Ich wünscht ich wär‘ ein Pauschaltourist

Arme Natur? Beim Reisen auf die Umwelt achten? Von wegen! Wir düsen lieber mit stinkenden Jeeps durch den Dschungel. Eine Tagträumerei über die Schönheit des gleichgültigen Pauschaltouristen.

Von Hanna Maier und Maximilian HeimDie Tür geht auf, die Podiumsdiskussion zum nachhaltigen Reisen beginnt. Doch der Tag war lang. Ich gebe mich meinen Träumen hin und will nur noch eins: Schnell und billig ans andere Ende der Welt fliegen. Jetzt und sofort. Ich möchte das größte Surfbrett, das sie haben.

Plötzlich sehe ich mich am Strand liegend mit einer halben Kokosnuss in der Hand, in der bis eben noch ein sehr alkoholreiches Getränk schwappte. Plötzlich sehne ich mich nach einem Billigflieger, der mich für eine menschenunwürdig kleine Summe ans andere Ende der Welt bringt und dort zum Supersonderpreis in dem Hotel am Strand einquartiert. Plötzlich sind mir NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren."sdreiecke, ökologische Fußabdrücke und die Einbindung lokaler Akteure in den Massentourismus herzlich egal. Ich will nur noch weg und eine Woche surfen in El Salvador.

Sehnsuch nach dem All-you-can-eat Buffet

Ja, ich stehe dazu. Ich möchte mein Handtuch einen Tag lang auf einer Sonnenliege „vergessen“, um dann zur besten Zeit ganz vorne am Strand zu sitzen. Ja, ich möchte ein All-you-can-eat-Buffet, um mich den ganzen Tag an wunderbar gekühlten Scampis zu laben. Und ich möchte auch einen Animateur, der mir in deutscher Sprache zeigt, wie man am besten im auf 21 Grad gekühlten Pool mit Meerblick die Oberschenkelmuskeln in Form bringt. Ich möchte über fremde Nationalitäten wettern, wilde Tiere streicheln, bettelnde Kinder mit Süßigkeiten beschenken.

Ich möchte einfach mal so ein frisches Handtuch nehmen, mir damit über das Gesicht streichen und es dann auf den Boden werfen, damit es auf jeden Fall gewaschen werden muss. Ich möchte mein Gepäck zu Hause vergessen haben und es mir hinterherfliegen lassen, um dann festzustellen, dass ich zum Surfen nun wirklich keinen Wintermantel brauche. Ich möchte mit einem stinkenden Jeep zum Rand des El Salvadorianischen Vulkankraters fahren, statt den Fußweg zu nehmen. Und vor allem möchte ich wissen, ob der Big Mac in der Hauptstadt genau so schmeckt, wie in Deutschland.