Das touristische Manifest

Krise, welche Krise? Wer braucht schon NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren."? Plädoyer für unbegrenztes Wachstum der Bettenburgen.

Von Tobiasin der Meinungsforschung: durch falsche Untersuchungsmethoden verursachte Verzerrung des Ergebnisses einer Repräsentativerhebung. in der Sozialpsychologie: aus der Perspektive z.B. des eigenen Geschlechts oder der eigenen Kulturzugehörigkeit heraus verzerrte und voreingenommene Sichtweise oder Grundhaltung. Dirr

Eine Milliarde Konsumenten. Eine Billion Dollar Jahresumsatz. Prognostizierte Wachstumsraten von rund vier Prozent. Wohl dem, der in Zeiten der Krise solche Zahlen präsentieren kann. Die Tourismusbranche boomt. Sie überstrahlt die trübsinnige Stagnationsrhetorik mit ihrem blendend prosperierenden Lächeln. Ein Lächeln, das den Einzelnen umfasst und entführt, in eine atemberaubende Welt, die von der traumatisch erträglichen Leichtigkeit lebt – Zimmerservice inbegriffen.

Hier ist kein Platz für den Schmutz, der aus den Poren der Touristendestinationen tropft. Zumindest solange nicht, bis dieser den Siphon im Hotelzimmer verstopft und sich über Bewertungsforen im Internet ergießt. Paradies geschlossen. Restrukturierung. Neubeginn. Alles halb so schlimm.

Die Wachstumspotentiale sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Neue Märkte für das prekäre Bürgertum aus Südeuropa werden gerade erst sondiert: Verlassene Bettenburgen inmitten postdiktatorischer Konfliktherde bieten eine willkommene Abwechslung zu den unsicheren Verhältnissen in der krisengeschüttelten Heimat. Für die Unversehrtheit der Touristen wird Sorge getragen, soweit diese den Anweisungen des Sicherheitspersonals ohne Widerrede Folge leisten. Das Gelände wird rund um die Uhr überwacht!

Eine dezidiert anwendungsbezogene Ethik und direkte flight-to-hotel-transits ermöglichen es schon heute, Tourismus auch in gescheiterten Staaten zu etablieren. Die Wertschöpfung erliegt nicht mehr zwangsläufig dem ersten Flächenbrand. Eine lukrative Zweitverwertung gefährdeter Spekulationsruinen ist immer und überall möglich – zu unschlagbaren Konditionen.
Denn was eigentlich bedeutet Krise? Doch nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen der Realität gegenüber der kolossalen Errungenschaft rationaler Wertschöpfungslogik. Ein kurzes Schluchzen in den Bilanzen. Krise bedeutet Chance. Die Implementierung neuer Möglichkeiten in das Repertoire des Bestehenden.

Und Exklusivität hat natürlich ihren Preis. Diesen nachhaltig mitzugestalten, dazu laden wir, die Tourismustreibenden dieser Welt, Sie ein.