Warum es gegen Atomkraft eine ganze Republik braucht Eine Protestbewegung ruft eine Republik aus, hält den Kampf über mehr als 30 Jahre aufrecht und beweist so, wie wichtig es ist, einen langen Atem zu haben.

Es gibt sicherlich schönere und romantischere Orte, um sich niederzulassen, als eine Tiefbohrstelle bei Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Und doch besetzten rund 5.000 Menschen am 3.Mai 1980 das wenig idyllische Gelände in Niedersachsen, errichteten ein Hüttendorf und ließen ihre neue Bleibe durch das „Untergrundamt Gorleben-Soll-leben“ legitimieren: als Republik Freies Wendland.

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Auch wenn die Republik nur einen Monat bestand und das Hüttendorf durch die Polizei geräumt wurde, war der Protest gegen das Atommüllendlager in Gorleben noch lange danach prägend für die umliegenden Gemeinden sowie für das gesamte Bundesland. Er hatte sich zunächst im Jahr 1977 an der Standortbenennung Gorlebens als Nukleares Entsorgungszentrum entzündet – durch Probebohrungen in einem Salzstock sollte dessen Eignung als Endlager für hochradioaktiven Atommüll festgestellt werden – und setzte sich fort, als der Bau eines atomaren Zwischenlagers begannen.

Die ebenfalls 1977 eingetragene Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg organisiert bis heute den Widerstand. So wurden zwar zwischen April 1995 bis November 2011 insgesamt 113 wiederaufbereitete Castor-Behälter in das Zwischenlager Gorleben gebracht, aber immer begleitet von umfangreichen, zum Teil phantasievollen, zum Teil riskanten Protesten, die den Schutz durch jeweils mehrere tausend Polizeibeamte erforderlich machten.

Nach der Katastrophe von Fukushima 2011 läutete die Bundesregierung den Atomausstieg ein. Und bei den daraus folgenden Debatten zahlte sich endlich der lange Widerstand der Wenden aus. Im Juli 2013 verabschiedete der Bundesrat das Standortauswahlgesetz, auch als Endlagersuchgesetz bekannt, womit die Suche nach einem Endlager für Atommüll von Neuem beginnt – aber nach monatelangen Diskussionen im Vorfeld verfügten die Beteiligten auch, dass die bergmännische Erkundung des Salzstocks Gorleben mit Inkrafttreten des Gesetzes beendet wird. Allerdings: erst wenn Gorleben nach den Kriterien des Gesetzes aus dem Standortauswahlverfahren ausgeschlossen wurde, kann das Erkundungsbergwerk endgültig geschlossen werden. Und so geht der Kampf der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. weiter, bis „Gorleben mit seinen großen geologischen Mängeln als Endlagerstandort ausscheidet“.