Digitaler Energieverbrauch: Facebooks kohleschwarze Spur im Netz Ein Hintergrundbericht von Eva Steinlein

Facebook nagt an unserer Privatsphäre – und auch an unserer Umwelt: Posts, Likes und Chats verbrauchen horrende Mengen Strom. Wie groß ist die Schmutzspur im Netz?

Einmal pro Tag ist die Hälfte aller weltweiten Nutzer im Durchschnitt auf Facebook, die meisten von ihnen sowohl über den PC als auch vom Smartphone aus. Bei seinem Besuch verfasst jeder User umgerechnet drei Posts, verteilt vier Likes oder pflegt seine insgesamt 217 hochgeladenen Bilder ein – alles in weniger als einer halben Stunde.

Davon abgesehen, dass Facebook nach Ansicht der meisten Menschen Lebensenergie frisst: All diese Aktivitäten verschlingen horrende Energiemengen. Wer auf sozialen Netzwerken aktiv ist, hinterlässt neben seinem digitalen Fingerabdruck auch eine ökologische Fußspur – und auch deren Ausmaß ist schwierig zu ermitteln. Das Internet ist eben keine Wolke, auch kein WLAN-Kraftfeld um uns herum – sondern ein Netz, aus Energiequellen, Kraftwerken, Stromleitungen, Servern und Geräten. Auch wenn das Unternehmen alle Daten sammelt, die wir ihm so beflissen liefern – daraus lässt sich zwar Geld, aber kein Strom gewinnen.

Die CO2-Bilanz eines Nutzers: Nicht mehr als ein Milchkaffee

Woher kommt Facebooks Energie? Weltweit betreibt das Unternehmen nach Schätzungen 100.000 Server. Die Greenpeace-Studie „How dirty is your data?“ aus dem Jahr 2011 schreibt dem Rechenzentrum im US-Bundesstaat North Carolina einen Energiebedarf 40 Megawatt zu. Damit verbrauchte es allein so viel, wie ein kleines Kraftwerk produzieren kann.

Doch nicht nur die Menge, auch die Art der Energiequelle ist erschreckend klimafeindlich: Laut Greenpeace stammten sechzig Prozent der am Standort North Carolina gewonnenen Energie aus Kohle, 30 Prozent aus Kernkraft. – was in etwa der Bilanz Deutschlands zur gleichen Zeit entspricht. Facebook selbst knipste daraufhin das Licht an und rechnete vor: 532.000.000 Kilowattstunden habe das Netzwerk im Jahr 2011 verbraucht, so viel wie die Bundesrepublik an anderthalb Tagen. Pro Nutzer ergebe das einen CO2-Ausstoß von 296 Gramm pro Jahr, was dem Wert eines Milchkaffees entspricht.

Das klingt beruhigend – doch seitdem hat Facebook mit dem Bau weiterer Rechenzentren begonnen und Millionen neuer Nutzer gewonnen, von denen die meisten etliche Milchkaffees getrunken haben dürften. Ob das Netzwerk sein damals ausgelobtes Ziel erreicht hat, bis 2015 ein Viertel seines Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen, ist nicht bekannt.

Protest gegen Facebook – auf Facebook

Und auch die seinerzeit gestartete Protestkampagne scheint vor diesem Hintergrund eher paradox: 187.000 Gefällt mir-Angaben hat die von Greenpeace betriebene Facebook-Gruppe „Unfriend Coal“, die auf das Problem aufmerksam machen will – mithilfe von Posts und teilbaren Inhalten. So predigen Netzaktivisten zwar das Einsparen von Strom und Wasser, faktisch trinken jedoch auch ihre Posts und Geräte den Wein fossiler Energiequellen.

Vernünftiger wäre der vollständige Verzicht – oder das sorgsame Dosieren von Posts, Likes und stundenlangen Standby-Sitzungen auf Facebook. Ob sich aber jemand vom Hochladen seiner Urlaubsbilder durch den Gedanken abhalten lässt, dass sein Traumziel vielleicht bald dem Staudamm eines Riesenkraftwerks weichen muss? Fraglich.