„Der Urwald brennt“ Auslandberichterstattung über die Waldbrände in Brasilien

Von Anne Baum

Ein Unterziel der Agenda 2030 ist der Schutz von Weltnaturerben und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen. Die Tagesschau gehört zu den reichweitenstärksten Nachrichtensendungen in Deutschland. Wie und zu welchem Anlass wird in der Tageschau und auf Tageschau.de über den Amazonas-Regenwald berichtet? Welche Rolle spielen hierbei die SDG der Agenda 2030 und die Umsetzung der SDGs in Gemeinden und Städten?

Es flackert auf den deutschen Bildschirmen. Von der Hitze spüren die Fernsehzuschauer der Tagesschau am 21. August 2019 vor ihren Fernsehgeräten nichts. „Der Urwald brennt“ sagt ARD- Korrespondent Matthias Ebert. Anfang Januar 2019 brachen die ersten Brände im Amazonas-Regenwald aus, im August sprach der brasilianische Bundesstaat Amazon mit der größten Fläche an Regenwald den Klimanotstand aus. Und die Bilder des brennenden Regenwaldes gehen um die Welt.

Der Schutz des Amazonas-Regenwaldes ist in den SDGs verankert

Die nachhaltige Entwicklung von Städten und Kommunen ist im Unterziel des SDG 11 der Agenda festgeschrieben. Hierzu zählt der Schutz von UNESCO-Weltnaturerben. Teile des Amazonas-Regenwaldes gehören zu den UNESCO-Weltnaturerben. Auch in SDG 15 verpflichten sich die Vereinten Nationen zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Landökosystemen. Der Schutz des Amazonas-Regenwaldes ist wichtig für eine nachhaltige Entwicklung und Umsetzung der vereinbarten Entwicklungsziele. Gemäß der UNESCO gehören zu Weltnaturerben geologische und physiografische Erscheinungsformen, Naturstätten und Naturgebilde, die einen universellen Wert besitzen und deshalb besonders schützenswert sind. Das Regenwaldgebiet im Nationalpark Jaú wurde 2000 zum Weltnaturerbe erklärt und ist nach dem Nationalpark Tumucumaque der zweitgrößte Nationalpark Brasiliens. Nicht der gesamte Amazonas-Regenwald liegt in Brasilien, jedoch mit einem Flächenanteil von rund 60 Prozent der größte Flächenanteil. Der Amazonas-Regenwald gilt als die grüne Lunge der Welt. Wie ist das mediale Echo?

Die Brände im Amazonas-Gebiet- 2019 ein wichtiges Thema

„Inferno im Regenwald“ oder „Feuer im Amazonas-Regenwald: Brasilien setzt Militär gegen Brände ein“ (beide August 2019) titelt die Tagesschau. Der Amazonas-Regenwald ist 2019 ein häufiges Thema in der Tagesschau und auf Tageschau.de. Im Jahr 2019 werden 218 Berichte veröffentlicht, die unter dem Stichwort Amazonas-Regenwald zu finden sind, im Jahr 2018 gerade einmal sieben, 2017 sind es 12. Im Jahr 2017 befasst sich lediglich ein Bericht mit dem Titel „Bergbau-Freigabe: „Verbrechen gegen Amazonas-Urwald“ (8.2017) ausführlich mit der grünen Lunge des Planeten. Ein Vergleich über eine dreijährige Jahrespanne der Berichte zeigt: Es wird nur dann über den Amazonas-Regenwald berichtet, wenn dieser durch Zerstörung gefährdet ist. Seit dem Beginn der Brände im Januar 2019 häuft sich die Berichterstattung über den Amazonas-Regenwald. Die Brände im Amazonas-Regenwald gehören jetzt zu den tagesaktuellen Nachrichten. Zum Tagesgeschäft der Journalisten der Tagesschau gehört aus der Flut der Nachrichten die relevantesten herauszufiltern, denn nicht jede Nachricht kann es in die Tagesschau schaffen. Sie müssen die Bedeutsamkeit, Wirkungsintensität, Aktualität und NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren." eines Ereignisses in Bezug auf die Zielgruppe abwägen. Je größer und bedeutsamer das Ausmaß der Zerstörung ist, desto häufiger und detaillierter wird über das bedrohte Ökosystem berichtet. So ist es nicht verwunderlich, dass es die Brände Amazonas-Gebietes auf die heimischen Bildschirme der Tagesschau schaffen. Wenn die grüne Lunge der Welt brennt, handelt es sich nicht mehr um einen lokalen Brandherd. Das Feuer und der Verlust der CO2-bindenden Bäume hat Auswirkungen auf das Weltklima und betrifft somit die Bürger in Deutschland. Auch vernichtet der Brand die Bäume im Regenwald unwiederbringlich. Es ist eine scheinbar logische Folge, dass die Berichterstattung über die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes nach den Bränden und der drohenden Zerstörung zunimmt. Aber ist dem wirklich so? Oder gibt es noch andere Gründe warum der Amazonas-Regenwald in den Medien präsent ist?

