Energie aus Unkraut: Wuchernde Wasserpflanzen liefern Biogas

Die Goitzsche bei Bitterfeld. Foto: LMBV/Peter Radke

Foto: LMBV/Peter Radke

Der etwas uncharmant klingende Name „Wasserpest“ passt wohl tatsächlich besser als die lateinische Entsprechung „Elodea“. Bezeichnet wird mit beidem eine Wasserpflanze, die es sich in fremden Ökosystemen schnell gemütlich macht. Der Umweltparasit wurde vor zwölf Jahren auch in einen Tagebausee in Bitterfeld geschwemmt. Zwei Jahre später wucherten schon 26.000 Tonnen der Pflanze.

 

Wohin mit 26.000 Tonnen Unkraut?

„Eine Pflanze feinblättrig und dicht wie ein Schwamm, ein richtiger Teppich, wie geflochten“, so beschreibt Herr Schmidt, ein Segler auf der Goitzsche, seinen wildwachsenden Gegner. Das Kraut stirbt jeden Herbst ab und verrottet am Seegrund, befallene Gewässer drohen dann umzukippen.

Eine Lösung für dieses Problem liefert das Forschungsprojekt AquaMak am Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung GmbH (UFZ) in Leipzig. Gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen wird hier nach einer sinnvollen Nutzung gesucht.

 

Elodea: Von der Ernte zur Energie

Mit der Elodea für die BiogasBiogas ist eine erneuerbare Energiequelle, die aus lokalen Ressourcen produziert wird. Es entsteht unter Sauerstoffabschluss (anaerob) durch die mikrobiologische Zersetzung von organischen Materialien, die Proteine, Fette oder Kohlenhydrate enthalten. Biogas ist ein brennbares, grundsätzlich nicht giftiges Gas, mit einem Methangehalt zwischen 50 und 75 Prozent. Weitere Bestandteile sind Kohlenstoffdioxid (25 bis 45 Prozent), Wasserdampf (zwei bis sieben Prozent), Sauerstoff und Stickstoff (jeweils unter zwei Prozent), sowie Ammoniak, Wasserstoff und Schwefelwasserstoff (jeweils unter ein Prozent). Biogas kann in Elektro- und Wärmeenergie umgewandelt werden.anlage gibt es das gleiche Problem wie mit vielen anderen nachwachsenden Rohstoffen: Eine einmalige Jahresernte muss gelagert werden, um konstanten BiomasseBiomasse bezeichnet die Gesamtheit aller organischen, also natürlichen, Materialien in einem Ökosystem. Sie ist demnach die Summe aller Lebewesen, auch der abgestorbenen, und deren Stoffwechselprodukte.-Nachschub für das Kraftwerk zu liefern. Bei einer naturgemäß recht feuchten Wasserpflanze kein einfaches Unterfangen.

MinibiogasBiogas ist eine erneuerbare Energiequelle, die aus lokalen Ressourcen produziert wird. Es entsteht unter Sauerstoffabschluss (anaerob) durch die mikrobiologische Zersetzung von organischen Materialien, die Proteine, Fette oder Kohlenhydrate enthalten. Biogas ist ein brennbares, grundsätzlich nicht giftiges Gas, mit einem Methangehalt zwischen 50 und 75 Prozent. Weitere Bestandteile sind Kohlenstoffdioxid (25 bis 45 Prozent), Wasserdampf (zwei bis sieben Prozent), Sauerstoff und Stickstoff (jeweils unter zwei Prozent), sowie Ammoniak, Wasserstoff und Schwefelwasserstoff (jeweils unter ein Prozent). Biogas kann in Elektro- und Wärmeenergie umgewandelt werden.anlagen im Deutschen BiomasseBiomasse bezeichnet die Gesamtheit aller organischen, also natürlichen, Materialien in einem Ökosystem. Sie ist demnach die Summe aller Lebewesen, auch der abgestorbenen, und deren Stoffwechselprodukte.forschungszentrum DBFZ

Minibiogasanlagen im DBFZ

Die Pflanze ungenutzt beseitigen und einfach der Verrottung zu überlassen, wäre keine gute Alternative. Es würde sich schnell einen stechender, leichenähnlicher Geruch verbreiten. Deshalb soll die Wasserpest als Silage haltbar gemacht werden. Die Tests dazu laufen am Deutschen BiomasseBiomasse bezeichnet die Gesamtheit aller organischen, also natürlichen, Materialien in einem Ökosystem. Sie ist demnach die Summe aller Lebewesen, auch der abgestorbenen, und deren Stoffwechselprodukte.forschungszentrum (DBFZ) in Leipzig.

 

Das Helmholtzzentrum für Umweltforschung UFZ in Leipzig

Das Helmholtzzentrum für Umweltsforschung UFZ in Leipzig

Ein weltweites Problem

Große Mengen an Wasserpflanzen, die ganze Gewässer verschlucken, gibt es nicht nur in Bitterfeld. Auf der Lister der 100 invasivsten Alien-Spezies der Welt finden sich gleich mehrere von ihnen. Und auch der zuletzt freigewordene Platz, der für den ausgerotteten Virus Rinderpest, wurde nach einer Wahl durch 650 Invasionsbiologen mit einer Wasserpflanze, dem Schwimmfarn, besetzt.

Hinter klingenden Namen wie Hydrilla, Schwimmfarn oder die Wasserhyazinthe verbergen sich Umweltkatastrophen auf allen Kontinenten. Der Victoriasee in Ostafrika liegt unter einer erdrückenden Schicht der Wasserhyazinthe. In Südamerika verdunkelt der Schwimmfarn Seen bis sie absterben und das acht Meter lange Wassergras Hydrilla ist ein ebenso effektiver Killer. Eine Katastrophe für betroffene Gewässer und eine wertvolle weltweite Energiequelle der Zukunft. Denn kostbares Ackerland, wie etwa der so genannte „Energiemais“, besetzen die Pflanzenplagen aus dem Wasser nicht. Ziel des einmaligen Projekts AquaMak ist es, den Energiegehalt der Pflanzen zu bestimmen und Empfehlungen für die Nutzung als Biokraftstoff auszusprechen.

Bildnachweis Titelbild: André Künzelmann/Helmholtzzentrum für Umweltforschung – UFZ