Is it all about the money? Probleme und besondere Themen im Reisejournalismus

Bildkorrekturen 2013 – Drei Tage mit Gästen aus der ganzen Welt, über 25 Stunden Input, Diskussionen, und einem Thema: Der Reisejournalismus. Zwischen Bildern von Babyrobben, Slideshows von Traumstränden und Werbung der Reiseveranstalter blieb allerdings nicht immer Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit den Problemen des Reisejournalisten.

Von Rabea Zühlke

Zum einen sind das alltägliche Schwierigkeiten des Berufs: Kosten, Veröffentlichungen, Geld. Zum anderen, wie der Journalist fremde Länder, Kulturen und Lebensstile in seinen Berichten darstellt.

Für Klaus Dietsch, den Vorsitzenden und Sprecher der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ), sind die Honorare und Veröffentlichungen die größten Probleme, mit denen ein Reisejournalist zu kämpfen hat. „Die Verlagshäuser zahlen entweder zu wenig oder streichen die Stellen der festangestellten Reisejournalisten“, sagt Dietsch. Freie Journalisten bekämen knapp 75 Cent pro Zeile. „Das ist nicht viel“, sagt auch Freddy Langer, Autor und Leiter des FAZ Reiseressorts. Bei der FAZ sei es ein wenig mehr.

Wie sich sein Ressort finanziert, dazu sagt Langer nur ein paar Sätze. Ganz beiläufig. „Pro Monat kommen bei uns ca. 280 Einladungen von Reiseveranstaltern rein.“ Ohne diese ginge es nicht. Als Marionette der PR-Agenturen habe er sich jedoch noch nie gefühlt, sagt Langer. Ein Reporter in der Zwickmühle zwischen Berichterstattung und PR – für Langer kein Problem.

Gefahr von Stereotypen

Der ideale Reisejournalist scheint einer eierlegenden Wollmilchsau zu gleichen: Er braucht nicht viel Geld, ist immun gegen die Balzspiele der PR-Agenten und soll zudem ein tiefes, realistisches Bild vom Reiseland zeichnen. Über die Darstellung einer heilen Welt hinaus soll er auch soziale, wirtschaftliche und ökologische Probleme eines Landes sehen, erklären und vermitteln. „Nicht beschreiben, wie es ist, sondern warum ist es so“, sagt Langer. Allerdings besteht da die Gefahr der falschen Interpretation und Stereotype. Der Journalist muss sich immer wieder mit den eigenen Vorurteilen und Wertvorstellungen auseinander setzen, um Fremdes nicht in Schubladen zu stecken. Das Unbekannte soll nicht unter dem Blickwinkel der eigenen Kultur und Norm wahrgenommen werden.

In der Arktis beispielsweise seien die Touristen oft schockiert über die Robbenjagd der Inuit, so Buchautorin und Journalistin Birgit Lutz. „Die Robben sehen niedlich aus. Deswegen verstehen die Touristen die Jagd nicht, obwohl sie in ihrem Heimatland Kühe schlachten“. Ein Reisejournalist muss seine europäische Sichtweise ablegen, seine westliche Perspektive hinterfragen. Nur so kann er seine Leser für besondere Themen und Probleme anderer Länder sensibilisieren. Der Journalist als Vermittler – in dieser Rolle sieht sich auch der Tatort „Manila“ von 1998, der die wahre Geschichte einer jungen nach Deutschland verschleppten Philippinerin thematisiert.

Doch auch 15 Jahre nach einem solchen Meilenstein finden solche gesellschaftlichen, kulturellen und ökologischen Probleme anderer Länder allerdings immer noch zu selten in den Reiseressorts Gehör.