El Salvador – Natur gegen Masse

Botschafterin Anita Cristina Escher Echeverría stellt ihr Land als Paradebeispiel für nachhaltigen Tourismus vor. Mit „lebendigen Dörfern“ wird die lokale Bevölkerung heute aktiv in El Salvadors zweitgrößten Wirtschaftssektor eingebunden. Geschichte und Natur verhinderten dabei in den letzten 60 Jahren die Entwicklung des Massentourismus‘.

Von Sabrina Bull und Laura Fiehm

Die Botschafterin von El Salvador, Anita Cristina Escher Echeverria stellt ihr Land als Reiseziel vor

Die Botschafterin von El Salvador, Anita Cristina Escher Echeverria stellt ihr Land als Reiseziel vor

Beim Frühstück im Hotel de la Montaña den Vulkan Izalco beobachten und mittags einen Ausflug zu den nahgelegenen heißen Quellen machen – so sollte das Urlaubserlebnis im El Salvador der 50er und 60er Jahre aussehen. Doch die Natur wollte es anders: Kaum war das Luxushotel fertig gestellt erlosch der Vulkan und verhinderte den Erfolg des Großprojekts.

Durch die aufkommenden Unruhen während dem Bürgerkrieg von 1980 bis 1992 war an Tourismus nicht mehr zu denken. Nach dem anschließenden Wiederaufbau erscheint El Salvador langsam wieder als Reiseziel auf der Landkarte. Dabei wird auf die Umweltverträglichkeit und NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren." des Tourismus geachtet: „Aus dem Nachteil der Geschichte, dem Bürgerkrieg, können wir jetzt einen Vorteil ziehen“, so Botschafterin Escher Echeverría optimistisch.

In Europa fast unbekannt

Als Beispiel dafür stellt sie das lokale Tourismusförderungsprogramm „Pueblos Vivos“ vor: Seit 2009 können sich Gemeinden u.a. in den Bereichen Abenteuer, Kultur und Archäologie um diesen Preis bewerben. Das Programm bietet vor allem den Dörfern eine Chance, die die einheimische Bevölkerung aktiv in den Tourismus integrieren. El Salvador möchte mit diesem Programm Restaurants und Hotels in Familienbesitz fördern. Massentourismus wird so vermieden, es soll langsam und nachhaltig gereist werden. Intensivere Erlebnisse und authentische Begegnungen mit Land und Leuten werden ermöglicht – El Salvadorianer begrüßen dies sehr. Nicht nur die lokale Wirtschaft wird gefördert, sondern auch die Neugier der Einheimischen gestillt. Durch die kontaktfreudige und offene Kultur im mittelamerikanischen Küstenstaat gehen die Menschen auf Touristen zu, versichert Botschafterin Escher Echeverría: „Durch das proaktive Verhalten kommt kein Voyeurismus zustande“, ein belästigendes Eindringen durch Tourismus in das tägliche Leben werde ihrer Meinung nach damit verhindert.

Aus europäischer Sichtweise wird das Land jedoch nach wie vor von seiner Geschichte überschattet. In Verbindung mit dem Bürgerkrieg zählt das Surferparadies nicht zu Europas beliebtesten Reisezielen. So ist auch den Teilnehmern der Bildkorrekturen 2013 die Problematik der Jugendbanden durchaus bewusst. Der Sicherheitsaspekt auf einer möglichen Reise sorgt für viele Nachfragen, zu denen die Botschafterin gerne Stellung nimmt: Durch den lang anhaltenden Bürgerkrieg seien knapp die Hälfte der Einwohner emigriert. Heutzutage leben rund vier Millioen El Salvadorianer im Ausland, Familien und Kinder wurden oft zurückgelassen. Dadurch kämpft das Land nun mit einer orientierungslosen Jugend ohne Perspektive. 2001 wurde der US-Dollar als Landeswährung eingeführt, was die Armut im Land zusätzlich steigerte. Gewalt und Kriminalität sind also auch elf Jahre nach dem Friedensabkommen ein großes Problem.

Unterwegs auf der Maya Route

Aus Erfahrung versichert Escher Echeverría jedoch, dass heimkehrende Touristen dies weniger schlimm sehen. Sie kritisiert daher Berichte, die aus der Ferne geschrieben werden und sieht Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes als problematisch an. Viel eher wünscht sie sich Erfahrungs- und Erlebnisberichte, welche potenziellen Touristen dabei helfen, ihre zukünftigen Reisen zu planen. Sie selbst sieht sich als Botschafterin in der Pflicht, Besucher zu unterstützen: „Das A und O sind gute Ansprechpartner vor Ort“, die sie gerne vermittele.

So beschreibt die Botschafterin zum Beispiel Businessreisen, auf denen lokale Kontakte westlichen Unternehmern bei den Reisevorbereitungen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Innerhalb der florierenden Kaffeebranche werden dabei gerne Führungen über Plantagen angeboten, die Einblicke in die Entstehung des Kaffees geben. Kulturell stellt die berühmte Maya Route die größte touristische Attraktion dar. Auf dem Weg durch Mexiko, Belize und Guatemala nach El Salvador und Honduras kann man das Leben und die Geschichte der Mayas nachempfinden. Vor allem in El Salvador sei die Ursprünglichkeit dieser Kultur erhalten. So wurde ein Bild vom Leben von vor 1300 Jahren im sogenannten „Amerikanischen Pompeji“ unter Asche begraben und ist nun, wieder freigelegt, zu besichtigen. In diesem Weltkulturerbe kann man Adobe-Bauweisen und Yuccafelder bestaunen. Zu Fuß natürlich, denn das zeichnet den touristischen Gedanken des naturbewussten El Salvadors aus.

Über Anita Cristina Escher Echeverría:

Anita Cristina Escher Echeverría ist seit 2010 Botschafterin von El Salvador in Deutschland. Darüber hinaus ist sie Sprecherin der Botschafter Lateinamerikas in Deutschland und in der Erwachsenenbildung aktiv. Zuvor studierte sie in Zürich, Aachen und Paris und arbeitete ab 2005 als Projektkoordinatorin und Geschäftsführerin in einer Hilfsorganisation in der Schweiz. Bei ihrer Arbeit setzt sie den Schwerpunkt auf die Alphabetisierung in Lateinamerika.

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Über El Salvador:

Amtssprache: Spanisch
Hauptstadt: San Salvador
Einwohner: 5,7 Millionen
Klima: tropisch