Zigarren und Zähne aus Kuba

Der Tourismus hat auf Kuba einen ganz besonderen Stellenwert für die einheimische Bevölkerung. Dies verdeutlicht der Witz von einem kubanischen Sohn, der seinem Vater auf die Frage, was er denn später einmal werden möchte, stolz antwortet: Tourist natürlich!

Von Judith Fischbach und Inge Thannheuser

Strand von Varadero ... noch ohne Touristen. Foto: Constanza Godoy

Strand von Varadero … noch ohne Touristen. Foto: Inge Tannheuser

Die Anfänge des Tourismus

Die Entstehungsgeschichte des Tourismus auf Kuba reicht weit zurück. Bereits vor der Revolution von 1959 war die karibische Insel ein beliebtes Reiseziel, insbesondere für US-Amerikaner, die es vor allem in die Bordelle und Spielhallen der Hauptstadt Havanna zog. Nach der Revolution nahm der internationale Tourismus rapide ab, da das Reisen nach Kuba aufgrund des von Kennedy verhängten Embargos für US-amerikanische Staatsbürger fortan verboten war. Unter staatlicher KontrolleAls Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen. etablierte sich ein nationaler Tourismus, der den Kubanern das eigene Land und die sozialistischen Ideale näher bringen sollte.

 

Eine militärisch kontrollierte Industrie

Seit den späten 80er-Jahren leiten die Fuerzas Armadas Revolucionarias (Revolutionäre bewaffnete Kräfte – FAR) die kubanische Wirtschaft. Da der Tourismus den lukrativsten Sektor der kubanischen Ökonomie darstellt, wird besonders in dessen KontrolleAls Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen. investiert. Das Netz, mit dem die kubanische Armee den Gewinn aus dem Touristenmeer fischt, ist das Staatsunternehmen Gaviota. Dieses agiert und kontrolliert in elf Tourismusunternehmen. Da diese Unternehmen von Privatpersonen geleitet werden, könnte man annehmen, aus dem Netz der Gaviota fiele etwas für die kubanische Bevölkerung ab. Bei diesen vermeintlichen Privatpersonen handelt es sich jedoch um staatlich loyale Instrumente, die lediglich den Staatsgewinn der Unternehmen kontrollieren.

 

Entstehung des Massentourismus

Männer bei der Arbeit. Foto: Constanza Godoy

Männer bei der Arbeit. Foto: Inge Tannheuser

Zu Beginn der 1990er Jahre erlebte Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Verlust wichtiger Handelspartner eine gravierende Wirtschaftskrise. Der Massentourismus bot die Möglichkeit, sich einer neuen Devisenquelle zu öffnen und mit Hilfe von Joint VentureDieser Begriff, der direkt übersetzt „gemeinsames Wagnis“ bedeutet, bezeichnet die Kooperation zwischen zwei oder mehreren Unternehmen, die rechtlich und wirtschaftlich voneinander abhängig sind und das finanzielle Risiko ihrer Kooperation gemeinsam tragen.s schaffte es die Staatspartei ausländische Investitionen ins Land zu holen, ohne dabei die KontrolleAls Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen. über die entstandenen Unternehmen zu verlieren. Die Besucherzahlen, aber auch die Abhängigkeit der Ökonomie vom expandierenden Tourismus stiegen kontinuierlich. Während 2000 noch 1,94 Milliarden US-Dollar durch den Tourismus erwirtschaftet wurden, waren es elf Jahre später 0,6 Milliarden US-Dollar mehr, die der Tourismus in den Staatshaushalt spülte. Mit einem jährlichen Umsatz von circa 2,5 Milliarden USD und einem 20 prozentigem Anteil an den Deviseneinnahmen ist der Tourismus der wichtigste Einzelsektor des Dienstleistungsbereichs und wichtigster Wirtschaftszweig des Landes.

