Prof. Dr. Behmer im Gespräch mit Sudierenden auf der Bildkorrekturen-Konferenz 2019 in Leipzig

Prof. Dr. Markus Behmer ist der Ideengeber hinter der Konferenz „Bildkorrekturen“. Foto: Christiane Fritsch

18 Jahre Bildkorrekturen: Ein Gespräch mit Prof. Dr. Markus Behmer

Ein Blick hinter die Kulissen der Bildkorrekturen-Konferenz: Prof. Dr. Markus Behmer spricht im Interview über die Entstehung und Entwicklung der einst kleinen Tagung sowie über den schwierigen Prozess der Themenauswahl. Außerdem verrät er was die Exkursion für ihn so besonders macht und seine Wünsche für die zukünftigen Konferenzen. | Von Maria Nuber und Sophie Weber

18 Jahre Bildkorrekturen, aber wie ist die erste Konferenz 2001 entstanden?

Entstanden ist alles aus einer ganz kleinen Initiative heraus. Ich habe damals an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Seminar über Auslandsberichterstattung gehalten, bezogen auf den globalen Süden. Damals gab es Diskussionsrunden über die Afrika-Berichterstattung. In diesem Rahmen habe ich den Vorsitzenden des Münchner Chapters der weltweit aktiven NGO „Society for International Development“, Kayode Salau, kennengelernt. Wir haben uns überlegt, was wir machen können, um das Thema für Studierende noch mehr in den Fokus zu rücken. So ist letztlich die Idee zur Tagung entstanden. Herr Salau hat damals eine Stelle bei der Vorgängergesellschaft von „Engagement Global“ angetreten und hatte dadurch die Möglichkeit, Finanzierung vom Entwicklungshilfeministerium zu bekommen. Die erste Tagung war noch klein und hat in Tutzing stattgefunden, nur für 30 Studierende aus München und fünf oder sechs Experten, die zusammenkamen. Das Thema war recht allgemein: „Nichts als Hunger und Armut“. Unsere Idee war es damals, über Klischees über die so genannte „Dritte WeltAls Dritte Welt wurden ursprünglich die blockfreien Staaten bezeichnet, die sich im Ost-West-Konflikt des Kalten Krieges weder der "Ersten Welt" noch der "Zweiten Welt" zuordnen ließen. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts hat sich die Bedeutung von der ursprünglichen Blockfreiheit hin zum Synonym für Entwicklungsländer gewandelt.“ zu sprechen. Das war ganz spannend und so haben wir beschlossen, das regelmäßig zu machen.

Inzwischen nehmen fünf Institutionen an der Konferenz teil, aber wie kam es eigentlich zu dieser Konstellation?

Ich war damals an der LMU München tätig und gleichzeitig der Verbindungsmann zur Deutschen Journalisten Schule, insofern waren diese beiden Institutionen von Anfang an dabei. Der damalige Leiter der Deutschen Journalistenschule, Uli Brenner, hatte die Idee, dass wir dem Ganzen einen „catchy title“ geben, eben „Bildkorrekturen“. Ich bin dann vor elf Jahren an die Otto-Friedrich-Universität Bamberg gegangen und es war klar: Wir machen es von Bamberg aus weiter. Also waren dann die Universität Bamberg, die LMU München und die deutsche Journalistenschule dabei. Ein paar Studierende hatten sich bei dem Verein „Nachwuchsjournalisten in Bayern“ engagiert, der war schon seit 2004 mit dabei. Die Deutsche Welle Akademie kam durch eine große Konferenz dazu, auf der ich einen Vortrag über unsere Tagung gehalten hatte. Die Kolleginnen aus Bonn fanden die Idee toll und haben gefragt ob sie auch mitmachen können. Seit 2011 ist die DW-A nun Teil unseres Teams. Die Universität Leipzig beziehungsweise das dortige Institut für Kommunikationswissenschaft kam dann 2016 als bislang letzte unserer Partnerinstitutionen über „Engagement Global Mitteldeutschland“ dazu.

Prof. Dr. Behmer bei seiner Begrüßung zur Bildkorrekturen-Konferenz 2019

Prof. Dr. Behmer bei der Begrüßung der Teilnehmenden auf der Bildkorrekturen-Konferenz 2019 in Leipzig
© Christiane Fritsch

Wie findet sich jedes Jahr eine geeignete Location für die Konferenz, die sich ja auch über die Jahre stetig vergrößert hat?

