Philipp Abresch und Khoa Le Trung während des Panels

Philipp Abresch (2. v. r.) und Khoa Le Trung (r.) berichteten über ihre Arbeit. Foto: Christiane Fritsch

Wie es ist, als Journalist über Vietnam zu berichten

Wie berichtet man über ein Land, über das man nicht frei berichten darf? Vietnam liegt in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 176 von 180. Im Panel sprachen der frühere Südostasien-Korrespondent der ARD, Philipp Abresch und der vietnamesische Journalist Khoa Le Trung über ihre Arbeit. | VON Elena Bruckner

Von Singapur aus war Philipp Abresch für die Berichterstattung der ARD über insgesamt 13 Länder in Südostasien, darunter auch Vietnam, zuständig. Bei so vielen Ländern ist es kaum möglich, überall gleichzeitig das aktuelle Geschehen im Blick zu behalten. Deshalb ist es für Auslandskorrespondenten üblich, mit so genannten „Fixern“ zusammenzusarbeiten, die sich in ihrem Heimatland auskennen, Kontakte zu Interviewpartnern herstellen und als Übersetzer unterstützen. Diese Helfer haben die unterschiedlichsten Hintergründe, meist haben sie neben ihrer Tätigkeit als „Fixer“ noch einen Hauptberuf.

Anders als in den übrigen Ländern bekam Philipp Abresch seinen vietnamesischen „Fixer“ vom Staat zugeteilt. „Es kommt darauf an, wen man da bekommt“, erzählt er, „aber wir müssen uns eingestehen, dass wir nicht über alles berichten können, was wir wollen.“ Konkrete Probleme mit der Kamera einzufangen sei schwierig. Manchmal mache es dann Sinn, solche Themen in einer Schalte anzusprechen: „Wir wollen uns nicht zum Gehilfen irgendeines Funktionärs in Hanoi machen“, sagt Philipp Abresch. Gleichzeitig sieht er sich in der Verantwortung gegenüber seinen Quellen: „Wir können in Vietnam Leute auf der Straße ansprechen, darüber berichten und zwei Tage später sind wir außer Landes. Aber was sind die Folgen für die Informanten?“

Auch Khoa Le Trung berichtet über Vietnam. Seit 1992 lebt er in Deutschland, seit 2009 betreibt er die Webseite „Thoibao“, auf der er unabhängig über sein Heimatland berichtet. Seine Homepage ist, wie übrigens alle westlichen Onlinemedien, nur über Umwege und mithilfe von Proxy-Servern erreichbar. Trotzdem erreicht Khoa Le Trung nach eigenen Angaben 30 Millionen Leser im Monat. Informationen bekommt er über soziale Netzwerke oder von Bloggern aus Vietnam, die ihr Wissen vor Ort nicht veröffentlichen können.

2017 begann er, kritisch über die Regierungspartei zu berichten. Ein vietnamesischer Geschäftsmann war damals aus Berlin nach Vietnam entführt worden, offiziell hieß es, er wäre freiwillig zurück gegangen. Seitdem bekommt Khoa Le Trung Morddrohungen und kann nicht mehr in sein Heimatland reisen. „Auch wenn ich als Vietnamese in Deutschland lebe, bin ich nicht immer sicher“, sagt er. Sein Büro und seine Wohnung in Berlin werden von der Polizei überwacht, auch Reise zu Konferenzen muss er mit dem Landeskriminalamt absprechen. Trotzdem ist ihm seine Arbeit wichtig: „Es gibt nicht viele Kanäle, die richtige Informationen in vietnamesischer Sprache vermitteln.“

Kürzlich
Kommentare
Schlagworte