Gesetzgebungsverfahren beraten.

Darüber hinaus schult sie gegenwärtig auch die Polizei, was die Verfolgung von Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung betrifft. Kleinere Gruppen wie Egal und Gayten setzen sich verstärkt für die Rechte Transsexueller ein, während Belgrade Pride sich vor allem um die Organisation der gleichnamigen Parade kümmert. Allen Gruppen gemein ist die große Ablehnung, die sie in vielen Teilen von Gesellschaft und Politik erfahren, da sie als ‚destruktive Kräfte‘ wahrgenommen werden. Gleichzeitig hat sich ihr Standing dennoch in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert und es findet vermehrt eine Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen statt. Aber auch insgesamt haben es die Organisationen durch ihr Engagement geschafft, dass das Thema in der medialen Öffentlichkeit heute deutlich präsenter ist als noch zur Jahrtausendwende.

Kroatien

Musterkind mit Makel

 

Rechtliche Lage: Vorreiter auf dem Balkan

Rainbow-Europe-IndexVon der europäischen Sektion der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans- & Intersex Association (ILGA) erstellte Index zur Bewertung der rechtlichen Situation von LGBT-Personen in europäischen Ländern. Zum aktuellen Bericht (hier wenn möglich folgende Seite verlinken: http://www.ilga-europe.org/sites/default/files/01_full_annual_review_updated.pdf).: Platz 5 von 49

Im Unterschied zu den meisten anderen Balkanstaaten bietet Kroatien LGBT-Personen verhältnismäßig weitreichende Rechte.

2

Interview mit Mirna (28), LGBT-Aktivistin, aus Rijeka, eine Stadt im Westen Kroatiens.

Als ersten wichtigen Punkt stellte das Land 2003 gleichgeschlechtliche Paare nach drei Jahren Beziehung auf den selben rechtlichen Status wie unverheiratete, heterosexuelle Paare. Eine Ehe darf nach dem kroatischen Ehe-Gesetz jedoch weiterhin nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden. Endgültig zementiert wurde dieser Status durch ein Verfassungsreferendum am 1. Dezember 2013. Angeführt von der katholischen Kirche und dem Verein „Im Namen der Familie“ entschied sich die Mehrheit der Wählenden für das Festschreiben des traditionellen Ehe-Verständnisses in der Verfassung, was eine Änderung de facto unmöglich macht. Die Mitte-links-Regierung unter Zoran Milanović, die sich seit ihrer Wahl 2011 verstärkt für die Rechte von LGBT einsetzt, beschloss als Reaktion auf das Referendum 2014 jedoch die Möglichkeit eingetragener Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare. Damit sind homosexuelle Partnerschaften einer Ehe zwischen Mann und Frau rechtlich gleichgestellt.

Abgesehen davon verfügt Kroatien laut einem aktuellen Bericht der EU über weitreichende gesetzliche Diskriminiserungsverbote. So ist etwa das Beleidigen Homosexueller, ebenso wie der Aufruf zu Hass und Gewalt gegen Homosexuelle seit 2011 strafbar. Daneben ist insbesondere das 2009 verabschiedete Anti-Diskriminierngsgesetz zu nennen. Dieses verbietet explizit jegliche Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität und dem Ausleben einer GenderIm Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Im Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus. Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus.-Rolle. Jedoch beklagen kroatische LGBT-Organisationen laut EU-Bericht, dass die Justiz die Fälle nur halbherzig verfolgt und Verfahren häufig nicht erfolgreich sind.

Die Organisationen kritisieren zudem Ausnahmen im Gesetz unter denen eine Diskriminierung erlaubt sei. Diese können aufgrund ihrer teils uneindeutigen Formulierungen wie dem Schutz von Kindern und öffentlicher Moralvorstellungen sehr weit gefasst werden.

 

Reale Situation: Etablierte Community trotz öffentlicher Ablehnung

Trotz der verhältnismäßig guten rechtlichen Situation von Personen der LGBT-Community, erleben sie im Alltag weiterhin viele Anfeindungen, denn Ressentiments sind weit verbreitet. Immer wieder gibt es Demonstrationen mit homophoben Forderungen. Öffentlich äußerte sich derart etwa Präsident des kroatischen Fußballverbandes, Vlatko Marković. In einem Zeitungsinterview sagte er 2010: „Solange ich Präsident des Fußballbundes bin, wird kein Homosexueller in der Nationalmannschaft spielen.“ Stattdessen sollten nur „gesunde“ Spieler für die kroatische Auswahl auflaufen. Auch in der Gesamtgesellschaft sind solche Ansichten immer noch weit verbreitet. In einer Eurobarometer-Umfrage gaben 2015 31% der befragten Kroaten an, es unangenehm zu finden, zusammen mit einer LGBT-Person arbeiten zu müssen. 51% der Befragten bereitete die Vorstellung Unbehagen, ihr Kind führe eine gleichgeschlechtliche Beziehung.

