„Nachhaltige Mode darf nicht nachhaltig aussehen“

Slow, ökologisch, fair: Wenn es um fair produzierte Mode geht, haben viele Konsumenten noch immer das Bild von langweiligen Öko-Kleidern im Kopf. Designerin Friederike von Wedel-Parlow und Bloggerin Antonia Wille von amazed erklären, warum nachhaltige Modeunternehmen im Blogger- und Influencergeschäft hinterherhinken.

Antonia Wille präsentiert bei amazed ein Fair FashionGrundsätzlich ist Kleidung dann fair, wenn die Menschen, die sie herstellen, selbstbestimmt agieren, grundlegende Rechte haben, von Ihrer Arbeit leben können und durch diese Arbeit keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Geregelte Arbeitszeiten, Rechtssicherheit, Vermeidung von Kinderarbeit und keine Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse oder Herkunft sind die Basis einer fairen Produktion. Die aufwändigere Herstellung fairer Mode hat im Verkauf einen etwas höheren Preis zur Folge. T-Shirt von Reformation mit einem Blazer der High-Speed Marke Mango. Foto: Antonia Wille / amazed.com

„Für 2018 nehmen wir uns vor, noch öfter auch unter dem Jahr an unsere Mitmenschen zu denken, Hilfe anzubieten und vor allen Dingen auch unseren Modekonsum weiter zu reduzieren und mit Bedacht zu kaufen. Das funktioniert nicht immer, aber immer öfter – und wie ihr wisst: Jeder kleine Schritt zählt!“

Diese Gedanken macht sich Antonia Wille, eine der drei Gründerinnen des erfolgreichen Münchner Modeblogs amazed in einem Instagram-Post kurz vor Neujahr. „Wir stellen immer mal wieder faire Labels vor, um unsere User zu sensibilisieren und um sie auf coole, faire Labels aufmerksam zu machen“. Einzelne Fair FashionGrundsätzlich ist Kleidung dann fair, wenn die Menschen, die sie herstellen, selbstbestimmt agieren, grundlegende Rechte haben, von Ihrer Arbeit leben können und durch diese Arbeit keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Geregelte Arbeitszeiten, Rechtssicherheit, Vermeidung von Kinderarbeit und keine Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse oder Herkunft sind die Basis einer fairen Produktion. Die aufwändigere Herstellung fairer Mode hat im Verkauf einen etwas höheren Preis zur Folge. Teile von kleinen Münchner Labels oder von bekannten Firmen wie hessnatur kombinieren die Bloggerinnen mit Fast FashionDer Begriff Fast Fashion beschreibt die extreme Dynamik, die die Modeindustrie in den letzten Jahrzehnten erfasst hat. Waren früher zwei Kollektionen im Jahr üblich, so bringen Modehäuser heute bis zu zwölf Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Die Hersteller müssen immer schneller produzieren und die Kleidungsstücke verlieren gleichzeitig ebenso schnell an Attraktivität. Stücken in Outfit-Postings. Dabei sind die Autorinnen von amazed immer wieder erstaunt über die Resonanz der Leser: „Faire Labels kommen extrem gut an. Die Leser sind froh, wenn man ihnen faire Sachen an die Hand gibt. Vor allem, wenn man ihnen gute Alternativen im Basic-Bereich wie T-Shirts und Pullover zeigt. Gerade bei diesen Teilen sind die Leute dann bereit, Geld auszugeben.“

Die Vermittlung eines bewussten Konsumverhaltens ist auch die Agenda von Friederike von Wedel-Parlow, Gründerin des Beneficial Design Instituts und ehemalige Professorin des Studiengangs „Sustainability in Fashion“ an der Esmod Berlin. In Zusammenarbeit mit FEMNET e.V. und mit der finanziellen Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit gab sie im April letzten Jahres den Fair Fashion GuideDer Fair Fashion Guide bietet VerbraucherInnen eine Hilfestellung für den nachhaltigen Konsum von Mode. Er beinhaltet Informationen zur Textilherstellung, Kleiderpflege, Up-Cycling, Kundenempowerment und zu verschiedenen Umwelt- und Sozialsiegeln. Außerdem präsentieren Models nachhaltige und faire Mode. Das Booklet erschien 2017 und ist einer Online- oder Printversion erhältlich. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstütze das Projekt finanziell. heraus, einen ästhetisch anspruchsvollen Guide für fair produzierte Mode. „Wir wollten versuchen, die Leute genau da abzuholen, wo sie sind, also Fashion-Konsumenten mit ihren Lese- und Sehgewohnheiten. Wir wollten sie herübertragen in das Feld der Fair FashionGrundsätzlich ist Kleidung dann fair, wenn die Menschen, die sie herstellen, selbstbestimmt agieren, grundlegende Rechte haben, von Ihrer Arbeit leben können und durch diese Arbeit keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Geregelte Arbeitszeiten, Rechtssicherheit, Vermeidung von Kinderarbeit und keine Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse oder Herkunft sind die Basis einer fairen Produktion. Die aufwändigere Herstellung fairer Mode hat im Verkauf einen etwas höheren Preis zur Folge.“, sagt von Wedel-Parlow, die für ihren Guide viel positives Feedback bekommen hat.