Meldung auf Tagesschau.de, 23.08.2019.

„Die Waldbrände müssen im Kontext der letzten zehn Jahre gesehen werden“

Zeitsprung und Ortswechsel nach Leipzig. Das diesjährige Thema der Bildkorrekturen ist die Agenda 2030 mit dem Schwerpunkt auf der Umsetzung der SDGs in Gemeinden und Städte. In den verschiedenen Panels sind Journalisten und Experten aus verschiedenen Nationen geladen. Im Brasilien-Panel sitzt Frau Dr. Stausberg vor dem Podium. „Die Waldbrände wurden politisch aufgeblasen und müssen im Kontext der letzten zehn Jahre gesehen werden“, sagt Dr. Stausberg, „Bolivien hat sehr viel mehr Brände.“ Die 72-jährige Journalistin Dr. Stausberg gilt als Expertin für Lateinamerika. Sie berichtete etwa für die FAZ als Auslandskorrespondentin und war Ressortleiterin für Außenpolitik bei der Welt. Eine Analyse der Artikel zeigt: Rund zwei Drittel der Berichte über die Waldbrände thematisieren die Politik des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro. Bolsonaro, so ein Artikel aus dem ARD-Hauptstadtstudio Anfang Juli 2019, hält vom Klimaschutz wenig und seit seinem Amtsantritt hat sich die Vernichtung des Regenwaldes beschleunigt. Die neu gewonnene Fläche wolle er als landwirtschaftliche Nutzfläche verwenden. Im selbigen Artikel wird der Entwicklungsminister Gerd Müller zitiert: „Zerstören wir den Regenwald, zerstören wir das Klima.“ Laut einem anderen Tageschau-Artikel (8.2019) kurz vor dem G7-Gipfel lehnt es die Bundesregierung ab das Mercosur-Abkommen, einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, zu blockieren. Inwiefern die Berichterstattung der Tagesschau über die vorherigen Brände im Amazonas-Gebiet unterscheidet, bedarf dem Vergleich über einen längeren Zeitraum. Was eine Untersuchung der Berichterstattung der Tageschau jedoch offenlegt ist: Der brennende Amazonas- Regenwald wird in Brasilien verortet, andere südamerikanische Staaten mit Brandherden wie Südamerika bilden allenfalls eine Randnotiz. Die Betrachtung der Berichte der Tagesschau in den letzten drei Jahren über den Amazonas-Regenwald zeigt: die Waldbrände in Brasilien sind ein komplexes Thema, das weit über die Berichterstattung über ein Brandunglück hinausgeht. Verschiedene politische Akteure und unterschiedliche Interessengruppen müssen betrachtet werden. Dieser Artikel kann diese nur anschneiden. Zu Beginn dieses Jahres zeigt die Tagesschau wieder Videos von Feuerbrünsten. Der Busch in Australien brennt.

Die Umsetzung der SDGs bedeutet mehr als die Erfüllung politischer Zielsetzungen

Zurück ins Brasilien-Panel. Frau Dr. Stausberg ist nicht nur Journalistin, sondern auch Vorsitzende des Vereines Förderverein Städtepartnerschaft Rio de Janeiro – Köln e.V. Seit 2011 ist Rio de Janeiro Partnerstadt der Rheinmetropole Köln. Köln und Rio de Janeiro, zwei Städte, die zusammenpassen. Die Städte und Kommunen spielen in der Berichterstattung über die Waldbrände in Amazonas-Regenwaldgebiet der Tagesschau keine Rolle. Die Waldbrände sind ein nationaler, nicht nur lokaler Konflikt. Zwischen brasilianischen und deutschen Städten gibt es sechs Partnerschaften. Köln und Rio de Janeiro wollen die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Kommunen ausbauen. Gemeinsam- auch für die Klimapolitik. Sie sind es, die durch Projekte die Ziele der Agenda 2030 umsetzen und somit die SDG in das Bewusstsein der Bürger rücken. Mit dem Erfolg der Projekte zwischen den Partnerstädten und in den Städten und Kommunen selbst wird auch mediale Präsenz kommen. Vielleicht nicht in der Tagesschau, aber im Kölner Stadt-Anzeiger. Der Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung kann mehr bedeuten als die Erfüllung von politischen Zielsetzungen. In Köln feierten sie vor einigen Jahren wie jedes Jahr zur fünften Jahreszeit Karneval. Das Motto: „Fastelovend em Blot – he un am Zuckerhot“ zu hochdeutsch: „Fastnacht im Blut -hier und am Zuckerhut“.