Entsprechend fühlen sich viele Personen der LGBT-Community weiterhin in Kroatien unwohl und in ihrem Verhalten eingeschränkt. In einer EU-Umfrage unter LGBT-Personen aus dem Jahr 2012 gaben 89% der kroatischen Befragten an, aus Angst vor Diskriminierung das Händchenhalten mit ihrem Partner in der Öffentlichkeit zu vermeiden. 60% meiden gewisse Orte aus Angst vor Beleidigung und Belästigung. 27% sagten, wegen ihrer sexuellen Orientierung bereits Gewalt erfahren zu haben. „Es besteht jedoch eine sehr hohe Dunkelziffer. Viele Fälle bleiben ungemeldet, da die Opfer kein Vertrauen in die Polizei haben“, heißt es dazu in einem Bericht der LGBT-Organisation Zagreb Pride.

Daneben gibt es jedoch auch positive Entwicklungen. So findet seit 2002 jährlich eine Pride-Parade in Zagreb statt. Seit 2010 zudem in den Städten Split und Osijek. Nachdem die lokale Regierung den Umzug in Split 2012 zunächst verbieten wollte, nahmen mehrere Minister aus Solidarität an der Veranstaltung teil.

 

Aktivismus: Einsatz in der Politik und vor Gericht

Kroatienweit haben sich in den letzten Jahren bei nur gut vier Millionen Einwohnern immerhin um die 15 Organisationen etabliert, die sich für die Rechte von LGBT-Personen einsetzen. Insgesamt sind in diesen Gruppen um die 100 Mitglieder organisiert. Zagreb Pride und die lesbische Organisation LORI haben dabei aus politischer wie sozialer Perspektive zurzeit die größte Bedeutung. Zagreb Pride veranstaltet einerseits seit 2002 alljährlich den gleichnamigen Marsch, um den Belangen von LGBT mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Andererseits hat die Gruppe die etwa das Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft mit vorangetrieben und setzt sich auch darüber hinaus immer wieder in Gerichtsverfahren für die Rechte von LGBT ein. LORI hingegen legt den Fokus seiner Arbeit auf Unterrichtsprogramme gegen Homo-, Bi- und Transphobie in Schulen, Organisationen und im Gesundheitssektor. Die anderen Gruppen sind eher von untergeordneter Bedeutung und recht klein.

Slowenien

Freundliche Institutionen, Unmut in der Bevölkerung

 

Rechtliche Lage: Der Staat prescht vor, das Volk dreht zurück

Rainbow-Europe-IndexVon der europäischen Sektion der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans- & Intersex Association (ILGA) erstellte Index zur Bewertung der rechtlichen Situation von LGBT-Personen in europäischen Ländern. Zum aktuellen Bericht (hier wenn möglich folgende Seite verlinken: http://www.ilga-europe.org/sites/default/files/01_full_annual_review_updated.pdf).: Platz 27 von 49

Zwar fanden bei den LGBT-Rechten in Slowenien in den letzten 15 Jahren Fortschritte statt, immer wieder wurden diese aber nachträglich zu Nichte gemacht.

So besteht seit 1998 ein Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung, das weite gesellschaftliche Bereiche umfasst. In einem aktuellen Bericht der European Union Agency for fundamental Rights heißt es, dass Slowenien europaweit zu den Ländern mit den weitreichensten Anti-Diskriminierungsgesetzen zählt. Eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften sind in Slowenien seit 2006 gesetzlich erlaubt, zunächst jedoch nur mit eingeschränkten Rechten in den Bereichen Adoption, Sozialversicherung und Erbe. Nachdem das Verfassungsgericht 2009 entschied, dass diese Regelung gegen das Anti-Diskriminierungsverbot verstieß, erließ die damalige Mitte-Links-Regierung ein neues Familiengesetz. Dieses setzt eingetragene Lebenspartnerschaften faktisch mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleich. Nur in Details zur Adoption bestanden danach weiter Unterschiede, wie auch der Term „Ehe“ weiterhin einer Verbindung von Mann und Frau vorbehalten wurde. Nachdem diese Regelung drei Jahre lang Anwendung fand, wurde das Gesetz 2012 durch ein Referendum gekippt und eingetragene Partnerschaften auf den rechtlichen Stand von 2006 zurückgeworfen.

