Grüne Wasserkraft? Mega-Staudamm Belo Monte in der Kritik

Im Panel über Brasiliens Energiepolitik berichteten drei Referenten über die Auswirkungen des Mega-Staudamms Belo Monte und wie die deutsche Presse darüber schreibt.

Dass Wasserkraft nicht unbedingt nachhaltig sein muss, verdeutlichen drei Referenten im Tagungspanel über Brasiliens Energiemodell. Mit 98 geplanten Staudämmen im Amazonasbecken möchte die brasilianische Regierung den Energiehunger ihres Landes stillen, erklärte der Physiker und Aktivist Dr. Délcio Rodrigues. Alternative und ergänzende Maßnahmen, wie mehr Energieeffizienz, Wind- und Solarenergie vernachlässige die Energiepolitik dabei.

ÖKOLOGISCHE, ÖKONOMISCHE UND SOZIALE KRITIK

Die Initiative GegenStrömung ist Teil einer breiten und internationalen Protestbewegung gegen das Entstehen neuer Mega-Staudämme. In den letzten Jahren hat vor allem das sich im Bau befindende Großprojekt Belo Monte am Fluss Xingu für Widerstand gesorgt. Sprecher der Initiative David Vollrath zeigte sich überzeugt, dass man abgesehen von Industrie und Regierung in Brasilien kaum jemanden finden könne, der das Großprojekt befürworte: „Belo Monte nimmt nicht nur die Lebensgrundlage der dortigen indigenen Bevölkerung und zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, er macht auch aus ökonomischer Sicht keinen Sinn“. Die Baukosten sind schon jetzt von anfänglich vier auf elf Milliarden Euro gestiegen. Gleichzeitig ist klar, dass die von der Regierung angepriesenen 11 Gigawatt Leistung, nur zu Regenzeiten erreicht werden können. Auch das Umweltargument hält bei näherem Hinsehen nicht stand: Da für Belo Monte Wasser angestaut wird, das eine Landfläche von 550 Quadratkilometern bedecken wird, ebenso groß wie der Bodensees,  und die langsam verrottenden Bäume und Pflanzen der gefluteten Fläche Methangas ausstoßen, wird der Staudamm erst nach vierzig Jahren klimaneutral produzieren können.

AUCH IN DER DEUTSCHEN PRESSE

Die deutsche Qualitätspresse stärkt diesen Argumenten den Rücken. Journalist und Buchautor Thomas Fatheuer betonte, dass alle großen deutschen Blätter kritisch und fundiert über Belo Monte berichtet hätten. „Staudämme haben schon immer gute Stories abgegeben“ erzählte er. Persönlichkeiten wie der Sänger Sting oder Avatar-Regisseur James Cameron Seite an Seite mit Stammeshäuptlingen ergeben immer schöne Motive. Beiträge beginnen typischer Weise aus der Perspektive eines indigenen Widerständlers. Begleitende Fotos zeigen die indigene Bevölkerung im Kontrast zu dem übermächtigen Monster Belo Monte.

Nur: Brauchen die Flussbewohner wirklich deutsche Aktivisten, Journalisten und Stars aus aller Welt, um ihren Interessen Gewicht zu verleihen? Die kritische Frage aus dem Publikum stieß bei den Referenten auf Verständnis. Bei der Berichterstattung müsse man neben der lokalen Geschichte andere Aspekte stärker gewichten. „Leider fehlt oft der Kontext und die Beteiligung deutscher Firmen wird eigentlich nicht aufgegriffen“, kritisierte Fatheuer deutsche Medien.

DIE KRITIK IN 5 PUNKTEN
  • 24 indigene Gruppen, die am Fluss Xingu leben, verlieren ihre Heimat. Ihre Rechte auf Selbstbestimmung und Mitsprache wurden massiv verletzt.
  • Der Xingu ist einer der letzten intakten Flüsse Brasiliens, seine Stauung bedroht zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.
  • Die 550 Quadratkilometer geflutete Fläche wird so viel Methangas ausstoßen, dass Belo Monte vierzig Jahre in Betrieb sein müsste, um sich zu neutralisieren.
  • Die elf Milliarden Euro Baukosten sind zu hoch, als dass die Kosten-Nutzen-Rechnung des Staudamms aufgehen würde.
  • Dies insbesondere auch, weil durch Trockenzeiten die Fließgeschwindigkeit des Flusses nicht ausreicht, um die propagierten elf Gigawatt Leistung zu erreichen.
POSITION DES STAUDAMMS
IMPRESSIONEN DES PANELS