Bei der Herkunft der Urlauber stellt Kanada, gefolgt von europäischen Ländern wie Italien, Spanien, Deutschland und Großbritannien das größte Kontingent. Auch Reisen aus den USA nehmen zu, nachdem das Reiseverbot im Jahr 2011 unter der Regierung von Obama gelockert wurde. Nach Angaben der Havanna Consulting Group rangieren die USA bereits auf dem zweiten Platz. Der Großteil des internationalen Tourismus konzentriert sich auf die Hauptstadt Havanna und die Strände von Varadero und Guardalavaca, aber auch ländliche Regionen mit ihrer abwechslungsreichen Vegetation werden immer mehr in Form von ökotouristischen Angeboten erschlossen, wobei die Ressource Natur dabei von der Tourismusbranche oftmals werbestrategisch genutzt wird. Der australische Tourismusforscher David B. Weaver hält den Ökotourismus lediglich für einen Vorbereiter des Massentourismus mit allen seinen negativen Folgen.

 

Gesetzliche Lockerungen – neue Chancen

Obwohl der Staat den Großteil der Tourismuseinnahmen einbehält, ist die Arbeit im Tourismus für Kubaner eine der gewinnbringendsten Tätigkeiten, da nur Beschäftigte in dieser Branche Zugang zur Touristenwährung, dem peso cubano convertible (CUC), haben. Gerade durch die unter Raúl Castro legitimierten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Privatsektor und Tourismusindustrie haben sich lukrative Nischen gebildet. Restaurants und Übernachtungsangebote im Tourismusbereich dürfen nun auch privat geführt und angeboten werden. Preislich günstigere Mahlzeiten und Übernachtungen in privaten Wohnbereichen werben den Hotel- und Restaurantketten diejenigen Touristen ab, die ein authentisches kubanisches Umfeld bevorzugen.

 

Der Gesundheitstourismus

Tourismus in Kuba. Foto: Constanza Godoy

Tourismus in Kuba. Foto: Inge Tannheuser

Schon vor den Lockerungen wirtschaftlicher Bestimmungen stellte der Tourismus die Einkommensverhältnisse völlig auf den Kopf. Selbst hochqualifizierte angehende Ärzte ziehen eine Beschäftigung in der Tourismusbranche vor, da sie etwa als Barkeeper mit dem Trinkgeld eines einzigen Abends ein gesamtes Monatsgehalt als Arzt verdienen können. Durch diese überproportional hohen Einkommenschancen im Tourismus kam es zu erheblichen Disparitäten in der Gesellschaft. Trotz eines vermuteten Ärztemangels wird nicht nur auf den benachbarten Karibikinseln in den höchsten Tönen vom kubanischen Gesundheitssystem gesprochen. Mit Maradonas Aufenthalt in einer Entzugsklinik auf Kuba begann die Entwicklung eines Gesundheitstourismus, der bereits 2002 (aktuellere Zahlen liegen leider nicht vor) jährlich 40 Millionen US-Dollar einbringt. Reiche Ausländer besuchen Kuren unter Palmen. Die meisten Kubaner werden dagegen immer schlechter versorgt: Eine Zwei-Klassen-Medizin entsteht, um an die begehrten Devisen zu kommen.

 

Politischer Wandel – ungewisse Zukunft

Besonders bei der jungen Generation ist der CUC begehrt, da er einerseits ein Vielfaches des einheimischen Pesos wert ist und Waren wie etwa Handys oder Markenkleidung nur gegen Devisen erhältlich sind. Nun will Kuba in einem mehrstufigen Übergangsprozess die Doppelwährung abschaffen. Staatschef Raúl Castro kündigte im Oktober 2013 das Ende der seit 1994 parallel verwendeten Währungen an. Das könnte ein wesentlicher Schritt zur Öffnung der Volkswirtschaft sein. Welche Konsequenzen das im Hinblick auf die Entwicklung des Tourismus hat und welche weiteren Reformen die Zukunft für eines der letzten sozialistischen Länder bringen mag, bleibt abzuwarten. In Varadero bereitet sich die Tourismusbranche zumindest schon jetzt auf die Zeit nach dem US-Embargo vor. Der kubanische Staat sowie ausländische Investoren investieren in luxuriöse Hotelanlagen und den größten Yachthafen der Karibik. Bis nach Florida sind es schließlich nur 150 Kilometer.