Bildschirmfoto 2016-01-25 um 11.19.38

Interview mit Daniel (25), aus einer Kleinstadt in Slowenien, Daniel möchte unerkannt bleiben.

Nach einem Antrag der Opposition beschloss die Regierung im Frühjahr 2015 das Ehegesetz aus dem Jahre 1976 auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften auszuweiten. Im neuen Gesetz hieß es, die Ehe sei eine „Verbindung zwischen zwei Menschen ungeachtet ihres Geschlechts“. Entsprechend hätten gleichgeschlechtlichen Paaren fortan die selben Rechte zugestanden wie heterosexuellen Verheirateten. Jedoch startete die rechtsgerichtete Opposition mit Hilfe der Kirche ein Volksbegehren gegen das neue Gesetz. In dem so ermöglichten Referendum stimmte am 20. Dezember 2015 die Mehrheit der slowenischen Wähler gegen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, wodurch das Gesetz wieder annulliert wurde.

 

Reale Situation: Probleme subtiler, nicht verschwunden

Wie das Ergebnis des Referendums vermuten lässt, bestehen in der slowenischen Gesellschaft nach wie vor Vorbehalte gegenüber LGBT, die auch im Alltag zu Diskriminierungen führen. So berichten bei einer EU-Erhebung aus dem Jahr 2012 53% der befragten LGBT aus Slowenien innerhalb der letzten zwölf Monate aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert oder belästigt worden zu sein.

In der selben EU-Studie gab eine slowenische Lesbin an, alleine mit ihrer Partnerin keine Nachtclubs zu besuchen, da es zu gefährlich sei. Auch ihrem Vermieter oder den Nachbarn gegenüber müssten sie die Beziehung verheimlichen. Gleichzeitig werden von Seiten der Politik jedoch Anstrengungen unternommen, das Klima gegenüber LGBT zu verändern. So vergibt die Hauptstadt Ljubljana mit Preisgeldern versehene Zertifikate an LGBT-freundliche Arbeitgeber – auch wenn zu diesen bisher lediglich die Stadtverwaltung zählt.

Auch werden die Pride-Paraden in Ljubljana und anderen slowenischen Städten von weniger offener Gewalt begleitet als in anderen Balkanländern, dennoch konstatiert Roman Kuhar, Dozent für Familiensoziologie an der Universität Ljubljana, in einer Veröffentlichung: „Es wäre voreilig zu sagen, es gibt heute weniger HomophobieHomophobie bezeichnet die Ablehnung beziehungsweise Feindseligkeit gegenüber Homosexualität, welche häufig zur Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen führen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine klassische Phobie im Sinne einer Angst. Negative Einstellungen gegenüber Homosexuellen beruhen zumeist auf tradierten Vorstellungen von Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von Homosexuellen in Frage gestellt werden. Ein anderer Grund für Homophobie beziehungsweise Heterosexismus kann die Verdrängung homosexueller oder nicht dem eigenen Rollenbild entsprechenden Anteile der eigenen Sexualität sein.. Sie wird nur subtiler ausgedrückt.“

 

Aktivismus: Wenig öffentliche Wahrnehmung

Auf die gut zwei Millionen Einwohner in Slowenien kommen immerhin acht Organisationen die sich mit LGBT-Themen befassen. Neben ein paar informellen Gruppen zählen dazu insbesondere die beiden größten Organisationen LEGEBITRA und DIH, die beide ihren Sitz in Ljubljana haben. Ebenfalls in der slowenischen Hauptstadt sitzt die älteste Organisation in diesem Feld, ŠKUC Magnus, die sich vor allem um schwule Männer kümmert, während sich dessen Schwesterorganisation ŠKUC LL Lesbinnen widmet. Außerhalb Ljubljanas ist vor allem der Verein MKC in Maribor institutionalisiert. Besonders für die Rechte von Transsexuellen setzt sich zudem die neu gegründete Organisation Transmisija ein, die jedoch noch recht klein ist. Insgesamt sind in diesen Gruppen über 200 Mitglieder aktiv. Bekannt sind die Organisationen vor allem in der LGBT-Community. Darüber hinaus werden sie meist lediglich wahrgenommen, wenn sie in den Medien in Erscheinung treten. Zuletzt geschah dies in Zusammenhang mit dem Referendum über die Home-Ehe Ende 2015, gegen das die Organisationen im Vorfeld Kampagnen führten. Daneben unterstützen sie immer wieder die Versuche der Regierung zu neuen Gleichstellungsgesetzen.

