Wenn Secondhandkleidung das Überleben sichert "Ich war schockiert, dass es in Deutschland Secondhandkleidung gibt" - So erlebt eine geflohene Journalistin den Nachhaltigkeitsgedanken in Deutschland

Was in Deutschland zurzeit als Zeichen von NachhaltigkeitNachhaltigkeit gilt als ökonomische oder soziale Entwicklung, die die Folgen der Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft antizipiert und sie von diesen Folgen abhängig macht. In ökonomischer Hinsicht beschreibt das Konzept der Nachhaltigkeit eine Wirtschaftsweise, Gewinne bereits sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften, anstatt diese erst in Umwelt- und Sozialprojekte zu reinvestieren." der Trend unter „Hipstern“ ist, ist für die Menschen in Uganda der normalste Weg, um in den Besitz von Textilien zu gelangen: Secondhandkleidung. Das galt auch für Lillian Ikulumet, 36, die in Uganda geboren und aufgewachsen ist. 2011 kam sie nach Deutschland – und wurde überrascht.

Wie denken die Menschen in Uganda über die importierte Secondhandkleidung aus Europa?

Lillian Ikulumet: In Uganda denken die Menschen nicht an den Hintergrund der Mode. Das hat einen ganz einfachen Grund: Dort ist es wichtig, überhaupt genug Geld zusammen zu bekommen, um angezogen zu sein. Weil die meisten Menschen in Uganda sehr arm sind, ist es ganz normal, so günstig wie möglich auf Flohmärkten einzukaufen. Dass die Kleidungsstücke aus Deutschland oder anderen Ländern kommen, ist den Menschen bewusst. Wenn sich die Gedanken aber ausschließlich darum drehen, dass die Kinder genug Kleidung zum Anziehen haben, interessiert es erst einmal nicht, woher die Textilien kommen oder geschweige denn, wo sie produziert wurden.

Ist Nachhaltige Mode ein Thema in den Medien Ugandas?

Lillian Ikulumet: Auch in den Medien wird wenig darüber berichtet, wo die Kleidung herkommt, in welchen Fabriken sie produziert wurde oder wie hoch eine Person entlohnt wird, die in den Fabriken arbeitet. Das wird sicherlich auch so bleiben, solange es darum geht, überhaupt bekleidet zu sein. Eher wird ab und an darüber berichtet, inwieweit der Anbau von Baumwolle eine Auswirkung auf die Umwelt hat.

 

„In Uganda geht es darum, überhaupt                                             genügend Kleidung zum Anziehen zu haben“

 

Wie war Ihr erster Eindruck über die Mode in Deutschland?

Lillian Ikulumet: Als ich in Deutschland angekommen bin, war ich zunächst schockiert darüber, dass es auch hier Secondhandkleidung und Flohmärkte gibt. Ich dachte immer, dass sich in einem so wohlhabenden Land jeder Mensch Kleidung aus erster Hand kauft. Es war unglaublich für mich, dass Menschen über die Produktion der Textilien nachdenken und sich deshalb Kleidung aus zweiter Hand kaufen.

Was für einen Eindruck hat die Bildkorrekturen-Konferenz bei Ihnen hinterlassen?

Lillian Ikulumet: Die Konferenz hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich frage mich zum Beispiel, woher wohl die Kleidung kommt, die ich gerade trage. Kommt sie aus China, Bangladesch, Deutschland oder Amerika? Wo wurden diese Kleidungsstücke genäht? Und woher kommt die Baumwolle, mit der die Kleidung hergestellt wurde? Kommt sie vielleicht aus Uganda, meinem Heimatland?

 

Lillian Ikulumet

Engagement Global/Bodo Tiedemann

Lillian Ikulumet ist Journalistin. Als sie sich 2011 kritisch zu einem Gesetzesentwurf in Uganda äußerte, der vorsah, dass homosexuelle Menschen mit der Todesstrafe bestraft werden sollten, wurde ihr gedroht: „Übergriffe auf Journalisten sind in Uganda keine Seltenheit“, erklärt die 36-jährige. Trotzdem wollte Sie ihre Leidenschaft nicht aufgeben und sah sich deshalb gezwungen, zu fliehen. In Deutschland studierte sie Medien- und Kommunikationsmanagement. Heute arbeitet sie als freie Mitarbeiterin für die Süddeutsche Zeitung.