Energiewende von unten

Bürgerenergiegenossenschaften unterstützen mit regionalen Projekten die Energiewende. Ein Beispiel findet sich in der fränkischen Kleinstadt Lichtenfels.

„Wir brauchen eine Vision für die Energiezukunft. 100 Prozent erneuerbare Energien in 20 Jahren – das wäre doch eine schöne Vorstellung, oder?“ Aus dem Mund von Jens Backert klingt das ganz einfach. Der junge Grünen-Politiker ist Aufsichtsratsvorsitzender der Neue Energie Obermain eG (NEO), einer Bürgerenergiegenossenschaft in der fränkischen Kleinstadt Lichtenfels. Er hat eine klare Vision für die Energiezukunft Deutschlands. Nach dem Motto „Gemeinsam erreichen, was einer allein nicht schaffen kann“ versucht er mit den anderen Genossenschaftsmitgliedern der NEO eG durch regionale Projekte wie Freiflächen-PhotovoltaikDer Begriff Photovoltaik beschreibt die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom mithilfe von Solarzellen. Sie produzieren unter Nutzung des photoelektrischen Effektes Gleichstrom. Dieser wird dann mittels eines Wechselrichters in Wechselstrom umgewandelt und kann so ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Eine Photovoltaik-Anlage kann je nach Hersteller ungefähr 20 Jahre lang Strom produzieren. Ihr Leistungsvermögen ist abhängig vom Wirkungsgrad der Solarzellen.anlagen zur Energiewende beizutragen.

Vom Arbeitskreis zur Genossenschaft

Aus wöchentlichen Mahnwachen nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima entstand zunächst der Arbeitskreis Bürgerbündnis Erneuerbare Energien im Landkreis Lichtenfels und schließlich im Dezember 2011 die NEO eG. „Als wir uns regelmäßig Montagabend vor dem Rathaus getroffen haben, um für eine bessere Energiepolitik zu demonstrieren, lag die Frage auf der Hand, was wir selbst dazu beitragen können“, erzählt Backert. „Unser Ziel war es, dieses Vorhaben basisdemokratisch zu gestalten, in Form einer Genossenschaft.

Eigener Beitrag zur Energiewende

Seit 2012 wurden durch diese Genossenschaft bereits drei PhotovoltaikDer Begriff Photovoltaik beschreibt die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom mithilfe von Solarzellen. Sie produzieren unter Nutzung des photoelektrischen Effektes Gleichstrom. Dieser wird dann mittels eines Wechselrichters in Wechselstrom umgewandelt und kann so ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Eine Photovoltaik-Anlage kann je nach Hersteller ungefähr 20 Jahre lang Strom produzieren. Ihr Leistungsvermögen ist abhängig vom Wirkungsgrad der Solarzellen.-Projekte geplant und realisiert: Eine kleinere Aufdachanlage sowie zwei Freiflächenanlagen mit Maximalleistungen von 984 beziehungsweise 1200 kWh. Diese Zahlen stehen für den Jahresverbrauch von etwa 250 beziehungsweise 300 Vier-Personen-Haushalten. Damit folgt die NEO eG dem Vorbild von über 700 weiteren Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland. Für Jens Backert macht es durchaus Sinn, die Energiewende zumindest teilweise in die Hände der Bürger zu legen. „Das Abschalten der Atomkraftwerke hat bis heute noch zu keinem Stromausfall geführt. Das liegt vor allem daran, dass die Bürger auf ihren Dächern und die zahlreichen Bürgerenergiegenossenschaften fleißig erneuerbare Energien zugebaut haben.“

Grundkonzept fehlt

Unterstützt wurde das Bürgerengagement auch durch das alte Erneuerbare-Energien-GesetzDas EEG trat 2000 in Kraft und zielt auf die Förderung der Erzeugung erneuerbarer Energien, wie Windkraft, Wasserkraft und Solarenergie ab. Das erklärte Ziel ist ein Anteil von 80% Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung im Jahr 2050., kurz EEGDas EEG trat 2000 in Kraft und zielt auf die Förderung der Erzeugung erneuerbarer Energien, wie Windkraft, Wasserkraft und Solarenergie ab. Das erklärte Ziel ist ein Anteil von 80% Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung im Jahr 2050., das Jens Backert für ein Erfolgsmodell hält: „Klare Rahmenbedingungen haben es auch für den ‚kleinen Mann‘ leicht gemacht, Investitionen in diesem Bereich zu tätigen.“ In der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung hingegen fehlt ihm dieses klare Konzept. „Meine Vision von 100 Prozent erneuerbaren Energien in 20 Jahren wäre zwar eine große Herausforderung, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Die Politik müsste einfach endlich einen Weg aufzeigen. Details erwartet niemand, aber ein Grundkonzept schon.“