Am Anfang war die geeignete Location ganz nahe liegend und einfach. Die Vorgängereinrichtung von „Engagement Global“, InWEnt, hatte ein eigenes Tagungsgebäude in Tutzing am Starnberger See. Das war toll, weil da alle übernachten konnten und die Location nicht so weit von München entfernt war. Dort haben wir dann zehn Mal die Bildkorrekturen veranstaltet.

Zwischenzeitlich waren wir einmal in München und auch einmal in Bamberg an der Universität, was allerdings ein riesiger logistischer Aufwand war. Da „Engagement Global Mitteldeutschland“ in Leipzig sitzt, war es naheliegend, die Konferenz dort zu veranstalten. In Leipzig mussten wir uns – oder vielmehr die Kolleginnen von Engagement Global vor Ort – leider fast jedes Jahr neue Veranstaltungsräume suchen. 2015 und 2016 konnten wir im Zeitgeschichtlichen Forum mitten in der Innenstadt tagen. 2018 waren wir in einem Gymnasium und dieses Jahr sind wir hier im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Wie wird das ganze finanziert? Location, Unterbringung der Studierenden und Verpflegung?

Die Konferenz ist eine sehr teure Angelegenheit, vor allem die Unterbringungen, das Mieten der Location, die Verpflegung vor Ort und natürlich die Flüge und ein kleines Honorar für die internationalen Gäste. Bisher ist es immer gelungen, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für unsere Konferenz zu gewinnen. Es gibt noch einen weiteren Finanzier, das ist der „Deutsche Akademische Austauschdienst“, der Teile der Kosten von der Deutschen Welle Akademie, vor allem deren Reise- und Unterbringungskosten übernimmt. Auch die einzelnen Universitäten beteiligen sich. Die Universität Bamberg übernimmt zum Beispiel den Großteil der Fahrkosten für die Bamberger Studierenden. Da wir öffentliche Gelder ausgeben, stehen wir in der Verantwortung, auch etwas Sinnvolles zu leisten. Alle Partner machen das zwar ehrenamtlich, ein reines Freizeitvergnügen ist es aber nicht, sondern eine seriöse entwicklungspolitische und wissenschaftliche Veranstaltung mit ganz eigenem didaktischen Profil.

Wer entscheidet eigentlich über die Themen?

Auch das ist jedes Mal wieder ein spannender Prozess, der nicht ganz einfach ist, weil wir inzwischen ein so großes Vorbereitungsteam geworden sind. Noch auf der Leipziger Tagung haben wir uns das erste Mal darüber unterhalten, welches Thema wir nächstes Jahr nehmen könnten.

„Normalerweise sagt man ja, nach der Tagung ist vor der Tagung. Das stimmt in dem Fall nicht ganz. Noch während der Tagung ist vor der nächsten Tagung.“

Die Vorbereitung für die nächste Konferenz beginnt immer, sobald die aktuelle Konferenz abgeschlossen ist. Wir stimmen uns dazu in monatlichen Telefonkonferenzen genauer ab. Für die nächste Konferenz sind zwei Themen in der engeren Wahl, nämlich Ernährung und Gesundheit – und immer natürlich der doppelte Fokus auf bestimmte Regionen im globalen Süden und darauf, wie darüber berichtet wird.

Die Bildkorrekturen-Konferenz zeichnet sich auch durch seine internationalen Gäste aus, aber wer kümmert sich darum diese zu gewinnen?

Bei unseren regelmäßigen Telefonkonferenzen einigen wir uns darauf, welche der Institutionen sich um welchen Schwerpunkt kümmert. Wir haben immer mindestens zwei oder drei regionale Schwerpunkte, wie zum Beispiel in diesem Jahr Brasilien, Bosnien-Herzegowina und Vietnam. Im letzten Jahren haben sich die Kolleginnen und Kollegen in Bamberg darum gekümmert, Expertinnen und Experten für die Panels zu Vietnam zu finden. Das Ziel ist es dabei immer Expertinnen und Experten aus dem entsprechenden Land für das Thema zu gewinnen. Das können deutsche Auslandskorrespondentinnen und -korrespondeten sein, die darüber berichten oder Journalistinnen und Journalisten aus den jeweiligen Ländern.