„Die Schnitte sehen oft aus wie von 1980“

Auch die Münchner Bloggerin Antonia Wille ist sich sicher: Es gibt eine große Nachfrage an fairer Mode. Für amazed würde es sich anbieten, öfter mit fairen Labels zu kooperieren. Allerdings tut sich das Blog-Unternehmen schwer, geeignete Partner zu finden. „Das große Problem ist, dass nachhaltige Mode oftmals nach NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren." aussieht.“ Meist seien nur wenige einzelne Teile aus Kollektionen passend für Blogeinträge. „Die Sachen dürfen nicht nach „öko“ oder Schnitten von 1980 aussehen. Ich verstehe es oftmals nicht, dass sich niemand von den fairen Labels einen Designer von Inditex oder H&M ins Haus holt.“

http:// www.fairfashionguide.de/ #section2

Der Fair Fashion GuideDer Fair Fashion Guide bietet VerbraucherInnen eine Hilfestellung für den nachhaltigen Konsum von Mode. Er beinhaltet Informationen zur Textilherstellung, Kleiderpflege, Up-Cycling, Kundenempowerment und zu verschiedenen Umwelt- und Sozialsiegeln. Außerdem präsentieren Models nachhaltige und faire Mode. Das Booklet erschien 2017 und ist einer Online- oder Printversion erhältlich. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstütze das Projekt finanziell. von Friederike von Wedel-Parlow gibt Tipps für bewusstes Shopping und stellt nachhaltige Labels vor. Foto: Regina Steffens

Designer sind teuer, das Budget fairer Labels oft gering. Modern und aufwendig geschnittene nachhaltige Mode hat deshalb oftmals ihren Preis. „Eine schöne, faire Jeans eines kleinen Labels kostet gerne mal 500 Euro. Die kann ich unseren Lesern nicht vorstellen, denn die kann sich kaum wer leisten.“ An Geld fehlt es nachhaltigen Modeunternehmen auch oft für Marketing. „Viele nachhaltige Labels stecken ihr Geld lieber in faire Löhne, Entwicklungsarbeit, gute Materialien und Transparenz, als in teure Kooperationen mit Influencern“, meint von Wedel-Parlow.

Für die Modefrau Wille ist jedoch ein niedriges Budget keine Ausrede. Gerade in Sozialen Netzwerken, die man günstig bespielen kann, lägen nachhaltige Marken zurück. „Die Kanäle sind oft sehr öko-angehaucht, sehr bunt, wenig ästhetisiert, wenig von dem, wonach Mode-Menschen heute eben auswählen. Da versagen die Labels.“

Die Story steckt im Produkt

Doch gerade hier erkennt die Bloggerin eine Chance: Haben kleine Marken verstanden, wie Ästhetik heute funktioniert und sie dem Kunden nicht bloß ein Produkt, sondern auch einen Lifestyle verkaufen, steigen Followerzahlen und Verkäufe enorm an. „Ich glaube, es würde funktionieren, wenn man zeigen könnte wie toll und schön Fair FashionGrundsätzlich ist Kleidung dann fair, wenn die Menschen, die sie herstellen, selbstbestimmt agieren, grundlegende Rechte haben, von Ihrer Arbeit leben können und durch diese Arbeit keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Geregelte Arbeitszeiten, Rechtssicherheit, Vermeidung von Kinderarbeit und keine Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse oder Herkunft sind die Basis einer fairen Produktion. Die aufwändigere Herstellung fairer Mode hat im Verkauf einen etwas höheren Preis zur Folge. ist, welche Konzepte und Stories dahinter stecken. Bei nachhaltig produzierter Kleidung muss man sich keine Story ausdenken. Sie steckt im Produkt“, meint auch von Wedel-Parlow.

Den Vorteil gegenüber Fast FashionDer Begriff Fast Fashion beschreibt die extreme Dynamik, die die Modeindustrie in den letzten Jahrzehnten erfasst hat. Waren früher zwei Kollektionen im Jahr üblich, so bringen Modehäuser heute bis zu zwölf Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Die Hersteller müssen immer schneller produzieren und die Kleidungsstücke verlieren gleichzeitig ebenso schnell an Attraktivität. Marken, dem Konsumenten ein gutes Gefühl durch nachhaltige, fairen Produktion zu geben, haben kleine Marken, fern von Armed Angels und hessnatur, bis jetzt allerdings wenig ausgenutzt. „Es würde viele Leute vielleicht sogar stolz machen, faire Mode zu tragen“, vermutet Wille.

Influencer wollen sich mit dem guten Image nachhaltiger Mode identifizieren

Hier knüpft sich für kleine Labels eine zweite Chance an: Influencer und Blogger ins Boot  holen. Auch dabei ist für Wille das Budget-Problem keine Entschuldigung. „Es gibt immer mehr Blogger, die sich über bewusstes Leben und faire Mode Gedanken machen und wissen, dass es ihre Abonnenten interessiert.“ Eine Kooperation mit nachhaltigen Modemarken färbt auch auf den Charakter eines Blogs oder Instagram-Kanals ab: „So eine Zusammenarbeit kann total richtungsweisend sein“, weiß das amazed-Team. „Es ist ja auch Imagebildung für uns.“

Deshalb würden viele Blogger auch ohne Bezahlung mit kleinen Marken kooperieren. Auch, wenn Blogs wie amazed zu unbezahlten Partnerschaften bereit sind, wünschen sie sich einen Partner, der den gleichen Stil fährt wie sie selbst. Ästhetik und einen coolen Lifestyle sind das, was Influencer und Blogger wollen – und faire Labels brauchen.