Bosnien-Herzogowina

Kleine Veränderungen auf einem langen Weg

 

Rechtliche Lage: Gesetze erst auf europäischen Druck

Rainbow-Europe-IndexVon der europäischen Sektion der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans- & Intersex Association (ILGA) erstellte Index zur Bewertung der rechtlichen Situation von LGBT-Personen in europäischen Ländern. Zum aktuellen Bericht (hier wenn möglich folgende Seite verlinken: http://www.ilga-europe.org/sites/default/files/01_full_annual_review_updated.pdf).: Platz 30 von 49

Bosnien ist ein politisch fragmentiertes Land. Es besteht aus zwei Entitäten: Der „Föderation Bosnien-Herzegowina“ und der „Republika Srpska“. Und zusätzlich aus dem Sonderverwaltungsgebiet „Distrikt Brčko“. Entsprechend kompliziert sind Staatsform und Gesetzgebung.

Homosexuelle Beziehungen sind in der Föderation Bosnien-Herzegowina seit 1996 entkriminalisiert. Die Republika Srpska legalisierte sie zwei Jahre später. Das Schutzalter für sexuelle Handlungen liegt in Bosnien generell bei 14 Jahren. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind denen heterosexueller Paare rechtlich jedoch nicht gleichgestellt. Weder auf nationaler Ebene im Rahmen der Verfassung Bosnien-Herzegowinas noch durch die Verfassungen auf subnationaler Ebene genießen sie die selbe gesetzliche Anerkennung wie heterosexueller Beziehungen.

Innerhalb der Gesellschaft stoßen homosexuelle Partnerschaften auf etliche Vorbehalte. Seit 2003 begegnet diesen Vorbehalten ein Gesetz zur Gleichstellung der Geschlechter, das die Diskriminierung von Personen aufgrund ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung verbietet. Seine Verabschiedung ist vor dem Hintergrund der Beitrittsverhandlungen Bosniens zur Europäischen Union zu verstehen. Ein umfangreiches Antidiskriminierungsgesetz besteht jedoch erst, seitdem dieses Gesetz 2009 geändert wurde und der Gesetzestext unter dem englischen Begriff „genderIm Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Im Englischen wird zwischen dem biologischen Geschlecht "Sex", und dem soziokulturellen Geschlecht Gender", unterschieden. Im Deutschen gib es allerdings nur einen Oberbegriff: "Geschlecht". Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus. Gender“ drückt aus, dass geschlechtsspezifische Zuschreibungen dynamisch und veränderbar sind. Der Begriff geht über die biologische Unterscheidung zwischen Geschlechtern hinaus.“ nicht mehr nur die klassische Unterteilung in Mann und Frau, sondern auch weitere sexuelle Zuschreibungen anerkennt. Bestimmungen gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung finden sicher ferner auf regionaler Ebene beispielsweise in den Strafgesetzen der Föderation Bosnien-Herzegowina und der Republika Srpska, sowie der Verfassung des Distrikts Brčko.

Reale Situation: Ablehnung und Gewalt bleiben

Auf rechtsstaatlicher Ebene hat es in den letzten Jahren einige Fortschritte gegeben. In der gesellschaftlichen Realität sehen sich LGBT-Personen jedoch weiterhin Ablehnung, Beleidigungen und in besonders harten Fällen auch körperlicher Gewalt ausgesetzt. 2008 wurde das QueerDie etymologische Bedeutung des Wortes "queer" bezieht sich auf Dinge, Handlungen und Personen, die von den vermeintlich vorherrschenden Normen innerhalb einer Gesellschaft abweichen. Also zunächst einmal alles, was irgendwie anders ist. Im englischen Sprachraum wurde das Wort lange dazu gebraucht, um Menschen zu degradieren, deren Lebensweisen nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Genau diese Menschen eroberten die Bezeichnung Queer später für sich. Das Schimpfwort wurde zunächst zum Szene-Begriff und schließlich auch zu einem akademischen Terminus. Die Queer-Bewegung ist seit den 70er und 80er Jahren ein Sammelbecken für alle, die ihre sexuelle Identität selbst definieren möchten und sich weigern, diese den eingeschränkten Kategorien Hetero- oder Homosexuell zuzuordnen. Film Festival in Sarajevo von einem Dutzend Männer angegriffen. Dreizehn Personen, darunter ein Polizist, wurden verletzt. Zu einem ähnlichen Angriff kam es 2014, als das Merlinka LGBTI-Filmfestival angegriffen wurde. Dabei wurden drei Personen verletzt. Obwohl schon einige Zeit vergangen ist, sind die Ermittlungen noch nicht maßgeblich vorangekommen. In beiden Fällen stand die Polizei unter heftiger Kritik die Veranstaltungen trotz vorheriger Warnungen nicht ausreichend geschützt zu haben. Infolge dieser Kritik wurden ab Mai 2014 in Zusammenarbeit mit der NGO Sarajevo Open Center über 1000 Polizeibeamte im Kanton Sarajevo in LGBT-Rechten und der Strafverfolgung von Hassverbrechen gegenüber LGBT-Personen weitergebildet.

