Südsudan: Kapitalgeber scheuen die Krisenregion Hintergrundbericht von Claudia Steinert

Die Situation ist paradox. Trotz gewaltiger Erdölvorkommen hat fast niemand im Südsudan Zugang zu Elektrizität. Es fehlen Infrastruktur und mutige Investoren.
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Sitona Abdalla Osman hat keinen leichten Job. Die Botschafterin des Südsudans arbeitet daran, Investoren für ihr Land zu begeistern, damit dort endlich eine Infrastruktur aufgebaut werden kann. Doch auch drei Jahre nach seiner Unabhängigkeit wütet im Südsudan noch immer ein Bürgerkrieg. Und Kapital mag keine Krisen.

Der Südsudan ist flächenmäßig etwa doppelt so groß wie Deutschland und spärlich besiedelt.  Zwischen acht und elf Millionen Menschen leben dort, genauere Zahlen gibt es nicht. Obwohl das Land über viele Bodenschätze verfügt, leben die Menschen in Armut. Die einheimische Bevölkerung profitiert kaum vom Rohstoffreichtum des Landes.

Nur ein Prozent der Menschen bekommt Strom aus der Steckdose 

Denn der Großteil des geförderten Erdöls wird als Rohöl nach Übersee exportiert. Da der Südsudan keinen Zugang zum Meer hat, muss er die Erlöse mit Transitländern teilen. Was übrig bleibt, reicht nicht aus, um gleichzeitig Krieg und Wiederaufbau zu finanzieren. Es fehlen im gesamten Land Krankenhäuser und Schulen. Gerade einmal ein Prozent der Einwohner sind mit Elektrizität versorgt.

Strom aus der Steckdose gibt es nur in den Geschäftsvierteln der Großstädte wie Juba oder Malakal. In den Dörfern stehen vereinzelt Diesel-Generatoren, doch hauptsächlich kochen die Menschen mit Feuerholz und Tierabfällen. Eine der Kernaufgaben der neuen Regierung ist es deshalb, mehr Menschen in den ländlichen Gebieten ans Stromnetz anzuschließen.

Strom aus der Steckdose ist in vielen Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit, Kochen mit Gas oder Feuerholz hingegen schon wie ein Blick in eine Küche in Bolivien beweist. © Claudia Steinert

Strom aus der Steckdose ist in vielen Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit, Kochen mit Gas oder Feuerholz hingegen schon wie ein Blick in eine Küche in Bolivien beweist. © Claudia Steinert

Die Stromversorgung ist in vielen Entwicklungsländern noch chaotisch, wie eine Straßenlaterne in Bolivien beweist. © Claudia Steinert

Eine Straßenlaterne in Bolivien zeigt, wie chaotisch teils die Stromversorgung in Entwicklungsländern ist. © Claudia Steinert

Bürgerkrieg schreckt Investoren ab

Doch bisher gibt es weder Stromleitungen noch Straßen um Treibstoff in die entlegenen Dörfer zu transportieren. „Der Bürgerkrieg schreckt Investoren ab“, beklagt Botschafterin Osman. Das ausländische Geld fließt nur zögerlich.  „Dabei ist es wichtig, das Land jetzt wirtschaftlich nach vorn zu bringen, damit ein positiver Kreislauf in Gang kommt“, erklärt Osman.