Ein Deutscher unter Indern Wie Christoph Kober es schaffte, sich in der Fremde wohl zu fühlen

Der ganze Bus starrt ihn an. Christoph Kober starrt zurück. Er starrt auf die nackten Füße des Fahrers, dann auf das handtellergroße Loch, das der Rost in den Boden des Busses gefressen hat. Das war vor elf Jahren, auf Christoph Kobers erster Reise ins australische Hinterland. Damals war der angehende Journalist Austausch-Student an einer Universität in Manipal, später wurde er Austausch-Journalist bei der Times of India. „In Indien ist vieles einfacher, vieles chaotischer“, sagt Kober. „Man muss sich in das Land erst einfühlen.“ Wie er das geschafft hat, erzählt er im Interview – mit und ohne Worte.

Wie war der erste Tag in der Redaktion der Times of India?

„Der Tag hat erst um 15 Uhr begonnen. Ich wurde sehr freundlich und warm empfangen. Vor 17 Uhr trifft man in der Redaktion aber normalerweise niemanden, denn alle sind tagsüber auf Recherche unterwegs. Dafür geht man erst um 23 Uhr nach Hause. Das Produkt, das dabei am Ende herauskommt, fand ich optisch furchtbar. Das Layout war wahrscheinlich der größte Kulturschock: Sehr wenig Platz, sehr viele Geschichten auf einer Seite. Die Geschichten wiederum sind total zielgruppenorientiert. Der Zeitungsmarkt in Indien ist genauso fragmentiert wie die indische Gesellschaft. Die Times of India ist zum Beispiel für ein gebildetes Publikum und für Leute im Ausland. Die Lebensrealität der Landbevölkerung kommt darin gar nicht vor – höchstens bei Skandalgeschichten, wenn sich zum Beispiel jemand umbringt. Solche Themen, Geschichten über Dörfer und Bauern, übernehmen die regionalen Zeitungen.“

 

Wie sehen die Blicke aus, die Ihnen in Indien auf der Straße begegnen?

„In Indien gibt es zwei Extreme. Es gibt offene Leute, die das Fremde begeistert annehmen, aber genauso viele fremdenfeindliche Menschen. Als Journalist hat das Vor- und Nachteile. Manchmal sind wir sehr leicht ins Gespräch gekommen, weil die Leute mir gerne ihre Meinung mitteilen wollten – oft auch ungefragt. Die finden das natürlich beeindruckend, wenn man 8000 Kilometer weit geflogen ist, um in einem kleinen indischen Dorf jemanden zu interviewen. Manchmal war es für mich als Europäer also sogar leichter. Der Nachteil ist, dass man auffällt wie ein bunter Hund – und zwar wirklich immer. Einfach mal eine Szene beobachten, das geht nicht.“

 

Wie kommen Sie bei indischen Schwiegermüttern an?

„Mit der anderen Hautfarbe und der entfernten Herkunft geht in der indischen Gesellschaft eine gewisse Faszination einher. Wer aus dem Westen kommt, wird vor allem als Sinnbild für Reichtum gesehen – egal ob das jetzt stimmt oder nicht. Deshalb zahlen Europäer bei Rikschafahrten gerne mal den dreifachen Preis. Damit muss man sich abfinden. Es sind ja auch nur kleine Beträge, 50 Cent.“ 

 

Wie sieht es in Indien mit der Pressefreiheit aus?

„Ich denke, dass da die Digitalisierung eine große Chance für Indien ist. Es gibt viele Online-Medien, die als Korrektiv gegen die etablierten Zeitungen wirken und sich in die Berichterstattung einschalten.“ 

 

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