Aktivismus: Einsatz für Aufklärung nimmt zu

In Bosnien-Herzegowina sind mehrere Organisationen aktiv, die sich für die LGBT-Gemeinschaft und ihre Rechte einsetzen. Die September 2002 gegründete Organisation Q war im Land die erste ihrer Art. Die Organisation Logos setzt sich für die Sichtbarkeit queerer Muslime in der Öffentlichkeit ein. Eine der jüngsten Organisationen ist B.U.K.A. mit Sitz im bosnisch-serbischen Banja Luka die seit 2014 für die Rechte queerer Personen eintritt. Die Organisationen richten Veranstaltungen wie Film Festivals aus, um die Belange von LGBT-Personen stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Daneben gibt es noch das Sarajevo Open Center, das sich zwar nicht ausschließlich um die Rechte von LGBT kümmert, dies jedoch auch zu seinen Aufgaben zählt.

Zusammenfassung

Serbien, Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina. Jahrhunderte waren diese Länder Schauplatz von Verwerfungen und Konflikten verschiedener Ethnien und Religionen. Die Region wurde zum Schauplatz des erbittertsten bewaffneten Konflikts in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Gerade einmal 20 Jahre ist das her. Seitdem haben diese Länder gesellschaftliche TransformationIn der Politikwissenschaft, insbesondere in den Internationalen Beziehungen, bezeichnet die Transformation den Vorgang der grundlegenden Veränderung eines politischen Systems und damit auch die gegebene gesellschaftliche wie wirtschaftliche Ordnung. Dabei beschäftigt sich die Forschung vor allem mit Veränderungsprozessen in Staaten sowohl in die Richtung der Demokratisierung als auch in die Richtung der Ent-Demokratisierung.s- und Demokratisierungsprozesse mit dem Ziel vollzogen, sich stärker an Westeuropa anzunähern und in die Europäische Union zu integrieren.

Letzteres können Slowenien und Kroatien von sich behaupten. Kroatien ist seit 2015 Mitglied des Staatenbundes, Slowenien gar seit 2004. Serbien und Bosnien-Herzegowina haben hingehen noch einen längeren Weg vor sich. Beitrittsverhandlungen werden mit beiden Ländern schon seit ein paar Jahren geführt.

In diesem demokratischen TransformationIn der Politikwissenschaft, insbesondere in den Internationalen Beziehungen, bezeichnet die Transformation den Vorgang der grundlegenden Veränderung eines politischen Systems und damit auch die gegebene gesellschaftliche wie wirtschaftliche Ordnung. Dabei beschäftigt sich die Forschung vor allem mit Veränderungsprozessen in Staaten sowohl in die Richtung der Demokratisierung als auch in die Richtung der Ent-Demokratisierung.sprozess kommt dem Schutz von Minderheiten eine besondere Rolle zu. Integration wird nur erreicht, wenn die Länder einen ausreichenden Minderheitenschutz gewährleisten können. Vor allem die Rechte von Personen der LGBTI-Gemeinschaft und der Einsatz gegen ihre Diskriminierung sind schon seit längerem auf der Agenda.

Und obwohl alle Länder mit dem ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien eine gemeinsame Herkunft teilen, und ihre Entwicklungen sich im Bereich der LGBTI- und Antidiskriminierungsrechte auf den ersten Blick ähneln, lassen sie bei einem genauerem Blick doch erhebliche Unterschiede erkennen. Kroatien sticht an dieser Stelle heraus und kann im Bereich der rechtlichen Stellung von LGBTI-Personen als Vorbild für die anderen dienen. Das Rainbow Europe Länderranking ist ein Indikator dafür.

In einem Punkt gleichen sich die Länder jedoch immer noch. LGBTI-Personen sehen sich in ihren jeweiligen Gesellschaften weiterhin einer kontinuierlichen Ablehnung ausgesetzt. Auch wenn zivilgesellschaftlich immer mehr Vereine und Akteure hinzukommen, die sich für ihre Rechte und gegen ihre Diskriminierung einsetzen, hat gesamtgesellschaftliche Akzeptanz in den letzten Jahrzehnten nur langsam stattgefunden. Es ist ein langwieriger Prozess, der auch in den nächsten Jahren nichts an seiner Aktualität verloren haben wird.

Tab Content goes here