Belo Monte: „Letztendlich ein illegales Projekt“ Wie ein riesiger Staudamm den brasilianischen Regenwald gefährdet

Es ist das größte Bauprojekt der sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt – und wahrscheinlich auch das umstrittenste. Inmitten eines Nationalparks soll im brasilianischen Amazonasgebiet das volumenmäßig drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt entstehen.

 

Seine Befürworter sehen ihn als einen Heilsbringer für die instabile brasilianische Energieversorgung mit zahlreichen Stromausfällen, die oft weite Teile des Landes lahmlegen und die Wirtschaft hemmen; seine Kritiker als einen gigantischen Moloch, der wertvollen Lebensraum zerstört und mehr Probleme schafft als löst: Seit der ersten Pläne in den 1970er Jahren ist der Staudamm Belo Monte umstritten. Die Zahlen, die David Vollrath von der NGO „Gegenströmung“ im Brasilienpanel der Tagung „Bildkorrekturen“ über den Staudamm präsentiert, sprechen für sich.

Auf 516 Quadratkilometern entstehen bei dem 11 Milliarden US Dollar teuren Projekt am Amazonasnebenarm Rio Xingu zwei Stauseen in etwa der Größe des Bodensees. Damit soll ein Wasserkraftwerk angetrieben werden, das zu Spitzenzeiten bis zu 11.000 Megawatt Strom erzeugen und so 18 Millionen Menschen mit Energie versorgen wird.

Doch es gibt auch die anderen Zahlen. Die von offiziell 20.000 Menschen, zumeist Indigenen, die im Zuge des Baues ihre ihnen von der Verfassung anerkannte Heimat verlassen müssen, oft unter Zwang: „Wir und andere Nichtregierungsorganisationen gehen sogar von mindestens 40.000 Vertriebenen aus.“ Die nur 4.000 Megawattleistung, die das Kraftwerkt statt der propagierten 11.000 bringen wird, weil der Amazonas und seine Nebenflüsse immer weniger Wasser führen, wie Vollrath weiter erklärt.

Die 40 Jahre, die das Kraftwerkt brauchen wird, um klimaneutral zu laufen, weil die scheinbar „grüne Energie“ Wasserkraft Unmengen an Methan freisetzt, wenn die von den Stauseen überfluteten Pflanzen verrotten. Die sieben Punkte, die die „World Commission on Dams“ als Voraussetzungen für den Bau neuer Staudämme empfiehlt und von denen Belo Monte keinen einzigen erfüllt. Und nicht zuletzt die zahlreichen Baustopps, die es seit Beginn der Bauarbeiten gegeben hat: Vier an der Zahl, meist wegen fehlender Genehmigungen.

Deshalb, und vor allem wegen der menschenunwürdigen Zwangsumsiedelung der indigenen Brasilianer, die einen Verstoß gegen nationales und internationales Rechts darstellt, schließt Vollrath: „Bei Belo Monte handelt es sich letztendlich um ein illegales Projekt.“