Per Fahrrad durch Dänemark Dänemark ist der Streber unter den Ländern in der Energiewende. Das Vorzeigemodell des kleinen Nachbarn Deutschlands auf dem Prüfstand – was können wir uns davon abgucken? Ein Spickversuch.

Dass Dänemark Europas kleiner Liebling im Ranking der Energiewende ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Unser Nachbar beeindruckt mit einer staatlich gelenkten Energiewirtschaft: Bereits 1985 hat das dänische Parlament entschieden, keine Atommeiler zu bauen. In den 90er Jahren wurde die Verminderung von Steinkohle-Einsatz, Erhöhung der regenerativen Energien sowie deren Verbesserung per Regierung festgelegt. Doch dieser Ehrgeiz kommt nicht von irgendwo. Neben Umweltschutz und Ressourcen"Der Begriff kommt aus dem Lateinischen (resurgere – „hervorquellen“) bzw. Französischen (la ressource – Mittel, Quelle). Er bezeichnet im weiteren Sinne alle Mittel, die in die Produktion von Gütern und Dienstleistungen einfließen. Zu den natürlichen Ressourcen zählen zum Beispiel Rohstoffe, Wasser, Boden und Luft. Sie werden unterschieden in regenerierbare (z.B. Wälder) und nicht regenerierbare Ressourcen (z.B. fossile Brennstoffe)."schonung steht vor allem im Fokus, der globalen Erwärmung entgegenzuwirken. Ein möglicher Meeresspiegelanstieg in Folge des Verbrauchs aller fossilen Brennstoffe wäre für Dänemark äußerst fatal.

Natürlich ist die Energiewende ein ganz schöner Brocken. Denn die Schwierigkeit, der sich alle Länder gegenüber gestellt sehen, liegt darin, drei Ziele gleichzeitig zu erreichen: Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Doch wie setzt man dies um?

Eine Bestandsaufnahme: Dänemark arbeitet von oben, die Regierung schafft das Fundament und alle machen mit. Ohne viel Widerspruch. Trotz der hohen Strompreise für Haushaltskunden findet der Weg zur Energiewende hohen gesellschaftlichen Konsens. Neben den energiepolitischen Zielen für 2020, die Deutschland ebenso für sich festgelegt hat, wurde bereits 2012 in Dänemark verboten, Gas- und Ölheizungen in neuen Häusern zu installieren. Das Bauen neuer Kohlekraftwerke ist auch tabu. Dänemark drückt an der richtigen Stelle: der Steuerpolitik. Die Dänen zahlen mit rund 3,81 Cent/Kilowattstunde für die Nutzung fossiler Energieträger siebenmal mehr als die Deutschen. Während Deutschland steuerpolitisch vor solchem Ausmaß noch zurückschreckt, schafft Dänemark damit einen wirkungsvollen Anreiz für die erneuerbare Wärmeversorgung.

Der Anreiz, das darf man nicht vergessen, wird durch Dänemarks geographisch günstige Bedingungen für Erneuerbare Energien bekräftigt. Ein Drittel der gesamten Stromerzeugung stammt aus der Windenergie. Wasserkraft, BiomasseBiomasse bezeichnet die Gesamtheit aller organischen, also natürlichen, Materialien in einem Ökosystem. Sie ist demnach die Summe aller Lebewesen, auch der abgestorbenen, und deren Stoffwechselprodukte. und Geothermie machen weiteree 20 Prozent aus. Ganz kann sich Dänemark der Nutzung „schmutziger“ Energieträger nicht entziehen, immerhin beträgt der fossile Anteil noch 50 Prozent, denn auf Kernenergie wird komplett verzichtet. Und die Dänen brauchen viel Energie für Licht, schließlich regnet es etwa 150 Tage im Jahr.

Auch die deutsche Politik hat sich sehr ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Umstellung auf ein klimafreundliches Energiesystem soll erreicht werden, indem Treibhausgase drastisch reduziert werden, während gleichzeitig auf Kernkraft verzichtet wird. Deutschland macht sich’s also doppelt schwer und schneidet im internationalen Vergleich leider auch noch schlechter ab: Deutschlands energiepolitische Strategie führt zu den geringsten Fortschritten. Momentan zeichnet sich die deutsche Energiewende durch überdurchschnittliche Kosten zu unterdurchschnittlichen Ergebnissen aus. Die hiesigen Energieressourcen sowie geographische Bedingungen erschweren die ehrgeizigen Ziele. Die hohen Kosten verärgern die deutsche Bevölkerung. Handlungsbedarf besteht also vor allem in der Politik. Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, stellte Anfang Dezember 2014 seinen Plan zu den Klimazielen vor. Nun wird steuerpolitisch nachgeholfen: Neben der massiven Steigerung der Energieeffizienz sollen privaten Verbrauchern steuerliche Anreize zur energetischen Gebäudesanierung geschaffen werden. Das bedeutet für die Klimabilanz eine Diät um 25 Millionen Tonnen CO².

Das Abnehmen würde aber laut Regierung schon im Kleinen anfangen: Fahrrad fahren, statt das Auto zu nutzen. Dänemarks Königsfamilie an der Kreuzung zum Schloss Amalienborg zu treffen ist in Kopenhagen keine Kuriosität. Sigmar Gabriel hingegen lässt sich dienstlich gern in einem Audi A8L 3.0 TDi quattro durch Berlin chauffieren, der mit 171 Gramm CO² pro Kilometer nicht einmal in der EU-Obergrenze zum CO² Ausstoß liegt.