Sie sind jetzt schon 18 Jahre dabei, sogar als Gründer von Anfang an, was ist bei dem ganzen organisatorischen Aufwand der Reiz immer noch jedes Jahr zur Bildkorrekturen-Konferenz zu fahren?

„Es klingt vielleicht pathetisch oder banal: Es macht schlichtweg Spaß.“

Ich fahre gerne mit Studierenden auf Exkursionen, ich rede gern mit den Leuten aus aller Herren und Frauen Ländern, aus „Einer Welt“, das finde ich einfach toll. Und für mich ist es auch die Gelegenheit, Leute einzuladen, die ich sonst nicht so leicht einladen könnte. Auch die Idee, der EntwicklungszusammenarbeitUnter Entwicklungszusammenarbeit wird der gemeinsame Versuch der sogenannten Entwicklungs- und Industrieländer bezeichnet, die weltweiten wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Unterschiede zu überwinden. Entwicklungszusammenarbeit oder auch Entwicklungshilfe umfasst zur näheren Erläuterung die Begriffe Entwicklungsland, Dritte Welt, Least Developed Countries (LDC), Brand Kommission, Brundlandt-Kommussion und Gruppe der 77., den Gedanken „We are one world“ zu stärken, gefällt mir!

Prof. Dr. Behmer im Gespräch mit Sudierenden auf der Bildkorrekturen-Konferenz 2019 in Leipzig

Prof. Dr. Behmer im Gespräch mit Studierenden auf der Bildkorrekturen-Konferenz 2019 in Leipzig
© Christiane Fritsch

„Sensibilisierung für Probleme auf unserer Welt und Aufmerksamkeit für unsere privilegierte Situation zu schaffen, ist eine journalistische Aufgabe.“

Außerdem ist es eine super Möglichkeit zu zeigen, wie man in diesem Bereich arbeitet. Eine große Freude ist es dann natürlich, wenn Expert*innen zur Konferenz kommen, die zuvor als Studierende teilgenommen haben. Und natürlich ist die Konferenz eine fantastische Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und zu „networken“, da entstehen durchaus Freundschaften oder mindestens schöne kollegiale Kontakte fürs Leben.

Was ist ihre Vision für die Zukunft der Bildkorrekturen-Konferenz? Wohin soll es vielleicht noch gehen?

Die allgemeine Hoffnung ist, dass die Konferenz weiterbestehen wird. Meine persönliche Hoffnung ist es, dass die Veranstalterrunde mich vielleicht auch noch in 10 oder 15 Jahren dabei haben möchte, wenn ich schon pensioniert bin. Eine kleine Utopie war schon lange, dass wir die Tagung nicht unbedingt in Bamberg, München oder Leipzig machen, sondern in Mostar, Rabat oder irgendwo anders auf dieser Welt und noch mehr öffnen für die internationale Community. So könnten wir noch direkter den Austausch mit den Leuten aus dem globalen Süden suchen, über die wir ja vielfach reden.

„Es gibt so viele spannende Themen, uns werden die Ideen bestimmt nicht ausgehen.“

Ich hoffe auch, dass es immer Studierende gibt, die Lust daran haben, an der Konferenz mitzuwirken. Genauso wichtig ist es natürlich, dass auch künftig engagierte Dozentinnen und Dozenten an der Vorbereitung und Durchführung mitwirken. Aber da mache ich mir keine Sorgen.

Entwicklung der Konferenz seit der Gründung

  • 2001

    Teilnehmende Institutionen: Institut für Kommunikationswissenschaft der LMU und Deutsche Journalistenschule
    Veranstalter: InWEnt.
    Veranstaltungsort: Tutzing

  • 2004

    Neuer Partner: Nachwuchsjournalisten in Bayern e.V.

  • 2011

    Neuer Partner: Deutsche Welle Akademie

  • 2012

    Neuer Veranstalter: Engagement Global Süddeutschland (Sitz in Stuttgart)

  • 2013

    Veranstaltungsort: München

  • 2014

    Veranstaltungsort: Bamberg

  • 2015

    Neuer Veranstalter: Engagement Global Mitteldeutschland (Sitz in Leipzig)
    Veranstaltungsort seit 2015: Leipzig
    Neuer Partner: Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Leipzig