Energiewende in Deutschland: Ein historisch beispielloses Experiment Bericht von Anna Reuß und Natalie Raida

„Energy in One World: Turn or Burn?!” – zu dieser Frage diskutierten drei deutsche Energie-Experten. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion stand Deutschlands Rolle als Vorreiter in der Energiewende.

Vollständig aus der Kernkraft aussteigen, den Energieverbrauch in Deutschland halbieren und zukünftig allein auf erneuerbare Energien setzen – so definiert Peter Hennicke, Forscher am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Deutschlands Ziele für die Energiewende und bezeichnet sie als „Jahrhundertprojekt“. Doch für Herbert Barthel vom Bund Naturschutz Bayern sind dies bislang nur Worte. Stattdessen fordert er Taten: „Die Politik plant zwar den Atomausstieg, aber gleichzeitig kein Ende der Kohlekraftwerke. Wir müssen jedoch heute handeln.“

Kein Umstieg von heute auf morgen möglich

Wie Energiewende im Kleinen funktioniert, sieht man am Hallenbad „Bambados“ in Bamberg. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg Klaus Rubach lobt dieses für seine Effizienz: Das Hallenbad verbraucht 60 Prozent weniger Energie und 80 Prozent weniger CO2 als ein normales Schwimmbad, da es Strom und Wärme mittels PhotovoltaikDer Begriff Photovoltaik beschreibt die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom mithilfe von Solarzellen. Sie produzieren unter Nutzung des photoelektrischen Effektes Gleichstrom. Dieser wird dann mittels eines Wechselrichters in Wechselstrom umgewandelt und kann so ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Eine Photovoltaik-Anlage kann je nach Hersteller ungefähr 20 Jahre lang Strom produzieren. Ihr Leistungsvermögen ist abhängig vom Wirkungsgrad der Solarzellen.anlagen selbst erzeugt. Er ist sich aber bewusst, dass der steigende Energiebedarf heute noch nicht vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann: „Was machen wir, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?“ Hennicke sieht zukünftige Lösungen vor allem in der Entwicklung von neuen Möglichkeiten zur Energiespeicherung. Doch solange diese noch nicht rentabel sind, gibt er zu bedenken: „Deutschland kann als Industrienation nicht von heute auf morgen auf erneuerbare Energien umsteigen.“

Deutschland als Vorbild in der Energiewende

Trotzdem nennt Hennicke die bisherigen Energieziele der Bundesregierung historisch beispiellos und auch Barthel fordert, dass Deutschland ein gutes Beispiel für seine europäischen Nachbarn abgeben müsse. Hennicke ordnet das Vorhaben in einen noch globaleren Kontext ein: „Die Neugierde in anderen Ländern, ob Deutschland dieses Projekt erfolgreich zu Ende bringt, ist sehr groß. Wir können es uns nicht leisten, zu scheitern!“ Diese Euphorie dämpft Rubach, indem er zu bedenken gibt, dass die Energiewende auch ihren Preis habe und diesen der Verbraucher zahle. Zum Abschluss der Diskussion wagt Hennicke, diesjähriger Gewinner des Deutschen Umweltpreises, einen realistischen Ausblick in die Zukunft: „Wir kriegen das hin, aber vielleicht nicht in der Geschwindigkeit, die wir uns vorgenommen haben.“