„Man möchte sich hinlegen und winseln“ – Arktische Buchtipps

Spitzbergen, Eisbrecher und einsame Expeditionen mit eisigen Toilettenfragen – wer in der Arktis unterwegs ist, dem bleiben Abenteuer nicht erspart. Autoren haben ihre Erlebnisse in Buchform gefasst.

Von Julia Hirsch

 

Birgit Lutz: Unterwegs mit wilden Kerlen © btb-Verlag

Birgit Lutz: Unterwegs mit wilden Kerlen © btb-Verlag

Lutz, Birgit: Unterwegs mit wilden Kerlen

„Wo ich hingehe, da sind nicht viele Menschen, und Frauen noch weniger. Es ist eiskalt, es ist ungemütlich, es ist lebensgefährlich. Es ist wunderschön.“

Die Journalistin und Autorin Birgit Lutz war bis heute 19 Mal in der Arktis und 12 Mal am Nordpol. In ihrem Buch „Unterwegs mit wilden Kerlen“ entführt sie uns in diese eisige Welt und erzählt von ihren außergewöhnlichen Erlebnissen. Ihre Liebe zum Eis entdeckte Lutz im Jahr 2007, als sie an Bord des russischen Atomeisbrechers Yamal zum ersten Mal die Arktis bereiste. Nach Vorbereitungen und hartem Training wanderte sie dann 2010 zusammen mit Thomas Ulrich und Markus Merk zum Nordpol. Die Schwierigkeit dieser Reise lag in dem immer weiter südlich driftenden Eis und gewaltigen Sturmböen, die der Gruppe schwer zu schaffen machten. Dennoch erreichte die Expeditionsgruppe nach zehn Tagen glücklich, sicher und erschöpft ihr Ziel.

„Man möchte sich hinlegen und winseln. Dieser Wind frisst den Willen auf. Ohne jede Gnade.“

Spannend und detailliert erzählt Birgit Lutz nicht nur von den Strapazen dieser Tour, sondern klärt auch lückenlos die ‚eisigen Toilettenfragen‘, von der Gefahr des driftenden Eises oder der Eisbären und berichtet von dem Zusammensein mit den Männern. Zudem finden sich Reportagen von Spitzbergen und von den Eisbrechern und sie beschreibt ihre große Faszination für die Menschen in dieser fremdartigen und extremen Welt und für die Schönheit des Eises. Birgit Lutz nimmt den Leser mit auf diese Reise und durch zahlreiche Fotografien ist „Unterwegs mit wilden Kerlen“ auch hervorragend illustriert. Ein interessantes Buch, das nicht nur inhaltlich überzeugt, sondern auch unterhaltsam und sprachlich gut nachvollziehbar ist.

 

Arved Fuchs: Die Spur der Wölfe © Deluis Klasing

Arved Fuchs: Die Spur der Wölfe © Deluis Klasing

Fuchs, Arved: Die Spur der weißen Wölfe – Mit dem Hundeschlitten in die hohe Arktis

Ziel dieser Expedition von Arved Fuchs ist Ellesmere Island, eine der einsamsten Regionen der Hocharktis in Kanada. Mit drei Begleitern und elf Schlittenhunden wandelt das Team zwei Monate auf den Spuren des Abenteurer Peary. Am 7. April 2006 startet Arved Fuchs seine Expedition und ist insgesamt 44 Tage unterwegs. Die erste Gefahr lauerte schon zu Beginn der Tour auf die Abenteurer: Die hautnahe Begegnung mit weißen Wölfen. „Als die Wölfe beginnen, die Hunde bei jeder sich bietenden Gelegenheit anzugreifen, müssen strapaziöse Nachtwachen gegangen werden – nach einem langen Tag auf Skiern und mit den Hunden nicht unbedingt ein Vergnügen, bei minus 40° C zum Teil eine Qual.“ Des weiteren wurde das Team mit der Knieverletzung von Falk Mahnkes konfrontiert und kämpften gegen Eispressungen und Schneeverwehungen an, die dem Team das Weiterfahren erschwerten. Trotz aller Strapazen und Probleme fand die Expedition den Steinmann von Peary, den dieser 100 Jahre zuvor dort errichtete. Immer weiter wanderten sie zum nördlichsten Punkt und mussten sich aber nach 44 Tagen wegen der Temperaturerwärmung ausfliegen lassen. Der spannende Bericht und die ausführlichen Beobachtungen lassen einen regelrecht die Abenteuer ‚miterleben‘. Der Reisebericht enthält eine Vielzahl an Bildern, die die atemberaubende Welt des Eises zeigen. Nicht nur die Teammitglieder, sondern auch die Schlittenhunde werden einzeln vorgestellt.

