Die Energiewende als ethische Pflicht Ein Porträt von Valerie Schönian

Geht es um die Energiewende, fragen viele nach den Konsequenzen für die Wirtschaft. Herbert Barthel vom „Bund Naturschutz in Bayern“ fragt sich, was seine Enkel einmal sagen.
Der Wendepunkt war das erste Kind. Als 1981 Herbert Barthels Sohn auf die Welt kam, hat der damals 25-Jährige sein Leben verändert. Er ging zu Anti-Atom-Demos statt auf Reisen, begann, viel über Menschenrechte und Umweltschutz zu lesen und engagierte sich im „Bund Naturschutz in Bayern“. Wieso? „Ich habe festgestellt, dass ich nicht mehr weglaufen kann“, erklärt er. Die Erde gehörte nicht mehr nur ihm. Sie gehörte jetzt auch seinem Sohn.

Opa, warum hast du nichts gemacht?

Heute ist Barthel 58 und leitet beim „Bund Naturschutz in Bayern“ das Referat für Klima und Energie. Zu seinem einen Sohn sind vier weitere hinzugekommen sowie eine Enkelin. Er trägt Jackett und Vollbart. Während er redet, lächelt er oft. Kommt er allerdings auf seine Motivation zu sprechen, wird seine Miene ernst: „Ich will nicht, dass meine Enkelin irgendwann fragt: Opa, warum hast du nichts gemacht?“

Das merkt auch, wer ihn bei der Podiumsdiskussion am ersten Abend der Bildkorrekturenkonferenz in Bamberg erlebt: dass es Herbert Barthel nicht nur um die Umwelt geht, sondern um die Menschen, die in dieser Umwelt leben. Gemeinsam mit Klaus Rubach, Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg und Peter Hennicke vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie diskutiert er über die Energiewende. Die Frage: „Turn or Burn?“

„Wir müssen heute handeln!“

Ja, möglich sei die Wende, daran sind sich alle einig. Ausdrücke wie Jahrhundertprojekt und historisches Experiment fallen. Herbert Barthel aber unterscheidet sich von den zwei anderen Rednern. Barthel wird emotional. Er schüttelt er den Kopf oder nickt vehement. Immer wieder betont er die Verantwortung aller. Während die anderen beiden vor allem über die ökonomische Machbarkeit der Energiewende reden, sagt er: „Wir müssen uns bewusst machen, warum wir das tun: aus ethischen Motivationen.“ Atomausstieg, Klimaschutz, Verantwortung für kommende Generationen – darum gehe es.

Barthel appelliert: „Wir müssen heute handeln!“ Er kritisiert: Die Politik müsse ihren Worten Taten folgen lassen und Kohlekraftwerke abschalten. Und er protestiert – kopfschüttelnd – wenn wieder einer behauptet, dass Atom- und Kohleausstieg nicht gleichzeitig möglich sei: „Technisch ist alles möglich.“ Nur die Wirtschaftlichkeit sei eine Frage. „Hier muss die Politik passende Rahmenbedingungen schaffen.“

In seiner Funktion als Referatsleiter hält Barthel Vorträge in ganz Bayern. Oft erntet er Widerspruch, vor allem von großen Energieunternehmen. Ob das manchmal frustrierend sei? „Das ist halt so.“ Das Leben sei ein ständiges Gerangel. „Aber es bewegen sich auch Dinge nach vorne“, sagt er und beginnt wieder zuversichtlich zu lächeln.