Immer mehr Straßen Europas sind geprägt von kleinen, in den Boden eingelassenen Bronzetafeln. Auf ihnen eingraviert: Die Lebens- und Verfolgungsdaten von Opfern des Holocaust. Sind Stolpersteine eine würdige Form der Erinnerung? Was steckt hinter den kleinen Bronzekästen?

„Ein Projekt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhält“.

So beschreibt die offizielle Webseite das Projekt Stolpersteine, das für einige Personen zur Lebensaufgabe geworden ist und zur Erinnerung an vertriebene und getötete Menschen kleine Messingtafeln auf Steinen in den Boden europäischer Städte betoniert.
Auf Straßen, Gehwegen und Plätzen in ganz Europa wurden mittlerweile über siebzigtausend Stolpersteine verlegt. Entstanden ist eines der größten nichtzusammenhängenden Denkmäler der Welt zu werden. Kein Teil des Denkmals ist die Stadt München. Dort werden die Steine bisher nur an privaten Orten verlegt, zu groß ist der Gegenwind für das Projekt.
Dieser Podcast der LMU München und der Deutschen Journalistenschule zeichnet den Weg eines Stolpersteins nach, von der Idee, der Initiative mit den dazugehörigen Hürden bis hin zur abschließenden Verewigung im Boden. Außerdem werden am Beispiel der Stadt München Stimmen für und gegen diese Form der Erinnerungskultur gegenübergestellt. Dafür besuchten wir im November 2018 eine Stolperstein-Verlegung in Leipzig und sprachen mit dem „Vater des Projekts“, dem Künstler Gunter Demnig, sowie mit Familienangehörigen der Opfer, mit Initiatoren einzelner Steine und mit Passanten. In München sprachen wir mit der israelitischen Kultusgemeinde, deren Präsidentin Charlotte Knobloch erklärte Gegnerin des Konzepts der Stolpersteine ist. Für die Vertonung einiger Aussagen Knoblochs danken wir Sprecherin Paula Lochte sehr herzlich.
Die Recherchen und Bemühungen um diesen Podcast fanden im Rahmen der Konferenz Bildkorrekturen mit dem Thema Peacebuilding, Commemorative Culture and Development. The Journalists‘ Contribution to Conflict Resolution, in Leipzig statt.

Ein Projekt von Manuel Andre, Johannes Holbein, Sebastian Roßberger und Lukas Waschbüsch

Fotografie: Tim Kipphan