 

Fuchs, Arved: Abenteuer Russische Arktis © Deluis Klasing

Fuchs, Arved: Abenteuer Russische Arktis © Deluis Klasing

Fuchs, Arved: Abenteuer Russische Arktis

Frühjahr 1991: Zum ersten Mal durfte ein westliches Schiff in die russische Arktis segeln. Unter der Führung von Arved Fuchs bricht die Expedition ICESAIL mit dem Ziel auf, den Nordpol zu umsegeln. Seine internationale Crew und Fuchs wollen durch die Nordostpassage zur Inselgruppe der Aleuten und zurück durch die Nordwestpassage reisen. Das Buch „Abenteuer Russische Arktis“ handelt von den ersten 139 Tagen, als die Crew von Wewelsfleth startet und im Hafen von Igarka den sibirischen Winter verbringt. Dabei beschreibt er den Alltag auf dem Segelkutter „Dagmar Aaen“, die einzelnen Stationen und vor allem durch die Bilder und Karten ist dieses Buch sehr mitreißend. Jedoch geht es nicht nur um die Reise selbst, sondern Arved Fuchs will vor allem auf die Flora und Fauna und ihre Schäden aufmerksam machen. Arved Fuchs hat anschaulich und sprachlich leicht geschrieben und seine Erzählungen werden durch zahlreiche Bilder unterstützt. Kritisch würde ich nur bemerken, dass man als ‚Nichtseefahrer‘ mit den speziellen nautischen Begriffen ein wenig durcheinander kommt.

 

Arved Fuchs: Von Pol zu Pol © Deluis Klasing

Arved Fuchs: Von Pol zu Pol © Deluis Klasing

Fuchs, Arved: Von Pol zu Pol

„Am 30.12.1989 hat Arved Fuchs Geschichte geschrieben. Gemeinsam mit Reinhold Messner erreichte er an diesem Tag den Südpol. Damit ist er nach seiner Nordpolexpedition im Frühjahr 1989 der erste Mensch, der beide Pole in einem Jahr erreicht hat – und das auch noch zu Fuß.“ Unter dem Namen Icewalk machte sich die Expedition auf und nach 56 Tagen erreichten sie unter schwersten Bedingungen den Nordpol. Dabei musste das Team nicht nur gegen die Kälte von minus 52 °C ankämpfen, sondern war wegen des sich in Bewegung befindlichen Packeises in ständiger Gefahr. Kurz darauf durchquerte er mit Reinhold Messner die Antarktis und nach 92 Tagen erreichten sie zusammen den Südpol.

 

Björn Klauser: Expidition Polarlicht © Frederking & Thaler

Björn Klauser: Expidition Polarlicht © Frederking & Thaler

Klauer, Björn: Expedition Polarlicht: Mit Huskys durch Spitzbergen

April 2001: Björn Klauer macht sich mit 5 Freunden und 28 Huskies auf den Weg nach Nordspitzbergen. Anreiz für seine Expedition war das Buch von Christiane Ritter, die vor 70 Jahren in einer Holzhütte in Spitzbergen überwinterte. Mitgerissen von deren Beschreibungen will er diese Hütte finden. Anfangs ist die Tour von Pech verfolgt und sie müssen weniger Hunde mitnehmen und die Überfahrt klappt erst beim dritten Anlauf. Jedoch wird die Expedition mit Erfolg belohnt: „Eigentlich sollte ich von Ehrfurcht ergriffen hier stehen. Doch jetzt, da ich ihre Hütte im Schnee vor mir sehe, tritt mir Christiane Ritter, ihr Leben in Grahuken, wie sie es in ihrem Buch erzählt, sehr lebendig vor Augen.“

Der Expeditionsbericht von Björn Klauer ist nicht nur als Reisebericht zu lesen, sondern enthält auch Zitate aus Ritters Werk, sowie historische Fakten. Ebenso finden sich hervorragende Beschreibungen der Natur und der Bericht wird durch einige Bilder der Tour geschmückt. Es finden sich Informationen über die Insel, die Menschen dort und welche Gefahren in dieser Wildnis auf einen lauern. Zudem beschreibt er sein Verhältnis zu den Hunden und seine Ausrüstung. Sehr detailliert und spannend, obwohl Klauer sich immer wieder zu sehr mit Nebensächlichkeiten aufhält und dabei der Charakter des Expeditionsberichtes verloren geht.