Feldheim: Vorbild für die Energiewende Bericht von Moritz Aisslinger

Ein Dorf in Brandenburg bietet den Energieriesen die Stirn – indem es sein eigenes Stromnetz aufbaut

Drei Straßen, ein paar Dutzend Häuser, darin 148 Einwohner. Ein Kaff, mehr nicht. Und doch schauen Konzerne wie RWE und E.on mit Argwohn auf diesen Flecken Erde, gelegen in Brandenburg zwischen Wald und Wiesen: Feldheim. Denn das Dorf hat sich unabhängig gemacht von den Energieriesen, unabhängig von deren Strom, unabhängig von deren Preisdiktat. Seit dem 29. Oktober 2010 gilt Feldheim als erste energieautarke Gemeinde Deutschlands.

Feldheim hat sich vor einigen Jahren ein eigenes Stromnetz errichtet. 43 Windanlagen, dazu Schweinegülle, Maissilage und Getreideschrot für die BiogasBiogas ist eine erneuerbare Energiequelle, die aus lokalen Ressourcen produziert wird. Es entsteht unter Sauerstoffabschluss (anaerob) durch die mikrobiologische Zersetzung von organischen Materialien, die Proteine, Fette oder Kohlenhydrate enthalten. Biogas ist ein brennbares, grundsätzlich nicht giftiges Gas, mit einem Methangehalt zwischen 50 und 75 Prozent. Weitere Bestandteile sind Kohlenstoffdioxid (25 bis 45 Prozent), Wasserdampf (zwei bis sieben Prozent), Sauerstoff und Stickstoff (jeweils unter zwei Prozent), sowie Ammoniak, Wasserstoff und Schwefelwasserstoff (jeweils unter ein Prozent). Biogas kann in Elektro- und Wärmeenergie umgewandelt werden.anlage, produzieren dort Strom und Wärme, die die 37 örtlichen Haushalte in eigenen Versorgungsnetzen direkt nach Hause geliefert bekommen. Die überschüssige Leistung – Feldheim benötigt nur etwa ein Prozent seiner selbst erzeugten Energie – wird an umliegende Ortschaften verkauft, wodurch zusätzliches Geld in die städtischen Kassen fließt.

Apropos Geld: Während der Bundesbürger im Durchschnitt 28,38 Cent pro Kilowattstunde für seinen Strom zahlt, kostet er in Feldheim nur 16,6 Cent. Auch Stromsteuer und EEGDas EEG trat 2000 in Kraft und zielt auf die Förderung der Erzeugung erneuerbarer Energien, wie Windkraft, Wasserkraft und Solarenergie ab. Das erklärte Ziel ist ein Anteil von 80% Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung im Jahr 2050.-Umlage entfallen, da die Bürger aufgrund ihres eigenen Netzes keine Gebühren an die Betreiber zahlen müssen.

„Feldheim ist ein Vorbild für viele ländlich geprägte Gemeinden in Deutschland“, sagte Peter Altmeier, damals Umweltminister, bei seinem Besuch 2012. Und tatsächlich gelten gerade ländliche Gegenden als treibende Kraft bei der Energiewende. Immer mehr Kommunen beziehen Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien. Laut einer Studie des Kompetenznetzwerkes Dezentrale Energietechnologien gibt es in Deutschland 132 Regionen mit knapp 20 Millionen Einwohnern, die bilanziell unabhängig sind, also mehr erneuerbare Energie produzieren, als sie selbst verbrauchen.

Neben finanziellen und ökologischen Faktoren spielen für kleinere Ortschaften auch Image-Gründe eine Rolle bei der Entscheidung auf erneuerbare Energien zu setzen. In Zeiten zunehmender Landflucht können Dörfer mit innovativen Ideen Werbung in eigener Sache machen und so junge Familien anlocken, die Wert auf ein umwelt- und preisbewusstes Leben legen.