Energiewende in den Medien – Der Blickwinkel junger Journalisten

„Turn or Burn? Klimawandelszenarios sind oft dramatisch. Wie können Medien einen richtigen Weg zwischen Panikmache und Verharmlosung finden?“ Mit dieser und weiteren Fragen befassten sich die Tagungsteilnehmer in kleinen Workshops.

Schmelzende Gletscher, hungernde Eisbären, überflutete Städte: Nach Meinung der Diskussionsteilnehmer sollten dramatische Bilder dieser Art in der Berichterstattung nicht per se negativ gesehen werden, denn mitunter wirken sie emotionalisierend beim Publikum. Insbesondere bei einem abstrakten Thema wie dem Klimawandel kann ein aufsehenerregendes Foto als „Türöffner“ fungieren und so Interesse schaffen – auch für komplexe Fakten. Jedoch könnten zu viele solcher symbolgeladerner Fotos auch  Abstumpfung beim Rezipienten führen und damit kontraproduktiv sein.

Wie finden Journalisten die Balance?

Gerade das Thema Energiewende scheint anfällig, da die stete Berichterstattung seit den 1980ern bereits zu einem gewissen Überdruss beim Publikum geführt hat. Wie kann es den Medien dennoch gelingen, die breite Öffentlichkeit nachhaltig zu informieren? In acht kleinen Workshops fiel oft der Begriff „lokaler Bezug“. Indem der Journalist die Themen auf den unmittelbaren Lebensraum und alltägliche Dinge „herunterbricht“ und anschaulich Geschichten erzählt statt nur trockene Fakten zu liefern, lässt sich die Komplexität reduzieren und können auch scheinbar ausgetretene Pfade neu erkundet werden. Einige Diskussionsteilnehmer forderten gar ein spezielles Energie-Ressort – wie bei Politik, Wirtschaft oder Kultur –, um alle Seiten zu beleuchten.

Enormes Fachwissen von Nöten

Dieser 360°-Blick könne den Journalisten von einer bipolaren zu einer multipolaren Sichtweise führen und die Gefahr mindern, sich von Lobbygruppen und PR-Agenturen vereinnahmen zu lassen. „Wir dürfen nicht über etwas reden, dass wir nicht verstehen“, betonte der Moderator der abschließenden Workshopzusammenfassung, Prof. Dr. Johannes Grotzky. Das Theme Energiewende ist so komplex, dass die Berichtenden ein enormes Fachwissen haben müssen, um die Thematik korrekt zu vermitteln. Gerade in der journalistischen Ausbildung könnte diesem Aspekt noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Experten wie Studierende waren sich einig, dass ein Bedarf an speziellen Fachjournalisten bestehe. Da uns das Thema wohl noch über Generationen hinweg beschäftigen wird, ein Job mit Zukunft.


Foto: Stefanie Schulze

Sollen die Medien dazu beitragen, die Bereitschaft zum Wandel zu stärken – oder fallen sie damit aus ihrer Rolle als neutrale Vermittler?

 „Es ist wichtig, Themen zu setzen und Fakten zu nennen. Aber es ist nicht Aufgabe der Medien, das Publikum mitzunehmen,“ lautete eine kontovers diskutierte These einer Workshop-Gruppe.


Foto: Julia Habermann

Rund um die Energiewende geht es oft um abstrakte Daten, viele Abkürzungen kommen vor. Wie kann es gelingen, dies für ein breites Publikum verständlich zu vermitteln?

„Es ist für viele schwer zu fassen, was Energiewende eigentlich bedeutet. Mut zur Erklärung sollte daher ein Leitsatz des Journalismus sein.“


Foto: Julia Habermann

Foto: Julia Habermann

Wie können die Medien vermeiden, „oberlehrerhaft“ zu erscheinen?

„Oftmals ist es schwierig, als Journalist nicht oberlehrerhaft zu wirken. Alltagsbeispiele und Personalisierung könnten eine Lösung sein.“


Foto: Stefanie Schulze

Ist nötiges Expertenwissen ein Einfallstor für PR-Inhalte?

„Um sich mit dem Thema umfassend auseinander zu setzen, muss man auch Unternehmensinfos nutzen. Wichtig ist hierbei jedoch Transparenz. Zudem sollte man immer mehrere Meinungen hören und auch abbilden.“


Foto: Julia Habermann

Von Deutschland lernen? In den Medien erscheint es immer wieder so, als sei Deutschland der Klassenprimus in Bezug auf den Klimawandel.

„Wir dürfen nie das eigene Land als Maßstab anlegen für alles, was um uns herum ist.“, resümierte Prof. Dr. Grotzky. „Immer den eigenen Maßstab mit anderen Maßstäben abgleichen, damit man am Schluss auf eine gemeinsame Sprache kommt.“